B1

Der Imperativ im Katalanischen

Imperatiu

Dieser Artikel ist Teil des Katalanisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit dem katalanischen Imperativ (imperatiu) formuliert man Aufforderungen, Anweisungen, Einladungen und Verbote. Bejahte Formen lauten etwa canta, beveu und faci; für eine verneinte Aufforderung steht no + Präsens des Subjuntiu: No cantis. Unbetonte Pronomen werden beim bejahten Imperativ angehängt (fes-ho), beim verneinten stehen sie vor dem Verb (no ho facis).

Überblick

Der Imperativ begegnet dir überall: in Gesprächen, Rezepten, Wegbeschreibungen, Bedienungsanleitungen und auf Schildern. Auf B1-Niveau lernst du nicht nur direkte Aufforderungen wie Obre la finestra („Öffne das Fenster“), sondern auch höfliche Formen, Verbote und Verbindungen mit Pronomen.

Anders als im Deutschen gibt es im Katalanischen nicht einfach eine einzige Befehlsform pro Zahl. Die Form richtet sich danach, wen man anspricht: eine vertraute Person (tu), mehrere vertraute Personen (vosaltres) oder jemanden mit vostè/vostès. Vostè und vostès sind die höflichen Anredeformen; grammatisch werden sie wie die dritte Person behandelt. Für „Lasst uns …“ gibt es außerdem die Form mit nosaltres.

Ein zweiter wichtiger Unterschied zum Deutschen betrifft die Verneinung. Im Deutschen wird aus „Sprich!“ einfach „Sprich nicht!“. Im Katalanischen wechselt dabei die Verbform: Parla! wird zu No parlis!. Dafür braucht man den Subjuntiu (eine Verbform für unter anderem Wünsche, Bewertungen und nicht als Tatsache dargestellte Handlungen). Auch wenn du seine übrigen Verwendungen noch nicht sicher beherrschst, solltest du die Formen für Verbote als feste Einheit lernen.

Bildung und Funktion

Welche Personen haben eine Imperativform?

Im normalen Gebrauch sind fünf Anredeformen wichtig:

Angesprochene Person(en) Anrede Beispiel mit parlar Bedeutung
eine vertraute Person tu parla sprich
eine höflich angeredete Person vostè parli sprechen Sie
die eigene Gruppe einschließlich des Sprechers nosaltres parlem sprechen wir / lasst uns sprechen
mehrere vertraute Personen vosaltres parleu sprecht
mehrere höflich angeredete Personen vostès parlin sprechen Sie

Eine Form für die erste Person Singular gibt es nicht: Man kann sich selbst nicht auf dieselbe Weise auffordern wie eine andere Person. Die Anredepronomen werden meist weggelassen, weil die Verbform bereits erkennen lässt, wer gemeint ist. Man sagt also gewöhnlich Seu! und nicht Tu seu!. Ein ausgesprochenes tu oder vosaltres hebt die angesprochene Person besonders hervor oder stellt einen Kontrast her.

Bejahter Imperativ regelmäßiger Verben

Für tu entspricht die Form bei vielen Verben der dritten Person Singular des Präsens: canta, perd, dorm, serveix. Das ist eine nützliche Lernhilfe, aber keine ausnahmslose Bildungsregel. Die Form für vosaltres endet bei regelmäßigen Verben typischerweise auf -eu oder -iu.

Infinitiv tu vostè nosaltres vosaltres vostès
cantar (singen) canta canti cantem canteu cantin
perdre (verlieren) perd perdi perdem perdeu perdin
dormir (schlafen) dorm dormi dormim dormiu dormin
servir (servieren, dienen) serveix serveixi servim serviu serveixin

Die Formen für vostè, nosaltres und vostès stammen aus dem Präsens des Subjuntiu. Bei nosaltres kann die Form eine gemeinsame Aufforderung ausdrücken: Comencem! („Fangen wir an!“). Gerade beim häufigen Verb anar lautet die natürliche Einladung Anem! („Los geht’s!“ oder „Gehen wir!“).

Verneinter Imperativ: no + Subjuntiu

Bei einer negativen Aufforderung stehen alle Personen im Präsens des Subjuntiu. Das gilt auch für tu und vosaltres, deren bejahte Formen sonst anders gebildet werden.

Anrede bejaht verneint
tu Parla més a poc a poc. No parlis tan de pressa.
vostè Passi, si us plau. No passi encara.
nosaltres Entrem. No entrem encara.
vosaltres Obriu la porta. No obriu la finestra.
vostès Esperin aquí. No esperin fora.

Das Wort no steht unmittelbar vor dem Verb oder vor den dazugehörigen Pronomen: No parlis, aber No m'ho diguis. Eine deutsche Form wie „nicht sprechen“ hilft daher bei der katalanischen Formenwahl nicht weiter; lerne am besten immer ein bejahtes und ein verneintes Paar.

Wichtige unregelmäßige Formen

Besonders häufige Verben haben vor allem bei tu Formen, die man als Ganzes lernen sollte:

Infinitiv Imperativ mit tu Deutsche Bedeutung
anar vés geh
dir digues sag
estar estigues sei / bleib
fer fes mach
ser sigues sei
tenir tingues hab
venir vine komm

Auch die übrigen Personen können einen unregelmäßigen Stamm zeigen, weil sie auf dem Subjuntiu beruhen: faci, fem, feu, facin bei fer oder digui, diguem, digueu, diguin bei dir. Die Form für vosaltres kann also einfacher aussehen als die höfliche Form: Feu-ho! gegenüber Faci-ho!

Pronomen: bejaht hinten, verneint vorn

Unbetonte Objektpronomen sind kurze Wörter wie em („mir/mich“), et („dir/dich“), el/la („ihn/sie“) oder ho („es/das“). Ein Objekt ist hier die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet. Beim Imperativ entscheidet die Bejahung oder Verneinung über ihre Stellung:

  • bejaht: Verb + angehängtes Pronomen: Digues-me la veritat.
  • verneint: no + Pronomen + Verb: No em diguis això.

Beim Anhängen werden Bindestriche und Apostrophe nach den katalanischen Schreibregeln gesetzt:

Ohne Pronomen Mit Pronomen Bedeutung
Fes això. Fes-ho. Mach das.
Porta el llibre. Porta'l. Bring das Buch.
Explica això a mi. Explica-m'ho. Erklär mir das.
Renta't les mans. Renta-te-les. Wasch dir die Hände.
Aneu cap allà. Aneu-hi. Geht dorthin.

Bei mehreren Pronomen bleibt die ganze Gruppe am bejahten Imperativ hängen: Dona-me'l („Gib ihn mir“), Fes-m'ho („Mach das für mich / Mach es mir“). In der Verneinung rückt die Gruppe geschlossen vor das Verb: No me'l donis, No m'ho facis. Für den Einstieg genügt es, diese Stellung sicher zu erkennen; die Reihenfolge mehrerer Pronomen ist ein eigenes, umfangreicheres Thema.

Beispiele im Zusammenhang

Katalanisch Deutsch Hinweis
Canta una cançó! Sing ein Lied! vertraute Anrede im Singular
Beveu aigua! Trinkt Wasser! vertraute Anrede im Plural
No parlis tan fort! Sprich nicht so laut! verneint: tu + Subjuntiu
Fes-ho ara! Mach es jetzt! unregelmäßiges fer + angehängtes ho
Tanca la porta, si us plau. Schließ bitte die Tür. Bitte an eine vertraute Person
Passi i segui, senyora Puig. Kommen Sie herein und setzen Sie sich, Frau Puig. höflicher Singular
Esperin un moment, si us plau. Warten Sie bitte einen Moment. höflicher Plural
Anem a prendre un cafè! Gehen wir einen Kaffee trinken! gemeinsame Aufforderung
No entrem encara; és massa aviat. Gehen wir noch nicht hinein; es ist zu früh. verneinte gemeinsame Aufforderung
Digues-me quan arribes. Sag mir, wann du ankommst. Pronomen nach bejahtem Imperativ
No m'ho diguis ara. Sag es mir jetzt nicht. Pronomen vor verneintem Imperativ
Aneu-hi amb compte. Geht vorsichtig hin. hi verweist auf einen Ort
Vés-te'n a casa i descansa. Geh nach Hause und ruh dich aus. feste Verbindung anar-se'n
No toqueu aquesta pantalla. Berührt diesen Bildschirm nicht. Verbot an mehrere Personen
Serveixi el vi ben fresc. Servieren Sie den Wein gut gekühlt. formelle Anweisung, Singular

Häufige Fehler

1. Nach no die bejahte Form stehen lassen

  • Falsch: No parla tan fort!
  • Richtig: No parlis tan fort!
  • Warum: Der verneinte Imperativ mit tu verlangt den Subjuntiu. Parla ist nur die bejahte Aufforderung.

2. Die tu-Form auf mehrere Personen übertragen

  • Falsch: Beu aigua, nens!
  • Richtig: Beveu aigua, nens!
  • Warum: Mehrere vertraut angeredete Personen stehen mit vosaltres. Bei beure lautet die Form beveu.

3. Die höfliche Anrede wie tu behandeln

  • Falsch: Passa, senyora Roca.
  • Richtig: Passi, senyora Roca.
  • Warum: Vostè verwendet die Form der dritten Person im Subjuntiu. Passa passt zur vertrauten Anrede tu.

4. Das Pronomen beim bejahten Imperativ voranstellen

  • Falsch: Ho fes ara.
  • Richtig: Fes-ho ara.
  • Warum: Beim bejahten Imperativ wird das Pronomen an das Verb angehängt. Vor dem Verb steht es erst in der Verneinung: No ho facis ara.

5. Das Pronomen in der Verneinung anhängen

  • Falsch: No diguis-me això.
  • Richtig: No em diguis això.
  • Warum: Nach no steht das Pronomen vor der Verbform. Zugleich richtet sich die Form des Pronomens nach seiner Funktion: em bedeutet hier „mir“.

6. Den Infinitiv als allgemeine Befehlsform verwenden

  • Falsch: Obrir la porta! als direkte Aufforderung an eine Person
  • Richtig: Obre la porta! oder Obriu la porta!
  • Warum: Auf knappen Schildern und in unpersönlichen Anweisungen kommt der Infinitiv vor, etwa No fumar („Rauchen verboten“). In der direkten Anrede verwendet man jedoch normalerweise eine passende Imperativform.

Hinweise zum Gebrauch

Ein grammatisch richtiger Imperativ kann je nach Tonfall freundlich, sachlich oder schroff wirken. Unter Freunden ist Vine! („Komm!“) völlig normal. Gegenüber einer unbekannten Person klingt eine nackte Befehlsform dagegen leicht zu direkt. Si us plau („bitte“) macht eine Aufforderung höflicher: Esperi aquí, si us plau. Je nach Verhältnis hört man auch si et plau bei tu; si us plau ist jedoch sehr verbreitet und nicht auf eine Mehrzahl beschränkt.

Wie im Deutschen kann man eine Bitte indirekter formulieren. Statt Ajudi'm („Helfen Sie mir“) klingt Em podria ajudar? („Könnten Sie mir helfen?“) zurückhaltender. Die Wahl zwischen tu und vostè hängt von Situation, Alter, Region und persönlicher Gewohnheit ab. Eine Eins-zu-eins-Übertragung des deutschen Gegensatzes „du/Sie“ ist deshalb nicht immer möglich, aber vostè ist die sichere grammatische Form für formelle Anrede.

In Rezepten und Anleitungen sind die Formen mit vosaltres häufig, wenn die Leserschaft direkt angesprochen wird: Afegiu-hi la sal i remeneu-ho bé („Gebt Salz dazu und rührt es gut um“). Daneben kommen unpersönliche Formulierungen und Infinitive vor. Auf Verbotsschildern können daher sowohl No entreu („Nicht eintreten“, an mehrere Leser gerichtet) als auch das unpersönliche No entrar stehen.

Über die Grundlagen hinaus

Aufforderungen in der dritten Person

Nicht jede gewünschte Handlung richtet sich direkt an tu oder vosaltres. Mit einer Konstruktion aus que und Subjuntiu kann man eine Aufforderung an eine dritte Person oder einen nachdrücklichen Wunsch ausdrücken: Que entri! („Er/Sie soll hereinkommen!“), Que comenci la festa! („Die Feier soll beginnen!“). Das ist formal kein einfacher Imperativ, erfüllt aber im Gespräch eine ähnliche Funktion.

Auch gute Wünsche stehen oft mit que und Subjuntiu: Que vagi bé! („Alles Gute!“ beziehungsweise wörtlich „Möge es gut gehen“). Solche Wendungen lernst du am besten als feste Ausdrücke.

Nachdruck, Wiederholung und Ton

Durch Wiederholung kann eine Aufforderung ermunternd oder drängend wirken: Vine, vine! („Komm nur!“). Ein vorangestelltes va kann umgangssprachlich antreiben: Va, digues! („Na los, sag schon!“). Hier entscheidet der Tonfall stark über die Wirkung. Für neutrale Situationen sind eine einfache Imperativform und si us plau die sicherere Wahl.

Pronomen können die Schreibung verändern

Sobald Pronomen angehängt werden, muss man nicht nur die Reihenfolge, sondern auch Apostrophe, Bindestriche und gelegentlich die Form des Pronomens beachten: digues-me, porta'l, fes-ho, vés-te'n. Diese Schreibweise ist kein dekorativer Zusatz, sondern Teil der korrekten Form. Beim Hören verschmelzen Verb und Pronomen zudem eng miteinander; deshalb lohnt es sich, sie als eine rhythmische Einheit zu üben.

Katalanisch weist regionale Unterschiede in Aussprache, Anrede und einzelnen Verbformen auf. Die hier dargestellten Formen gehören zum überregionalen Standard und werden in formellen Texten verstanden. Wenn du vor allem mit valencianischen oder balearischen Sprechern lernst, können dir daneben andere gebräuchliche Varianten begegnen.

Übungstipps

  1. Lerne Dreierpaare. Bilde zu jedem neuen Verb eine bejahte tu-Form, eine vosaltres-Form und eine verneinte tu-Form: canta – canteu – no cantis. So prägst du dir den entscheidenden Wechsel zum Subjuntiu ein.
  2. Verschiebe Pronomen bewusst. Sprich immer beide Varianten laut: Fes-ho / No ho facis, Digues-me la veritat / No em diguis res. Markiere dabei, ob das Pronomen hinten oder vorn steht.
  3. Nutze Alltagssituationen. Formuliere zehn kurze Aufforderungen für eine Wegbeschreibung, ein Rezept oder den Arbeitsplatz. Schreibe danach dieselben Sätze für eine andere Anredeform um, etwa von tu zu vosaltres oder vostè.

Verwandte Themen

Voraussetzung

Präsens der katalanischen Verben auf -arA1

Mehr B1-Konzepte

Dieses Konzept in anderen Sprachen

In allen Sprachen vergleichen

Übe Imperatiu auf Katalanisch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Katalanisch · B1 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.

Dieses Konzept üben