A1

Häufige unregelmäßige Verben im Katalanischen

Verbs Irregulars Comuns

Dieser Artikel ist Teil des Katalanisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Die sehr häufigen Verben anar, fer, dir, poder, voler, saber und venir bilden ihr Präsens nicht vollständig nach den regelmäßigen Mustern. Deshalb lernt man ihre Formen am besten als kleine, oft gebrauchte Einheiten: vaig „ich gehe“, faig „ich mache“, dic „ich sage“, puc „ich kann“, vull „ich will“, „ich weiß“ und vinc „ich komme“. Bei poder, voler und saber folgt oft direkt ein Infinitiv: Vull descansar „Ich will mich ausruhen“.

Überblick

Diese sieben Verben gehören zum Grundwortschatz des Katalanischen. Schon auf A1 braucht man sie, um über Wege, Pläne, Fähigkeiten, Wünsche, Wissen und alltägliche Handlungen zu sprechen. Ein unregelmäßiges Verb ist ein Verb, dessen Stamm oder Endung nicht überall dem erwarteten Muster folgt. Das bedeutet nicht, dass jede einzelne Form völlig anders ist: Oft sind nur einige Personen unregelmäßig, während andere vertraute Endungen zeigen.

In diesem Artikel geht es zunächst um den Indikativ Präsens (die normale Gegenwartsform für Tatsachen, Gewohnheiten und aktuelle Vorgänge). Anders als im Deutschen kann das Subjekt (wer etwas tut) im Katalanischen meist wegfallen, weil die Verbform die Person erkennen lässt. Puc venir bedeutet also bereits „Ich kann kommen“; jo ist nur nötig, wenn „ich“ hervorgehoben oder einem anderen Subjekt gegenübergestellt wird.

Für den Einstieg genügt ein klares Ziel: die sieben Reihen sicher erkennen und besonders die Formen der Einzahl aktiv verwenden. Danach lohnt es sich, ganze Wortgruppen wie anar a la feina, fer una pregunta oder voler parlar zu lernen. So bleiben die Formen besser im Gedächtnis als in einer isolierten Liste.

So funktioniert es

Personen und weggelassene Subjektpronomen

Die Tabellen verwenden sechs grammatische Personen (die Formen für Sprecher, Angesprochene und andere Personen). Die Pronomen stehen zur Orientierung dabei; in einem normalen katalanischen Satz werden sie häufig nicht ausgesprochen.

Person Pronomen Deutsche Entsprechung
1. Person Singular jo ich
2. Person Singular tu du
3. Person Singular ell / ella / vostè er / sie / Sie
1. Person Plural nosaltres wir
2. Person Plural vosaltres ihr
3. Person Plural ells / elles / vostès sie / Sie

Vostè und vostès sind höfliche Anredeformen, verlangen aber grammatisch die dritte Person: Vostè vol... ? und Vostès volen... ? Das unterscheidet sich vom deutschen Sie, das dieselbe Verbform wie „sie“ im Plural hat.

Die sieben vollständigen Präsensreihen

Person anar fer dir poder voler saber venir
jo vaig faig dic puc vull vinc
tu vas fas dius pots vols saps véns
ell / ella / vostè va fa diu pot vol sap ve
nosaltres anem fem diem podem volem sabem venim
vosaltres aneu feu dieu podeu voleu sabeu veniu
ells / elles / vostès van fan diuen poden volen saben vénen

Ein nützlicher Lernhinweis: Bei mehreren Verben sind nosaltres und vosaltres regelmäßiger als die Einzahl. Besonders auffällig sind dagegen die Formen mit jo: vaig, faig, dic, puc, vull, sé, vinc. Die Akzente in sé, véns und vénen gehören zur korrekten Schreibung.

Anar – gehen, fahren

Anar bezeichnet eine Bewegung weg vom aktuellen Bezugspunkt. Das Verkehrsmittel ändert das Verb nicht: Vaig a peu heißt „Ich gehe zu Fuß“, Vaig amb tren „Ich fahre mit dem Zug“. Ein Ziel wird häufig mit a angeschlossen:

  • anem a Barcelona – wir fahren nach Barcelona
  • va a la feina – er oder sie geht zur Arbeit
  • van al mercat – sie gehen zum Markt

Al ist die Zusammenziehung von a + el. Vor la bleibt die Präposition getrennt: a la universitat.

Fer – machen, tun

Fer deckt viele Verbindungen ab, für die das Deutsche unterschiedliche Verben verwendet. Man sagt unter anderem fer esport „Sport treiben“, fer una pregunta „eine Frage stellen“ und fer el sopar „das Abendessen machen“. Auch Wetterangaben werden oft mit fer gebildet: Fa fred „Es ist kalt“, Fa sol „Die Sonne scheint“.

Die Form Què fas? kann je nach Situation „Was machst du?“ oder „Was machst du gerade?“ bedeuten. Das einfache katalanische Präsens entspricht also nicht immer nur dem deutschen einfachen Präsens; der Kontext entscheidet.

Dir – sagen, nennen

Dir bezeichnet das Sagen oder Äußern: Diu la veritat „Er oder sie sagt die Wahrheit“. Eine Aussage kann mit que angeschlossen werden: Diu que arriba tard „Sie sagt, dass sie spät kommt“.

Sehr häufig ist außerdem das rückbezügliche dir-se „heißen“. Das rückbezügliche Pronomen verweist dabei auf dieselbe Person wie das Subjekt:

  • Em dic Laia. – Ich heiße Laia.
  • Com et dius? – Wie heißt du?
  • Es diu Marc. – Er heißt Marc.

Poder, voler und saber mit Infinitiv

Ein Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, etwa venir „kommen“ oder parlar „sprechen“. Nach poder, voler und saber steht er normalerweise direkt, ohne ein Wort wie deutsches „zu“:

  • Puc entrar? – Kann ich hereinkommen?
  • Volem menjar. – Wir wollen essen.
  • Sap nedar. – Er oder sie kann schwimmen.

Poder drückt Möglichkeit, Erlaubnis oder praktische Fähigkeit aus. Voler bezeichnet einen Wunsch oder eine Absicht. Saber + Infinitiv bedeutet, dass jemand gelernt hat, wie man etwas tut: Sé conduir „Ich kann Auto fahren“. Bei poder geht es dagegen darum, ob es möglich ist: Avui no puc conduir „Heute kann ich nicht Auto fahren“.

Steht saber ohne Infinitiv, bedeutet es „wissen“ oder „kennen“ im Sinn von Information: No sé la resposta „Ich weiß die Antwort nicht“. Für das Kennen einer Person oder eines Ortes verwendet man gewöhnlich conèixer, nicht saber.

Venir – kommen

Venir beschreibt eine Bewegung hin zum Ort des Sprechers, des Angesprochenen oder zu einem als Bezugspunkt gesetzten Ort. Darum hängt die Wahl zwischen anar und venir von der Perspektive ab:

  • Demà vinc a casa teva. – Morgen komme ich zu dir nach Hause.
  • Ara vaig al supermercat. – Jetzt gehe ich zum Supermarkt.

Deutschsprachige Lernende sollten nicht jedes deutsche „kommen“ automatisch mit venir wiedergeben. In Kommst du morgen zur Besprechung? ist Vens demà a la reunió? natürlich, wenn die Besprechung als gemeinsamer Zielpunkt verstanden wird; bei einer neutralen Bewegung zu einem anderen Ort kann anar passender sein.

Verneinung und Fragen

Für eine Verneinung steht no unmittelbar vor dem konjugierten Verb: No puc venir. Folgt ein Infinitiv, bleibt er unverändert. Entscheidungsfragen brauchen keine Hilfskonstruktion. Meist zeigen Intonation und Fragezeichen, dass gefragt wird: Vols un cafè? „Möchtest du einen Kaffee?“

Fragewörter stehen gewöhnlich am Anfang: Què fas? „Was machst du?“, On aneu? „Wohin geht ihr?“, Què vol dir això? „Was bedeutet das?“ Die feste Verbindung voler dir bedeutet „bedeuten“ oder wörtlich „sagen wollen“.

Beispiele im Zusammenhang

Katalanisch Deutsch Hinweis
Vaig a la feina cada matí. Ich gehe jeden Morgen zur Arbeit. Gewohnheit mit anar
On aneu aquest cap de setmana? Wohin fahrt ihr dieses Wochenende? 2. Person Plural
Què fas ara? Was machst du gerade? Präsens für einen aktuellen Vorgang
Avui fa molt de fred. Heute ist es sehr kalt. Wetterausdruck mit fer
Em dic Júlia. Ich heiße Júlia. rückbezügliches dir-se
En Pau diu que arriba a les vuit. Pau sagt, dass er um acht ankommt. Aussage mit que
No puc venir demà. Ich kann morgen nicht kommen. no vor dem konjugierten Verb
Podem seure aquí? Können wir uns hierhin setzen? höfliche Bitte um Erlaubnis
Vols un cafè? Möchtest du einen Kaffee? alltägliches Angebot
Vull aprendre català. Ich möchte Katalanisch lernen. voler + Infinitiv
Saps cuinar arròs? Kannst du Reis kochen? erlernte Fähigkeit
No sé on viu. Ich weiß nicht, wo er oder sie wohnt. Wissen um eine Information
La Marta ve amb nosaltres. Marta kommt mit uns. Bewegung zum Bezugspunkt
Veniu a sopar divendres? Kommt ihr am Freitag zum Abendessen? Einladung an mehrere Personen
Què vol dir aquesta paraula? Was bedeutet dieses Wort? feste Verbindung voler dir

Häufige Fehler

Die Grundform statt der konjugierten Form verwenden

  • Falsch: Jo anar a la feina.
  • Richtig: Vaig a la feina.
  • Warum: In einem normalen Hauptsatz muss das Verb zur Person passen. Anar ist nur die Grundform; für jo lautet das Präsens vaig.

Nach poder, voler oder saber ein „zu“-Wort einsetzen

  • Falsch: Vull a aprendre català.
  • Richtig: Vull aprendre català.
  • Warum: Der Infinitiv folgt hier direkt auf poder, voler oder saber. Die deutsche Konstruktion „zu lernen“ darf nicht Wort für Wort übertragen werden.

Saber und poder gleichsetzen

  • Falsch: No sé venir demà, wenn äußere Umstände das Kommen verhindern.
  • Richtig: No puc venir demà.
  • Warum: Saber + Infinitiv bezeichnet eine erlernte Fähigkeit. Poder bezeichnet Möglichkeit oder Erlaubnis. „Kommen können“ ist keine erlernte Fertigkeit.

Bei höflicher Anrede die zweite Person verwenden

  • Falsch: Vostè vols un cafè?
  • Richtig: Vostè vol un cafè?
  • Warum: Vostè bedeutet höflich „Sie“, steht grammatisch aber mit der dritten Person Singular.

Das Subjektpronomen in jedem Satz wiederholen

  • Unnatürlich ohne besonderen Kontrast: Jo vaig a casa i jo faig el sopar.
  • Natürlicher: Vaig a casa i faig el sopar.
  • Warum: Die Formen vaig und faig zeigen bereits, dass „ich“ gemeint ist. Jo ist sinnvoll, wenn ein Gegensatz betont wird: Jo faig el sopar; tu pares taula „Ich mache das Abendessen; du deckst den Tisch“.

Anar und venir nur nach dem deutschen Verb auswählen

  • Problematisch: Vinc al banc ara, obwohl Sprecher und Gesprächspartner nicht bei der Bank sind und lediglich „Ich gehe jetzt zur Bank“ gemeint ist.
  • Passender: Vaig al banc ara.
  • Warum: Venir führt zum aktuellen oder gedanklichen Bezugspunkt hin; anar führt von ihm weg oder zu einem anderen Ziel.

Hinweise zum Gebrauch

Im Gespräch sind die kurzen Fragen Puc? „Darf ich?“ und Vols? „Willst du?/Möchtest du?“ möglich, wenn aus der Situation klar ist, worum es geht. In vollständigen Bitten klingt Pots ajudar-me? „Kannst du mir helfen?“ meist weniger direkt als ein bloßer Befehl. Noch höflicher ist später der Konditional, etwa Podries ajudar-me? „Könntest du mir helfen?“; für das A1-Niveau reicht zunächst das Präsens.

Voler wird bei Angeboten häufig mit „möchten“ übersetzt, obwohl seine Grundbedeutung „wollen“ ist. Vols un cafè? ist eine normale freundliche Frage und wirkt nicht so schroff wie das isolierte deutsche „Willst du einen Kaffee?“. Umgekehrt kann ein stark betontes Vull... durchaus nachdrücklich klingen.

Bei saber ist der Unterschied zu conèixer wichtig: Sé que viu a Girona heißt „Ich weiß, dass er oder sie in Girona wohnt“, während Conec Girona „Ich kenne Girona“ bedeutet. Eine Person kennt man ebenfalls mit conèixer: Coneixes la Clara? Für diese Unterscheidung genügt am Anfang die Faustregel „Information oder erlernte Tätigkeit: saber; Person oder Ort aus Erfahrung kennen: conèixer“.

Die hier angegebenen Formen gehören zum allgemeinen Standardkatalanisch. Aussprache und einzelne Formen können regional variieren. Für den Einstieg ist es sinnvoller, eine konsistente Standardreihe zu beherrschen, als mehrere regionale Reihen gleichzeitig zu lernen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die schon früh in Gesprächen und Texten auftauchen.

Anar a + Infinitiv und die katalanische Vergangenheit

Anar a + Infinitiv kann eine Absicht oder unmittelbar bevorstehende Handlung ausdrücken: Ara vaig a trucar-li „Jetzt werde ich ihn oder sie anrufen“. Davon muss man später das sehr häufige periphrastische Präteritum (eine Vergangenheitsform aus einem Hilfsverb und dem Infinitiv) unterscheiden:

  • Vaig a estudiar. – Ich gehe jetzt lernen / Ich werde lernen.
  • Vaig estudiar. – Ich lernte / Ich habe gelernt.

Das kleine a verändert also die Struktur entscheidend. In vaig estudiar ist vaig nicht wörtlich als „ich gehe“ zu verstehen, sondern Teil der Vergangenheitsform.

Unregelmäßigkeit in weiteren Zeitformen

Die Präsensreihen sind nur der Anfang. Auch wichtige Partizipien sind unregelmäßig. Ein Partizip ist eine Verbform, die unter anderem zur Bildung zusammengesetzter Zeiten verwendet wird: fer → fet „gemacht“ und dir → dit „gesagt“. Weitere häufige Formen sind anar → anat, poder → pogut, voler → volgut, saber → sabut und venir → vingut. Man sollte diese Formen getrennt lernen, statt sie aus dem Präsens ableiten zu wollen.

In Aufforderungen und im Subjunktiv (einer Verbform unter anderem für Wünsche, Bewertungen und Nicht-Feststehendes) erscheinen weitere Stämme, etwa digues „sag!“ und vingui „kommen Sie!/er oder sie möge kommen“. Dass dic zu digues gehört, wird durch häufige Begegnung mit ganzen Wendungen leichter durchschaubar.

Feste Wendungen erweitern die Bedeutung

Gerade fer und dir sind Bestandteile zahlreicher Wendungen. Häufig und nützlich sind:

  • fer falta – fehlen, nötig sein
  • fer cas – beachten, auf jemanden hören
  • dir la veritat – die Wahrheit sagen
  • voler dir – bedeuten
  • saber greu – leidtun, bedauern

Solche Verbindungen sollte man als Einheit lernen. Die deutsche Übersetzung lässt sich oft nicht aus jedem Einzelwort zusammensetzen.

Übungstipps

  1. Lerne waagerecht und senkrecht. Sprich zuerst alle Formen eines Verbs: vaig, vas, va, anem, aneu, van. Wiederhole danach nur die Formen mit jo: vaig, faig, dic, puc, vull, sé, vinc. So trainierst du sowohl die Person als auch den Verbwechsel.
  2. Bilde jeden Tag sieben persönliche Sätze. Verwende jedes Verb einmal und lass das Subjektpronomen weg: Vaig al curs. Faig exercici. Dic la veritat. Persönliche, wahre Aussagen bleiben leichter hängen.
  3. Übe Bedeutungsgegensätze in Paaren. Stelle Sé nedar und Avui no puc nedar gegenüber oder Vaig a casa teva und Vens a casa meva?. Damit lernst du nicht nur Formen, sondern auch die passende Wahl des Verbs.

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