Fortgeschrittene Phrasal Verbs im Englischen
Advanced Phrasal Verbs
Dieser Artikel ist Teil des Englisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Mehrteilige englische Phrasal Verbs wie put up with, come up with und get away with bilden jeweils eine feste Bedeutungseinheit. Bei den hier behandelten Verben steht ein Objekt hinter der gesamten Verbindung: put up with the noise oder put up with it. Endet die Verbindung mit einer Präposition, folgt auf ein weiteres Verb normalerweise die -ing-Form: look forward to seeing you.
Überblick
Auf dem Niveau C1 reicht es nicht mehr, nur häufige Zweierverbindungen wie turn off oder look after zu verstehen. Viele alltägliche, berufliche und journalistische Texte verwenden Verbindungen aus einem Verb und zwei weiteren Bestandteilen: come up with, make up for oder come up against. Ihre Gesamtbedeutung lässt sich oft nicht zuverlässig aus den einzelnen Wörtern ableiten. Put up with bedeutet beispielsweise nicht „etwas nach oben stellen mit“, sondern „etwas ertragen“.
In der Grammatik heißen diese Verbindungen auch mehrteilige Verben. Genauer kann man sie als Verbindungen aus Verb, Partikel und Präposition beschreiben. Eine Partikel ist hier ein kurzes Wort wie up, away oder forward, das zusammen mit dem Verb eine neue Bedeutung bildet; die abschließende Präposition, etwa with, to oder for, leitet das Objekt ein. Für das Lernen ist vor allem wichtig, die ganze Verbindung als Einheit zu speichern.
Für Deutschsprachige sind zwei Unterschiede besonders relevant. Deutsche trennbare Verben werden je nach Satzstellung aufgeteilt: „Sie schlägt eine Lösung vor.“ Bei den Verbindungen dieses Artikels bleibt die englische Wortgruppe dagegen zusammen: She came up with a solution. Außerdem entspricht einem englischen Phrasal Verb im Deutschen oft ein einzelnes Verb wie „ertragen“, „kompensieren“ oder „abschaffen“. Eine wörtliche Übertragung führt deshalb selten zum Ziel.
So funktioniert es
Aufbau und feste Wortfolge
Das Grundmuster lautet:
Subjekt + gebeugtes Verb + Partikel + Präposition + Objekt
Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird. Das Objekt ist die Person, Sache oder Handlung, auf die sich die Verbindung richtet.
- They came up with a plan.
- We ran up against an unexpected problem.
- She won't put up with that attitude.
Bei den Verben im Mittelpunkt dieses Artikels ist die Reihenfolge fest. Das Objekt steht nach dem letzten Bestandteil — auch wenn es ein Pronomen (ein kurzes Stellvertreterwort wie it oder them) ist:
- I can't put up with the noise.
- I can't put up with it.
- nicht: I can't put it up with.
Das unterscheidet diese Gruppe von trennbaren Zweierverbindungen wie turn the light off beziehungsweise turn it off. Die Trennungsregel für turn off darf also nicht auf put up with übertragen werden.
Nur das Verb wird gebeugt
Zeit, Person und Numerus (Einzahl oder Mehrzahl) werden nur am ersten Verb markiert. Partikel und Präposition bleiben unverändert:
| Form | Englisches Beispiel | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|
| Grundform | come up with | sich etwas einfallen lassen |
| Gegenwart, 3. Person | She comes up with good ideas. | Ihr fallen gute Ideen ein. |
| Vergangenheit | She came up with a solution. | Sie fand eine Lösung. |
| Verlaufsform | She is coming up with alternatives. | Sie entwickelt gerade Alternativen. |
| Perfektpartizip | They have come up with a compromise. | Sie haben einen Kompromiss gefunden. |
Bei unregelmäßigen Verben muss die entsprechende Verbform gelernt werden: come – came – come, get – got – got/gotten, make – made – made. Im britischen Englisch ist im Perfekt meist got üblich; amerikanisches Englisch verwendet in vielen Bedeutungen gotten. In der festen Verbindung hört man daher amerikanisch häufig has gotten away with it, britisch eher has got away with it.
Die sieben zentralen Verbindungen
| Verbindung | Kernbedeutung | Typische Ergänzung |
|---|---|---|
| come up with | eine Idee, Antwort oder Lösung entwickeln | an idea, a plan, an explanation |
| put up with | etwas Unangenehmes dulden oder ertragen | noise, delays, someone's behavior |
| look forward to | sich auf etwas Zukünftiges freuen | Substantiv oder -ing-Form |
| make up for | einen Nachteil oder Verlust ausgleichen | lost time, a mistake, the lack of something |
| get away with | ohne Strafe oder negative Folge davonkommen | Substantiv oder -ing-Form |
| do away with | etwas abschaffen oder beseitigen | a rule, a requirement, an old system |
| come up against | auf Widerstand oder ein Hindernis stoßen | opposition, a limit, a problem |
Ein Substantiv ist ein Wort für eine Person, Sache oder Vorstellung, etwa delay, rule oder opposition. Statt eines Substantivs kann nach manchen dieser Verbindungen auch eine Handlung in der -ing-Form stehen.
Warum nach to eine -ing-Form steht
In look forward to ist to eine Präposition und kein Zeichen des Infinitivs. Ein Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, in englischen Wörterbüchern oft mit to angegeben: to see, to travel. Nach einer Präposition steht ein Verb jedoch als Gerundium, also als substantivisch verwendete -ing-Form:
- I look forward to hearing from you.
- They are looking forward to travelling again.
- nicht: I look forward to hear from you.
Dasselbe Prinzip gilt bei anderen abschließenden Präpositionen:
- He got away with lying to the committee.
- The extra staff made up for losing two days.
Allerdings klingt nicht jede theoretisch mögliche -ing-Ergänzung natürlich. Am sichersten ist es, häufige Wortgruppen als Ganzes zu lernen.
Aussage, Verneinung, Frage und Passiv
Fragen und Verneinungen folgen den normalen englischen Regeln. Im Simple Present und Simple Past kommt meist do hinzu:
- How did they come up with that figure?
- I don't know how she gets away with it.
- We won't put up with further delays.
Mehrere dieser Verbindungen können auch im Passiv stehen. Das Passiv beschreibt, was mit einer Sache geschieht, statt den Handelnden in den Mittelpunkt zu stellen. Die abschließende Präposition bleibt dabei stehen:
- Such conduct will not be put up with.
- The old requirement was done away with.
- The shortfall must be made up for.
Diese Passivformen sind grammatisch korrekt, wirken aber teilweise formeller und schwerer als eine aktive Formulierung. We will not put up with such conduct ist oft direkter als Such conduct will not be put up with.
Beispiele im Kontext
| Englisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| I can't put up with this noise any longer. | Ich kann diesen Lärm nicht länger ertragen. | any longer verstärkt die Grenze der Geduld. |
| She came up with a brilliant idea during the meeting. | Während der Besprechung hatte sie eine brillante Idee. | Gemeint ist das Entwickeln einer Idee. |
| We're looking forward to seeing you next week. | Wir freuen uns darauf, dich nächste Woche zu sehen. | Nach to steht seeing, nicht see. |
| He got away with the crime because there wasn't enough evidence. | Er kam mit der Straftat davon, weil es nicht genug Beweise gab. | Es gab keine Strafe. |
| A sincere apology would help make up for the inconvenience. | Eine aufrichtige Entschuldigung würde helfen, die Unannehmlichkeiten auszugleichen. | Häufig bei Wiedergutmachung. |
| The company did away with unnecessary approval steps. | Das Unternehmen schaffte unnötige Genehmigungsschritte ab. | Neutral: ein Verfahren beseitigen. |
| The proposal came up against strong opposition. | Der Vorschlag stieß auf starken Widerstand. | Das Subjekt begegnet einem Hindernis. |
| Can you come up with a less expensive alternative? | Fällt dir eine günstigere Alternative ein? | Häufig in Problemlösungen und Verhandlungen. |
| I won't put up with being spoken to like that. | Ich lasse es mir nicht gefallen, so angesprochen zu werden. | Nach with kann eine -ing-Form folgen. |
| She got away with submitting the report two weeks late. | Sie kam damit durch, den Bericht zwei Wochen zu spät abzugeben. | get away with kann auch kleinere Regelverstöße bezeichnen. |
| The bonus doesn't entirely make up for the extra workload. | Der Bonus gleicht die zusätzliche Arbeitsbelastung nicht vollständig aus. | Oft mit Gradadverbien wie entirely. |
| I look forward to hearing your thoughts on the proposal. | Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung zu dem Vorschlag. | Übliche, höfliche Wendung in E-Mails. |
| Researchers have come up against the limits of the current method. | Die Forschenden sind an die Grenzen der derzeitigen Methode gestoßen. | Typisch in sachlichen Texten. |
| No one should be allowed to get away with fraud. | Niemand sollte mit Betrug davonkommen dürfen. | allow someone to betont Verantwortung und Sanktionen. |
Häufige Fehler
1. Den Infinitiv nach look forward to verwenden
- Falsch: I'm looking forward to meet you.
- Richtig: I'm looking forward to meeting you.
- Warum: Das to gehört hier zur festen Verbindung und ist eine Präposition. Deshalb folgt bei einer Handlung die -ing-Form. Die deutsche Konstruktion „sich freuen, jemanden zu treffen“ verleitet besonders leicht zu diesem Fehler.
2. Das Objekt in die Verbindung einschieben
- Falsch: I can't put this behavior up with.
- Richtig: I can't put up with this behavior.
- Warum: Put up with ist in dieser Bedeutung untrennbar. Auch ein Pronomen steht hinten: I can't put up with it.
3. Get away with als körperliches Entkommen verstehen
- Falsch gemeint: The thief got away with the police.
- Richtig: The thief got away from the police.
- Warum: Get away from bezeichnet das Entkommen von einer Person oder einem Ort. Get away with a crime bedeutet dagegen, für eine Tat nicht bestraft zu werden. In The thief got away with the money kann with the money wörtlich „mit dem Geld“ bedeuten; der Kontext entscheidet dann.
4. Make up for mit make it up to someone verwechseln
- Unpassend: I want to make up for you after forgetting your birthday.
- Richtig: I want to make it up to you after forgetting your birthday.
- Warum: Make up for something gleicht einen Nachteil aus: This makes up for the delay. Möchte man es bei einer Person wiedergutmachen, heißt es make it up to someone.
5. Die Bedeutung Wort für Wort zusammensetzen
- Falsch gemeint: We did away with the old rule = „Wir erledigten etwas weit weg mit der alten Regel.“
- Richtig verstanden: „Wir schafften die alte Regel ab.“
- Warum: Die Gesamtbedeutung ist lexikalisch, also im Wortschatz als feste Einheit gespeichert. Einzelübersetzungen von do, away und with helfen hier nicht.
6. Come up with und come up against vertauschen
- Falsch: The team came up against a clever solution.
- Richtig: The team came up with a clever solution.
- Warum: Come up with beschreibt ein Ergebnis des Denkens. Come up against bezeichnet eine Schwierigkeit: The team came up against technical limitations.
Gebrauchshinweise
Phrasal Verbs gelten nicht automatisch als umgangssprachlich. Come up with, make up for und come up against sind auch in Besprechungen, Berichten und Qualitätsmedien normal. In sehr formellen Texten stehen daneben oft einteilige Alternativen wie devise, compensate for, encounter oder abolish. Die Alternative ist aber nicht in jedem Satz völlig bedeutungsgleich: put up with drückt häufig widerwillige Geduld aus, während tolerate distanzierter und formeller wirken kann.
Look forward to ist in privaten wie geschäftlichen Nachrichten üblich. I look forward to hearing from you klingt neutral bis förmlich; I'm looking forward to hearing from you wirkt persönlicher und gesprochener. In einer deutschen Übersetzung muss nicht jedes Wort sichtbar werden: Natürliches Deutsch sagt je nach Kontext „Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung“ statt einer engen Nachbildung der englischen Struktur.
Bei get away with schwingt meist Kritik oder Überraschung mit: Jemand verletzt eine Regel und trägt nicht die erwarteten Folgen. In Fragen wie How does he get away with it? zeigt die sprechende Person oft Missbilligung. Die Verbindung kann sich auf schwere Straftaten, aber ebenso auf Zuspätkommen, Schummeln oder unhöfliches Verhalten beziehen.
Do away with bedeutet bei Sachen meist „abschaffen“ oder „beseitigen“. Mit einer Person als Objekt kann es jedoch in älteren, dramatischen oder kriminalistischen Kontexten „jemanden töten“ heißen. Wer lediglich sagen will, dass eine Stelle oder Rolle entfällt, sollte deshalb eine eindeutigere Formulierung wie abolish the position oder remove the role wählen.
Über die Grundlagen hinaus: fortgeschrittener Gebrauch
Bedeutung entsteht durch typische Wortpartner
Auf C1-Niveau sollte nicht nur die Wörterbuchbedeutung sitzen, sondern auch die Kollokation — eine Wortverbindung, die im Sprachgebrauch besonders häufig zusammen auftritt. Natürliche Kombinationen sind zum Beispiel:
- come up with a proposal / solution / excuse
- put up with constant interruptions / poor service / abuse
- make up for lost time / a lack of experience / past mistakes
- come up against fierce resistance / legal barriers / practical limits
Solche Wortgruppen helfen mehr als isolierte Listen. Wer make up for nur als „kompensieren“ speichert, muss den Satz jedes Mal neu bauen. Wer make up for lost time als Einheit kennt, kann die Struktur leichter auf make up for lost income übertragen.
Feinere Bedeutungsunterschiede
Come up with an idea richtet den Blick auf die Person, die eine Idee entwickelt. An idea came up bedeutet dagegen, dass eine Idee im Gespräch auftauchte. Das kleine with verändert also sowohl die Satzstruktur als auch den Blickwinkel:
- Maya came up with the suggestion. — Maya entwickelte den Vorschlag.
- The suggestion came up during lunch. — Der Vorschlag kam beim Mittagessen zur Sprache.
Auch make up for bezeichnet nicht immer einen vollständigen Ausgleich. Adverbien (Wörter, die Art oder Grad näher bestimmen) präzisieren das Ergebnis: partly make up for, more than make up for, never quite make up for. In argumentativen Texten sind solche Abstufungen oft wichtiger als die Grundbedeutung.
Passiv und Präposition am Satzende
Formen wie The deficit must be made up for können Deutschsprachigen unfertig vorkommen, weil die Präposition am Ende steht. Im Englischen gehört for jedoch weiter zum Verb. Gerade in formellen Texten ermöglicht das Passiv, das betroffene Objekt als Thema an den Satzanfang zu setzen:
- Aktiv: Higher sales made up for the initial losses.
- Passiv: The initial losses were made up for by higher sales.
Nicht jede mögliche Passivform ist stilistisch gleich gut. A new strategy was come up with ist verständlich, klingt aber oft schwerfällig. Meist ist The team came up with a new strategy oder A new strategy was developed natürlicher. Grammatische Möglichkeit und guter Stil sind also nicht dasselbe.
Vorsicht vor vermeintlichen Universalregeln
Viele dreiteilige Phrasal Verbs sind untrennbar, darunter alle zentralen Verbindungen dieses Artikels. Daraus folgt aber keine Regel für jede längere Verbgruppe im Englischen. Bei put something down to experience steht beispielsweise ein Objekt mitten in der Verbindung. Entscheidend ist die Ergänzungsstruktur jedes einzelnen Verbs: Man lernt nicht nur put down to, sondern das Muster put something down to something.
Für ein belastbares C1-Vokabular sollte ein Eintrag deshalb vier Angaben enthalten: Bedeutung, feste Bestandteile, Position des Objekts und ein typischer Beispielsatz. Bei Verben mit Handlungen als Ergänzung kommt als fünfte Angabe die Form hinzu, etwa look forward to doing something.
Übungstipps
- Lerne Muster statt Einzelwörter. Notiere beispielsweise put up with something/someone und look forward to doing something. Ergänze jeweils einen Satz aus deinem Alltag, damit Objektposition und Verbform mitgelernt werden.
- Baue Bedeutungsnetze auf. Stelle ähnliche oder leicht verwechselbare Verbindungen gegenüber: come up with a solution / come up against a problem, get away from someone / get away with something. Formuliere zu jedem Paar einen klaren Kontrastsatz.
- Sammle echte Kollokationen. Markiere beim Lesen oder Hören das ganze Umfeld des Verbs, nicht nur die drei Kernwörter. Wiederhole etwa make up for lost time oder come up against strong opposition laut und verwende die Verbindung später in einer eigenen E-Mail oder Zusammenfassung.
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