Der Subjuntiu Present im Katalanischen
Subjuntiu Present
Dieser Artikel ist Teil des Katalanisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Der Subjuntiu Present ist ein Verbmodus (eine Form, die die Haltung zur Aussage zeigt). Er steht häufig nach que, wenn der Hauptsatz einen Wunsch, Zweifel, ein Gefühl, eine Bewertung oder eine Notwendigkeit ausdrückt: Vull que vinguis – „Ich möchte, dass du kommst.“ Anders als im Deutschen ist er keine gehobene Sonderform, sondern gehört im Katalanischen zur normalen Alltagssprache.
Überblick
Der katalanische subjuntiu wird auf Deutsch meist „Konjunktiv“ genannt. Die Bezeichnung kann jedoch in die Irre führen: Der deutsche Konjunktiv I in Er sagt, er sei müde dient vor allem der indirekten Rede. Der katalanische Subjuntiu Present hat andere Hauptaufgaben. Er stellt eine Handlung nicht einfach als Tatsache dar, sondern als gewünscht, bezweifelt, emotional bewertet, notwendig oder noch nicht verwirklicht.
Meist erscheint er in einem Nebensatz, also in einem Satzteil, der von einem Hauptsatz abhängt. Typisch ist die Struktur Auslöser + que + Subjuntiu: Espero que estiguis bé („Ich hoffe, dass es dir gut geht“). Que allein löst die Form aber nicht aus. Entscheidend ist die Bedeutung des übergeordneten Ausdrucks.
Das Thema wird ungefähr auf B1-Niveau wichtig. Für den Einstieg genügen zwei Fragen: Welche Bedeutung hat der Hauptsatz? und welche Person handelt im Nebensatz? Später kommen feinere Gegensätze hinzu, etwa bekannte gegenüber gesuchten Personen oder tatsächliche gegenüber nur vorgestellten Situationen.
Bildung und Funktionsweise
Regelmäßige Formen
Man bildet den Subjuntiu Present aus dem Verbstamm und besonderen Personalendungen. Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs, etwa parlar („sprechen“), perdre („verlieren“) oder dormir („schlafen“). Das Subjekt bezeichnet, wer handelt; es wird im Katalanischen oft weggelassen, weil die Verbendung die Person erkennen lässt.
| Person | parlar | perdre | dormir |
|---|---|---|---|
| jo | parli | perdi | dormi |
| tu | parlis | perdis | dormis |
| ell/ella/vostè | parli | perdi | dormi |
| nosaltres | parlem | perdem | dormim |
| vosaltres | parleu | perdeu | dormiu |
| ells/elles/vostès | parlin | perdin | dormin |
Bei regelmäßigen Verben auf -ar lauten die Endungen -i, -is, -i, -em, -eu, -in. Viele Verben auf -er/-re und nicht erweiterte Verben auf -ir zeigen im Singular und in der dritten Person Plural ebenfalls ein i. Die Formen von nosaltres und vosaltres können dabei genauso aussehen wie im Präsens Indikativ, der Wirklichkeitsform für neutral dargestellte Tatsachen: parlem, parleu; perdem, perdeu; dormim, dormiu. Erst der Satzbau macht dann klar, welcher Modus gemeint ist.
Viele Verben auf -ir gehören zur sogenannten erweiterten Gruppe. Bei ihnen erscheint in bestimmten Personen -eix-:
| Person | servir („dienen“) |
|---|---|
| jo | serveixi |
| tu | serveixis |
| ell/ella/vostè | serveixi |
| nosaltres | servim |
| vosaltres | serviu |
| ells/elles/vostès | serveixin |
Ob ein Verb wie dormir oder wie servir gebildet wird, muss man mit dem Verb lernen. Hilfreich ist deshalb, bei neuen Verben nicht nur den Infinitiv, sondern auch die erste Person des Präsens und eine Subjuntiu-Form zu notieren.
Schreibänderungen halten den Laut stabil
Vor den Endungen mit i ändert sich gelegentlich die Schreibung, damit die Aussprache erhalten bleibt:
| Infinitiv | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| tocar | toqui | Vull que toquis aquesta cançó. |
| pagar | pagui | Cal que pagui avui. |
| començar | comenci | Espero que comenci aviat. |
| menjar | mengi | És important que mengi bé. |
Das sind keine zusätzlichen Bedeutungen, sondern Rechtschreibanpassungen. Besonders häufig begegnen c → qu, g → gu, ç → c und j → g vor i.
Häufige unregelmäßige Verben
Einige sehr gebräuchliche Verben haben einen veränderten Stamm. Diese Formen lohnen sich als feste Reihen:
| Infinitiv | jo | tu | nosaltres | ells/elles |
|---|---|---|---|---|
| ser | sigui | siguis | siguem | siguin |
| estar | estigui | estiguis | estiguem | estiguin |
| anar | vagi | vagis | anem | vagin |
| tenir | tingui | tinguis | tinguem | tinguin |
| venir | vingui | vinguis | vinguem | vinguin |
| fer | faci | facis | fem | facin |
| poder | pugui | puguis | puguem | puguin |
| voler | vulgui | vulguis | vulguem | vulguin |
| saber | sàpiga | sàpigues | sapiguem | sàpiguen |
Die Tabelle zeigt die besonders aussagekräftigen Personen. Dazwischen folgt meist das erkennbare Muster: estigui, estiguis, estigui, estiguem, estigueu, estiguin. Bei saber ist auch der Akzent wichtig: sàpiga, aber sapiguem.
Die wichtigsten Auslöser
Wunsch, Bitte und Einfluss
Verben wie voler („wollen“), demanar („bitten, verlangen“), preferir („bevorzugen“) und recomanar („empfehlen“) führen zum Subjuntiu, wenn eine Person auf das Handeln einer anderen einwirkt:
- Vull que vinguis. – Ich möchte, dass du kommst.
- Et demano que m'escoltis. – Ich bitte dich, mir zuzuhören.
- La metgessa recomana que descansis. – Die Ärztin empfiehlt dir, dich auszuruhen.
Handelt in beiden Satzteilen dieselbe Person, verwendet man meist den Infinitiv statt que + Subjuntiu: Vull venir („Ich möchte kommen“), nicht Vull que vingui mit derselben gemeinten Person.
Gefühl und persönliche Bewertung
Freude, Bedauern, Angst oder Überraschung bewerten einen Sachverhalt subjektiv:
- M'alegra que siguis aquí. – Ich freue mich, dass du hier bist.
- Em sap greu que no pugueu venir. – Es tut mir leid, dass ihr nicht kommen könnt.
- Tinc por que plogui. – Ich fürchte, dass es regnet.
Der Nebensatz kann dabei durchaus etwas Tatsächliches bezeichnen. Der Subjuntiu bedeutet also nicht automatisch „unwirklich“; hier markiert er die emotionale Perspektive.
Zweifel, Verneinung und Sicherheit
Dubtar que („bezweifeln, dass“) und verneinte Meinungsäußerungen wie no crec que („ich glaube nicht, dass“) stehen gewöhnlich mit Subjuntiu:
- Dubto que ho sàpiga. – Ich bezweifle, dass er oder sie es weiß.
- No crec que tinguin temps. – Ich glaube nicht, dass sie Zeit haben.
Eine bejahte, als sicher dargestellte Feststellung nimmt dagegen den Indikativ: Crec que tenen temps („Ich glaube, dass sie Zeit haben“), És clar que funciona („Es ist klar, dass es funktioniert“). Maßgeblich ist somit nicht das Wort que, sondern der Grad an Behauptung oder Zweifel.
Notwendigkeit, Möglichkeit und Bewertung
Unpersönliche Ausdrücke haben kein konkret genanntes handelndes Subjekt im Hauptsatz. Häufige Muster sind:
- cal que – es ist nötig, dass
- és important que – es ist wichtig, dass
- és possible que – es ist möglich, dass
- convé que – es ist ratsam, dass
Beispiele: Cal que estudiem més („Wir müssen mehr lernen“) und És possible que arribin tard („Es ist möglich, dass sie spät ankommen“).
Zweck mit perquè
Perquè hat zwei verschiedene Funktionen. Bedeutet es „weil“, folgt gewöhnlich der Indikativ und der Grund wird als Tatsache angegeben: No surto perquè plou („Ich gehe nicht hinaus, weil es regnet“). Bedeutet es „damit“, nennt es ein beabsichtigtes Ziel und verlangt den Subjuntiu: T'ho explico perquè ho entenguis („Ich erkläre es dir, damit du es verstehst“).
Beispiele im Zusammenhang
| Katalanisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Vull que vinguis demà. | Ich möchte, dass du morgen kommst. | Wunsch; verschiedene handelnde Personen |
| Espero que estiguis bé. | Ich hoffe, dass es dir gut geht. | Hoffnung |
| Cal que estudiem més. | Wir müssen mehr lernen. | unpersönliche Notwendigkeit |
| Dubto que ho sàpiga. | Ich bezweifle, dass er oder sie es weiß. | Zweifel; ho bedeutet hier „es“ |
| M'alegra que hàgiu trobat pis. | Ich freue mich, dass ihr eine Wohnung gefunden habt. | Gefühl; zusammengesetzte Subjuntiu-Form |
| No crec que aquesta botiga obri avui. | Ich glaube nicht, dass dieses Geschäft heute öffnet. | verneinte Annahme |
| És possible que el tren arribi tard. | Möglicherweise kommt der Zug zu spät. | Möglichkeit |
| La professora demana que fem silenci. | Die Lehrerin bittet uns, leise zu sein. | Aufforderung |
| T'ho escric perquè no ho oblidis. | Ich schreibe es dir auf, damit du es nicht vergisst. | Zweck |
| Parla més a poc a poc perquè tothom t'entengui. | Sprich langsamer, damit dich alle verstehen. | Zweck mit perquè |
| Quan arribis a casa, truca'm. | Ruf mich an, wenn du zu Hause ankommst. | zukünftiger, noch nicht eingetretener Zeitpunkt |
| Busquem algú que parli alemany. | Wir suchen jemanden, der Deutsch spricht. | gesuchte, noch nicht bestimmte Person |
| Encara que plogui, hi anirem. | Auch wenn es regnet, werden wir hingehen. | angenommener Umstand |
| Potser arribarà més tard. | Vielleicht kommt er oder sie später. | potser steht hier mit Indikativ, nicht mit Subjuntiu |
Häufige Fehler
Den deutschen Konjunktiv I übertragen
- Falsch: Diu que sigui cansat.
- Richtig: Diu que està cansat.
- Warum: Eine neutrale indirekte Aussage nach diu que steht im Indikativ. Der katalanische Subjuntiu ist nicht die normale Form der indirekten Rede wie der deutsche Konjunktiv I.
Nach jedem que den Subjuntiu setzen
- Falsch: Sé que tinguis raó.
- Richtig: Sé que tens raó.
- Warum: Saber stellt den Inhalt hier als Tatsache dar. Que verbindet nur die Satzteile; es ist selbst kein Auslöser.
Bei gleichem Subjekt unnötig einen Nebensatz bilden
- Unnatürlich für die gemeinte Aussage: Vull que vingui („Ich möchte, dass er oder sie kommt“), wenn man selbst kommen möchte.
- Richtig: Vull venir.
- Warum: Bei derselben handelnden Person steht nach voler normalerweise der Infinitiv. Que + Subjuntiu signalisiert hier eine andere Person.
Wunschformen mit dem Indikativ bilden
- Falsch: Espero que estàs bé.
- Richtig: Espero que estiguis bé.
- Warum: Eine Hoffnung nach esperar que verlangt den Subjuntiu; außerdem ist estar unregelmäßig.
Perquè immer als „weil“ verstehen
- Falsch: Tanco la finestra perquè no entra fred bei der Bedeutung „damit keine Kälte hereinkommt“.
- Richtig: Tanco la finestra perquè no entri fred.
- Warum: Ein Zweck steht mit Subjuntiu. Nur der als Tatsache genannte Grund nimmt normalerweise den Indikativ.
Nach potser automatisch den Subjuntiu verwenden
- Falsch: Potser vingui demà als neutrale Standardsprache.
- Richtig: Potser vindrà demà oder Potser ve demà.
- Warum: Potser („vielleicht“) wird im Standardgebrauch üblicherweise mit dem Indikativ verbunden. Nicht jedes Zeichen von Unsicherheit verlangt für sich allein den Subjuntiu.
Hinweise zum Gebrauch
Der Subjuntiu Present ist weder besonders förmlich noch selten. Formen wie que vagi bé („alles Gute“, wörtlich etwa „möge es gut gehen“) oder que tinguis un bon dia („hab einen schönen Tag“) gehören ganz selbstverständlich zum Alltag. Auch Wünsche, Ratschläge und höfliche Einwirkungen kommen ohne ihn kaum aus.
Die Wahl zwischen Indikativ und Subjuntiu vermittelt oft eine Bedeutungsnuance. Conec una persona que parla alemany bezeichnet eine bekannte, konkrete Person. Busco una persona que parli alemany beschreibt dagegen jemanden, der erst noch gefunden werden soll. Ähnlich steht nach encara que der Indikativ eher bei einer als tatsächlich bekannten Lage, der Subjuntiu dagegen bei einer angenommenen oder für die Entscheidung unerheblichen Möglichkeit.
Bei den regionalen Standardvarietäten gibt es Formenunterschiede. Besonders im Valencianischen begegnen bei der ersten Konjugation beispielsweise cante, cantes, cante statt canti, cantis, canti; auch Formen wie perda statt perdi sind gebräuchlich. Solche Varianten sind nicht „schlechtes Katalanisch“. Für das aktive Lernen sollte man zunächst das Paradigma der eigenen Lernvarietät konsequent verwenden und die anderen Formen passiv erkennen können.
Über die Grundlagen hinaus: feinere Verwendungsweisen
Zukünftiges nach Zeitkonjunktionen
Nach quan („wenn, sobald“), fins que („bis“) oder abans que („bevor“) steht der Subjuntiu, wenn ein Ereignis in der Zukunft noch aussteht: Quan acabis, avisa'm („Sag mir Bescheid, wenn du fertig bist“). Bei einer Gewohnheit oder wiederholten Tatsache steht dagegen der Indikativ: Quan acaba de treballar, va a córrer („Wenn er mit der Arbeit fertig ist, geht er laufen“).
Das ist für Deutschsprachige ungewohnt: Im Deutschen kann in beiden Fällen Präsens stehen. Man sollte daher nicht die deutsche Verbform übersetzen, sondern fragen, ob der Zeitpunkt regelmäßig beziehungsweise faktisch ist oder erst noch eintreten soll.
Unbestimmte oder nicht vorhandene Bezugspersonen
In Relativsätzen, also Satzteilen, die eine Person oder Sache näher beschreiben, kann der Modus zeigen, wie konkret diese Person oder Sache ist:
- Tenim una guia que parla català. – Wir haben eine Reiseführerin, die Katalanisch spricht.
- Necessitem una guia que parli català. – Wir brauchen eine Reiseführerin, die Katalanisch spricht.
- No hi ha ningú que ho pugui fer. – Es gibt niemanden, der das tun kann.
Der Indikativ beschreibt die bekannte Person; der Subjuntiu formuliert eine Anforderung oder eine nicht vorhandene Möglichkeit.
Gegenwart, Vorzeitigkeit und Zeitenfolge
Der Subjuntiu Present kann sich auf die Gegenwart oder auf eine zukünftige Handlung beziehen: Vull que ho facis ara/demà („Ich möchte, dass du es jetzt/morgen tust“). Für eine bereits abgeschlossene Handlung gibt es den Perfet de Subjuntiu mit haver und Partizip (einer Verbform wie fet, „gemacht“): Espero que hagi anat bé („Ich hoffe, dass es gut gelaufen ist“).
Hängt der Nebensatz von einem Hauptverb in der Vergangenheit ab, wird häufig der Imperfekt des Subjuntiu benötigt: Volia que vinguessis („Ich wollte, dass du kommst“). Diese Zeitenfolge gehört zum nächsten Lernschritt; wichtig ist zunächst der Kontrast Vull que vinguis gegenüber Volia que vinguessis.
Verneinte Befehle und selbstständige Wunschformen
Der Subjuntiu Present dient außerdem als Form für verneinte Befehle: No parlis tan fort! („Sprich nicht so laut!“), No hi aneu! („Geht nicht hin!“). In der höflichen Anrede und in Wunschformeln kann er ebenfalls ohne einen ausgesprochenen Hauptsatz stehen: Passi, passi! („Kommen Sie herein!“), Que descansis! („Erhol dich gut!“). Die Form bleibt dieselbe; nur ihre Funktion im Satz erweitert sich.
Übungstipps
- Lerne Auslöser als vollständige Bausteine. Notiere nicht nur voler, sondern vull que + Subjuntiu; nicht nur important, sondern és important que + Subjuntiu. So prägt sich die Satzstruktur zusammen mit der Bedeutung ein.
- Bilde Kontrastpaare. Vergleiche etwa Crec que ve mit No crec que vingui, Ho faig perquè és necessari mit Ho faig perquè m'ajudis sowie Vull venir mit Vull que vinguis. Der Unterschied zwischen Tatsache, Zweck und Wunsch wird dadurch hörbar.
- Trainiere zuerst häufige unregelmäßige Formen. Sprich kurze Reihen laut: sigui–siguis–sigui–siguem–sigueu–siguin und vingui–vinguis–vingui–vinguem–vingueu–vinguin. Setze danach jede Form in einen alltagstauglichen Satz.
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