A1

Ordinalzahlen und Reihenfolgen im Māori

Tau Raupapa

Dieser Artikel ist Teil des Māori-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Ordinalzahlen geben einen Platz in einer Reihenfolge an. Im Māori entstehen die grundlegenden Formen meist mit tua- vor der Zahl: rua „zwei“ wird zu tuarua „zweite“, toru „drei“ zu tuatoru „dritte“; „erste“ heißt tuatahi. Als nähere Bestimmung steht die Ordinalzahl gewöhnlich nach dem Nomen: te pukapuka tuarua „das zweite Buch“.

Überblick

Mit Kardinalzahlen zählt man Mengen: rua bedeutet „zwei“. Ordinalzahlen dagegen ordnen Personen, Dinge, Tage oder Schritte: tuarua bedeutet „zweite“ beziehungsweise „an zweiter Stelle“. Im Māori heißen solche Ordnungszahlen tau raupapa. Du brauchst sie schon auf A1-Niveau, etwa für den ersten Tag, die zweite Aufgabe, das dritte Mal oder den letzten Punkt einer Liste.

Für Deutschsprachige sind vor allem zwei Unterschiede wichtig. Erstens steht die Ordinalzahl im Māori normalerweise hinter dem Nomen (dem Wort für eine Person, Sache oder Idee): te rā tuatahi, wörtlich etwa „der Tag erste“. Zweitens bekommt sie keine Endung wie deutsches -e, -en oder -er. Tuatahi bleibt also gleich, unabhängig davon, ob die deutsche Übersetzung „erste“, „erster“ oder „erstes“ lautet.

Neben den eigentlichen Ordinalzahlen gehören auch Wörter für zeitliche und räumliche Reihenfolgen zum Thema. Whakamutunga bezeichnet das letzte oder abschließende Element. Mua und muri drücken Beziehungen wie „vorher/vorn“ und „nachher/hinten“ aus. Diese Wörter sind nicht einfach weitere Zahlen, helfen aber beim Erzählen von Abläufen.

So funktioniert es

Von der Zahl zur Ordinalzahl

Für die grundlegenden Ordnungszahlen wird tua- mit der Zahl verbunden. Geschrieben wird die Form als ein Wort, also ohne Bindestrich.

Stelle Grundzahl Ordinalzahl Deutsche Bedeutung
1 tahi tuatahi erste/-r/-s
2 rua tuarua zweite/-r/-s
3 toru tuatoru dritte/-r/-s
4 whā tuawhā vierte/-r/-s
5 rima tuarima fünfte/-r/-s
6 ono tuaono sechste/-r/-s
7 whitu tuawhitu siebte/-r/-s
8 waru tuawaru achte/-r/-s
9 iwa tuaiwa neunte/-r/-s

Tuatahi solltest du als vollständige Form lernen, auch wenn der Aufbau aus tua- und tahi gut erkennbar ist. Bei tuaono und tuaiwa treffen am Übergang zwei Vokale aufeinander; beide bleiben geschrieben.

Die langen Vokale sind bedeutungs- und aussprachewichtig. Deshalb steht in tuawhā ebenso wie in whā ein Makron über ā. Schreibe also nicht tuawha.

Die Stellung in einer Nominalgruppe

Eine Nominalgruppe ist eine Wortgruppe, deren Kern ein Nomen ist, zum Beispiel „das zweite Buch“. Das Grundmuster lautet:

Artikel + Nomen + Ordinalzahl

  • te rā tuatahi — der erste Tag
  • te pukapuka tuarua — das zweite Buch
  • te wā tuatoru — das dritte Mal
  • te akoranga tuawhā — die vierte Lektion

Der Artikel te entspricht hier meist deutschem „der“, „die“ oder „das“. Anders als im Deutschen steht die Ordinalzahl hinter dem Nomen und wird nicht dekliniert (also nicht an Fall, Geschlecht oder Zahl angepasst). Dieselbe Form tuarua erscheint daher in verschiedenen Zusammenhängen unverändert.

Auch ein Possessivausdruck (eine Form, die Zugehörigkeit ausdrückt) kann vor dem Nomen stehen:

  • taku haerenga tuatahi — meine erste Reise
  • tōna rā tuarua — sein/ihr zweiter Tag

Eine Person oder Sache als „die erste“ bezeichnen

Wenn die Stellung selbst die Hauptaussage ist, begegnet häufig ko. Diese Partikel markiert unter anderem das, worüber eine Gleichsetzungs- oder Identitätsaussage gemacht wird:

  • Ko Mere te tuatahi. — Mere ist die Erste.
  • Ko Hemi te tuarua. — Hemi ist der Zweite.
  • Ko ia te mea whakamutunga. — Er/Sie ist das Letzte beziehungsweise der/die Letzte.

Te mea bedeutet in diesem Zusammenhang „das Ding“ oder allgemeiner „das eine Element“. Bei Personen ist je nach Situation eine genauere Bezeichnung wie te tangata „die Person“ oft klarer.

Die Wortgruppe Ko te rā tuatahi. kommt als kurze Benennung vor: „Der erste Tag.“ Für einen vollständigen Satz mit „Das ist …“ kann man sagen: Ko te rā tuatahi tēnei. — „Das ist der erste Tag.“

„Letzte/-r/-s“ mit whakamutunga

Whakamutunga ist keine mit tua- gebildete Zahl. Es bezeichnet den letzten, abschließenden Punkt einer geordneten Reihe:

  • te rā whakamutunga — der letzte Tag
  • te pātai whakamutunga — die letzte Frage
  • te tangata whakamutunga — die letzte Person

Auch hier steht die nähere Bestimmung normalerweise hinter dem Nomen. Im Deutschen muss die Endung wechseln; im Māori bleibt whakamutunga unverändert.

Vorher und nachher: mua und muri

Mua und muri beschreiben eine Beziehung statt einer nummerierten Stelle. Mit i mua i sagt man „vor“, mit i muri i „nach“:

  • i mua i te hui — vor der Besprechung
  • i muri i te akoranga — nach der Lektion

Je nach Zusammenhang haben die Wörter auch eine räumliche Lesart: mua kann „vorn“ und muri „hinten“ bedeuten. Der Kontext entscheidet also, ob von Zeit, Raum oder Reihenfolge die Rede ist. Lerne am besten die ganzen Rahmen i mua i … und i muri i …, nicht nur die Einzelwörter.

Beispiele im Zusammenhang

Māori Deutsch Hinweis
Ko te rā tuatahi. Der erste Tag. Kurze Benennung mit der vorgegebenen Grundform
Ko te rā tuatahi tēnei. Das ist der erste Tag. Vollständige Identitätsaussage
Te pukapuka tuarua. Das zweite Buch. Ordinalzahl nach dem Nomen
Ko te pukapuka tuarua tēnei. Das ist das zweite Buch. tēnei bedeutet hier „dieses/hier“
Te wā tuatoru. Das dritte Mal. kann „Zeit“ oder „Mal“ bedeuten
Ko tēnei te akoranga tuawhā. Dies ist die vierte Lektion. Stellung in einer Lernreihe
Ko Mere te tuatahi. Mere ist die Erste. Eine Person wird eingeordnet
Ko Hemi te tuarua. Hemi ist der Zweite. Gleiches Muster mit der zweiten Stelle
Ko ia te mea whakamutunga. Er/Sie ist der/die Letzte. Geschlecht ergibt sich nur aus dem Kontext
Ko tēnei te pātai whakamutunga. Dies ist die letzte Frage. Abschließendes Element
I tae tuatahi mai a Hana. Hana kam als Erste an. tuatahi beschreibt hier die Reihenfolge des Ankommens
I mua i te hui, ka inu kawhe au. Vor der Besprechung trinke ich Kaffee. Zeitliche Beziehung mit i mua i
I muri i te akoranga, ka hoki au ki te kāinga. Nach der Lektion gehe ich nach Hause zurück. Zeitliche Beziehung mit i muri i
Tuatahi, pānuitia te pātai. Lies zuerst die Frage. tuatahi leitet den ersten Arbeitsschritt ein

Häufige Fehler

1. Die deutsche Wortstellung übernehmen

  • Falsch: te tuarua pukapuka
  • Richtig: te pukapuka tuarua
  • Warum? Im neutralen Grundmuster folgt die Ordinalzahl dem Nomen. Das Deutsche stellt „zweite“ davor; diese Gewohnheit lässt sich nicht direkt übertragen.

2. Die Zählpartikel e vor eine Ordinalzahl setzen

  • Falsch: te pukapuka e tuarua
  • Richtig: te pukapuka tuarua
  • Warum? E kann beim Zählen von Mengen vor einer Grundzahl stehen, zum Beispiel e rua ngā pukapuka „zwei Bücher“. Eine Ordinalzahl gibt aber keine Menge an. Vor tuarua gehört in diesem Muster kein e.

3. tua- mit Bindestrich oder getrennt schreiben

  • Falsch: tua-rua, tua rua
  • Richtig: tuarua
  • Warum? Die grundlegenden Ordinalzahlen werden als ein Wort geschrieben. Der Bindestrich in der Erklärung tua- zeigt nur, dass es sich um einen vorangestellten Wortbaustein handelt.

4. Tuatahi wie eine deutsche Adjektivform verändern

  • Falsch: tuatahie oder eine erfundene Form für „erster“
  • Richtig: te rā tuatahi, te pukapuka tuatahi, te tangata tuatahi
  • Warum? Māori hat hier keine Endungen entsprechend deutschem erste, erster, erstes, ersten. Die Form bleibt tuatahi.

5. Mua und muri ohne den ganzen Beziehungsrahmen verwenden

  • Unklar oder unvollständig: muri te akoranga
  • Richtig: i muri i te akoranga
  • Warum? Für „nach der Lektion“ bildet i muri i den vollständigen Rahmen um die Bezugsgröße. Entsprechend heißt „vor der Lektion“ i mua i te akoranga.

6. „Zweite“ mit „eine weitere“ verwechseln

  • Nicht gleichbedeutend: te pukapuka tuarua und tētahi atu pukapuka
  • Bedeutung: te pukapuka tuarua ist „das zweite Buch“ in einer Reihenfolge; tētahi atu pukapuka ist „ein anderes/weiteres Buch“.
  • Warum? Eine Ordinalzahl setzt eine geordnete Folge voraus. „Noch ein Buch“ nennt dagegen nicht zwingend einen Rang.

Hinweise zum Gebrauch

Im Alltag werden besonders tuatahi, tuarua und tuatoru häufig gebraucht: für Unterrichtseinheiten, Versuche, Plätze, Tage und Arbeitsschritte. Wenn bereits klar ist, welche Dinge geordnet werden, kann die Ordinalzahl auch allein stehen: Ko te tuarua tēnei. — „Das ist das zweite.“ Der deutsche Satz verlangt je nach gemeintem Nomen eine andere Endung; die Māori-Form ändert sich nicht.

Tuatahi kann sowohl „erste/-r/-s“ als auch adverbial „zuerst“ bedeuten. Adverbial heißt hier: Das Wort beschreibt, wann beziehungsweise in welcher Reihenfolge eine Handlung geschieht, nicht ein Nomen. Vergleiche te mahi tuatahi „die erste Aufgabe“ mit Tuatahi, mahia tēnei „Mach zuerst dies“.

Bei mua und muri ist der Blickpunkt wichtig. I mua i te whare kann räumlich „vor dem Haus“ heißen, i mua i te kai zeitlich „vor dem Essen“. Genauso kann muri „hinter“ oder „nach“ bedeuten. Übersetze deshalb nicht isoliert, sondern prüfe, welche Beziehung im Satz gemeint ist.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Muster musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die dir in Anleitungen, Erzählungen und längeren Texten begegnen werden.

Reihenfolgen als Textgliederung

Ordinalzahlen können Argumente oder Schritte ordnen. Tuatahi eröffnet den ersten Punkt, tuarua den zweiten und tuatoru den dritten. Das ist vergleichbar mit deutschem „erstens, zweitens, drittens“, doch im Māori bleiben es dieselben Grundformen. In sorgfältigen Anleitungen ist diese Gliederung besonders übersichtlich.

Neben der bloßen Aufzählung begegnet auch kātahi ka … im Sinn von „dann …“. Diese Verbindung führt ein folgendes Ereignis ein. Sie ist keine Ordinalzahl: tuarua benennt eine Stelle, während kātahi ka den Fortgang einer Handlung markiert. Für Anfänger reicht zunächst, diesen Unterschied beim Lesen zu erkennen.

„Die erste Person, die …“

Eine Ordinalzahl kann vor einer ki-Verbindung stehen, die genauer erklärt, welche Handlung gemeint ist:

  • te tangata tuatahi ki te tae mai — die erste Person, die ankommt
  • te tangata whakamutunga ki te wehe — die letzte Person, die geht

Wörtlich ist der Bau anders als im deutschen Relativsatz (einem Nebensatz mit „der/die/das“). Versuche deshalb nicht, jedes deutsche Wort einzeln nachzubauen. Lerne zunächst die Schablone te tangata tuatahi ki te … als Ganzes.

Nummer, Rang und zeitliche Reihenfolge auseinanderhalten

Nicht jede deutsche Zahl mit Punkt wird im Māori automatisch mit tua- wiedergegeben. Eine Kennnummer — etwa eine Bus-, Zimmer- oder Seitennummer — bezeichnet häufig nur ein Etikett und keinen Rang. Tuatoru bedeutet dagegen wirklich „an dritter Stelle“. Frage dich daher: Wird etwas gezählt, nummeriert oder geordnet? Nur im letzten Fall ist eine Ordinalzahl sicher die passende Grundidee.

Auch mua bedeutet nicht in jedem Satz „erste“ und muri nicht „letzte“. Beide setzen einen Bezugspunkt voraus: etwas liegt vor oder nach etwas anderem. Whakamutunga benennt dagegen ausdrücklich den Abschluss einer Reihe. Diese Unterscheidung macht Übersetzungen natürlicher und verhindert, dass ein einziges deutsches Wort zu mechanisch übertragen wird.

Übungstipps

  1. Baue zwei Kartenreihen. Schreibe auf eine Seite tahi, rua, toru, whā, rima, auf die andere tuatahi, tuarua, tuatoru, tuawhā, tuarima. Sage beide Reihen laut und achte auf whā mit langem Vokal.
  2. Beschrifte echte Folgen. Nummeriere fünf Kapitel, Aufgaben oder Termine mit Wortgruppen wie te akoranga tuatahi, te akoranga tuarua und te akoranga tuatoru. So prägt sich zugleich die Stellung nach dem Nomen ein.
  3. Erzähle einen Miniablauf. Formuliere je einen Satz mit tuatahi, i muri i und whakamutunga. Prüfe dabei: Bezeichnest du eine Stelle, eine Beziehung zu einem Zeitpunkt oder das Ende der ganzen Reihe?

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