B1

Zusammengesetzte Verbalnomen im Walisischen

Berfenwau Cyfansawdd

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Walisische Verbalnomen (berfenwau, verbale Grundformen) können aus anderen Wörtern abgeleitet sein, mit ym- beginnen oder Teil einer festen Verbindung mit gwneud, cael oder rhoi sein. Grammatisch verwendet man sie wie andere Verbalnomen, etwa in Dw i'n defnyddio ... oder Dw i wedi penderfynu ...; ihre genaue Form und ihre Ergänzungen lernt man jedoch am besten als vollständige Einheit.

Überblick

Ein Verbalnomen ist die walisische Grundform eines Verbs, zum Beispiel mynd „gehen“ oder darllen „lesen“. Es entspricht oft dem deutschen Infinitiv, deckt aber zugleich Verwendungen ab, die im Deutschen eher wie ein substantivierter Vorgang wirken. Auf B1 erweitert sich der Wortschatz um längere und strukturell komplexere Verbalnomen wie penderfynu „(sich) entscheiden“, defnyddio „benutzen“, ymddiheuro „sich entschuldigen“ und ymddwyn „sich benehmen“.

Die Bezeichnung „zusammengesetzt“ umfasst hier mehrere verwandte Erscheinungen. Manche Verbalnomen gehören erkennbar zu einer Wortfamilie, etwa defnydd „Gebrauch, Nutzen“ und defnyddio „benutzen“. Andere beginnen mit ym-, einem Bestandteil, der häufig eine wechselseitige, auf das Subjekt zurückwirkende oder zustandsverändernde Bedeutung trägt. Daneben bildet das Walisische viele feste verbale Ausdrücke mit häufigen Verben wie gwneud „machen“, cael „bekommen“ und rhoi „geben“.

Für Deutschsprachige ist vor allem wichtig, nicht Wort für Wort zu bauen. Ein deutsches Verb kann im Walisischen einem einzelnen Verbalnomen entsprechen, aber ebenso einer festen Wortgruppe. Umgekehrt ist das deutsche Reflexivpronomen sich bei Verben mit ym- normalerweise nicht als eigenes walisisches Wort wiederzugeben.

So funktioniert es

1. Abgeleitete Verbalnomen als Wortschatzeinheiten

Viele längere Verbalnomen sind mit einem Nomen (einem Wort für eine Sache oder einen Begriff) oder mit einem Adjektiv (einem Eigenschaftswort) verwandt. Häufig begegnen Endungen wie -u, -io oder -o. Sie sind aber keine vollkommen verlässlichen Bauanleitungen: Nicht jedes Nomen lässt sich durch das Anhängen einer Endung in ein Verb verwandeln.

Verbalnomen Bedeutung Verwandtes Wort oder erkennbare Struktur
defnyddio benutzen, verwenden defnydd „Gebrauch, Nutzen“
penderfynu entscheiden, beschließen gehört zur Wortfamilie von penderfyniad „Entscheidung“
ymddiheuro sich entschuldigen gehört zur Wortfamilie von ymddiheuriad „Entschuldigung“
ymarfer üben, trainieren dieselbe Form kann auch „Übung“ bedeuten
ymddwyn sich benehmen, sich verhalten feste Form; nicht sinnvoll Wort für Wort zu zerlegen

Lerne daher nicht nur eine vermeintliche Endungsregel, sondern immer drei Dinge zusammen:

  1. die vollständige Form des Verbalnomens,
  2. seine Bedeutung im Satz,
  3. die passende Ergänzung, falls eine nötig ist.

So heißt es zum Beispiel ymddiheuro am rywbeth „sich für etwas entschuldigen“ und ymweld â rhywun „jemanden besuchen“. Die Präposition (ein kurzes Verhältniswort wie „mit“, „für“ oder „an“) gehört praktisch zum Eintrag im Lernwortschatz.

2. Die normalen Satzrahmen bleiben erhalten

Ob ein Verbalnomen kurz oder komplex ist, ändert die grundlegende Grammatik nicht. Im gesprochenen Walisisch stehen besonders häufig diese Muster:

Funktion Walisisches Muster Beispiel Bedeutung
Gegenwart, Verlauf oder Gewohnheit Form von bod + yn + Verbalnomen Dw i'n defnyddio'r ap. Ich benutze die App.
abgeschlossene Handlung Form von bod + wedi + Verbalnomen Dw i wedi penderfynu. Ich habe mich entschieden.
Verneinung Form von bod + ddim yn + Verbalnomen Dw i ddim yn ymddiheuro. Ich entschuldige mich nicht.
Vergangenheit mit gwneud gebeugtes gwneud + mutiertes Verbalnomen Wnaeth hi ddefnyddio'r ap. Sie benutzte die App.
zwei Handlungen hintereinander Verbalnomen + Verbalnomen penderfynu mynd beschließen zu gehen

Eine gebeugte Form zeigt Person oder Zeit am Verb selbst. In wnaeth hi zeigt wnaeth die Vergangenheit; das folgende Verbalnomen trägt keine deutsche Infinitivmarkierung wie zu. Deshalb lautet „Sie beschloss zu bleiben“ Wnaeth hi benderfynu aros, nicht eine Konstruktion mit einem zusätzlichen Wort für „zu“.

Nach einer positiven Vergangenheitsform von gwneud steht das folgende Verbalnomen gewöhnlich in der weichen Mutation (der Anfangskonsonant verändert sich):

  • penderfynuWnaeth e benderfynu ...
  • defnyddioWnaeth hi ddefnyddio ...
  • rhoiWnaethon ni roi ...

Die verkürzte Form 'n in dw i'n, mae e'n oder maen nhw'n ist keine Endung des Verbs. Sie ist die Zusammenziehung von yn nach einem Vokal. Das Verbalnomen bleibt als Wörterbuchform erkennbar.

3. Verben mit ym-

Der Bestandteil ym- kommt in zahlreichen Verbalnomen vor. Seine Wirkung ähnelt manchmal dem deutschen „sich“, aber die Übereinstimmung ist nicht vollständig.

Verbalnomen Typische deutsche Wiedergabe Hinweis
ymddiheuro sich entschuldigen oft mit am für den Anlass
ymddwyn sich benehmen, sich verhalten häufig mit yn dda/wael
ymarfer üben, trainieren nicht immer reflexiv übersetzt
ymlacio sich entspannen ym- gehört fest zum Wort
ymddeol in den Ruhestand gehen im Deutschen keine echte Reflexivform nötig
ymweld â besuchen verlangt â vor der besuchten Person oder dem Ort
ymuno â sich anschließen, beitreten ebenfalls mit â

Man sollte ym- nicht wie ein frei einsetzbares deutsches Reflexivpronomen behandeln. Es wird nicht nach Person verändert: Dw i'n ymddiheuro, Mae hi'n ymddiheuro und Maen nhw'n ymddiheuro enthalten alle genau dieselbe Form. Auch die Schreibweise am Wortanfang ist lexikalisch festgelegt. Lerne deshalb ymddwyn als Ganzes und versuche nicht, seine Doppelkonsonanten jedes Mal neu herzuleiten.

4. Feste Verbindungen mit gwneud, cael und rhoi

Sehr häufige Verben tragen in festen Ausdrücken nur einen Teil der Gesamtbedeutung. Man nennt sie gelegentlich Funktionsverben: allgemeine Verben wie „machen“ oder „geben“, die zusammen mit einem weiteren Bestandteil eine besondere Handlung ausdrücken.

Wendung Wörtliche Bestandteile Natürliche deutsche Bedeutung
gwneud penderfyniad eine Entscheidung machen eine Entscheidung treffen
gwneud defnydd o Gebrauch von etwas machen etwas nutzen; von etwas Gebrauch machen
cael gwybod Wissen bekommen erfahren; benachrichtigt werden
cael gafael ar einen Griff auf etwas bekommen etwas bekommen, ausfindig machen oder erreichen
rhoi cynnig ar einen Versuch auf etwas geben etwas ausprobieren
rhoi'r gorau i das Beste an etwas geben mit etwas aufhören; etwas aufgeben

Diese Verbindungen sind keine Einladung zur wörtlichen Übersetzung. Rhoi'r gorau i ysmygu bedeutet „mit dem Rauchen aufhören“, obwohl keines der Einzelwörter allein „aufhören“ bedeutet. Oft gibt es neben einer Wendung auch ein einzelnes Verbalnomen: penderfynu ist im Alltag eine direkte Möglichkeit für „entscheiden“, während gwneud penderfyniad die Entscheidung stärker als Vorgang oder Ergebnis benennt.

Beispiele im Kontext

Walisisch Deutsch Hinweis
Dw i wedi penderfynu mynd. Ich habe beschlossen zu gehen. Nach penderfynu folgt direkt ein weiteres Verbalnomen.
Wnaeth hi benderfynu aros gartref. Sie beschloss, zu Hause zu bleiben. penderfynu wird nach wnaeth weich mutiert.
Mae e'n defnyddio'r cyfrifiadur. Er benutzt den Computer. Gegenwart mit mae ... yn.
Dych chi'n defnyddio Cymraeg yn y gwaith? Benutzen Sie Walisisch bei der Arbeit? Frage im üblichen gesprochenen Satzrahmen.
Dw i ddim yn defnyddio'r car bob dydd. Ich benutze das Auto nicht jeden Tag. Verneinung mit ddim yn.
Dw i'n ymddiheuro am yr oedi. Ich entschuldige mich für die Verspätung. Der Anlass folgt auf am.
Maen nhw'n ymddwyn yn dda yn yr ysgol. Sie benehmen sich in der Schule gut. yn dda beschreibt die Art des Verhaltens.
Mae hi'n ymarfer bob bore. Sie trainiert jeden Morgen. ymarfer wird nicht reflexiv übersetzt.
Dyn ni'n ymweld â'n teulu yfory. Wir besuchen morgen unsere Familie. ymweld verlangt â.
Wnaeth e ymddeol y llynedd. Er ging letztes Jahr in den Ruhestand. Vergangenheitskonstruktion mit gwneud.
Ces i wybod y newyddion ddoe. Ich habe die Neuigkeit gestern erfahren. Feste Verbindung mit cael.
Wnaethon ni roi cynnig ar y cawl. Wir probierten die Suppe. rhoi cynnig ar bedeutet „ausprobieren“.
Dw i wedi rhoi'r gorau i ysmygu. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört. Nach i steht hier das Verbalnomen ysmygu.
Gallwch wneud defnydd o'r geiriadur. Sie können das Wörterbuch benutzen. Etwas formeller als einfaches defnyddio.

Häufige Fehler

yn im Gegenwartssatz auslassen

  • Falsch: Dw i defnyddio'r ap.
  • Richtig: Dw i'n defnyddio'r ap.
  • Warum: In diesem Satzmuster verbindet yn die Form von bod mit dem Verbalnomen. Das 'n ist die verkürzte Form nach i.

Deutsches „zu“ nach penderfynu nachbauen

  • Falsch: Dw i wedi penderfynu i fynd.
  • Richtig: Dw i wedi penderfynu mynd.
  • Warum: Zwei Verbalnomen können hier direkt aufeinanderfolgen. Das deutsche „zu“ hat keine allgemeine Eins-zu-eins-Entsprechung.

Bei ym- ein zusätzliches Reflexivwort ergänzen

  • Falsch: Dw i'n ymddiheuro fy hun.
  • Richtig: Dw i'n ymddiheuro.
  • Warum: In der normalen Bedeutung „ich entschuldige mich“ ist die auf das Subjekt bezogene Bedeutung bereits im Verb enthalten. fy hun „ich selbst“ wäre nur bei echter Hervorhebung sinnvoll, nicht als gewöhnliches Reflexivpronomen.

Die feste Präposition vergessen

  • Falsch: Dyn ni'n ymweld ein teulu.
  • Richtig: Dyn ni'n ymweld â'n teulu.
  • Warum: ymweld wird in der Bedeutung „besuchen“ mit â verbunden. Die deutsche Konstruktion ohne Präposition darf nicht übertragen werden.

Ein einzelnes Verb und eine Wendung vermischen

  • Falsch: Dw i'n gwneud defnyddio'r cyfrifiadur.
  • Richtig: Dw i'n defnyddio'r cyfrifiadur.
  • Auch richtig: Dw i'n gwneud defnydd o'r cyfrifiadur.
  • Warum: Entweder verwendet man das Verbalnomen defnyddio oder die vollständige Wendung gwneud defnydd o. Teile aus beiden Mustern lassen sich nicht beliebig kombinieren.

Die Mutation nach vergangenem gwneud übersehen

  • Falsch: Wnaeth hi defnyddio'r ap.
  • Richtig: Wnaeth hi ddefnyddio'r ap.
  • Warum: Im positiven periphrastischen Präteritum (einer Vergangenheitsform mit Hilfsverb) wird das folgende Verbalnomen weich mutiert.

Verwendungshinweise

Die meisten hier behandelten Verbalnomen sind weder besonders förmlich noch besonders umgangssprachlich. defnyddio, penderfynu, ymddiheuro und ymddwyn kommen in Gesprächen, Nachrichten und Sachtexten vor. Die Umgebung kann jedoch das Register verändern: gwneud defnydd o wirkt häufig etwas sachlicher oder schriftsprachlicher als das knappe defnyddio.

Nord- und Südwalisisch unterscheiden sich bei manchen Formen von bod, bei Pronomen und bei einzelnen Wörtern. So hört man je nach Region etwa mae o oder mae e. Das komplexe Verbalnomen selbst bleibt dabei normalerweise gleich: Mae o'n defnyddio ... und Mae e'n defnyddio ... unterscheiden sich nicht in defnyddio. Für Lernende ist es sinnvoll, bei einem regionalen Grundmuster zu bleiben, aber die andere Variante erkennen zu können.

Bei deutschen Übersetzungen darf man sich nicht zu stark am Reflexivpronomen orientieren. ymlacio wird meist mit „sich entspannen“ wiedergegeben, ymarfer dagegen schlicht mit „üben“ oder „trainieren“. Umgekehrt enthält nicht jedes walisische Gegenstück zu einem deutschen reflexiven Verb ym-. Bedeutung und Satzbau sind zuverlässiger als die äußere Ähnlichkeit.

Achte außerdem auf Mehrdeutigkeit. cael gwybod kann je nach Zusammenhang „erfahren“ oder „gesagt bekommen“ heißen. cael gafael ar kann das tatsächliche Erlangen eines Gegenstands, aber auch das Erreichen einer Person oder das Beschaffen einer Information ausdrücken. Der weitere Satz entscheidet über die beste deutsche Übersetzung.

Über die Grundlagen hinaus

Verbalnomen können ganze Wortgruppen bilden und trotzdem an Stellen stehen, an denen im Deutschen ein substantivierter Infinitiv naheliegt. In Mae defnyddio'r system yn hawdd bedeutet die Gruppe defnyddio'r system „das Benutzen des Systems“ beziehungsweise natürlicher „die Bedienung des Systems“. defnyddio behält dabei sein direktes Objekt (das, was benutzt wird), nämlich y system.

In formellerer Sprache und in Erzählungen begegnen auch flektierte Kurzformen, die aus dem Verbstamm gebildet werden. Beispiele sind penderfynodd hi „sie entschied“ und defnyddiodd e „er benutzte“. Solche Formen sollte man bei jedem Verb zusammen mit dem Wortschatz lernen, weil die Bildung nicht bei allen komplexen Verbalnomen gleich durchsichtig ist. Für die aktive Kommunikation auf B1 reicht oft die sichere Umschreibung mit bod oder gwneud; beim Lesen werden die Kurzformen jedoch zunehmend wichtig.

Auch Mutationen greifen auf das gesamte komplexe Wort zu, nicht bloß auf einen gedanklichen „Stamm“ im Inneren. Deshalb heißt es Wnaeth hi ddefnyddio und Wnaeth e benderfynu. Bei Formen mit ym- ist die Schreibweise oft weniger leicht vorherzusagen. Das ist ein weiterer Grund, häufige Sätze als Einheiten zu speichern, statt jedes Wort während des Sprechens neu zusammenzusetzen.

Schließlich können feste Verbindungen ihrerseits Zeit und Aspekt ausdrücken. In Dw i wedi rhoi'r gorau i ysmygu markiert wedi den Abschluss; rhoi'r gorau i liefert die Bedeutung „aufhören“; ysmygu nennt die beendete Tätigkeit. Ein einziger Satz kann also mehrere Verbalnomen enthalten, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

Übungstipps

  1. Lerne Dreierpakete. Notiere zu jedem neuen Verbalnomen Form, Ergänzung und einen vollständigen Satz: ymddiheuro — am — Dw i'n ymddiheuro am yr oedi. So bleibt die Präposition nicht auf der Strecke.
  2. Baue Zeitreihen. Verwende denselben Inhalt in drei Rahmen: Dw i'n defnyddio ..., Dw i wedi defnyddio ..., Wnes i ddefnyddio .... Markiere bei der letzten Form die weiche Mutation.
  3. Vergleiche nicht nur Einzelwörter. Sammle Paare wie defnyddio / gwneud defnydd o und penderfynu / gwneud penderfyniad. Formuliere je einen alltäglichen und einen sachlicheren Beispielsatz, damit Bedeutung und Register zusammen gelernt werden.

Verwandte Konzepte

  • Voraussetzung: Verbalnomen — erklärt die Grundform und die Verbindung von bod + yn + Verbalnomen.
  • Zur Vertiefung: Vergangenheit mit Gwneud — wichtig für Formen wie Wnaeth hi ddefnyddio ... und die anschließende Mutation.
  • Zur Vertiefung: Flektierte Verbformen — führt zu Kurzformen wie penderfynodd und defnyddiodd.
  • Weiterführend: Cael – verschiedene Verwendungen — behandelt cael als „bekommen“, Erlaubnisausdruck und Bestandteil weiterer Konstruktionen.

Voraussetzung

Verbalsubstantive im WalisischenA1

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