A2

Genitiv und Dativ im Rumänischen

Cazurile Genitiv și Dativ

Dieser Artikel ist Teil des Rumänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Genitiv und Dativ haben im Rumänischen bei Substantiven dieselben Formen, erfüllen aber verschiedene Aufgaben: Der Genitiv bezeichnet meist Zugehörigkeit, der Dativ meist einen Empfänger oder Adressaten. Typisch sind -lui im männlichen und sächlichen Singular, -i im weiblichen Singular und -lor im Plural: băiatului, fetei, copiilor.

Überblick

Ein Kasus oder Fall zeigt, welche Aufgabe ein Wort im Satz übernimmt. Der Genitiv beantwortet meist die Frage „wessen?“: casa vecinului bedeutet „das Haus des Nachbarn“. Der Dativ bezeichnet häufig das indirekte Objekt (die Person oder Sache, die etwas erhält oder an die sich eine Handlung richtet): Dau fetei o carte – „Ich gebe dem Mädchen ein Buch.“

Im Deutschen erkennt man diese Fälle oft an vorangestellten Artikeln wie „des“, „der“ oder „dem“. Im Rumänischen steht der bestimmte Artikel dagegen gewöhnlich am Ende des Substantivs (des Hauptworts): Aus băiat „Junge“ wird băiatul „der Junge“ und im Genitiv/Dativ băiatului. Die beiden Fälle sehen gleich aus; ihre Bedeutung ergibt sich aus dem Satzbau und dem übergeordneten Wort oder Verb.

Das Grundmuster gehört zum Niveau A2. Für den Einstieg reichen drei Leitformen: băiatului für männliche und sächliche Wörter im Singular, fetei für weibliche Wörter im Singular und copiilor für alle Geschlechter im Plural. Einige Einzelheiten – etwa Stammwechsel, Pronomen und der Genitivartikel al/a/ai/ale – machen das System später vollständiger.

So funktioniert es

Zwei Funktionen, eine gemeinsame Form

Vergleiche dasselbe Wort in beiden Funktionen:

  • Genitiv: cartea fetei – „das Buch des Mädchens“
  • Dativ: Dau fetei cartea. – „Ich gebe dem Mädchen das Buch.“

fetei ist formal gleich. Im ersten Satz hängt es vom Substantiv cartea ab und nennt die Besitzerin. Im zweiten hängt es vom Verb dau „ich gebe“ ab und nennt die Empfängerin.

Bestimmte Substantive im Singular

Bei bestimmten Substantiven wird die Fallendung zusammen mit dem nachgestellten bestimmten Artikel gebildet.

Geschlecht Grundform Nominativ/Akkusativ bestimmt Genitiv/Dativ bestimmt Bedeutung
männlich băiat băiatul băiatului des/dem Jungen
männlich vecin vecinul vecinului des/dem Nachbarn
männlich auf -e frate fratele fratelui des/dem Bruders
sächlich oraș orașul orașului der Stadt
sächlich muzeu muzeul muzeului des/dem Museum(s)
weiblich fată fata fetei des/dem Mädchen(s)
weiblich mamă mama mamei der Mutter
weiblich carte cartea cărții des/dem Buch(es)

Für männliche und sächliche Wörter ist -ului das wichtigste Muster. Bei Wörtern auf -e tritt oft die Form -elui auf: frate → fratelui, câine → câinelui.

Beim weiblichen Singular hilft eine andere Merkhilfe: Man nimmt meist den Stamm der Pluralform und fügt den bestimmten Artikel -i an.

Singular unbestimmt Plural unbestimmt Genitiv/Dativ Singular bestimmt
fată fete fetei
mamă mame mamei
carte cărți cărții
floare flori florii

Darum genügt es nicht immer, einfach ein -i an die Nennform anzuhängen. Wer die Pluralform zusammen mit dem Substantiv lernt, kann auch den weiblichen Genitiv/Dativ leichter bilden.

Bestimmte Substantive im Plural

Im Plural gilt für alle Geschlechter im Kern dasselbe Muster: Pluralform + -lor.

Singular Plural Genitiv/Dativ Plural bestimmt Bedeutung
băiat băieți băieților der/den Jungen
fată fete fetelor der/den Mädchen
copil copii copiilor der/den Kinder(n)
carte cărți cărților der/den Bücher(n)
oraș orașe orașelor der/den Städte(n)

Die deutsche Übersetzung kann je nach Funktion verschieden aussehen: jucăriile copiilor heißt „die Spielsachen der Kinder“, aber Le dau copiilor apă heißt „Ich gebe den Kindern Wasser“.

Unbestimmte Formen: unui, unei, unor

Wenn von „einem“, „einer“ oder nicht näher bestimmten mehreren Personen oder Dingen die Rede ist, steht der Fallartikel vor dem Substantiv.

Zahl und Geschlecht Artikel Beispiel Deutsch
männlich/sächlich Singular unui unui vecin eines/einem Nachbarn
weiblich Singular unei unei fete eines/einem Mädchen
Plural, alle Geschlechter unor unor prieteni einiger/einigen Freunden

Nach unei steht das weibliche Substantiv in seiner besonderen Genitiv-/Dativform, die meist wie der unbestimmte Plural aussieht: unei fete, unei cărți, unei femei. Adjektive (Eigenschaftswörter) passen sich ebenfalls an: unui băiat bun, unei fete bune, unor oameni amabili.

Dasselbe Muster erscheint bei anderen Begleitwörtern:

  • acestui student – „dieses/diesem Studenten“
  • acestei profesoare – „dieser Lehrerin“
  • acestor copii – „dieser/diesen Kindern“

Der Genitiv: Zugehörigkeit und nähere Bestimmung

Die normale Reihenfolge lautet Besitzgegenstand + Besitzer. Der Besitzer steht also hinter dem Wort, das näher bestimmt wird:

  • cartea băiatului – „das Buch des Jungen“
  • ușa casei – „die Tür des Hauses“
  • programul muzeului – „das Programm des Museums“

Anders als im Deutschen braucht man kein zusätzliches Wort für „von“. Auch ein Apostroph wie beim deutschen umgangssprachlichen Namens-s gehört hier nicht hin.

Ist das erste Substantiv unbestimmt oder steht zwischen ihm und dem Genitiv eine weitere Bestimmung, verwendet man häufig den Genitivartikel al, a, ai, ale. Er richtet sich nicht nach dem Besitzer, sondern nach dem Besitzgegenstand:

Besitzgegenstand Genitivartikel Beispiel Deutsch
männlich Singular al un prieten al Mariei ein Freund Marias
weiblich Singular a o carte a profesorului ein Buch des Lehrers
männlich Plural ai doi colegi ai fratelui meu zwei Kollegen meines Bruders
weiblich/sächlich Plural ale cheile noi ale vecinei die neuen Schlüssel der Nachbarin

Die Formen al/a/ai/ale tragen also eine sichtbare Übereinstimmung mit dem besessenen Wort. Für einfache A2-Sätze ist zunächst cartea profesorului das wichtigste Muster; die Genitivartikel sollte man aber früh erkennen können.

Der Dativ: Empfänger und Adressat

Typische Dativverben sind a da „geben“, a spune „sagen“, a trimite „schicken“, a arăta „zeigen“ und a oferi „anbieten“. Das direkte Objekt (was gegeben, gesagt oder gezeigt wird) bleibt davon getrennt:

  • Dau fetei o carte. – Empfängerin: fetei; gegebener Gegenstand: o carte
  • Profesorul explică elevilor regula. – Adressaten: elevilor; erklärter Inhalt: regula

Sehr häufig wird ein Dativ, besonders bei Personen, zusätzlich durch ein kurzes Dativpronomen angekündigt oder wiederaufgenommen: Îi dau fetei o carte. Dieses Dativ-Doubling macht im Deutschen keine wortgetreue Entsprechung nötig; natürlich übersetzt heißt der Satz weiterhin „Ich gebe dem Mädchen ein Buch.“

Person Unbetonte Kurzform Betonte Form Beispiel
mir îmi / mi- mie Îmi spune adevărul.
dir îți / ți- ție Îți trimit mesajul.
ihm/ihr îi / i- lui / ei Îi dau cheia.
uns ne / ni- nouă Ne arată orașul.
euch/Ihnen vă / vi- vouă / dumneavoastră Vă ofer cafea.
ihnen le / li- lor Le scriu părinților.

Die Variante mit Bindestrich erscheint in bestimmten Verbverbindungen: I-am spus mamei – „Ich habe es der Mutter gesagt“, Ți-am trimis fotografia – „Ich habe dir das Foto geschickt“. Betonte Formen werden besonders bei Kontrast verwendet und normalerweise durch die Kurzform ergänzt: Mie îmi place cafeaua, iar lui îi place ceaiul – „Mir gefällt Kaffee, ihm dagegen Tee.“

Beispiele im Kontext

Rumänisch Deutsch Hinweis
cartea băiatului das Buch des Jungen bestimmter männlicher Genitiv
casa vecinului das Haus des Nachbarn Zugehörigkeit
Ușa casei este deschisă. Die Tür des Hauses ist offen. weiblicher Genitiv casei
Programul muzeului începe la zece. Das Programm des Museums beginnt um zehn. sächliches Substantiv
Acestea sunt jucăriile copiilor. Das sind die Spielsachen der Kinder. Genitiv Plural auf -lor
O prietenă a Mariei locuiește aici. Eine Freundin Marias wohnt hier. Genitivartikel a
Dau fetei o carte. Ich gebe dem Mädchen ein Buch. Dativ als Empfänger
Îi spun mamei. Ich sage es meiner Mutter. Kurzform und voller Dativ
Profesorul explică elevilor regula. Der Lehrer erklärt den Schülern die Regel. Dativ Plural
Le oferim copiilor apă. Wir bieten den Kindern Wasser an. le passt zum Plural
Am trimis unui coleg documentul. Ich habe einem Kollegen das Dokument geschickt. unbestimmter männlicher Dativ
I-am cumpărat unei prietene un cadou. Ich habe einer Freundin ein Geschenk gekauft. unbestimmter weiblicher Dativ
Cui îi dai cheia? Wem gibst du den Schlüssel? Fragewort cui
Îi dau cheia lui Andrei. Ich gebe Andrei den Schlüssel. Personenname mit lui
Mie îmi place cafeaua. Mir gefällt Kaffee. betonte und unbetonte Form zusammen

Häufige Fehler

Die Nennform nach einem anderen Substantiv stehen lassen

  • Falsch: cartea băiatul
  • Richtig: cartea băiatului
  • Warum: Der Besitzer muss im Genitiv stehen. Beim bestimmten männlichen Singular endet die Form gewöhnlich auf -ului.

Beim weiblichen Singular nur -i anhängen

  • Falsch: cartea fatai
  • Richtig: cartea fetei
  • Warum: Der weibliche Genitiv/Dativ baut meist auf der Pluralform auf: fată → fete → fetei. Lerne deshalb fată – fete als Paar.

Nach unei die Grundform verwenden

  • Falsch: Dau cartea unei fată.
  • Richtig: Dau cartea unei fete.
  • Warum: Nach unei steht auch das Substantiv in der Genitiv-/Dativform. Bei vielen weiblichen Wörtern entspricht sie der unbestimmten Pluralform.

Den Genitivartikel an den Besitzer anpassen

  • Falsch: o carte al profesorului
  • Richtig: o carte a profesorului
  • Warum: a richtet sich nach o carte, also nach dem weiblichen Besitzgegenstand, nicht nach dem männlichen Besitzer profesorului.

Singular- und Pluralpronomen verwechseln

  • Falsch: Îi dau copiilor apă.
  • Richtig: Le dau copiilor apă.
  • Warum: îi verweist auf einen Empfänger, le auf mehrere. Der volle Dativ copiilor steht im Plural und verlangt daher in dieser Verdopplung le.

Die deutsche Wortstellung kopieren

  • Falsch: băiatului cartea als neutrale Entsprechung von „des Jungen Buch“
  • Richtig: cartea băiatului
  • Warum: Im neutralen rumänischen Muster steht zuerst der Besitzgegenstand und danach der Besitzer. Eine Voranstellung ist nur in besonderen hervorgehobenen oder stilistischen Strukturen möglich.

Hinweise zum Gebrauch

Bei gewöhnlichen Namen männlicher Personen steht lui vor dem Namen: cartea lui Andrei, Îi scriu lui Mihai. Weibliche rumänische Vornamen haben oft eine gebeugte Form: cartea Mariei, Îi telefonez Anei, camera Ioanei. Vor nicht beugbaren oder fremden Namen kann ebenfalls lui stehen. Für den sicheren Standardgebrauch lohnt es sich, häufige weibliche Namen gleich mit ihrer Form zu lernen.

In lockerer Umgangssprache hört man analytische Konstruktionen mit la, etwa I-am dat la băiat statt standardsprachlich I-am dat băiatului. Auch Besitz kann umgangssprachlich mit la ausgedrückt werden. Beim Schreiben und in gepflegter Standardsprache sind die Genitiv-/Dativformen mit -lui, -i und -lor die bessere Wahl.

Die Verdopplung des Dativs ist im Rumänischen sehr häufig und mit betonten Personalpronomen wie mie oder lui normalerweise erforderlich: Mie îmi place, nicht einfach Mie place. Bei ausgeschriebenen Substantiven hängt ihre Verwendung stärker von Satzbau, Hervorhebung und Stil ab. Für Lernende klingt das Muster Îi dau fetei... / Le spun copiilor... in vielen Alltagssätzen natürlich und bietet zugleich eine hilfreiche Kontrolle von Singular und Plural.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Muster müssen auf A2 noch nicht aktiv beherrscht werden, begegnen einem aber schon früh in Texten und Gesprächen.

Präpositionen und präpositionsähnliche Ausdrücke

Einige Wörter verlangen Genitiv oder Dativ. Ortsangaben wie în fața „vor“, în spatele „hinter“, deasupra „über“ oder înaintea „vor/zeitlich vor“ stehen mit dem Genitiv:

  • în fața casei – „vor dem Haus“
  • în spatele muzeului – „hinter dem Museum“
  • deasupra orașului – „über der Stadt“

Andere Ausdrücke verbinden sich mit dem Dativ, zum Beispiel datorită „dank/aufgrund“, mulțumită „dank“, conform „gemäß“ und contrar „entgegen“:

  • datorită profesorului – „dank des Lehrers“
  • conform regulilor – „gemäß den Regeln“

Welche Form verlangt wird, sollte zusammen mit dem jeweiligen Ausdruck gelernt werden.

Das Frage- und Relativwort cui

Cui? kann sowohl „wessen?“ als auch „wem?“ bedeuten:

  • A cui este cartea? – „Wessen Buch ist das?“
  • Cui îi scrii? – „Wem schreibst du?“

In a cui erscheint wieder der Genitivartikel. Seine Form kann wechseln: al cui frate? „wessen Bruder?“, a cui soră? „wessen Schwester?“, ai cui prieteni? „wessen Freunde?“, ale cui cărți? „wessen Bücher?“.

Mehrere Genitive und mögliche Mehrdeutigkeit

Längere Folgen sind grammatisch möglich: ușa casei vecinului kann „die Tür des Hauses des Nachbarn“ bedeuten. Solche Ketten werden jedoch schnell schwer verständlich. Im natürlichen Stil hilft oft eine Umformulierung, etwa mit einem neuen Satz oder einer klareren Wortgruppe. Auch Possessivformen wie meu, tău, său können Mehrdeutigkeiten vermeiden: cartea fratelui meu – „das Buch meines Bruders“.

Übungstipps

  1. Lerne drei Formen pro Substantiv. Notiere zum Beispiel fată – fete – fetei und băiat – băieți – băiatului. Besonders bei weiblichen Wörtern verhindert die Pluralform viele Fehler.
  2. Bilde Genitiv-Dativ-Paare. Verwende dieselbe Form einmal für Besitz und einmal als Empfänger: cartea profesorului und Îi dau profesorului cartea. So prägt sich ein, dass die Form gleich, die Funktion aber verschieden ist.
  3. Kontrolliere Dativpronomen nach der Zahl. Sprich Reihen wie Îi spun mamei und Le spun părinților laut. Markiere dabei gedanklich „eine Person“ gegenüber „mehreren Personen“.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Nominativ und Akkusativ – erklärt Subjekt und direktes Objekt, die sich vom Empfänger im Dativ unterscheiden.
  • Als Nächstes: Der Vokativ – zeigt besondere Formen für die direkte Anrede.

Voraussetzung

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