A1

Reflexivpronomen im Akkusativ im Deutschen

Reflexivpronomen im Akkusativ

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Ein Reflexivpronomen zeigt, dass eine Handlung zum Subjekt zurückführt: In Ich wasche mich handelt ich, und dieselbe Person wird gewaschen. Die Formen lauten mich, dich, sich, uns, euch, sich; bei der höflichen Anrede heißt es ebenfalls sich. Das Pronomen passt immer zur Person des Subjekts.

Überblick

Reflexivpronomen sind kleine Wörter wie mich, dich und sich. Sie verweisen auf das Subjekt zurück, also auf die Person oder Sache, die im Satz handelt. Das lässt sich an Lena kämmt sich erkennen: Lena kämmt nicht eine andere Person, sondern Lena selbst. Das Reflexivpronomen ist hier ein Akkusativobjekt (die Person oder Sache, auf die sich die Handlung direkt richtet).

Dieses Muster begegnet dir schon auf dem Niveau A1. Es ist im Alltag sehr häufig, besonders bei Körperpflege, Tagesabläufen, Gefühlen und Bewegungen: sich waschen, sich anziehen, sich freuen, sich beeilen, sich setzen. Manche Verben werden immer oder fast immer mit einem Reflexivpronomen gebraucht. Andere können sowohl reflexiv als auch nicht reflexiv stehen: Ich wasche mich, aber Ich wasche das Auto.

Weil Deutsch zugleich Erklärungs- und Lernsprache dieses Artikels ist, ist die Form oft vertraut. Wichtig ist aber, das Muster bewusst zu erkennen: Nicht jedes mich oder dich ist reflexiv. In Paul sieht mich bezieht sich mich nicht auf das Subjekt Paul. Erst wenn Subjekt und Pronomen dieselbe Person bezeichnen, liegt ein reflexiver Gebrauch vor.

So funktioniert es

Die Formen

Das Reflexivpronomen richtet sich nach Person und Zahl des Subjekts. Nur in der dritten Person sowie bei der höflichen Anrede gibt es die besondere Form sich. In der ersten und zweiten Person sehen die Formen genauso aus wie die entsprechenden Personalpronomen im Akkusativ.

Person Subjekt Reflexivpronomen Beispiel
1. Person Singular ich mich Ich wasche mich.
2. Person Singular du dich Du wäschst dich.
3. Person Singular er, sie, es sich Er/Sie/Es wäscht sich.
1. Person Plural wir uns Wir waschen uns.
2. Person Plural ihr euch Ihr wascht euch.
3. Person Plural sie sich Sie waschen sich.
höfliche Anrede Sie sich Waschen Sie sich.

Die einfachste Lernregel lautet:

Subjekt + gebeugtes Verb + passendes Reflexivpronomen

  • Ich rasiere mich.
  • Du beeilst dich.
  • Mara setzt sich.
  • Wir freuen uns.

„Gebeugt“ bedeutet hier: Das Verb erhält die Form, die zum Subjekt passt, etwa ich wasche, du wäschst oder wir waschen.

Woran erkennt man den reflexiven Gebrauch?

Vergleiche diese drei Sätze:

  1. Nora wäscht den Hund.den Hund ist das Akkusativobjekt.
  2. Nora wäscht ihn.ihn ersetzt den Hund; es ist ein Personalpronomen.
  3. Nora wäscht sich. — Nora ist zugleich handelnde und gewaschene Person; sich ist reflexiv.

Ein nützlicher Test ist die Frage: Sind Subjekt und Objekt dieselbe Person oder Sache? Wenn ja, wird meist ein Reflexivpronomen gebraucht. Dieser Test erklärt sich waschen sehr gut. Bei festen reflexiven Verben wie sich beeilen ist die Bedeutung jedoch nicht immer wörtlich „sich selbst beeilen“. Solche Verben lernst du am besten gleich zusammen mit dem Pronomen.

Verben mit und ohne reflexiven Gebrauch

Bei manchen Verben ändert sich nur, auf wen die Handlung gerichtet ist:

Nicht reflexiv Reflexiv
Ich wasche das Kind. Ich wasche mich.
Sie kämmt ihre Tochter. Sie kämmt sich.
Er verletzt seinen Gegner. Er verletzt sich.

Andere Verben oder Bedeutungen kommen typischerweise mit einem Reflexivpronomen vor:

  • sich beeilen: Wir beeilen uns.
  • sich erholen: Du erholst dich.
  • sich schämen: Er schämt sich.
  • sich irren: Ich irre mich.
  • sich befinden: Das Hotel befindet sich am Bahnhof.

Deshalb sollte ein neuer Wörterbucheintrag nicht nur als beeilen, sondern als sich beeilen gelernt werden. Das sich im Wörterbuch ist keine unveränderliche Satzform. Im Satz wird daraus je nach Subjekt mich, dich, sich, uns oder euch.

Die Stellung im Hauptsatz

Im einfachen Aussagesatz steht das Reflexivpronomen meist direkt nach dem gebeugten Verb:

  • Ich freue mich heute auf den Feierabend.
  • Am Morgen duscht sich Karim schnell.

Steht ein Personalpronomen als Subjekt hinter dem Verb, kommt dieses normalerweise vor dem Reflexivpronomen:

  • Heute zieht er sich warm an.
  • Warum setzt du dich nicht?

Bei einem Subjekt als Nomen ist dagegen häufig auch diese Reihenfolge natürlich:

  • Nach dem Sport duscht sich Karim.
  • Nach dem Sport duscht Karim sich sofort.

Für den Anfang genügt es, feste kurze Muster zu üben: Ich freue mich, du freust dich, er freut sich.

Trennbare Verben, Modalverben und Nebensätze

Bei einem trennbaren Verb (einem Verb, dessen Vorsilbe im Hauptsatz ans Satzende wandert) bleibt das Reflexivpronomen in der Satzmitte:

  • Ich ziehe mich an.
  • Ihr ruht euch aus.
  • Sie meldet sich morgen an.

Mit einem Modalverb wie müssen oder wollen steht das reflexive Verb als Infinitiv (Grundform des Verbs) am Ende. Das Reflexivpronomen bleibt beim mittleren Satzteil:

  • Ich muss mich beeilen.
  • Willst du dich setzen?
  • Wir können uns später ausruhen.

Im Nebensatz steht das gebeugte Verb gewöhnlich am Ende:

  • Ich gehe früh ins Bett, weil ich mich ausruhen möchte.
  • Sie sagt, dass sie sich heute besser fühlt.

Verneinung

Mit nicht wird meist die Handlung oder eine nähere Angabe verneint. Das Reflexivpronomen bleibt beim Verb:

  • Ich fühle mich heute nicht gut.
  • Er rasiert sich am Wochenende nicht.
  • Wir treffen uns nicht vor dem Kino, sondern am Bahnhof.

Beispiele im Zusammenhang

Die Bedeutungsspalte erklärt die Situation auf Deutsch, statt den Beispielsatz nur zu wiederholen.

Beispiel Bedeutung Hinweis
Ich wasche mich jeden Morgen. Die handelnde und die gewaschene Person sind identisch. Körperpflege; mich passt zu ich.
Er rasiert sich vor der Arbeit. Er entfernt seine eigenen Barthaare. sich für die 3. Person Singular.
Wir freuen uns über die gute Nachricht. Die Nachricht macht uns jetzt Freude. sich freuen über + Akkusativ.
Freust du dich auf den Urlaub? Du erwartest den Urlaub mit Freude. sich freuen auf + Akkusativ; Zukunftsbezug.
Ihr müsst euch beeilen. Ihr habt wenig Zeit und sollt schneller werden. Modalverb + euch + Infinitiv.
Die Kinder ziehen sich allein an. Jedes Kind zieht die eigene Kleidung an. Trennbares Verb sich anziehen.
Setzen Sie sich bitte. Eine Person wird höflich zum Hinsetzen aufgefordert. Höfliche Anrede: Sie + sich.
Nach der Wanderung ruhen wir uns aus. Wir machen eine Pause und erholen uns. Trennbares Verb sich ausruhen.
Lea erinnert sich an den Termin. Der Termin ist wieder in Leas Gedächtnis. sich erinnern an + Akkusativ.
Ich interessiere mich für Geschichte. Geschichte weckt mein Interesse. sich interessieren für + Akkusativ.
Hast du dich verletzt? Gefragt wird nach einer Verletzung der angesprochenen Person. Reflexiver Gebrauch im Perfekt.
Das Hotel befindet sich im Zentrum. Das Hotel liegt im Zentrum. Fest reflexives Verb; keine wörtliche Rückwirkung.
Wenn er sich ärgert, spricht er sehr leise. Sein Ärger beeinflusst sein Verhalten. Reflexivpronomen im Nebensatz.
Wir treffen uns um acht vor dem Kino. Mehrere Personen kommen zu einem verabredeten Treffen. Formgleich mit reflexivem, inhaltlich wechselseitiger Gebrauch.
Sie fühlt sich heute viel besser. Ihr körperlicher oder seelischer Zustand hat sich verbessert. Häufige Verbindung sich fühlen.

Häufige Fehler

1. Das Pronomen passt nicht zum Subjekt

  • Falsch: Ich freue sich auf das Wochenende.
  • Richtig: Ich freue mich auf das Wochenende.
  • Warum: Das Subjekt ich verlangt mich. Sich gehört zur dritten Person oder zur höflichen Anrede.

2. Die Wörterbuchform bleibt unverändert

  • Falsch: Du musst sich beeilen.
  • Richtig: Du musst dich beeilen.
  • Warum: Wörterbücher nennen sich beeilen, aber im Satz wird sich an das Subjekt angepasst. Das Modalverb ändert daran nichts.

3. Das Reflexivpronomen fehlt

  • Falsch: Wir freuen auf den Urlaub.
  • Richtig: Wir freuen uns auf den Urlaub.
  • Warum: In der Bedeutung „etwas mit Freude erwarten“ heißt die Verbindung sich auf etwas freuen. Das Pronomen ist ein fester Teil dieser Verbindung.

4. Die falsche Präposition folgt

  • Falsch: Ich interessiere mich an Musik.
  • Richtig: Ich interessiere mich für Musik.
  • Warum: Viele reflexive Verben bilden eine feste Verbindung mit einer Präposition. Lerne deshalb die ganze Einheit: sich für etwas interessieren, sich an etwas erinnern, sich über etwas freuen.

5. Akkusativ und Dativ werden verwechselt

  • Falsch: Ich wasche mich die Hände.
  • Richtig: Ich wasche mir die Hände.
  • Warum: die Hände sind bereits das Akkusativobjekt. Das Pronomen steht deshalb hier im Dativ: mir. Der einfache A1-Satz ohne weiteres Objekt lautet dagegen Ich wasche mich.

6. Die höfliche Anrede wird kleingeschrieben oder falsch gebildet

  • Falsch: Setzen sie Sie bitte.
  • Richtig: Setzen Sie sich bitte.
  • Warum: Das Anredepronomen Sie wird großgeschrieben; das zugehörige Reflexivpronomen lautet sich und wird kleingeschrieben.

Hinweise zum Gebrauch

Reflexive Verben als Lerneinheit

Notiere nicht nur ein einzelnes Verb. Eine Karteikarte mit sich erinnern an + Akkusativ ist nützlicher als eine Karte mit erinnern. So lernst du gleichzeitig das Reflexivpronomen, die Präposition und den benötigten Fall (die grammatische Form eines Nomens oder Pronomens).

Bei Präpositionen kann ein kleiner Bedeutungsunterschied wichtig sein. Sich über etwas freuen bezieht sich meist auf etwas Vorhandenes oder Geschehenes: Ich freue mich über dein Geschenk. Sich auf etwas freuen richtet den Blick auf etwas Erwartetes: Ich freue mich auf deinen Besuch.

Körperpflege und Körperteile

Im Deutschen sagt man häufig Ich wasche mir die Hände oder Sie putzt sich die Zähne. Der bestimmte Artikel (die Hände, die Zähne) ist hier natürlicher als ein Possessivartikel wie meine oder ihre, weil das Dativpronomen bereits zeigt, wem der Körperteil gehört. Dieses Muster gehört zum Reflexivpronomen im Dativ und ist für den Anfang noch nicht der Kern dieses Themas.

Reflexiv oder wechselseitig?

Ein Pluralsatz wie Wir waschen uns kann bedeuten, dass jede Person sich selbst wäscht. Ein Satz wie Wir treffen uns beschreibt dagegen normalerweise eine wechselseitige Handlung: Wir treffen einander. Die Form uns ist gleich; die Bedeutung ergibt sich aus Verb und Zusammenhang. Falls ein Satz missverständlich ist, kann einander die wechselseitige Bedeutung deutlich machen: Die beiden helfen einander.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht sicher beherrschen. Sie helfen dir aber, Formen zu verstehen, die dir später begegnen.

Akkusativ oder Dativ?

Bei den meisten hier behandelten Sätzen gibt es kein weiteres Akkusativobjekt; deshalb steht das Reflexivpronomen im Akkusativ: Ich wasche mich. Kommt ein eigenes Akkusativobjekt hinzu, steht das Reflexivpronomen oft im Dativ:

Reflexivpronomen im Akkusativ Reflexivpronomen im Dativ
Ich wasche mich. Ich wasche mir die Hände.
Du kämmst dich. Du kämmst dir die Haare.
Er zieht sich an. Er zieht sich eine Jacke an.

In der dritten Person ist der Unterschied äußerlich nicht sichtbar, weil Akkusativ und Dativ beide sich lauten. Bei ich und du ist er klar: mich/mir, dich/dir.

Perfekt und andere Zeitformen

Das Reflexivpronomen bleibt auch in anderen Zeitformen erhalten. Im Perfekt (einer häufigen Vergangenheitsform mit Hilfsverb und Partizip) wird bei diesen Verben normalerweise haben verwendet:

  • Ich habe mich gewaschen.
  • Wir haben uns sehr gefreut.
  • Sie hat sich an den Namen erinnert.

Das Partizip ist die Verbform wie gewaschen, gefreut oder erinnert. Bei trennbaren Verben bleibt die Satzklammer erhalten: Er hat sich schnell angezogen.

Bedeutungswechsel durch das Reflexivpronomen

Mitunter unterscheidet sich die reflexive Bedeutung deutlich von der nicht reflexiven:

  • jemanden verlassen = von einer Person weggehen; sich auf jemanden verlassen = jemandem vertrauen
  • etwas vorstellen = etwas präsentieren; sich etwas vorstellen = im Kopf ein Bild oder eine Idee entwickeln
  • jemanden unterhalten = jemanden beschäftigen oder amüsieren; sich unterhalten = miteinander sprechen

Solche Bedeutungen lassen sich nicht immer aus der Grundbedeutung erraten. Behandle die ganze Verbindung als eigenen Wortschatzeintrag.

Stellung bei mehreren Pronomen

Wenn mehrere Pronomen im Satz vorkommen, hängt ihre Reihenfolge von ihrer Funktion und Form ab. Vergleiche Ich stelle mich ihm vor mit Ich stelle ihn mir vor: Im ersten Satz mache ich mich bei einer Person bekannt; im zweiten erzeuge ich in Gedanken ein Bild von ihm. Das ist kein A1-Lernziel, zeigt aber, wie stark Pronomenstellung und Verbverbindung die Bedeutung beeinflussen können.

Übungstipps

  1. Bilde Personenreihen. Sprich ein häufiges Verb mit allen Personen laut: Ich freue mich, du freust dich, er freut sich, wir freuen uns, ihr freut euch, sie freuen sich. So verbindest du Subjekt, Verbform und Pronomen.
  2. Lerne vollständige Bausteine. Schreibe zum Beispiel sich für etwas interessieren, sich an etwas erinnern und sich auf etwas freuen auf. Ergänze zu jedem Baustein einen persönlichen Satz.
  3. Beschreibe einen Tagesablauf. Verwende fünf reflexive Verben: Ich dusche mich ist zwar grammatisch möglich, im Alltag sagt man meist einfach Ich dusche. Natürlicher sind etwa Ich wasche mich, ziehe mich an, beeile mich, setze mich in den Bus und freue mich auf den Feierabend. Prüfe danach bei jedem Pronomen, ob es zum Subjekt passt.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Akkusativpronomen — zeigt die Formen mich, dich, uns und euch als direkte Objekte.
  • Nächster Schritt: Reflexivpronomen im Dativ — erklärt Formen wie mir und dir, besonders bei einem zusätzlichen Akkusativobjekt.

Voraussetzung

Akkusativpronomen im DeutschenA1

Konzepte, die darauf aufbauen

Mehr A1-Konzepte

Dieses Konzept in anderen Sprachen

In allen Sprachen vergleichen

Übe Reflexivpronomen im Akkusativ auf Deutsch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Deutsch · A1 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.

Dieses Konzept üben