A2

Unregelmäßige Partizipien im Italienischen

Participi Passati Irregolari

Dieser Artikel ist Teil des Italienisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Italienischen bilden einige sehr häufige Verben das participio passato (Partizip Perfekt, also eine Form wie deutsch „gemacht“) unregelmäßig. Statt einer regelmäßigen Endung muss man Formen wie fare → fatto, scrivere → scritto und vedere → visto einzeln lernen. Im passato prossimo stehen sie nach avere oder essere: ho fatto, ha scritto, sono stato/a.

Überblick

Das participio passato wird vor allem für zusammengesetzte Zeiten gebraucht. Am wichtigsten ist auf Niveau A2 das passato prossimo, eine häufige Vergangenheitsform: Ho letto il libro bedeutet „Ich habe das Buch gelesen“ oder je nach Zusammenhang auch „Ich las das Buch“. Wie im deutschen Perfekt verbindet man dafür ein Hilfsverb mit einem Partizip. Die italienischen Hilfsverben sind avere („haben“) und essere („sein“).

Bei regelmäßigen Verben ist die Bildung gut vorhersehbar: parlare → parlato, credere → creduto, dormire → dormito. Viele alltägliche Verben folgen diesem Muster jedoch nicht. Gerade Formen wie fatto, detto, preso oder messo begegnen einem schon in einfachen Gesprächen ständig. Sie sind daher kein seltener Sonderfall, sondern gehören zum Grundwortschatz.

Für den Einstieg genügt eine klare Regel: Das Hilfsverb wird an die Person angepasst, das unregelmäßige Partizip wird als feste Form gelernt. Bei Verben mit essere kommt noch die Angleichung an Geschlecht und Zahl hinzu. Diese Grundregel und die wichtigsten Formen stehen zuerst; Besonderheiten mit Objektpronomen und der adjektivische Gebrauch folgen später getrennt.

So funktioniert es

Der Bauplan des passato prossimo

Das passato prossimo besteht aus zwei Teilen:

konjugierte Form von avere oder essere + participio passato

„Konjugiert“ heißt hier: Das Hilfsverb verändert sich passend zur handelnden Person, etwa ho für „ich habe“ oder abbiamo für „wir haben“. Das Partizip trägt die eigentliche Bedeutung des Verbs.

Person Mit fare und avere Mit essere und essere
io ho fatto sono stato / stata
tu hai fatto sei stato / stata
lui / lei ha fatto è stato / stata
noi abbiamo fatto siamo stati / state
voi avete fatto siete stati / state
loro hanno fatto sono stati / state

Die Wahl zwischen avere und essere gehört zum jeweiligen Verb und zur Konstruktion. Sie ändert sich nicht deshalb, weil das Partizip unregelmäßig ist. Die meisten Verben in der Kernliste dieses Artikels stehen in ihrer üblichen transitiven Verwendung mit avere. „Transitiv“ bedeutet: Das Verb kann ein direktes Objekt haben, also jemanden oder etwas, auf das die Handlung unmittelbar zielt – zum Beispiel leggere il libro („das Buch lesen“).

Die wichtigsten unregelmäßigen Formen

Infinitiv Partizip Bedeutung Beispiel im passato prossimo
fare fatto machen, tun ho fatto
scrivere scritto schreiben hai scritto
leggere letto lesen ha letto
dire detto sagen abbiamo detto
vedere visto sehen avete visto
prendere preso nehmen hanno preso
essere stato sein sono stato/a
aprire aperto öffnen ho aperto
chiudere chiuso schließen hai chiuso
mettere messo stellen, legen, setzen ha messo

Diese Formen dürfen nicht mit einer regelmäßigen Endung „repariert“ werden: Es heißt scritto, nicht scrivuto, und preso, nicht prenduto. Am besten lernt man immer ein Dreierpaket: Infinitiv, Partizip und eine kurze Verbindung – etwa leggere – letto – ho letto.

Was verändert sich bei der Angleichung?

Nach avere bleibt das Partizip in der einfachen Grundkonstruktion normalerweise auf -o:

  • Maria ha scritto una lettera.
  • Le ragazze hanno letto il libro.
  • Paolo e Anna hanno fatto una torta.

Das Subjekt – also die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird – verändert die Form hier nicht. Deshalb steht auch bei mehreren weiblichen Personen weiterhin letto oder fatto.

Nach essere richtet sich das Partizip dagegen nach Geschlecht und Zahl des Subjekts:

Subjekt Endung Beispiel
männlich, Einzahl -o Luca è stato a Roma.
weiblich, Einzahl -a Giulia è stata a Roma.
männlich oder gemischt, Mehrzahl -i Luca e Giulia sono stati a Roma.
weiblich, Mehrzahl -e Giulia e Marta sono state a Roma.

Für essere → stato ist diese Angleichung besonders wichtig. Sie betrifft auch andere Verben, die das passato prossimo mit essere bilden; ob deren Partizip regelmäßig oder unregelmäßig ist, spielt dafür keine Rolle.

Ein nützlicher Unterschied zum Deutschen

Im Deutschen erkennt man ein Partizip oft an ge-, etwa „gemacht“, „geschrieben“ oder „gesehen“. Im Italienischen gibt es kein entsprechendes allgemeines Präfix. Man muss daher nicht nach einem „italienischen ge-“ suchen, sondern die ganze Form lernen: fare → fatto, scrivere → scritto, vedere → visto.

Auch die Übersetzung der Zeitform ist nicht immer eins zu eins. Italienisches Ho visto Marco ieri wird natürlich mit „Ich habe Marco gestern gesehen“ wiedergegeben; je nach Stil kann eine deutsche Übersetzung aber auch im Präteritum stehen. Entscheidend ist die italienische Bildung, nicht die Zeitform, die im deutschen Satz am elegantesten klingt.

Beispiele im Kontext

Italienisch Deutsch Hinweis
Ho fatto i compiti dopo cena. Ich habe nach dem Abendessen die Hausaufgaben gemacht. fare → fatto
Hai scritto tu questo messaggio? Hast du diese Nachricht geschrieben? scrivere → scritto
Marta ha letto tutto il libro in due giorni. Marta hat das ganze Buch in zwei Tagen gelesen. Nach avere bleibt letto unverändert.
Abbiamo detto la verità. Wir haben die Wahrheit gesagt. dire → detto
Avete visto il nuovo film? Habt ihr den neuen Film gesehen? vedere → visto
I bambini hanno preso l’autobus. Die Kinder haben den Bus genommen. prendere → preso
Sono stato a Napoli tre volte. Ich bin dreimal in Neapel gewesen. Ein Mann oder Junge spricht.
Sono stata a Napoli tre volte. Ich bin dreimal in Neapel gewesen. Eine Frau oder ein Mädchen spricht.
Abbiamo aperto le finestre perché faceva caldo. Wir haben die Fenster geöffnet, weil es warm war. aprire → aperto
Chi ha chiuso la porta? Wer hat die Tür geschlossen? chiudere → chiuso
Dove hai messo le chiavi? Wohin hast du die Schlüssel gelegt? Sehr häufige Alltagsfrage mit messo.
Sara e Anna sono state molto gentili. Sara und Anna sind sehr freundlich gewesen. Weibliche Mehrzahl: state.
Non ho ancora visto quella mostra. Ich habe diese Ausstellung noch nicht gesehen. non … ancora bedeutet hier „noch nicht“.
Che cosa avete fatto ieri sera? Was habt ihr gestern Abend gemacht? Häufige Gesprächsfrage über Vergangenes.

Häufige Fehler

1. Eine regelmäßige Form erfinden

  • Falsch: Ho facciuto i compiti.
  • Richtig: Ho fatto i compiti.
  • Warum? Das Partizip von fare lautet fatto. Es wird als eigene Form gelernt und nicht mit der regelmäßigen Endung -uto gebildet.

2. Den Infinitiv nach dem Hilfsverb verwenden

  • Falsch: Abbiamo leggere il libro.
  • Richtig: Abbiamo letto il libro.
  • Warum? Nach abbiamo braucht man hier das Partizip letto, nicht den Infinitiv leggere („lesen“).

3. Das Hilfsverb weglassen

  • Falsch: Ieri fatto una torta.
  • Richtig: Ieri ho fatto una torta.
  • Warum? Das passato prossimo ist eine zusammengesetzte Zeit. Das Hilfsverb trägt die Person: ho fatto, hai fatto, ha fatto und so weiter.

4. Nach avere an das Subjekt angleichen

  • Falsch: Le ragazze hanno lette il libro.
  • Richtig: Le ragazze hanno letto il libro.
  • Warum? In der einfachen Konstruktion mit avere bleibt das Partizip unverändert. Die weibliche Mehrzahl des Subjekts macht aus letto also nicht lette.

5. Nach essere die Angleichung vergessen

  • Falsch: Maria è stato a Milano.
  • Richtig: Maria è stata a Milano.
  • Warum? Nach essere stimmt das Partizip mit dem Subjekt überein. Bei einer weiblichen Person endet es auf -a.

6. Die deutsche Hilfsverbwahl übertragen

  • Falsch: Sono preso l’autobus.
  • Richtig: Ho preso l’autobus.
  • Warum? Die italienische Verbindung lautet prendere l’autobus und bildet das passato prossimo mit avere. Die deutsche Formulierung „ich bin mit dem Bus gefahren“ darf die italienische Hilfsverbwahl nicht bestimmen.

Gebrauchshinweise

Unregelmäßige Partizipien sind weder besonders gehoben noch umgangssprachlich. Die häufigsten Formen kommen in allen Registern vor: in Gesprächen, Nachrichten, E-Mails und formellen Texten. Ho detto, abbiamo fatto und hai visto? gehören zu ganz gewöhnlichem Alltagsitalienisch.

Das italienische passato prossimo deckt oft Bereiche ab, für die das Deutsche je nach Region und Stil Perfekt oder Präteritum verwendet. È stato difficile kann daher sowohl „Es ist schwierig gewesen“ als auch natürlicher „Es war schwierig“ entsprechen. Daraus folgt aber nicht, dass stato im Italienischen weggelassen werden dürfte: Die italienische Form bleibt è stato.

Manche Partizipien treten auch ohne ausgeschriebenes Objekt auf, wenn der Zusammenhang klar ist: Hai già letto? („Hast du schon gelesen?“), Ho già fatto („Ich bin schon fertig / Ich habe es schon gemacht“) oder Non l’ho visto („Ich habe ihn/es nicht gesehen“). Solche kurzen Antworten sind im Gespräch sehr üblich.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A2 noch nicht vollständig beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in authentischen Texten früh auftauchen.

Partizipien als Adjektive

Ein Partizip kann wie ein Adjektiv verwendet werden, also wie ein Eigenschaftswort, das ein Nomen näher beschreibt. Dann richtet es sich nach dem betreffenden Nomen:

  • una porta aperta – eine offene Tür
  • due finestre chiuse – zwei geschlossene Fenster
  • un testo scritto a mano – ein handgeschriebener Text
  • le cose dette ieri – die gestern gesagten Dinge

Hier sind aperta, chiuse, scritto und dette keine unveränderlichen Formen nach avere, sondern beschreiben ein Nomen. Deshalb erscheinen alle vier Endungen -o, -a, -i, -e.

Vorangestellte direkte Objektpronomen

Ein direktes Objektpronomen ist ein kurzes Wort wie lo, la, li oder le, das ein bereits bekanntes direktes Objekt ersetzt: la lettera → la. Steht ein solches Pronomen vor einer Form mit avere, wird das Partizip gewöhnlich daran angeglichen:

  • Hai visto Maria? – Sì, l’ho vista.
  • Hai preso le chiavi? – Sì, le ho prese.
  • Avete letto i libri? – Sì, li abbiamo letti.

Das erklärt, warum neben der A2-Grundform ho visto Maria später auch l’ho vista vorkommt. Die Grundregel „nach avere meist unverändert“ bleibt für Sätze mit nachfolgendem Nomen richtig; das vorangestellte Pronomen schafft eine zusätzliche Konstruktion.

Wortfamilien helfen – aber nicht blind

Zusammengesetzte Verben behalten häufig das unregelmäßige Muster ihres Grundverbs:

  • scrivere → scritto, daher riscrivere → riscritto
  • vedere → visto, daher rivedere → rivisto
  • aprire → aperto, daher riaprire → riaperto
  • mettere → messo, daher permettere → permesso

Das ist eine starke Lernhilfe, aber keine ausnahmslose Regel für jedes denkbare Präfixverb. Neue Formen sollte man deshalb im Wörterbuch prüfen und anschließend als ganze Wortfamilie lernen.

Auch Passivformen verwenden das Partizip

In einer Passivkonstruktion – dabei steht das Ergebnis oder die betroffene Sache im Mittelpunkt – verbindet sich essere mit einem Partizip: La porta è stata aperta alle otto („Die Tür wurde um acht geöffnet“). Das Partizip des Vollverbs wird angeglichen: Il museo è stato chiuso, le porte sono state chiuse. Solche Formen gehören in ihrer systematischen Verwendung zu einem späteren Lernschritt, machen aber sichtbar, wie flexibel unregelmäßige Partizipien eingesetzt werden.

Lerntipps

  1. In kleinen Familien lernen: Nimm täglich drei Formen und sprich jeweils Infinitiv, Partizip und Beispielsatz laut: dire – detto – ho detto la verità. So bleibt die Form mit ihrer echten Verwendung verbunden.
  2. Zwei Listen statt einer führen: Schreibe Formen mit avere auf die eine Seite und Formen mit essere auf die andere. Ergänze bei essere sofort alle Endungen, etwa stato, stata, stati, state.
  3. Mit Abruf statt nur mit Lesen üben: Decke die Partizipspalte ab und bilde aus fare, vedere, prendere selbst fatto, visto, preso. Danach formuliere eine Frage und eine Antwort, zum Beispiel Hai visto il film? – Sì, l’ho visto.

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  • Voraussetzung: Passato prossimo – erklärt den Aufbau mit avere oder essere und die grundlegende Angleichung des Partizips.

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