A2

Das Präteritum von *bod* im Walisischen

Bod - Gorffennol

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit bues i, buest ti, buodd e/hi, buon ni, buoch chi, buon nhw beschreibt man einen vergangenen Zustand oder Aufenthalt als abgeschlossenen, zeitlich begrenzten Abschnitt: Bues i yn Sbaen am wythnos bedeutet „Ich war eine Woche lang in Spanien“. Für einen Hintergrund, einen damals andauernden Zustand oder eine Gewohnheit steht dagegen meist das Imperfekt mit roedd-, etwa Roeddwn i'n byw yno („Ich wohnte damals dort“).

Überblick

Bod bedeutet „sein“ und gehört zu den wichtigsten walisischen Verben. Sein Präteritum, auf Walisisch gorffennol, wird auf Niveau A2 vor allem gebraucht, wenn ein Zustand eine erkennbare zeitliche Grenze hat: Jemand war eine Woche an einem Ort, war einen Monat krank oder blieb drei Tage dort. Das Präteritum ist eine Vergangenheitsform, die das Geschehen als abgeschlossenes Ganzes betrachtet.

Für Deutschsprachige liegt eine Falle schon im Wort „Präteritum“. Ob man im Deutschen „ich war“ oder in manchen Zusammenhängen „ich bin gewesen“ sagt, entscheidet nicht darüber, welche walisische Form passt. Das deutsche war kann sowohl bues i als auch roeddwn i entsprechen. Im Walisischen ist entscheidend, wie der vergangene Zustand betrachtet wird: als begrenzte Episode oder als Hintergrund, Gewohnheit beziehungsweise damals andauernde Lage.

Die Formen bauen auf dem bereits bekannten Präsens von bod auf, bilden aber eine eigene Reihe. Man sollte sie deshalb als feste Einheit lernen. Besonders nützlich sind Verbindungen mit einer Dauerangabe wie am wythnos („eine Woche lang“) oder am dridiau („drei Tage lang“).

So funktioniert es

Die bejahenden Formen

Person Walisische Form Deutsche Bedeutung
1. Person Singular bues i ich war
2. Person Singular buest ti du warst
3. Person Singular buodd e / buodd hi er war / sie war
1. Person Plural buon ni wir waren
2. Person Plural buoch chi ihr wart / Sie waren
3. Person Plural buon nhw sie waren

Die Person zeigt, wer gemeint ist. Singular bedeutet Einzahl, Plural Mehrzahl. Wie bei anderen walisischen Verbformen steht das Verb am Satzanfang, danach folgt gewöhnlich das Subjektpronomen: bues i („ich war“), buon ni („wir waren“). Anders als im Deutschen kann man die Pronomen hier nicht einfach weglassen.

Chi hat zwei Funktionen: Es bedeutet „ihr“, wenn mehrere Personen angesprochen werden, und dient außerdem als höfliche Anrede für eine oder mehrere Personen. Ti ist die vertraute Einzahlform „du“.

Zustand, Eigenschaft oder Tätigkeit anschließen

Vor einem Adjektiv (einem Eigenschaftswort wie „krank“ oder „glücklich“), einem Nomen (einem Hauptwort) oder einer Tätigkeit steht häufig yn. Nach einem Pronomen wird es zu 'n verkürzt:

  • Bues i + yn sâlBues i'n sâl. („Ich war krank.“)
  • Buodd hi + yn hapusBuodd hi'n hapus. („Sie war glücklich.“)
  • Buon ni + yn gweithioBuon ni'n gweithio. („Wir arbeiteten.“)

Mit einem Verbnomen – der walisischen Grundform eines Verbs, etwa gweithio „arbeiten“ – kann bod plus yn auch eine Tätigkeit ausdrücken. Im Präteritum erscheint diese Tätigkeit als begrenzte Episode: Buon ni'n gweithio yno am fis heißt sinngemäß „Wir arbeiteten dort einen Monat lang“.

Ortsangaben

Bei einem Ort ist yn häufig eine echte Präposition, also ein Verhältniswort mit der Bedeutung „in“. Dann wird sie getrennt geschrieben:

  • Bues i yn Sbaen am wythnos. – „Ich war eine Woche lang in Spanien.“
  • Buoch chi yn yr ysbyty am noson. – „Sie waren eine Nacht im Krankenhaus.“
  • Buon nhw yno am ddau ddiwrnod. – „Sie waren zwei Tage dort.“

Vor Ortsnamen kann yn seine Form verändern: yng Nghymru („in Wales“) und ym Mangor („in Bangor“). Das gehört zum allgemeinen Gebrauch von Ortsangaben und nicht speziell zum Präteritum von bod.

Fragen und Verneinungen

In direkten Fragen beginnt die Form in der hier gelehrten Reihe mit f- statt b-. Dieser Wechsel heißt Anlautmutation: Der erste Laut eines Wortes verändert sich aus grammatischen Gründen.

Person Frage Verneinung
ich Fues i …? Fues i ddim …
du Fuest ti …? Fuest ti ddim …
er / sie Fuodd e / hi …? Fuodd e / hi ddim …
wir Fuon ni …? Fuon ni ddim …
ihr / Sie Fuoch chi …? Fuoch chi ddim …
sie Fuon nhw …? Fuon nhw ddim …

Ddim verneint den Satz. Vor einem folgenden Adjektiv oder Verbnomen steht weiterhin yn beziehungsweise die verkürzte Form 'n:

  • Fuest ti'n brysur ddoe? – „Warst du gestern beschäftigt?“
  • Fues i ddim yn y gwaith ddydd Llun. – „Ich war am Montag nicht bei der Arbeit.“
  • Fuon nhw ddim yn aros yn hir. – „Sie blieben nicht lange.“

Der Kernunterschied: bues i oder roeddwn i?

Walisisch unterscheidet zwei Blickwinkel auf vergangene Zustände. Der Fachausdruck dafür ist Aspekt: Gemeint ist, ob man etwas als Ganzes oder in seinem Verlauf beziehungsweise als Hintergrund betrachtet.

Gemeinter Blickwinkel Typische Form Beispiel Bedeutung
abgeschlossene, begrenzte Episode bues i Bues i yno am wythnos. Ich war eine Woche lang dort.
Zustand als Hintergrund roeddwn i Roeddwn i yno pan ffoniodd hi. Ich war dort, als sie anrief.
frühere Gewohnheit roeddwn i Roeddwn i yno bob dydd. Ich war jeden Tag dort.
begrenzte Phase einer Tätigkeit bues i'n … Bues i'n gweithio yno am flwyddyn. Ich arbeitete dort ein Jahr lang.
damals laufende Tätigkeit roeddwn i'n … Roeddwn i'n gweithio pan ddaeth e. Ich arbeitete gerade, als er kam.

Eine Dauerangabe mit am („für, … lang“) ist ein starkes Signal für die abgeschlossene Sicht: am awr („eine Stunde lang“), am fis („einen Monat lang“), am ddwy flynedd („zwei Jahre lang“). Sie ist aber keine starre Pflicht. Umgekehrt ist bob dydd („jeden Tag“) ein typischer Hinweis auf eine Gewohnheit und damit auf roedd-.

Beispiele im Zusammenhang

Walisisch Deutsch Hinweis
Bues i yn Sbaen am wythnos. Ich war eine Woche lang in Spanien. Abgeschlossener Aufenthalt
Buodd hi'n sâl am fis. Sie war einen Monat lang krank. Begrenzter Zustand
Buon ni yno am dridiau. Wir waren drei Tage dort. Dauer mit am
Buodd e'n athro am bum mlynedd. Er war fünf Jahre lang Lehrer. Zeitlich begrenzte berufliche Phase
Buoch chi yn yr ysbyty am noson. Sie waren eine Nacht im Krankenhaus. Höfliches chi
Buon nhw yng Nghymru am yr haf. Sie waren den Sommer über in Wales. Begrenzter Zeitraum
Bues i'n gweithio yng Nghaerdydd am flwyddyn. Ich arbeitete ein Jahr lang in Cardiff. Begrenzte Tätigkeit mit yn
Buon ni'n aros gyda ffrindiau am benwythnos. Wir wohnten ein Wochenende lang bei Freunden. Vorübergehender Aufenthalt
Fuest ti'n brysur ddoe? Warst du gestern beschäftigt? Frage mit f-
Fuoch chi yno am amser hir? Wart ihr lange dort? / Waren Sie lange dort? chi kann „ihr“ oder „Sie“ heißen
Fues i ddim yn y swyddfa ddydd Gwener. Ich war am Freitag nicht im Büro. Verneinung mit ddim
Fuon nhw ddim yn aros yn hir. Sie blieben nicht lange. Verneinte, begrenzte Episode
Roeddwn i'n byw yn Abertawe bryd hynny. Ich wohnte damals in Swansea. Hintergrund: deshalb roeddwn
Roedden ni yno bob haf. Wir waren jeden Sommer dort. Wiederholung: deshalb roedden

Häufige Fehler

1. Für jede deutsche Form „war“ automatisch bues i verwenden

  • Unpassend: Bues i'n darllen pan ffoniodd hi.
  • Passend: Roeddwn i'n darllen pan ffoniodd hi.
  • Warum: Das Lesen war schon im Verlauf und bildet den Hintergrund für den Anruf. Hier braucht man das Imperfekt roeddwn i, nicht die als Ganzes betrachtete Episode mit bues i.

2. Bei einer klar begrenzten Phase nur an roedd- denken

  • Weniger treffend: Roeddwn i yn Sbaen am wythnos.
  • Treffender: Bues i yn Sbaen am wythnos.
  • Warum: „Eine Woche lang“ setzt Anfang und Ende der Reise als abgeschlossene Einheit. Genau dafür ist bues i besonders typisch. Der erste Satz ist nicht in jedem denkbaren Zusammenhang unmöglich, stellt den Aufenthalt aber aus einem anderen Blickwinkel dar.

3. yn vor einer Eigenschaft vergessen

  • Falsch: Buodd hi sâl am fis.
  • Richtig: Buodd hi'n sâl am fis.
  • Warum: Zwischen bod und einem prädikativ verwendeten Adjektiv steht yn. Nach hi wird hi yn zu hi'n.

4. In einer Frage das anlautende b- behalten

  • Falsch: Buest ti yno?
  • Richtig: Fuest ti yno?
  • Warum: Die Frage löst beim anlautenden b die Mutation zu f aus. Dasselbe sieht man bei buochfuoch.

5. Die Verneinung wie im Präsens bilden

  • Falsch: Dw i ddim yno am wythnos. für eine vergangene Episode
  • Richtig: Fues i ddim yno am wythnos.
  • Warum: Dw i ddim ist Gegenwart: „Ich bin nicht“. Für die abgeschlossene Vergangenheit braucht man die mutierte Präteritumsform und ddim.

6. bues i als ein einziges unveränderliches Wort behandeln

  • Falsch: Bues i nhw yno am dridiau.
  • Richtig: Buon nhw yno am dridiau.
  • Warum: Das Verb verändert sich nach der Person. Nicht nur das Pronomen, sondern auch die Verbform muss zu „ich“, „du“, „wir“ oder „sie“ passen.

Hinweise zum Gebrauch

Im heutigen gesprochenen Walisisch ist roedd- für viele Erzählungen über vergangene Zustände sehr häufig. Die bu--Reihe hat einen engeren Schwerpunkt: Sie hebt eine vollständig durchlaufene, oft ausdrücklich bemessene Phase hervor. Deshalb klingt sie besonders natürlich mit Antworten auf die Frage „Wie lange?“.

Bei den Pronomen gibt es regionale Varianten. Für „er“ hört man im Süden häufig e/fe, im Norden o/fo. Der Gegensatz zwischen bu- und roedd- bleibt davon unberührt. Für Lernende ist es sinnvoll, zunächst die im Kurs verwendete Variante konsequent zu benutzen und die anderen Formen beim Hören nur wiederzuerkennen.

Manche deutschen Übersetzungen verwenden statt „sein“ ein anderes Verb. Buon ni yno am dridiau lässt sich wörtlich mit „Wir waren drei Tage dort“ übersetzen, idiomatisch aber ebenso mit „Wir blieben drei Tage dort“. Das bedeutet nicht, dass im walisischen Satz ein eigenes Verb für „bleiben“ steht; die Begrenzung ergibt sich aus buon und der Dauerangabe.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten muss man auf A2 noch nicht aktiv beherrschen. Sie helfen aber beim Lesen und zeigen, warum nicht jede bu--Form einfach mit „war“ übersetzt wird.

In formeller oder literarischer Sprache begegnen kürzere Formen von bod, darunter bu für die 3. Person Singular. Eine feste und auch außerhalb literarischer Texte wichtige Verbindung ist bu farw, wörtlich „war tot“, idiomatisch jedoch „starb“: Bu farw yn 1990 heißt „Er/Sie starb 1990“. Hier beschreibt die Form kein längeres Kranksein, sondern ein abgeschlossenes Ereignis. Solche festen Verwendungen sollte man zunächst als Ganzes erkennen.

Auch die Verbindung bu'n rhaid ist häufig. Sie bedeutet „es war nötig“ beziehungsweise, mit einer Person ergänzt, „jemand musste“: Bu'n rhaid i ni aros heißt „Wir mussten warten“. Das Element 'n ist wieder die verkürzte Form von yn. Diese Wendung erweitert den Gebrauch von bu- über einfache Aussagen zu Ort und Zustand hinaus.

Bei längeren Erzählungen können beide Vergangenheitsformen im selben Abschnitt stehen. Roedd- baut die Kulisse auf; bu- fasst eine begrenzte Phase zusammen. Zum Beispiel kann Roedd hi'n gweithio yng Nghaerdydd bryd hynny („Damals arbeitete sie in Cardiff“) den Hintergrund nennen, während Buodd hi yno am ddwy flynedd („Sie war zwei Jahre dort“) die gesamte Phase rückblickend begrenzt. Der Unterschied liegt also nicht unbedingt im tatsächlichen Ereignis, sondern in der Perspektive der sprechenden Person.

Übungstipps

  1. Lerne die Formen in zwei Reihen. Sprich zuerst bues i – buest ti – buodd e/hi – buon ni – buoch chi – buon nhw und danach die Fragereihe mit f-. So wird die Mutation Teil des Musters statt einer nachträglichen Zusatzregel.
  2. Bilde Gegensatzpaare. Schreibe zu demselben Thema je einen begrenzten und einen offenen Satz: Bues i yno am fis („Ich war einen Monat dort“) gegenüber Roeddwn i yno bob dydd („Ich war jeden Tag dort“). Das trainiert die Bedeutung besser als bloßes Auswendiglernen.
  3. Nutze einen Zeitstrahl. Markiere bei bu- Anfang und Ende einer Episode. Zeichne bei roedd- eine laufende Linie oder mehrere wiederkehrende Punkte. Ergänze anschließend passende Ausdrücke wie am wythnos, pan … und bob haf.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Bod im Präsens — die grundlegenden Satzmuster mit bod, yn und den Personalpronomen
  • Wichtiger Vergleich: Das Imperfekt von bod — vergangene Hintergründe, andauernde Zustände und Gewohnheiten mit roedd-
  • Ergänzende Vergangenheitsform: Vergangenheit mit gwneud — die häufige gesprochene Konstruktion für abgeschlossene Handlungen
  • Weiterführend: Perfekt und unmittelbare Vergangenheit — abgeschlossene beziehungsweise gerade erst geschehene Handlungen mit wedi und newydd

Voraussetzung

Bod im Präsens im WalisischenA1

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