B1

Unpersönliche Konstruktionen im Dänischen

Upersonlige Konstruktioner

Dieser Artikel ist Teil des Dänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit man spricht man allgemein über Menschen, Regeln und typische Handlungen: Man skal ikke løbe her. Mit det und einem Passiv lässt sich dagegen eine Aussage, Empfehlung oder Annahme ohne handelnde Person formulieren: Det anbefales at bestille. Viele feste Wendungen verwenden ebenfalls det, obwohl es keine konkrete Sache bezeichnet.

Überblick

Unpersönliche Konstruktionen sind Sätze, in denen keine bestimmte Person als Handelnde genannt wird. Im Dänischen begegnen sie besonders in Regeln, Anleitungen, Nachrichten, Hinweisen und allgemeinen Aussagen. Auf dem Niveau B1 sind drei Muster besonders wichtig: man als allgemeines Pronomen, det als formales Subjekt (ein grammatisch notwendiges Satzglied ohne konkrete Bedeutung) und feste unpersönliche Ausdrücke.

Für Deutschsprachige ist der Einstieg vergleichsweise leicht, weil dänisch man oft genau dem deutschen „man“ entspricht. Auch det regner ähnelt „es regnet“. Trotzdem darf man die deutschen Formen nicht automatisch übertragen: Das deutsche unpersönliche Passiv mit „es wird …“ wird im Dänischen häufig kompakter mit det + s-Passiv ausgedrückt, etwa Det siges, at … Außerdem haben det und der unterschiedliche Aufgaben.

Solche Formulierungen lenken die Aufmerksamkeit weg von der handelnden Person. Man anbefaler at bestille bord stellt eine allgemein handelnde Gruppe in den Hintergrund; Det anbefales at bestille bord lässt sie ganz unerwähnt und klingt sachlicher. Diese Wahl beeinflusst also nicht nur die Grammatik, sondern auch Ton und Perspektive.

So funktioniert es

1. Allgemeine Aussagen mit man

Man ist ein Pronomen (ein Wort, das für eine Person oder Personengruppe steht). Es bezeichnet Menschen im Allgemeinen, eine nicht näher genannte Gruppe oder Personen in einer bestimmten Situation. Das Verb steht wie bei anderen dänischen Subjekten in der normalen finiten Form (der Verbform, die Tempus trägt).

Muster Dänisches Beispiel Bedeutung
man + Verb Man lærer af sine fejl. Aus Fehlern lernt man.
man + Modalverb + Grundform Man skal vise billet. Man muss die Fahrkarte zeigen.
man + Verneinung Man må ikke ryge her. Hier darf man nicht rauchen.
Zeit/Ort + Verb + man I Danmark spiser man ofte rugbrød. In Dänemark isst man oft Roggenbrot.

Wie im Deutschen wird man kleingeschrieben und darf nicht mit dem Substantiv mand „Mann“ verwechselt werden. Es bezeichnet keine konkrete, bereits bekannte Einzelperson. Wenn beispielsweise eindeutig Peter gemeint ist, braucht man han und nicht man.

Bei der Wortstellung gelten die gewöhnlichen dänischen Regeln. In einem Aussagesatz steht das finite Verb an zweiter Stelle. Beginnt der Satz mit Zeit, Ort oder einem anderen Satzglied, folgt deshalb das Verb vor man:

  • Man arbejder mindre om fredagen. — Freitags arbeitet man weniger.
  • Om fredagen arbejder man mindre. — Freitags arbeitet man weniger.

In einem Nebensatz (einem abhängigen Satz, zum Beispiel nach at „dass“) steht ein Satzadverb wie ikke vor dem finiten Verb:

  • Man løber ikke her. — Hier läuft man nicht.
  • Skiltet viser, at man ikke må løbe her. — Das Schild zeigt, dass man hier nicht laufen darf.

Wenn später auf das allgemeine Subjekt Bezug genommen wird, erscheinen häufig en als Objektform und ens als besitzanzeigende Form:

  • Man ved aldrig, hvad der venter en. — Man weiß nie, was einen erwartet.
  • Man skal passe på ens ting. — Man muss auf seine Sachen aufpassen.

Daneben ist das rückbezügliche Possessiv sin/sit/sine sehr gebräuchlich, wenn der Besitz klar zum Subjekt man gehört: Man skal passe på sine ting. In natürlicher Sprache schwankt die Wahl teilweise; für Lernende ist vor allem wichtig, nicht plötzlich zu du oder din zu wechseln, wenn die Aussage konsequent allgemein bleiben soll.

2. Sachliche Aussagen mit det und Passiv

In Sätzen wie Det siges, at han er rig verweist det nicht auf einen Gegenstand. Es besetzt formal die Subjektstelle; der folgende at-Satz enthält die eigentliche Mitteilung. Siges ist das s-Passiv von sige „sagen“: Die Endung -s macht aus der aktiven Aussage eine passive Form, ohne die Sprechenden zu nennen.

Aktive oder persönliche Form Unpersönliche Form Wirkung
Folk siger, at han er rig. Det siges, at han er rig. sachlicher, Quelle bleibt offen
Vi anbefaler, at du bestiller. Det anbefales, at du bestiller. formelle Empfehlung
Eksperterne forventer, at priserne falder. Det forventes, at priserne falder. Erwartung steht im Mittelpunkt
Kommunen oplyser, at vejen er lukket. Det oplyses, at vejen er lukket. amtlicher oder schriftlicher Ton

Das Grundmuster lautet:

det + finites Passiv + at-Satz

  • Det antages, at planen virker. — Es wird angenommen, dass der Plan funktioniert.
  • Det forventes, at toget kommer til tiden. — Es wird erwartet, dass der Zug pünktlich kommt.

Nach Verben des Empfehlens, Ratens oder Erlaubens kann statt eines at-Satzes eine Infinitivgruppe folgen. Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs; im Dänischen steht davor oft at:

det + finites Passiv + at + Infinitiv

  • Det anbefales at bestille bord. — Es wird empfohlen, einen Tisch zu reservieren.
  • Det frarådes at bade her. — Vom Baden hier wird abgeraten.

Beide at erfüllen unterschiedliche Aufgaben. In Det siges, at han kommer leitet at einen Satz mit eigenem Subjekt (han) ein. In Det anbefales at bestille markiert at die Grundform bestille; ein eigenes genanntes Subjekt fehlt.

Das unpersönliche Passiv ist nicht auf das s-Passiv beschränkt. Für ein abgeschlossenes Ereignis ist det blev + Partizip häufig. Ein Partizip ist hier die Verbform, die zusammen mit blev das Passiv bildet:

  • Det blev besluttet at udsætte mødet. — Es wurde beschlossen, das Treffen zu verschieben.
  • Det blev meddelt, at kontoret lukkede. — Es wurde mitgeteilt, dass das Büro schloss.

Das s-Passiv passt besonders gut zu allgemeinen, wiederholten oder institutionellen Aussagen; blev + Partizip stellt eher ein konkretes Geschehen in der Vergangenheit dar.

3. Feste Ausdrücke mit unpersönlichem det

Nicht jedes unpersönliche det gehört zu einem Passiv. Dänisch braucht wie Deutsch in vielen Sätzen ein formales Subjekt, obwohl keine Person oder Sache handelt.

Bereich Dänisches Muster Beispiel
Wetter det regner/sner/blæser Det blæser meget i dag.
Zeit und Entfernung det tager … Det tager en time at køre dertil.
Bewertung det er + Adjektiv + at … Det er svært at forklare.
Anschein det ser ud til, at … Det ser ud til, at hun har ret.
Thema det drejer sig om … Det drejer sig om penge.
Notwendigkeit det gælder om at … Det gælder om at være tålmodig.

Bei Det er vigtigt, at du kommer kündigt det den nachfolgenden Aussage an: Wichtig ist, dass du kommst. Bei Det er vigtigt at komme til tiden folgt dagegen eine allgemeine Handlung ohne ausdrücklich genanntes Subjekt.

4. Det und der auseinanderhalten

Deutsch verwendet in verschiedenen Konstruktionen „es“. Dänisch unterscheidet jedoch det und der. Der führt häufig etwas neu Vorhandenes ein: Der er en fejl i teksten „Im Text ist ein Fehler“. Det steht bei Wetter und Bewertungen; in Det siges, at … weist es auf die folgende Aussage voraus.

  • Der er mange regler. — Es gibt viele Regeln.
  • Det er svært at huske reglerne. — Es ist schwer, sich die Regeln zu merken.
  • Det siges, at reglerne bliver ændret. — Es heißt, dass die Regeln geändert werden.

Allerdings ist auch Der siges, at reglerne bliver ændret grammatisch möglich. Der kann nämlich ebenfalls in unpersönlichen Passivsätzen auftreten. Für den Einstieg ist det siges/forventes/antages, at … ein verlässliches Muster; der darf aber nicht in jeder Passivkonstruktion pauschal als Fehler gelten.

Beispiele im Zusammenhang

Dänisch Deutsch Hinweis
Man skal ikke løbe her. Hier soll man nicht laufen. Regel mit man
Man kan ikke lide alle. Man kann nicht alle mögen. allgemeine menschliche Erfahrung
I Danmark tager man ofte cyklen. In Dänemark fährt man oft mit dem Fahrrad. Ortsangabe zuerst, daher Verb vor man
Når man er træt, laver man flere fejl. Wenn man müde ist, macht man mehr Fehler. man in Haupt- und Nebensatz
Man ved aldrig, hvad der kan ske. Man weiß nie, was passieren kann. feste allgemeine Aussage
Det siges, at han er rig. Es heißt, dass er reich ist. Quelle bleibt ungenannt
Det anbefales at bestille bord. Es wird empfohlen, einen Tisch zu reservieren. Passiv mit Infinitivgruppe
Det forventes, at alle møder til tiden. Es wird erwartet, dass alle pünktlich erscheinen. formelle Erwartung
Det blev besluttet at aflyse mødet. Es wurde beschlossen, das Treffen abzusagen. konkreter Beschluss in der Vergangenheit
Det er svært at høre forskellen. Es ist schwer, den Unterschied zu hören. Bewertung mit Infinitiv
Det ser ud til, at bussen er forsinket. Es sieht so aus, als hätte der Bus Verspätung. feste Wendung
Det tager kun ti minutter at gå derhen. Es dauert nur zehn Minuten, dorthin zu gehen. Zeitdauer
Det gælder om at holde hovedet koldt. Es kommt darauf an, einen kühlen Kopf zu bewahren. feste unpersönliche Wendung
Der er ingen grund til at skynde sig. Es gibt keinen Grund, sich zu beeilen. Existenz mit der, nicht det

Häufige Fehler

Man mit mand verwechseln

  • Falsch: Mand skal ikke løbe her.
  • Richtig: Man skal ikke løbe her.
  • Warum: Man ist das allgemeine Pronomen „man“. En mand bedeutet „ein Mann“ und braucht in dieser Bedeutung normalerweise einen Artikel.

Nach einem vorangestellten Satzglied die deutsche Reihenfolge behalten

  • Falsch: I Danmark man spiser ofte rugbrød.
  • Richtig: I Danmark spiser man ofte rugbrød.
  • Warum: Im dänischen Aussagesatz steht das finite Verb an zweiter Stelle. Wenn I Danmark an erster Stelle steht, folgt spiser vor dem Subjekt man.

Im Nebensatz ikke zu spät setzen

  • Falsch: Skiltet siger, at man må ikke parkere her.
  • Richtig: Skiltet siger, at man ikke må parkere her.
  • Warum: Im Nebensatz steht ikke vor dem finiten Verb . Im selbstständigen Hauptsatz lautet die Reihenfolge dagegen: Man må ikke parkere her.

Einen at-Satz mit einem Infinitiv verwechseln

  • Falsch: Det anbefales, at bestille bord.
  • Richtig: Det anbefales at bestille bord.
  • Auch richtig: Det anbefales, at man bestiller bord.
  • Warum: Beim Infinitiv at bestille steht kein Komma und kein eigenes Subjekt. Leitet at einen vollständigen Nebensatz ein, braucht dieser ein Subjekt, hier man.

Das Passiv doppelt markieren

  • Falsch: Det bliver anbefales at bestille.
  • Richtig: Det anbefales at bestille.
  • Auch richtig: Det bliver anbefalet at bestille.
  • Warum: Entweder trägt das Verb die Passivendung -s, oder blive wird mit einem Partizip wie anbefalet verbunden. Beide Muster dürfen nicht vermischt werden.

man für eine bestimmte Person verwenden

  • Falsch: Lars ringede. Man kommer klokken otte.
  • Richtig: Lars ringede. Han kommer klokken otte.
  • Warum: Ist eine konkrete Person gemeint, braucht man das passende persönliche Pronomen. Man hält die Identität grundsätzlich allgemein oder offen.

Gebrauchshinweise

Man ist im Dänischen ganz normal und keineswegs nur förmlich. Es passt zu Gesprächen ebenso wie zu Sachtexten: Man bliver træt af at vente. In direkter Ansprache wird es jedoch oft durch du ersetzt, besonders in Anleitungen, Werbung und freundlichen Ratschlägen. Du klikker på knappen spricht die lesende Person unmittelbar an; Man klikker på knappen beschreibt das Vorgehen allgemeiner und kann distanzierter klingen.

Vi kann ebenfalls verallgemeinern, schließt aber die sprechende Person und meist auch das Gegenüber ein: Vi har alle brug for søvn „Wir alle brauchen Schlaf“. Folk bedeutet „die Leute“ und verhält sich als inhaltlich genanntes Subjekt: Folk siger så meget „Die Leute reden viel“. Diese Formen sind daher nicht völlig austauschbar.

Das Muster det + s-Passiv ist in Nachrichten, Behördeninformationen, wissenschaftsnahen Texten und formellen Empfehlungen besonders häufig. Es kann neutral wirken, aber auch verschleiern, wer etwas behauptet oder verlangt. Wenn die Quelle wichtig ist, sollte sie genannt werden: Statt Det påstås, at … kann Ministeren påstår, at … genauer sein.

In alltäglicher Sprache werden manche Passivformulierungen durch aktive Sätze ersetzt. De siger, at det bliver dyrt kann umgangssprachlicher klingen als Det siges, at det bliver dyrt. Das dänische de bedeutet hier sinngemäß „die Leute“ oder „man“, obwohl keine konkrete Gruppe erklärt wird.

Über die Grundlagen hinaus

Unpersönliche Konstruktionen erlauben feine Unterschiede bei Informationsstruktur und Stil. Vergleiche drei Möglichkeiten:

  • Eksperter mener, at planen virker. — Experten meinen, dass der Plan funktioniert.
  • Man mener, at planen virker. — Man meint, dass der Plan funktioniert.
  • Det menes, at planen virker. — Es wird angenommen, dass der Plan funktioniert.

Der erste Satz nennt die Quelle, der zweite lässt sie allgemein, und der dritte rückt die Einschätzung selbst in den Mittelpunkt. Je stärker eine Aussage passiv und unpersönlich formuliert ist, desto weniger sichtbar ist die verantwortliche Person.

In formeller Sprache kann der inhaltliche Nebensatz auch vorangestellt werden: At reglerne skal ændres, anses for nødvendigt. Das bedeutet „Dass die Regeln geändert werden müssen, gilt als notwendig“. Diese Struktur ist grammatisch, wirkt aber deutlich dichter und schriftsprachlicher als Det anses for nødvendigt, at reglerne ændres. Für die eigene B1-Produktion ist die Variante mit det meist leichter und natürlicher.

Außerdem kann ein passiver Bericht auf eine Person als Satzgegenstand umgebaut werden:

  • Det siges, at hun bor i Aarhus. — Es heißt, dass sie in Aarhus wohnt.
  • Hun siges at bo i Aarhus. — Sie soll angeblich in Aarhus wohnen.

Die zweite Konstruktion ist kompakt und typisch für gehobene schriftliche Darstellung. Das Subjekt hun ist nicht die Person, die etwas sagt; sie ist die Person, über die gesprochen wird. Solche verdichteten Formen sollte man zunächst sicher erkennen, bevor man sie selbst häufig verwendet.

Schließlich ist det nicht immer bedeutungsleer. In Jeg købte huset. Det var dyrt verweist det konkret auf das Haus oder den Kauf. In Det er dyrt at købe hus ist det dagegen formal und kündigt die Handlung at købe hus an. Der Kontext entscheidet also, ob det einen Inhalt aufgreift oder nur die Subjektstelle besetzt.

Lerntipps

  1. Formuliere jede Aussage dreifach. Beginne mit einer genannten Quelle, ersetze sie dann durch man und schließlich durch det + Passiv: Læger anbefaler … → Man anbefaler … → Det anbefales …. Achte darauf, wie sich der Ton verändert.
  2. Sammle echte Hinweissätze. Suche auf dänischen Webseiten nach det anbefales, det forventes, det er vigtigt und man skal. Notiere jeweils, ob ein at-Satz oder ein Infinitiv folgt.
  3. Übe Wortstellung paarweise. Bilde aus Man må ikke parkere her sowohl Her må man ikke parkere als auch Skiltet viser, at man ikke må parkere her. So trainierst du gleichzeitig die Verbzweitstellung und die Nebensatzstellung.

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