B1

Unpersönliche Konstruktionen im Katalanischen

Construccions Impersonals

Dieser Artikel ist Teil des Katalanisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit unpersönlichen Konstruktionen formuliert man Regeln, Möglichkeiten, Notwendigkeiten und allgemeine Aussagen, ohne eine handelnde Person zu nennen. Besonders wichtig sind cal + Infinitiv („man muss“), cal que + Subjuntiu („es ist nötig, dass …“), es pot + Infinitiv („man kann/darf“) und es diu que + Indikativ („es heißt, dass …“). Fa falta drückt aus, dass etwas fehlt oder benötigt wird.

Überblick

Ein Satz ist unpersönlich, wenn keine bestimmte Person als Handelnde im Mittelpunkt steht. Statt „Du musst hier bezahlen“ kann man beispielsweise allgemeiner sagen: Cal pagar aquí – „Hier muss man bezahlen.“ Solche Formulierungen begegnen einem ständig: auf Schildern, in Anleitungen, in Nachrichten, bei Empfehlungen und wenn über allgemein Bekanntes gesprochen wird.

Auf B1-Niveau sind vor allem vier Muster nützlich: cal, die Verbindung es + Verb, es diu que und fer falta. Sie haben ähnliche deutsche Übersetzungen, sind grammatisch aber nicht austauschbar. Das Deutsche verwendet oft „man“, ein unpersönliches „es“ oder das Passiv. Das Katalanische setzt dagegen häufig gar kein Subjektpronomen oder verwendet das unbetonte Pronomen es zusammen mit einem Verb in der dritten Person.

Zwei Begriffe helfen bei der Erklärung: Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, etwa estudiar „lernen“. Der Subjuntiu ist eine Verbform, mit der unter anderem Notwendigkeit, Wunsch oder Unsicherheit in einem Nebensatz ausgedrückt wird. Entscheidend ist meist, ob nur eine Tätigkeit allgemein genannt wird oder ob ein Nebensatz mit einem eigenen Subjekt folgt.

So funktioniert es

1. Cal + Infinitiv: Eine Handlung ist nötig

Cal ist eine Form des Verbs caldre und bedeutet je nach Zusammenhang „es ist nötig“, „man muss“ oder „man braucht“. Folgt direkt eine Handlung, steht deren Verb im Infinitiv:

cal + Infinitiv

  • Cal estudiar més. – Man muss mehr lernen.
  • Cal reservar amb antelació. – Man muss im Voraus reservieren.
  • No cal esperar. – Man braucht nicht zu warten.

Das Muster nennt keine bestimmte handelnde Person. Es ist deshalb besonders passend für allgemeine Anforderungen und sachliche Empfehlungen. Anders als beim deutschen „müssen“ muss kein Wort für „man“ ergänzt werden.

Die Verneinung no cal + Infinitiv heißt nicht „man darf nicht“, sondern „man braucht nicht / es ist nicht nötig“:

  • No cal portar diners. – Man braucht kein Geld mitzubringen.
  • No cal que vinguis tan aviat. – Du brauchst nicht so früh zu kommen.

Für ein Verbot verwendet man eher no es pot („man darf nicht“) oder eine ausdrückliche Verbotsformulierung.

2. Cal que + Subjuntiu: Eine bestimmte Person oder Sache soll handeln

Hat die notwendige Handlung ein ausdrücklich genanntes oder aus der Verbform erkennbares eigenes Subjekt, folgt que und ein Verb im Subjuntiu:

cal que + Subjekt + Subjuntiu

  • Cal que tu estudiïs més. – Du musst mehr lernen.
  • Cal que arribem abans de les vuit. – Wir müssen vor acht Uhr ankommen.
  • Cal que la porta estigui tancada. – Die Tür muss geschlossen sein.

Das Subjektpronomen wird wie sonst im Katalanischen häufig weggelassen, weil die Verbendung die Person zeigt: cal que vinguis bedeutet bereits „du musst kommen“. Que darf hier nicht fehlen.

Der praktische Gegensatz lautet:

Gemeinte Aussage Katalanisches Muster Beispiel
Die Handlung gilt allgemein cal + Infinitiv Cal parlar a poc a poc.
Eine bestimmte Person/Sache ist betroffen cal que + Subjuntiu Cal que parlis a poc a poc.

Andere Zeitstufen von caldre sind ebenfalls gebräuchlich. Die notwendige Handlung bleibt dabei je nach Satzbau im Infinitiv oder im Subjuntiu:

Zeit oder Bedeutung Form Beispiel Deutsche Bedeutung
Gegenwart cal Cal sortir ara. Man muss jetzt gehen.
Vergangenheit, andauernd calia Calia demanar permís. Man musste um Erlaubnis bitten.
abgeschlossene Vergangenheit ha calgut Ha calgut esperar. Man hat warten müssen.
Zukunft caldrà Caldrà decidir aviat. Man wird bald entscheiden müssen.
bedingte Empfehlung caldria Caldria revisar-ho. Man sollte das überprüfen.

Caldria wirkt oft vorsichtiger und höflicher als das direkte cal. Es entspricht je nach Situation „man sollte“ oder „es wäre nötig“.

3. Es + Verb: allgemeine Möglichkeit, Gewohnheit oder Aussage

In es pot aparcar, es diu oder es treballa ist es ein unbetontes Pronomen. Es ist nicht einfach dasselbe wie das deutsche Platzhalterwort „es“. Das Verb steht bei einer wirklich unpersönlichen Aussage gewöhnlich in der dritten Person Singular:

es + Verb in der 3. Person Singular

  • Es pot aparcar aquí? – Darf man hier parken?
  • Aquí es treballa molt. – Hier arbeitet man viel.
  • Es viu bé en aquest barri. – In diesem Viertel lebt es sich gut.

Mit einem Modalverb wie poder folgt der Infinitiv:

  • Es pot pagar amb targeta. – Man kann mit Karte bezahlen.
  • No es pot entrar. – Man darf nicht eintreten.

Die deutsche Übersetzung hängt vom Zusammenhang ab. Es pot kann eine Fähigkeit oder praktische Möglichkeit („man kann“) ausdrücken, auf einem Schild aber auch eine Erlaubnis („man darf“). No es pot bezeichnet meist eine fehlende Möglichkeit oder ein Verbot.

4. Es diu que: Was allgemein berichtet wird

Es diu que bedeutet „man sagt, dass“, „es heißt, dass“ oder „es wird gesagt, dass“. Der folgende Satz gibt den Inhalt der Aussage wieder:

es diu que + Aussagesatz

  • Es diu que plourà demà. – Es heißt, dass es morgen regnen wird.
  • Es diu que el restaurant és molt bo. – Man sagt, das Restaurant sei sehr gut.

Wichtig: Nach es diu que steht nicht automatisch der Subjuntiu. Wenn lediglich eine Behauptung wiedergegeben wird, steht normalerweise der Indikativ, also die gewöhnliche Aussageform: plourà, és, arribarà. Eine unpersönliche Einleitung allein löst den Subjuntiu nicht aus.

Ähnliche Muster sind es creu que („man glaubt, dass“), es pensa que („man denkt, dass“) und se sap que („man weiß, dass“). Ihre Verneinung oder eine ausdrücklich unsichere Bewertung kann die Wahl der Verbform beeinflussen; für die neutrale Wiedergabe einer Aussage ist der Indikativ die sichere Grundregel.

5. Fa falta und fan falta: Etwas wird gebraucht

Fer falta bedeutet, dass etwas fehlt oder benötigt wird. Steht danach ein Nomen, also ein Wort für eine Person, Sache oder Idee, richtet sich das Verb nach Singular oder Plural:

Benötigtes Element Form Beispiel
Singular oder nicht zählbare Menge fa falta Fa falta més temps.
Plural fan falta Fan falta dues cadires.
  • Fa falta paciència. – Man braucht Geduld.
  • Fan falta més voluntaris. – Es werden mehr Freiwillige gebraucht.

Auch eine Handlung kann folgen: Fa falta comprovar les dades – „Es ist nötig, die Daten zu prüfen.“ Bei einem Nebensatz mit einer bestimmten handelnden Person ist cal que + Subjuntiu oft die klarere und neutralere Wahl: Cal que comprovis les dades – „Du musst die Daten prüfen.“

Die wichtigsten Muster im Vergleich

Zweck Muster Typische deutsche Wiedergabe
allgemeine Notwendigkeit cal + Infinitiv man muss; es ist nötig
notwendige Handlung mit eigenem Subjekt cal que + Subjuntiu es ist nötig, dass; jemand muss
Möglichkeit oder Erlaubnis es pot + Infinitiv man kann/darf
allgemeine Tätigkeit oder Gewohnheit es + Verb, 3. Person Singular man …; es wird …
Hörensagen oder allgemeine Aussage es diu que + Indikativ es heißt, dass; man sagt, dass
benötigte Sache fa/fan falta + Nomen etwas wird gebraucht; etwas fehlt

Beispiele im Zusammenhang

Katalanisch Deutsch Hinweis
Cal estudiar més. Man muss mehr lernen. Allgemeine Notwendigkeit mit Infinitiv
Cal que enviïs el formulari avui. Du musst das Formular heute abschicken. Bestimmte Person; Subjuntiu
No cal imprimir el bitllet. Man braucht die Fahrkarte nicht auszudrucken. Keine Notwendigkeit, kein Verbot
Caldria parlar amb la directora. Man sollte mit der Leiterin sprechen. Vorsichtiger Vorschlag
Es pot aparcar aquí? Darf man hier parken? Frage nach Erlaubnis oder Möglichkeit
No es pot fumar dins de l'edifici. Im Gebäude darf man nicht rauchen. Verbot
A l'estiu es sopa més tard. Im Sommer isst man später zu Abend. Allgemeine Gewohnheit
En aquesta oficina es treballa en català. In diesem Büro arbeitet man auf Katalanisch. Unbestimmte handelnde Personen
Es diu que plourà demà. Es heißt, dass es morgen regnen wird. Wiedergegebene Aussage im Indikativ
Es creu que el tren arribarà tard. Man glaubt, dass der Zug verspätet ankommen wird. Allgemeine Annahme
Fa falta més temps. Man braucht mehr Zeit. Nicht zählbare Menge; Singular
Fan falta tres persones per acabar la feina. Um die Arbeit zu beenden, werden drei Personen gebraucht. Pluralangleichung
Hi ha massa soroll per concentrar-se. Es ist zu laut, um sich zu konzentrieren. Hi ha gibt ein Vorhandensein an
Fa fred, però no plou. Es ist kalt, aber es regnet nicht. Wetter ohne Subjektpronomen
Cal que la sala estigui preparada a les nou. Der Raum muss um neun vorbereitet sein. Eigener Nebensatz; Subjuntiu

Typische Fehler

1. Nach cal ein deutsches „man“ nachbilden

  • Falsch: Cal hom estudiar més.
  • Richtig: Cal estudiar més.
  • Warum: Bei einer allgemeinen Notwendigkeit folgt auf cal direkt der Infinitiv. Ein zusätzliches Wort für „man“ ist weder nötig noch natürlich.

2. Nach cal que den Indikativ verwenden

  • Falsch: Cal que vens demà.
  • Richtig: Cal que vinguis demà.
  • Warum: Cal que stellt die Handlung als notwendig dar. Im Nebensatz steht deshalb der Subjuntiu: vinguis, nicht der Indikativ vens.

3. No cal mit einem Verbot verwechseln

  • Falsch gemeint: No cal entrar. für „Man darf nicht eintreten.“
  • Richtig: No es pot entrar.
  • Warum: No cal entrar heißt „Man braucht nicht einzutreten“. Für ein Verbot passt no es pot.

4. Es wie das deutsche unpersönliche „es“ überall einsetzen

  • Falsch: Es plou.
  • Richtig: Plou.
  • Warum: Katalanische Wetterverben brauchen kein Platzhaltersubjekt. Das es in es diu oder es pot entrar gehört zu einer bestimmten pronominalen Konstruktion und darf nicht beliebig ergänzt werden.

5. Bei fer falta den Plural übersehen

  • Falsch: Fa falta dues cadires.
  • Richtig: Fan falta dues cadires.
  • Warum: Wenn mehrere benötigte Dinge das grammatische Subjekt bilden, wird fer in den Plural gesetzt: fan falta.

6. Nach es diu que automatisch den Subjuntiu setzen

  • Falsch: Es diu que plogui demà. für eine neutrale Wetterprognose
  • Richtig: Es diu que plourà demà.
  • Warum: Hier wird eine Aussage wiedergegeben. Dafür steht normalerweise der Indikativ. Der Subjuntiu hängt von Bedeutung und Satzart ab, nicht bloß davon, dass die Einleitung unpersönlich ist.

Hinweise zum Gebrauch

Cal ist im Katalanischen sehr geläufig und knapp. Es klingt oft sachlicher als eine direkte persönliche Aufforderung. Cal omplir tots els camps passt daher gut in Formulare und Anleitungen. Has d'omplir tots els camps („Du musst alle Felder ausfüllen“) richtet sich dagegen unmittelbar an eine Person.

Es pot ist typisch für Hinweise und Fragen im Alltag: Es pot passar?, Es pot pagar amb targeta? Der Zusammenhang entscheidet, ob auf Deutsch eher „kann man“ oder „darf man“ passt. Bei eindeutigen Verboten ist no es pot sehr häufig.

Fa falta lenkt den Blick stärker auf das, was fehlt oder gebraucht wird. Deshalb klingt fan falta dos tècnics natürlich, wenn zwei Fachkräfte benötigt werden. Für eine Vorschrift oder notwendige Handlung ist cal oft direkter: Cal revisar la instal·lació.

In förmlicher Schriftsprache kann auch hom im Sinn von „man“ vorkommen, etwa hom considera que…. Im heutigen Alltagskatalanisch sind pronominale und andere unpersönliche Konstruktionen meist natürlicher. Für Lernende ist es considera que… zunächst die nützlichere Form.

Über die Grundlagen hinaus

Unpersönliche Konstruktion oder unpersönliches Passiv?

Sätze mit es sehen nicht alle gleich aus. Bei Aquí es treballa molt gibt es kein ausdrücklich genanntes Ding, das von der Handlung betroffen ist; das Verb bleibt im Singular. Steht dagegen ein Nomen als grammatisches Subjekt eines pronominalen Passivs, richtet sich das Verb in der Standardsprache danach:

  • Es ven un pis. – Eine Wohnung wird verkauft.
  • Es venen dos pisos. – Zwei Wohnungen werden verkauft.
  • Es busquen traductors. – Übersetzer werden gesucht.

Diese Angleichung erklärt, warum nicht jede Verbindung aus es und dritter Person automatisch Singular hat. Die Unterscheidung ist besonders in Anzeigen und Nachrichtentexten wichtig.

Weitere unpersönliche Verben

Wetter und Umstände werden häufig ohne Subjekt ausgedrückt:

  • Plou. – Es regnet.
  • Neva. – Es schneit.
  • Fa calor. – Es ist heiß.
  • Hi ha molta gent. – Es sind viele Leute da.

Hi ha bleibt in der normgerechten Standardsprache in dieser Form auch vor einem Plural: Hi ha tres opcions. Das deutsche „es gibt“ ist als Bedeutungshilfe nützlich, seine Grammatik sollte aber nicht Wort für Wort übertragen werden.

Notwendigkeit mit Adjektiven

Auch Wertungen mit ser + Adjektiv + que können eine notwendige oder wünschenswerte Handlung einleiten:

  • És necessari que ho sapiguem. – Es ist nötig, dass wir es wissen.
  • És important que arribis puntual. – Es ist wichtig, dass du pünktlich kommst.
  • Convé que descansis. – Es ist ratsam, dass du dich ausruhst.

Nach solchen Wertungen steht häufig der Subjuntiu, weil die Aussage die Handlung beurteilt oder fordert. Dagegen berichtet és evident que… normalerweise eine als Tatsache dargestellte Information und steht daher meist mit dem Indikativ. Nicht das Wort que allein bestimmt also die Verbform, sondern die Bedeutung der Einleitung.

Perspektive und Stil

Unpersönliche Formen können Verantwortung bewusst in den Hintergrund rücken. S'han comès errors („Es sind Fehler gemacht worden“) sagt nicht, wer sie gemacht hat. Hem comès errors („Wir haben Fehler gemacht“) nennt die Verantwortlichen dagegen klar. In Behörden-, Nachrichten- und Geschäftstexten lohnt es sich deshalb, nicht nur die Grammatik, sondern auch diese stilistische Wirkung zu beachten.

Übungstipps

  1. Formuliere Regeln doppelt. Beginne mit einer allgemeinen Version und füge dann eine bestimmte Person ein: Cal arribar aviatCal que arribis aviat. So wird der Wechsel vom Infinitiv zum Subjuntiu sichtbar.
  2. Ordne Alltagssätze nach ihrer Funktion. Sammle Beispiele unter „notwendig“ (cal), „möglich/erlaubt“ (es pot), „allgemein gesagt“ (es diu) und „benötigt“ (fa falta). Übersetze nicht immer mit demselben deutschen Ausdruck.
  3. Achte auf Schilder und Anzeigen. Suche gezielt nach no es pot, cal, es busca/es busquen und fa/fan falta. Prüfe bei jedem Fund, ob das Verb im Singular oder Plural steht und warum.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Ser und estar — wichtig für unpersönliche Wertungen wie és necessari que und Zustandsbeschreibungen.
  • Vertiefung: Subjuntiu Präsens — erklärt Formen wie vinguis, estigui und sapiguem nach Ausdrücken der Notwendigkeit.
  • Nächster Schritt: Passiv — vertieft den Unterschied zwischen wirklich unpersönlichen Sätzen und Konstruktionen wie es venen pisos.

Voraussetzung

Ser und estar im KatalanischenA1

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