C2

Fortgeschrittene Redewendungen im Englischen

Advanced Idioms

Dieser Artikel ist Teil des Englisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Fortgeschrittene englische Redewendungen versteht man nicht, indem man jedes Wort einzeln übersetzt. Entscheidend sind die übertragene Gesamtbedeutung, das feste Satzmuster und die kommunikative Wirkung: The ball is in your court heißt beispielsweise nicht nur „Du bist dran“, sondern überträgt der angesprochenen Person auch die Verantwortung für den nächsten Schritt.

Überblick

Eine Redewendung ist eine feste oder weitgehend feste Wortverbindung, deren Bedeutung sich nicht vollständig aus den einzelnen Wörtern ergibt. Bei once in a blue moon helfen die wörtlichen Bedeutungen von blue und moon kaum weiter: Gemeint ist „äußerst selten“. Solche Ausdrücke sind auf C2-Niveau wichtig, weil sie neben einer Sachinformation oft auch eine Haltung vermitteln. Wer sagt, jemand has an axe to grind, beschreibt nicht neutral dessen Meinung, sondern deutet Eigennutz oder Voreingenommenheit an.

Für die sichere Verwendung reicht es deshalb nicht, eine deutsche Entsprechung auswendig zu lernen. Man muss auch wissen, welche Bestandteile verändert werden dürfen, an welcher Stelle der Ausdruck im Satz steht und ob er sachlich, scherzhaft, kritisch oder leicht altmodisch klingt. Das ist besonders wichtig, weil eine passende deutsche Redewendung häufig ein anderes Bild verwendet: once in a blue moon entspricht je nach Kontext etwa „alle Jubeljahre“, nicht einer Formulierung über einen blauen Mond.

Im Mittelpunkt stehen hier fünf komplexe Ausdrücke: be at sixes and sevens, have an axe to grind, add insult to injury, once in a blue moon und the ball is in your court. Sie zeigen unterschiedliche grammatische Funktionen: Manche bilden das Prädikat (die Satzaussage mit dem Verb), manche kommentieren einen ganzen Vorgang, andere funktionieren wie eine Zeitangabe.

So funktionieren die Redewendungen

Bedeutung als Ganzes lernen

Bei einer idiomatischen Bedeutung ist das Bild nicht mit der Aussage gleichzusetzen. Das Bild kann als Gedächtnisstütze dienen, darf aber nicht Wort für Wort in die Zielsprache übertragen werden. Sinnvoll ist daher immer eine dreiteilige Lernnotiz:

  1. Kernbedeutung: Was wird sachlich ausgesagt?
  2. Wirkung: Welche Bewertung oder Haltung schwingt mit?
  3. Satzrahmen: Welche Teile sind fest, welche werden an Person und Zeit angepasst?

Die folgende Übersicht zeigt diesen Satzrahmen. Ein Platzhalter wie someone steht für eine Person; ein Schrägstrich zeigt mögliche Alternativen.

Redewendung und Muster Kernbedeutung Veränderliche Teile Typische Wirkung
be (all) at sixes and sevens völlig durcheinander oder schlecht organisiert sein be wird angepasst; all ist möglich anschaulich, vor allem britisch, teils leicht altmodisch
have an axe to grind ein persönliches Interesse oder eine eigene Agenda verfolgen have wird angepasst; Abschwächungen sind möglich kritisch, oft misstrauisch oder vorwurfsvoll
add insult to injury eine bereits schlechte Lage durch eine weitere Kränkung oder Zumutung verschlimmern add wird angepasst; oft als einleitende Formel wertend, häufig dramatisierend
once in a blue moon äußerst selten die ganze Gruppe bleibt fest informell und bildhaft
the ball is in someone’s court jemand ist für den nächsten Schritt verantwortlich Possessivform: my, your, her, our, their usw. direkt; häufig in Verhandlungen und im Berufsleben

Be (all) at sixes and sevens

Das Verb be trägt Person und Zeit: I am, they were, we have been at sixes and sevens. Der Rest bleibt normalerweise unverändert. Das fakultative all verstärkt den Eindruck: The team was all at sixes and sevens. Die Redewendung beschreibt Verwirrung, Unordnung oder mangelnde Koordination. Sie bezeichnet nicht einfach einen unordentlichen Gegenstand, sondern meist eine Situation, eine Gruppe oder eine Person, die nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Im heutigen Englisch ist der Ausdruck besonders mit britischem Englisch verbunden und kann bewusst etwas traditionsreich oder humorvoll klingen. Für einen neutralen internationalen Text sind in disarray, confused oder disorganized oft unauffälliger.

Have an axe to grind

Hier wird have angepasst: She has, they had, he may have an axe to grind. Die „Axt“ steht für ein persönliches Anliegen, das die dargestellte Meinung beeinflusst. Die Wendung unterstellt also mehr als bloßes Interesse: Die betreffende Person könnte die Diskussion nutzen, um ein eigenes Ziel zu verfolgen oder eine alte Auseinandersetzung weiterzuführen.

Wegen dieser Unterstellung sollte man den Ausdruck nicht leichtfertig über andere verwenden. Mit Modalverben (Verben wie may oder might, die Möglichkeit ausdrücken) und vorsichtigen Formulierungen lässt sich die Behauptung abschwächen: She may have an axe to grind oder He seems to have an axe to grind. Im amerikanischen Englisch kommt auch die Schreibweise ax vor; axe ist international gebräuchlich und in der festen Wendung sehr häufig.

Add insult to injury

Die Redewendung verbindet zwei negative Stufen: Zuerst entsteht ein Schaden oder Nachteil (injury), dann kommt eine zusätzliche Kränkung oder Zumutung (insult) hinzu. Beides muss nicht wörtlich eine Verletzung beziehungsweise Beleidigung sein. Nach einer teuren Zugverspätung kann etwa eine abweisende Antwort des Kundendienstes „das Ganze noch schlimmer machen“.

Häufig steht der Infinitiv (die Grundform des Verbs) als Kommentar am Satzanfang: To add insult to injury, ... Ebenso möglich ist die Form auf -ing: Adding insult to injury, the company refused to apologize. Als normales Prädikat erscheint der Ausdruck ebenfalls: The extra fee added insult to injury. Die Wortfolge insult to injury bleibt dabei fest.

Once in a blue moon

Diese Gruppe funktioniert als Adverbial, also als Zusatzangabe dazu, wann oder wie häufig etwas geschieht. Sie kann am Satzende oder zur Hervorhebung am Anfang stehen:

  • We eat out once in a blue moon.
  • Once in a blue moon, he calls just to chat.

Die Wendung ist eine bewusste Übertreibung und bedeutet nicht „in einem exakt berechenbaren Abstand“. Sie passt zu seltenen Ereignissen, nicht zu regelmäßig wiederkehrenden Vorgängen wie every six months. Die Bestandteile werden nicht ausgetauscht: Formen wie twice in a blue moon oder once under a blue moon sind keine normalen Varianten dieser Redewendung.

The ball is in someone’s court

Das Bild stammt vom Rückschlagspiel: Der Ball befindet sich auf der Seite der Person, die nun reagieren muss. Grammatisch verändert sich vor allem die Possessivform (das Wort, das Zugehörigkeit ausdrückt): in my court, in your court, in their court. Das Verb be zeigt die Zeit: The ball was in our court.

Neben dem Grundmuster gibt es produktive Erweiterungen. Put the ball in someone’s court bedeutet, die Entscheidung oder Verantwortung an jemanden zu übergeben. Mit back wird betont, dass sie zurückgegeben wird: We’ve answered their questions, so we’ve put the ball back in their court. Die Wendung kann neutral gemeint sein, aber auch Druck ausüben: Wer sie sagt, macht öffentlich klar, dass die andere Seite handeln soll.

Beispiele im Kontext

Englisch Deutsch Hinweis
I’m all at sixes and sevens today; I’ve missed two appointments already. Ich bin heute völlig durcheinander; ich habe schon zwei Termine verpasst. Eine Person ist unkonzentriert und unorganisiert.
The office was at sixes and sevens after the computer system failed. Nach dem Ausfall des Computersystems herrschte im Büro völliges Chaos. Beschreibt eine schlecht koordinierte Situation.
She has an axe to grind, so I wouldn’t treat her account as entirely neutral. Sie verfolgt eigene Interessen; deshalb würde ich ihre Darstellung nicht als völlig neutral betrachten. Die Wendung stellt die Unvoreingenommenheit infrage.
Does he genuinely object to the plan, or does he have an axe to grind? Hat er wirklich etwas gegen den Plan, oder verfolgt er damit ein persönliches Ziel? Die Frage lässt beide Möglichkeiten offen.
The airline lost my luggage and, to add insult to injury, charged me for the replacement ticket. Die Fluggesellschaft verlor mein Gepäck und verlangte zu allem Überfluss auch noch Geld für das Ersatzticket. Einleitender Kommentar zu einer zweiten Zumutung.
Their refusal to apologize merely added insult to injury. Ihre Weigerung, sich zu entschuldigen, machte das Ganze nur noch schlimmer. Die Wendung bildet hier das Prädikat.
We only see each other once in a blue moon, but we always pick up where we left off. Wir sehen uns nur alle Jubeljahre, knüpfen aber immer sofort wieder an unser letztes Gespräch an. Seltene, jedoch positive Begegnung.
Once in a blue moon, the usually cautious editor publishes something truly provocative. Höchst selten veröffentlicht der sonst vorsichtige Redakteur etwas wirklich Provokantes. Anfangsstellung hebt die Seltenheit hervor.
I’ve sent you the revised figures; the ball is in your court now. Ich habe dir die überarbeiteten Zahlen geschickt; jetzt bist du am Zug. Der nächste Schritt liegt bei der angesprochenen Person.
We made a reasonable offer, so the ball is firmly in their court. Wir haben ein vernünftiges Angebot gemacht; nun liegt die Verantwortung eindeutig bei ihnen. Firmly verstärkt die Zuweisung der Verantwortung.
By requesting a written proposal, the committee put the ball back in our court. Mit der Bitte um einen schriftlichen Vorschlag gab der Ausschuss den nächsten Schritt an uns zurück. Produktive Variante mit put ... back.
Everyone had an axe to grind, and the meeting soon descended into confusion. Alle verfolgten ihre eigenen Interessen, und die Besprechung versank bald im Chaos. Der Plural bezieht sich auf mehrere Einzelinteressen.

Häufige Fehler

Die Wörter einzeln übersetzen

  • Falsch: I see my cousins all jubilee years.
  • Richtig: I see my cousins once in a blue moon.
  • Warum: „Alle Jubeljahre“ hat im Englischen ein anderes sprachliches Bild. Eine selbst gebaute wörtliche Übersetzung ist für englischsprachige Personen nicht verständlich.

Das feste Muster verändern

  • Falsch: The ball is on your court now.
  • Richtig: The ball is in your court now.
  • Warum: Die feste Präposition lautet in. Dass im Deutschen „der Ball bei jemandem liegt“, ändert die englische Verbindung nicht.

At sixes and sevens nur als „unordentlich“ verstehen

  • Falsch: One sock is at sixes and sevens on the floor.
  • Richtig: After the sudden change of plan, we were all at sixes and sevens.
  • Warum: Die Wendung bezeichnet allgemeine Verwirrung oder fehlende Organisation, nicht die bloße Lage eines einzelnen Gegenstands.

An axe to grind als neutrale Motivation verwenden

  • Falsch: She volunteers at the shelter because she has an axe to grind.
  • Richtig: She volunteers at the shelter because she cares about animal welfare.
  • Warum: Have an axe to grind klingt misstrauisch und deutet Eigennutz, Voreingenommenheit oder einen persönlichen Konflikt an. Für eine offen genannte positive Motivation ist es ungeeignet.

Ursache und zusätzliche Kränkung vertauschen

  • Falsch: To add insult to injury, the hotel upgraded us after the delay.
  • Richtig: To make up for the delay, the hotel upgraded us.
  • Warum: Add insult to injury verlangt eine zweite negative Entwicklung. Eine Entschädigung verbessert die Lage und passt daher nicht.

Die deutsche Satzstellung übernehmen

  • Falsch: Once in a blue moon we see us.
  • Richtig: We see each other once in a blue moon.
  • Warum: Für das gegenseitige „uns“ braucht Englisch hier each other. Die Redewendung ersetzt nur die Häufigkeitsangabe; sie verändert nicht die übrige Satzgrammatik.

Hinweise zu Gebrauch und Register

Die fünf Ausdrücke sind nicht gleich markiert. Once in a blue moon ist locker und im Gespräch unkompliziert. The ball is in your court kommt sowohl im Alltag als auch in E-Mails, Verhandlungen und Medienkommentaren häufig vor. In einer höflichen Nachricht kann es allerdings fordernd wirken. Eine weichere Alternative wäre: Let me know how you’d like to proceed.

Have an axe to grind ist stärker wertend. Es schreibt jemandem eine verborgene Motivation zu und kann deshalb eine Diskussion verschärfen. In sachlichen oder wissenschaftlichen Texten ist eine genaue Beschreibung meist besser, etwa The author has a financial interest in the outcome. So wird der mögliche Interessenkonflikt benannt, ohne durch ein Bild zusätzliche Absichten zu unterstellen.

Add insult to injury ist deutlich dramatisierend. Bei kleinen Ärgernissen kann das humorvoll sein: I missed the bus and, to add insult to injury, it started raining. In einem nüchternen Bericht klingt die Wendung dagegen schnell wie ein Kommentar der schreibenden Person. To make matters worse ist ähnlich, aber weniger bildhaft und enthält nicht unbedingt den Beiklang einer zusätzlichen Demütigung.

At sixes and sevens begegnet besonders im britischen Englisch. Man sollte die Wendung verstehen, muss sie aber nicht in jedem internationalen Kontext aktiv verwenden. Wer bewusst britisch, erzählerisch oder leicht humorvoll formuliert, kann mit ihr eine treffende Wirkung erzielen. Die neutraleren Wörter confused, disorganized und in disarray sind stilistisch breiter einsetzbar.

Deutsche Entsprechungen sind stets kontextabhängig. The ball is in your court kann „Du bist am Zug“, „Jetzt liegt es an dir“ oder „Die Entscheidung liegt bei dir“ heißen. Umgekehrt lässt sich „Jetzt bist du dran“ nicht immer mit dieser Redewendung übersetzen: Beim Abwasch oder in einer Spielrunde ist meist schlicht It’s your turn gemeint. The ball is in your court betont dagegen einen ausstehenden Schritt oder eine Verantwortung.

Über die Grundbedeutung hinaus

Haltung durch kleine Zusätze steuern

Fortgeschrittene Beherrschung zeigt sich nicht darin, möglichst viele Redewendungen in einen Text einzubauen. Wichtiger ist, ihre Stärke gezielt zu dosieren. Adverbien (Wörter, die eine Aussage näher bestimmen) und Modalverben können dabei die Haltung verändern:

Formulierung Wirkung
He has an axe to grind. direkte, starke Behauptung
He may have an axe to grind. vorsichtige Vermutung
He clearly has an axe to grind. betonter Vorwurf
The ball is in their court. Zuweisung des nächsten Schritts
The ball is firmly in their court. nachdrückliche Zuweisung; weiterer Druck
The ball seems to be in their court. zurückhaltende Einschätzung

Auch die Einbettung entscheidet über den Ton. I’m afraid the ball is in your court now klingt oberflächlich höflicher, kann aber in einer angespannten Verhandlung dennoch Druck ausüben. Auf C2-Niveau zählt daher nicht nur die Wörterbuchbedeutung, sondern auch die Pragmatik – also das, was eine Äußerung in der konkreten Situation bewirkt.

Feste Kerne und erlaubte Erweiterungen

Redewendungen sind fest, aber nicht immer völlig unveränderlich. Der Kern bleibt erhalten, während die normale Grammatik außen herum arbeitet:

  • Zeit und Person: They had been at sixes and sevens for weeks.
  • Verneinung: I don’t have an axe to grind.
  • Modalität: This could add insult to injury.
  • Hervorhebung: The ball is now very much in the regulator’s court.
  • Übergabe: That decision put the ball back in our court.

Nicht jede denkbare Umformung klingt jedoch natürlich. Eine grammatisch mögliche Passivform wie Insult was added to injury wirkt künstlich, weil englischsprachige Personen den Ausdruck gewöhnlich in den etablierten aktiven Mustern verwenden. Bei Idiomen ist „grammatisch bildbar“ also nicht automatisch „idiomatisch üblich“.

Ähnliche Ausdrücke sauber abgrenzen

Nahe Bedeutungen sind nicht austauschbar. To make matters worse benennt lediglich eine Verschlechterung; to add insult to injury hebt zusätzlich die als unfair, kränkend oder demütigend empfundene zweite Stufe hervor. It’s your turn regelt eine Reihenfolge; the ball is in your court weist Verantwortung für eine Reaktion zu. Und rarely ist neutral, während once in a blue moon Seltenheit anschaulich und oft leicht übertreibend darstellt.

Gerade beim Schreiben lohnt sich diese Unterscheidung. Eine Redewendung sollte einen inhaltlichen oder stilistischen Mehrwert haben. Wenn nur eine präzise Häufigkeitsangabe benötigt wird, ist rarely oder about twice a year besser. Wenn persönliche Interessen sachlich belegt werden können, ist eine konkrete Formulierung genauer als an axe to grind.

Übungstipps

  1. Lerne ganze Satzrahmen. Schreibe nicht nur an axe to grind auf eine Karte, sondern etwa Someone may have an axe to grind because .... So übst du Bedeutung, Grammatik und vorsichtige Bewertung gemeinsam.
  2. Ordne Situationen nach Wirkung. Formuliere für dieselbe Lage zunächst eine neutrale Aussage und dann eine idiomatische: We rarely meetWe meet once in a blue moon. Notiere, was sich am Ton ändert.
  3. Sammle echte Belege mit Kontext. Achte in Podcasts, Zeitungen und Serien darauf, wer die Wendung verwendet, über wen gesprochen wird und welche Reaktion folgt. Übernimm nicht nur den Einzelsatz, sondern auch Register und Gesprächssituation.

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