B1

Subjonctif présent im Französischen

Subjonctif Présent

Dieser Artikel ist Teil des Französisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Der subjonctif présent steht meist in einem Nebensatz mit que, wenn der Hauptsatz einen Wunsch, eine Notwendigkeit, ein Gefühl, einen Zweifel oder eine Wertung ausdrückt: Il faut que tu viennes. Die regelmäßigen Endungen lauten -e, -es, -e, -ions, -iez, -ent. Anders als der deutsche Konjunktiv dient diese Form nicht in erster Linie der indirekten Rede.

Überblick

Der subjonctif ist ein Modus, also eine Verbform, mit der die sprechende Person ihre Haltung zum Geschehen zeigt. Der Indikativ stellt etwas eher als Tatsache oder sichere Information dar; der subjonctif erscheint dagegen besonders dann, wenn etwas gewünscht, verlangt, bezweifelt, gefürchtet oder bewertet wird. Das Wort présent bezeichnet die Form. Zeitlich kann sie sich je nach Zusammenhang auf Gegenwart oder Zukunft beziehen.

Auf B1-Niveau begegnet der subjonctif présent vor allem in Konstruktionen wie il faut que, vouloir que, être content que, bien que und pour que. Häufig gibt es zwei Satzteile mit unterschiedlichen Subjekten: Je veux que tu viennes – ich will etwas, aber du sollst kommen. Ist das Subjekt in beiden Teilen gleich, verwendet man nach vielen Ausdrücken stattdessen den Infinitiv: Je veux venir – „Ich möchte kommen.“

Für Deutschsprachige ist vor allem die Funktion ungewohnt. Im Deutschen sagt man oft ganz selbstverständlich „Ich möchte, dass du kommst“ oder „Es ist nötig, dass er geht“; am Verb im Nebensatz erkennt man keinen besonderen Modus. Im Französischen muss an derselben Stelle jedoch häufig eine eigene subjonctif-Form stehen. Umgekehrt wird der französische subjonctif normalerweise nicht einfach mit einem deutschen Konjunktiv übersetzt.

Bildung und Funktionsweise

Die Endungen

Für viele Verben nimmt man den Stamm der dritten Person Plural im Präsens des Indikativs, entfernt also -ent, und fügt die Endungen des subjonctif an.

Person Endung parler finir
que je -e parle finisse
que tu -es parles finisses
qu’il/elle/on -e parle finisse
que nous -ions parlions finissions
que vous -iez parliez finissiez
qu’ils/elles -ent parlent finissent

Bei parler lautet die Präsensform ils parlent. Ohne -ent bleibt parl-: que je parle, que nous parlions. Bei finir ergibt ils finissent den Stamm finiss-: que tu finisses.

Vor einem Vokal wird que zu qu’: qu’il parte, qu’elle arrive. Das vorangestellte que gehört nicht zur Verbform selbst, macht aber in Tabellen und beim Lernen sichtbar, dass es sich um einen untergeordneten Satz handelt.

Ein Stamm oder zwei Stämme?

Die Kurzregel mit der ils-Form funktioniert vollständig bei vielen regelmäßigen Verben. Zahlreiche häufige Verben haben aber zwei Stämme:

  • Für je, tu, il/elle/on und ils/elles dient meist die ils-Form des Indikativs als Grundlage.
  • Für nous und vous dient meist die entsprechende Präsensform des Indikativs ohne -ons beziehungsweise -ez als Grundlage.
Indikativ als Ausgangspunkt Subjonctif von venir Subjonctif von prendre
ils viennent / ils prennent que je vienne que je prenne
que tu viennes que tu prennes
qu’il vienne qu’elle prenne
nous venons / nous prenons que nous venions que nous prenions
vous venez / vous prenez que vous veniez que vous preniez
ils viennent / ils prennent qu’ils viennent qu’elles prennent

Daher heißt es nicht que nous viennions, sondern que nous venions. Weitere verbreitete Verben mit einem solchen Wechsel sind boire (boive-/buv-), devoir (doive-/dev-), recevoir (reçoive-/recev-) und tenir (tienne-/ten-).

Auch bei Verben auf -ier oder mit einem Stamm auf i bleiben die Endungen -ions und -iez erhalten. Zwei i können deshalb direkt nebeneinanderstehen: que nous étudiions, que vous riiez. Das sieht ungewöhnlich aus, ist aber korrekt.

Wichtige unregelmäßige Verben

Einige besonders häufige Verben lassen sich nicht zuverlässig allein aus der ils-Form ableiten. Diese Formen sollte man als ganze Reihen lernen.

Person être avoir aller
que je/j’ sois aie aille
que tu sois aies ailles
qu’il/elle/on soit ait aille
que nous soyons ayons allions
que vous soyez ayez alliez
qu’ils/elles soient aient aillent
Person faire pouvoir savoir
que je fasse puisse sache
que tu fasses puisses saches
qu’il/elle/on fasse puisse sache
que nous fassions puissions sachions
que vous fassiez puissiez sachiez
qu’ils/elles fassent puissent sachent

Hinzu kommen einige sehr häufige Sonderformen. Vouloir lautet veuille, veuilles, veuille, voulions, vouliez, veuillent. Das unpersönliche falloir kommt praktisch nur als qu’il faille vor: Il faut qu’il parte.

Wann steht der Subjonctif?

Entscheidend ist meist nicht das einzelne deutsche Wort, sondern die Bedeutung der gesamten französischen Konstruktion.

Bedeutung Typischer Auslöser Beispiel
Wunsch oder Wille vouloir que, souhaiter que Je souhaite que vous réussissiez.
Notwendigkeit oder Forderung il faut que, exiger que Il faut que nous partions.
Gefühl oder Bewertung être heureux que, regretter que Elle regrette que tu sois absent.
Zweifel oder Möglichkeit douter que, il est possible que Je doute qu’il comprenne.
Zweck, Einräumung, zeitliche Grenze pour que, bien que, avant que Pars avant qu’il pleuve.

Eine nützliche Grundstruktur ist:

Hauptsatz mit Haltung oder Auslöser + que + anderes Subjekt + Subjonctif

Der Indikativ bleibt dagegen bei einer als sicher dargestellten Feststellung üblich: Je sais qu’il vient. – „Ich weiß, dass er kommt.“ Der subjonctif bedeutet jedoch nicht automatisch, dass etwas unwirklich ist. In Je suis ravi que tu sois ici ist die Anwesenheit eine Tatsache; der Nebensatz steht im subjonctif, weil der Hauptsatz sie emotional bewertet.

Beispiele im Kontext

Französisch Deutsch Hinweis
Il faut que tu viennes avant huit heures. Du musst vor acht Uhr kommen. Notwendigkeit; Stamm vienn-
Je veux que tu sois heureux. Ich möchte, dass du glücklich bist. Wunsch; unregelmäßiges être
Nous souhaitons qu’elle réussisse son examen. Wir wünschen ihr, dass sie ihre Prüfung besteht. Wunsch mit zwei Subjekten
Je suis content qu’il aille mieux. Ich bin froh, dass es ihm besser geht. Gefühl; unregelmäßiges aller
Elle regrette que nous ne puissions pas rester. Sie bedauert, dass wir nicht bleiben können. Bewertung; pouvoir
Bien qu’il fasse froid, nous mangeons dehors. Obwohl es kalt ist, essen wir draußen. Einräumung mit bien que
Fermez la fenêtre pour que le bébé dorme. Schließt das Fenster, damit das Baby schläft. Zweck mit pour que
Pars avant qu’il pleuve. Geh, bevor es regnet. avant que verlangt den subjonctif
Je doute qu’ils aient assez de temps. Ich bezweifle, dass sie genug Zeit haben. Zweifel; avoir
Il est possible que le train soit en retard. Möglicherweise hat der Zug Verspätung. Möglichkeit, keine sichere Feststellung
Je cherche quelqu’un qui sache réparer ce vélo. Ich suche jemanden, der dieses Fahrrad reparieren kann. Gesuchte Person ist nicht bestimmt
Quoi que vous décidiez, je vous soutiendrai. Was auch immer Sie entscheiden, ich werde Sie unterstützen. unbestimmte Einräumung

Häufige Fehler

Den Indikativ nach einem festen Auslöser verwenden

  • Falsch: Il faut que tu viens tôt.
  • Richtig: Il faut que tu viennes tôt.
  • Warum: Il faut que drückt eine Notwendigkeit aus und verlangt den subjonctif. Tu viens ist Indikativ, tu viennes ist subjonctif.

Den deutschen Konjunktiv als Entscheidungshilfe nehmen

  • Falsch: Il dit qu’il soit malade.
  • Richtig: Il dit qu’il est malade.
  • Warum: Eine neutrale Aussage oder indirekte Wiedergabe nach dire que steht normalerweise im Indikativ. Dass im Deutschen bei indirekter Rede „er sei krank“ möglich ist, löst im Französischen keinen subjonctif aus.

Bei gleichem Subjekt unnötig einen que-Satz bilden

  • Unnatürlich: Je veux que je parte maintenant.
  • Richtig: Je veux partir maintenant.
  • Warum: Wenn dieselbe Person will und geht, steht nach vouloir gewöhnlich der Infinitiv. Bei verschiedenen Subjekten braucht man que: Je veux que tu partes.

Für alle Personen denselben Stamm verwenden

  • Falsch: Il faut que nous viennions demain.
  • Richtig: Il faut que nous venions demain.
  • Warum: Venir hat im subjonctif présent zwei Stämme: vienn- bei je, tu, il/elle/on, ils/elles, aber ven- bei nous und vous.

Nach espérer que automatisch den Subjonctif setzen

  • Falsch im neutralen Standardsatz: J’espère qu’il puisse venir.
  • Richtig: J’espère qu’il pourra venir.
  • Warum: Bejahendes espérer que wird im heutigen Standardfranzösisch meist mit dem Indikativ verbunden, häufig mit dem Futur. Hoffnung allein ist also kein verlässlicher Auslöser.

Après que wie avant que behandeln

  • Nicht standardsprachlich: Après qu’il soit parti, nous avons fermé la porte.
  • Standardsprachlich: Après qu’il est parti, nous avons fermé la porte.
  • Warum: Nach avant que steht der subjonctif, weil das Ereignis noch aussteht. Après que bezieht sich auf ein als verwirklicht dargestelltes Ereignis und verlangt in der Standardsprache den Indikativ. Im tatsächlichen Sprachgebrauch hört man dennoch oft den subjonctif nach après que.

Hinweise zum Gebrauch

Nicht jedes que verlangt den Subjonctif

Que verbindet lediglich die Satzteile. Der Modus hängt von der vorausgehenden Bedeutung ab:

  • sichere Feststellung: Je sais qu’elle est là.
  • subjektive Wertung: Je suis heureux qu’elle soit là.
  • wahrscheinliche Einschätzung: Il est probable qu’elle viendra.
  • bloße Möglichkeit: Il est possible qu’elle vienne.

Bei penser que und croire que steht im bejahten Aussagesatz gewöhnlich der Indikativ: Je pense qu’il a raison. In verneinten Sätzen und Fragen kann der subjonctif stehen, wenn echter Zweifel im Vordergrund steht: Je ne pense pas qu’il ait raison. Der Indikativ ist je nach gemeinter Sicherheit ebenfalls möglich; hier entscheidet die Haltung der sprechenden Person.

Gegenwart oder Zukunft

Französisch besitzt keinen eigenen „Subjonctif Futur“. Deshalb kann der subjonctif présent auch eine spätere Handlung bezeichnen:

  • Je veux que tu viennes demain. – „Ich möchte, dass du morgen kommst.“
  • Nous partirons avant qu’il fasse nuit. – „Wir werden aufbrechen, bevor es dunkel wird.“

Die Zeitangabe oder der Hauptsatz zeigt, dass die Handlung zukünftig ist.

Aussprache

Bei regelmäßigen Verben klingen mehrere Formen gleich. Que je parle, que tu parles, qu’il parle und qu’ils parlent werden im Wesentlichen gleich ausgesprochen. Die Formen mit nous und vous sind an den gesprochenen Endungen -ions und -iez erkennbar. Beim Lernen sollte man daher Schriftbild und Aussprache zusammen üben, statt nur Endungen auswendig aufzusagen.

Das sogenannte ne explétif

Nach Wendungen wie avant que, à moins que oder nach manchen Ausdrücken der Furcht kann in gehobener Sprache ein ne explétif stehen: Partez avant qu’il ne soit trop tard. Dieses ne ist keine Verneinung; der Satz bedeutet „Gehen Sie, bevor es zu spät ist“, nicht „bevor es nicht zu spät ist“. In der Alltagssprache wird dieses ne häufig weggelassen.

Über die Grundlagen hinaus

Subjonctif in Relativsätzen

Ein Relativsatz (ein Nebensatz, der ein Nomen näher beschreibt) kann den subjonctif enthalten, wenn die bezeichnete Person oder Sache nur gesucht, gewünscht, verneint oder als einzigartig bewertet wird:

  • Je cherche un appartement qui soit calme. – Gesucht wird eine Wohnung mit dieser Eigenschaft; ob sie existiert, ist offen.
  • C’est le meilleur film que j’aie vu cette année. – Nach einem Superlativ wird die Aussage subjektiv bewertet.
  • Il n’y a personne qui puisse nous aider. – Die Existenz einer passenden Person wird verneint.

Ist der Bezug dagegen konkret und bekannt, ist der Indikativ normal: J’ai un appartement qui est très calme.

Zeitverhältnis und subjonctif passé

Der subjonctif présent bezeichnet meist eine gleichzeitige oder spätere Handlung: Je suis content qu’il soit ici. Ist die untergeordnete Handlung bereits abgeschlossen, verwendet man den subjonctif passé: Je suis content qu’il soit venu. Er besteht aus avoir oder être im subjonctif présent und einem Partizip Perfekt (der Verbform wie venu oder fait).

Im modernen Französisch bleibt nach einem Hauptsatz in der Vergangenheit häufig der subjonctif présent stehen, wenn die Handlungen gleichzeitig oder später sind: Je voulais qu’il vienne. Der historische subjonctif imparfait (Je voulais qu’il vînt) wirkt heute literarisch oder bewusst feierlich und gehört nicht zur normalen Alltagssprache.

Selbstständige und feste Verwendungen

Gelegentlich steht der subjonctif in kurzen Wunsch-, Aufforderungs- oder Zugeständnisformeln:

  • Vive la liberté ! – „Es lebe die Freiheit!“
  • Qu’il entre ! – „Er soll hereinkommen!“
  • Soit. – „Also gut.“ / „Einverstanden.“
  • Que Dieu vous bénisse. – „Gott segne Sie.“

Diese Wendungen zeigen, dass der subjonctif nicht auf lange Nebensätze beschränkt ist. Für den aktiven Gebrauch auf B1-Niveau sind Konstruktionen mit einem klaren Auslöser und que jedoch der beste Ausgangspunkt.

Übungstipps

  1. Lerne Auslöser zusammen mit einem ganzen Satz. Statt nur il faut que zu notieren, lerne Il faut que je parte. So speicherst du zugleich Satzbau und Verbform.
  2. Bilde Vierergruppen für Stammwechsel. Sprich etwa je vienne – nous venions – ils viennent – vous veniez. Dadurch prägen sich die beiden Stämme besser ein als in einer rein alphabetischen Verbliste.
  3. Vergleiche jeweils Indikativ und Subjonctif. Stelle Je sais qu’il vient neben Je doute qu’il vienne. Frage dich zuerst: Wird eine Tatsache festgestellt oder eine Haltung wie Zweifel, Wunsch oder Wertung ausgedrückt?

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Regelmäßige Verben auf -ER – liefert die Grundlage für Stämme, Personen und Endungen.
  • Nächster Schritt: Auslöser des Subjonctif – vertieft die Wendungen und Konjunktionen, nach denen der Modus steht.
  • Weiterführend: Subjonctif passé – bezeichnet eine bereits abgeschlossene Handlung in einem Subjonctif-Kontext.
  • Literarische Form: Subjonctif imparfait – eine heute seltene Vergangenheitsform der gehobenen Schriftsprache.

Voraussetzung

Regelmäßige Verben auf -er im FranzösischenA1

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