A1

Modalverben im Walisischen

Berfau Moddol

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Walisischen werden Können, Müssen und Wollen meist nicht wie im Deutschen mit einem einzelnen gebeugten Modalverb ausgedrückt. Die wichtigsten Grundmuster sind dw i'n gallu + Berfenw („ich kann …“), (mae) rhaid i fi + Berfenw („ich muss …“) und dw i eisiau + Nomen oder Berfenw („ich möchte/ich will …“). Besonders wichtig: Vor gallu und gorfod steht yn, vor eisiau im hier behandelten Grundmuster dagegen nicht.

Überblick

Die walisische Bezeichnung berfau moddol umfasst Ausdrücke, mit denen man eine Fähigkeit, eine Notwendigkeit oder einen Wunsch beschreibt. Für den Einstieg auf A1 sind vor allem gallu „können“, rhaid und gorfod „müssen“ sowie eisiau und regional moyn „wollen, möchten“ wichtig. Mit diesen wenigen Bausteinen lassen sich bereits viele Alltagssituationen bewältigen: Hilfe anbieten, sagen, was man kann, Termine begründen oder etwas bestellen.

Anders als im Deutschen bildet das Walisische diese Bedeutungen oft periphrastisch (also mit mehreren Wörtern statt mit einer einzigen gebeugten Verbform). Häufig trägt eine Form von bod „sein“ Person und Zeit. Danach folgen ein Verbindungswort wie yn, der Modalausdruck und ein Berfenw (die walisische Grundform eines Verbs, ungefähr vergleichbar mit dem deutschen Infinitiv). In Dw i'n gallu nofio trägt dw i die Information „ich, Gegenwart“, während gallu nofio die Bedeutung „schwimmen können“ liefert.

Für Deutschsprachige ist vor allem der Satzbau ungewohnt. Im deutschen Satz Ich kann heute schwimmen steht der Infinitiv häufig am Ende. Im Walisischen bleiben gallu und der folgende Berfenw normalerweise zusammen: Dw i'n gallu nofio heddiw. Man sollte daher ganze walisische Muster lernen und nicht Wort für Wort vom Deutschen aus bauen.

So funktioniert es

Die drei Grundmuster

Walisisches Muster Bedeutung Aufbau
Dw i'n gallu nofio. Ich kann schwimmen. Form von bod + yn + gallu + Berfenw
Mae rhaid i fi fynd. Ich muss gehen. (mae) rhaid + i + Person + Berfenw
Dw i'n gorfod mynd. Ich muss gehen. Form von bod + yn + gorfod + Berfenw
Dw i eisiau coffi. Ich möchte Kaffee. Form von bod + eisiau + Nomen
Dw i eisiau mynd. Ich möchte gehen. Form von bod + eisiau + Berfenw

Die Formen sehen ähnlich aus, sind aber nicht austauschbar. Gallu und gorfod verhalten sich in der grundlegenden Umschreibung wie gewöhnliche Berfenwau mit bod + yn. Rhaid bildet eine unpersönliche Konstruktion, wörtlich etwa „es besteht Notwendigkeit für mich“. Eisiau steht im gebräuchlichen Grundmuster direkt nach der Form von bod, also ohne yn.

Fähigkeit mit gallu

Das sichere A1-Muster lautet:

Form von bod + yn + gallu + Berfenw

Der zweite Berfenw bezeichnet die Handlung, die möglich ist. Er wird nicht für die Person verändert: nofio bleibt in allen Personen gleich.

Person Bejahte Form Deutsche Bedeutung
ich Dw i'n gallu … ich kann …
du Wyt ti'n gallu … du kannst …
er/sie Mae e/o/hi'n gallu … er/sie kann …
wir Dyn ni'n gallu … wir können …
Sie/ihr Dych chi'n gallu … Sie können/ihr könnt …
sie Maen nhw'n gallu … sie können …

E/o sind häufige regionale Varianten für „er“. Auch bei den Formen von bod begegnen einem je nach Region und Lernmaterial Varianten. Für den Anfang genügt es, eine durchgängige Variante aktiv zu verwenden und die anderen wiederzuerkennen.

Für eine Frage wird die passende Frageform von bod verwendet:

  • Wyt ti'n gallu gyrru? – Kannst du Auto fahren?
  • Dych chi'n gallu helpu? – Können Sie helfen?/Könnt ihr helfen?

Für die Verneinung steht ddim nach der Form von bod:

  • Dw i ddim yn gallu dod heddiw. – Ich kann heute nicht kommen.
  • Dyw hi ddim yn gallu cysgu. – Sie kann nicht schlafen.

Die Reihenfolge ddim yn gallu sollte als fester Block gelernt werden. Das deutsche nicht lässt sich hier nicht beliebig an eine andere Stelle verschieben.

Notwendigkeit mit rhaid

Rhaid entspricht meist deutschem müssen oder es ist nötig. Die Person, für die etwas notwendig ist, folgt auf i „für, zu“:

(Mae) rhaid + i + Person + Berfenw

Person Form mit rhaid Deutsche Bedeutung
ich rhaid i fi / i mi … ich muss …
du rhaid i ti … du musst …
er rhaid iddo fe/fo … er muss …
sie rhaid iddi hi … sie muss …
wir rhaid i ni … wir müssen …
Sie/ihr rhaid i chi … Sie müssen/ihr müsst …
sie rhaid iddyn nhw … sie müssen …

Fi und mi können in dieser Verbindung beide vorkommen. I fi ist in der gesprochenen Sprache sehr geläufig; i mi begegnet häufig in neutralerer oder formellerer Sprache.

Nach der Person beginnt der Berfenw in dieser Konstruktion oft mit einer weichen Mutation (einer Veränderung des ersten Konsonanten):

  • mynd → fynd: Rhaid i fi fynd. – Ich muss gehen.
  • gwneud → wneud: Rhaid i ni wneud hyn. – Wir müssen das tun.
  • talu → dalu: Rhaid i chi dalu. – Sie müssen zahlen./Ihr müsst zahlen.

Nicht jede Veränderung ist sichtbar. Bei aros „warten“ oder helpu „helfen“ bleibt die geschriebene Form gleich.

Im bejahten Satz sind sowohl Rhaid i fi fynd als auch Mae rhaid i fi fynd gebräuchlich. In sorgfältiger Schreibung sieht man zudem oft die Zusammenziehung mae'n rhaid. Für Frage und Verneinung sind folgende Muster besonders nützlich:

  • Oes rhaid i fi archebu lle? – Muss ich reservieren?
  • Does dim rhaid i chi aros. – Sie müssen nicht warten./Ihr müsst nicht warten.

Does dim rhaid bedeutet, dass keine Notwendigkeit besteht. Es ist keine Aufforderung, etwas zu unterlassen.

Notwendigkeit mit gorfod

Gorfod wird wie gallu in das Muster mit bod + yn eingesetzt:

Form von bod + yn + gorfod + Berfenw

  • Dw i'n gorfod gweithio yfory. – Ich muss morgen arbeiten.
  • Wyt ti'n gorfod mynd nawr? – Musst du jetzt gehen?
  • Dyn ni ddim yn gorfod talu. – Wir müssen nicht zahlen.

Rhaid i fi fynd und Dw i'n gorfod mynd können in vielen Situationen dasselbe bedeuten. Rhaid stellt die Notwendigkeit als allgemeine Tatsache dar; gorfod lässt sich leichter als Handlung des betroffenen Subjekts auffassen und kann einen äußeren Zwang stärker hervortreten lassen. Im Alltag sind regionale Gewohnheiten und der Zusammenhang oft wichtiger als diese feine Bedeutungsnuance.

Wunsch mit eisiau und moyn

Mit eisiau kann direkt ein Ding oder eine Handlung folgen:

  • Dw i eisiau coffi. – Ich möchte Kaffee.
  • Dw i eisiau gorffen heddiw. – Ich möchte heute fertig werden.

Das Grundmuster ist:

Form von bod + eisiau + Nomen oder Berfenw

Satzart Muster Beispiel
Aussage Dw i eisiau … Dw i eisiau dysgu Cymraeg.
Frage Wyt ti eisiau …? Wyt ti eisiau dod hefyd?
Verneinung Dw i ddim eisiau … Dw i ddim eisiau aros.

Hier steht kein yn vor eisiau. Genau das unterscheidet Dw i eisiau von Dw i'n gallu und Dw i'n gorfod.

Regional hört man weitere Formen. Isio ist besonders mit nordwalisischer Alltagssprache verbunden, moyn besonders mit dem Süden: etwa Dwi isio paned oder Dw i moyn paned „Ich möchte eine Tasse Tee“. Aussprache, Schreibweise und der Gebrauch von verkürzten Formen unterscheiden sich. Lernende sollten zunächst die Variante ihres Kurses oder ihrer Region konsequent verwenden; eisiau ist eine gute überregionale Form zum Wiedererkennen und Schreiben.

Beispiele im Kontext

Walisisch Deutsch Hinweis
Dw i'n gallu nofio. Ich kann schwimmen. Fähigkeit mit gallu
Dych chi'n gallu helpu? Können Sie helfen?/Könnt ihr helfen? Frage; chi kann höflicher Singular oder Plural sein
Mae hi'n gallu siarad Cymraeg yn dda. Sie kann gut Walisisch sprechen. Der Berfenw siarad folgt direkt auf gallu
Dw i ddim yn gallu dod heno. Ich kann heute Abend nicht kommen. Verneinung: ddim yn gallu
Mae rhaid i fi fynd. Ich muss gehen. Grundmuster mit rhaid
Rhaid i ni wneud penderfyniad heddiw. Wir müssen heute eine Entscheidung treffen. gwneud → wneud nach der Konstruktion mit i
Oes rhaid i chi dalu nawr? Müssen Sie jetzt zahlen?/Müsst ihr jetzt zahlen? Frage nach einer Notwendigkeit
Does dim rhaid i ti ddod yn gynnar. Du musst nicht früh kommen. Keine Notwendigkeit, kein Verbot
Dw i'n gorfod gweithio ddydd Sadwrn. Ich muss am Samstag arbeiten. Verpflichtung mit gorfod
Maen nhw ddim yn gorfod aros. Sie müssen nicht warten. Verneintes gorfod
Dw i eisiau coffi. Ich möchte Kaffee. eisiau + Nomen, ohne yn
Wyt ti eisiau mynd am dro? Möchtest du spazieren gehen? eisiau + Berfenw
Dw i ddim eisiau prynu car newydd. Ich möchte kein neues Auto kaufen. Verneinter Wunsch
Mae hi eisiau i ti ddod yfory. Sie möchte, dass du morgen kommst. Anderes Subjekt der gewünschten Handlung

Häufige Fehler

1. Yn vor gallu weglassen

  • Falsch: Dw i gallu nofio.
  • Richtig: Dw i'n gallu nofio.
  • Warum? Im grundlegenden Gegenwartsmuster verbindet yn die Form von bod mit gallu. Das 'n ist lediglich die verkürzte Form von yn nach einem Vokal.

2. Yn vor eisiau ergänzen

  • Falsch im hier gelernten Grundmuster: Dw i'n eisiau coffi.
  • Richtig: Dw i eisiau coffi.
  • Warum? Eisiau folgt in diesem gebräuchlichen Muster direkt auf dw i. Deutschsprachige übertragen leicht das 'n aus dw i'n gallu auf alle ähnlichen Sätze.

3. Die Person nach rhaid ohne i setzen

  • Falsch: Rhaid fi fynd.
  • Richtig: Rhaid i fi fynd.
  • Warum? Die betroffene Person wird mit i angeschlossen. Bei „er“, „sie“ und „sie (Plural)“ erscheinen gebeugte Formen dieser Präposition: iddo, iddi, iddyn.

4. Die Mutation nach rhaid i + Person übersehen

  • Falsch: Rhaid i fi mynd.
  • Richtig: Rhaid i fi fynd.
  • Warum? Der folgende Berfenw erhält in dieser Konstruktion gewöhnlich die weiche Mutation. Am besten werden häufige Gruppen wie rhaid i fi fynd, rhaid i ni wneud und rhaid i chi dalu als Ganzes gelernt.

5. „Nicht müssen“ mit „nicht dürfen“ verwechseln

  • Falsche Bedeutung: Does dim rhaid i ti fynd im Sinn von „Du darfst nicht gehen“.
  • Richtig: Does dim rhaid i ti fynd heißt „Du musst nicht gehen“.
  • Für ein Verbot: Rhaid i ti beidio â mynd. – Du darfst nicht gehen/du musst darauf verzichten zu gehen.
  • Warum? Wie im Deutschen besteht ein Unterschied zwischen fehlender Notwendigkeit und einem Verbot. Die walisische Verneinung von rhaid drückt fehlende Notwendigkeit aus.

6. Fähigkeit und Erlaubnis gleichsetzen

  • Unpassend für eine Bitte um Erlaubnis: Dw i'n gallu mynd?
  • Passend: Ga i fynd? – Darf ich gehen?
  • Warum? Gallu bezeichnet in erster Linie Fähigkeit oder Möglichkeit. Für Erlaubnis ist eine Form von cael, besonders Ga i …?, meist genauer.

Gebrauchshinweise

Chi deckt zwei deutsche Anredeformen ab: Es kann mehrere Personen mit ihr ansprechen oder einer Person gegenüber höflich als Sie dienen. Dych chi'n gallu helpu? kann deshalb je nach Situation „Könnt ihr helfen?“ oder „Können Sie helfen?“ heißen. Großschreibung wie beim deutschen Höflichkeitspronomen ist dafür nicht nötig.

Deutsches möchten hat keine einzige direkte Entsprechung. Eisiau bezeichnet einen Wunsch und kann je nach Ton mit „wollen“ oder „möchten“ übersetzt werden. Beim Bestellen klingt eine Frage mit cael oft natürlicher und höflicher: Ga i baned o de, os gwelwch yn dda? – „Kann ich bitte eine Tasse Tee bekommen?“ Ein grammatisch richtiger Satz mit Dw i eisiau … kann direkter wirken.

Bei regionalen Varianten gibt es kein einfaches „richtig gegen falsch“. Eisiau, nordwalisisches isio und südwalisisches moyn gehören zu lebendigem Walisisch. Auch Formen wie dw i, dwi und südlich verkürztes wi spiegeln unterschiedliche Schreib- und Sprechgewohnheiten. Für aktive Übungen ist Einheitlichkeit sinnvoll; beim Hören sollte man mehrere Varianten erkennen können.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Formen muss man auf A1 noch nicht sicher bilden. Sie zeigen aber, wie die Grundmuster später in andere Zeiten und feinere Bedeutungen hineinreichen.

Da gallu und gorfod mit bod verbunden werden, lässt sich die Zeit häufig durch eine andere Form von bod ändern:

Walisisch Deutsch Hinweis
Roeddwn i'n gallu darllen pan oeddwn i'n bedair oed. Ich konnte lesen, als ich vier Jahre alt war. Vergangenheit mit roeddwn i
Roeddwn i'n gorfod aros. Ich musste warten. vergangene Verpflichtung
Bydda i'n gallu dod yfory. Ich werde morgen kommen können. Zukunft mit bydda i
Bydd rhaid i ni benderfynu. Wir werden entscheiden müssen. zukünftige Notwendigkeit mit rhaid
Bu'n rhaid iddi hi adael. Sie musste gehen. häufige Form für eine abgeschlossene Situation

Daneben gibt es kurze, gebeugte Formen von gallu, die besonders in Fragen und Verneinungen sehr häufig sind: Alla i ddod? „Kann ich kommen?“ oder Fedra i ddim aros „Ich kann nicht warten“. Diese Formen und der Unterschied zwischen gallu, methu „nicht können/es nicht schaffen“ und cael „dürfen“ gehören zum nächsten Lernschritt.

Wenn die Person, die etwas wünscht, nicht dieselbe Person ist wie diejenige, die handeln soll, steht häufig i + Person + mutierter Berfenw:

  • Dw i eisiau i ti ddod. – Ich möchte, dass du kommst.
  • Mae hi eisiau i ni aros. – Sie möchte, dass wir warten.

Für ein höflicheres „ich hätte gern“ begegnet einem außerdem Hoffwn i …. Das ist nützlich, sollte aber nicht mit dem einfachen Gegenwartsmuster Dw i eisiau … vermischt werden.

Übungstipps

  1. Lerne drei Satzrahmen, nicht drei Einzelwörter. Sprich mehrmals laut: Dw i'n gallu …, Rhaid i fi …, Dw i eisiau …. Ergänze jeweils fünf vertraute Berfenwau wie mynd, dod, siarad, darllen und gweithio.
  2. Bilde Dreiergruppen aus Aussage, Frage und Verneinung. Zum Beispiel: Dych chi'n gallu helpu. – Dych chi'n gallu helpu? – Dych chi ddim yn gallu helpu. Übe rhaid getrennt mit Oes rhaid …? und Does dim rhaid ….
  3. Markiere Unterschiede zum Deutschen. Unterstreiche in walisischen Beispielen yn, i und ddim. So prägt sich der Bauplan ein, statt dass der deutsche Satzbau mit Modalverb und Infinitiv am Satzende unbewusst übertragen wird.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Bod – Präsens — liefert die Formen dw i, wyt ti, mae, dyn ni, dych chi und maen nhw für die Umschreibungen.
  • Als Nächstes: Können und Nichtkönnen — vertieft gallu, methu, kurze Frageformen und den Unterschied zwischen Fähigkeit und Erlaubnis.

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