A1

Possessivsuffixe im Türkischen

İyelik Ekleri

Dieser Artikel ist Teil des Türkisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

In Kürze

Im Türkischen steht die Besitzanzeige meist als Endung am besessenen Nomen: kitap „Buch“ wird zu kitabım „mein Buch“, ev „Haus“ zu evin „dein Haus“. Welche Form die Endung annimmt, hängt von der Person und von der Vokalharmonie ab. Ein zusätzliches Wort wie benim „mein“ kann die besitzende Person hervorheben, ersetzt die Endung aber nicht.

Überblick

Ein Possessivsuffix ist eine Endung, die ausdrückt, zu wem etwas gehört oder in welcher Beziehung etwas zu einer Person steht. Das Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder einen Begriff) trägt diese Endung selbst. Wo im Deutschen ein eigenes Wort wie „mein“, „dein“ oder „unser“ vor dem Nomen steht, genügt im Türkischen häufig eine Form wie evim „mein Haus“ oder annem „meine Mutter“.

Diese Endungen bezeichnen nicht nur Eigentum. Sie erscheinen ebenso bei Familienbeziehungen, Körperteilen, Namen und vielen alltäglichen Zuordnungen: kardeşim „mein Geschwister“, elim „meine Hand“, adınız „Ihr Name“. Deshalb gehören die iyelik ekleri bereits auf A1 zu den wichtigsten Bausteinen des Türkischen.

Die Grundidee ist einfach: Zuerst kommt das Nomen, danach die Endung für die besitzende Person. Dabei passt sich der Vokal der Endung an den letzten Vokal des Nomens an. Bei manchen Wörtern verändert sich außerdem der letzte Konsonant. Die Grundregel lässt sich früh anwenden; Mehrdeutigkeiten und weitere Endungen werden später wichtig.

So funktioniert es

Die sechs Personenformen

Die folgenden Tabellen zeigen die vollständigen Formen mit ev „Haus“ und araba „Auto“. Das besessene Nomen steht jeweils am Ende der Wortgruppe.

Besitzende Person Türkisches Pronomen Mit ev Mit araba Bedeutung
ich benim evim arabam mein Haus / mein Auto
du senin evin araban dein Haus / dein Auto
er, sie, es onun evi arabası sein/ihr Haus / sein/ihr Auto
wir bizim evimiz arabamız unser Haus / unser Auto
ihr; Sie sizin eviniz arabanız euer/Ihr Haus / euer/Ihr Auto
sie onların evleri arabaları ihr Haus/ihre Häuser; ihr Auto/ihre Autos

Die Pronomen benim, senin, onun, bizim, sizin, onların stehen im Genitiv (einer Form, die hier die besitzende Person kennzeichnet). Anders als im Deutschen kann man sie meist weglassen, weil die Endung bereits zeigt, wer gemeint ist:

  • Benim evim küçük. – „Mein Haus ist klein.“
  • Evim küçük. – „Mein Haus ist klein.“

Mit benim wird „mein“ betont oder einem anderen Besitz gegenübergestellt. Wichtig ist: Wenn das Pronomen steht, bleibt normalerweise auch das Possessivsuffix erhalten. Benim ev ist daher nicht die normale Form für „mein Haus“.

Die Endungen nach einem Konsonanten oder Vokal

Der Großbuchstabe I in einer grammatischen Formel steht für einen von vier Vokalen: ı, i, u oder ü. Nach einem Konsonanten erscheinen die Endungen vollständig; nach einem Vokal fällt ihr erster Vokal meist weg.

Person Nach Konsonant Nach Vokal Beispiel
mein -(I)m -m evim, arabam
dein -(I)n -n evin, araban
sein/ihr -(s)I -sI evi, arabası
unser -(I)mIz -mIz evimiz, arabamız
euer/Ihr -(I)nIz -nIz eviniz, arabanız
ihr -lArI -lArI evleri, arabaları

Das s der dritten Person Singular ist ein Bindekonsonant: Es verhindert, dass bei einem Nomen auf Vokal zwei Vokale unmittelbar zusammentreffen. Daher heißt es araba-sı, aber ev-i. Bei den anderen Personen beginnt die sichtbare Endung nach einem Vokal direkt mit m oder n: araba-m, araba-nız.

Vokalharmonie: ı, i, u oder ü?

Für die meisten Possessivsuffixe gilt die vierfache Vokalharmonie. Entscheidend ist der letzte Vokal des Nomens:

Letzter Vokal Vokal der Endung Beispiel
a, ı ı adım „mein Name“, kapınız „Ihre Tür“
e, i i evim „mein Haus“, kediniz „eure Katze“
o, u u okulum „meine Schule“, burnun „deine Nase“
ö, ü ü gözüm „mein Auge“, üzümümüz „unsere Trauben“

Die dritte Person Plural hat nur die zweifache Harmonie: -ları nach a, ı, o, u und -leri nach e, i, ö, ü. So entstehen arabaları und evleri.

Veränderungen am Wortende

Beginnt die Endung mit einem Vokal, werden die stimmlosen Endkonsonanten p, ç, t, k bei vielen mehrsilbigen Nomen zu b, c, d, ğ oder gelegentlich g. Das nennt man Konsonantenerweichung, also eine Veränderung des letzten Lautes für eine flüssigere Aussprache:

Grundform Zusammensetzung Possessivform
kitap „Buch“ kitap + ım kitabım „mein Buch“
ağaç „Baum“ ağaç + ı ağacı „sein/ihr Baum“
kanat „Flügel“ kanat + ı kanadı „sein/ihr Flügel“
çocuk „Kind“ çocuk + um çocuğum „mein Kind“

Nicht jedes Wort folgt dieser Veränderung. Besonders bei einsilbigen Wörtern und manchen Lehnwörtern gibt es Ausnahmen. Sinnvoll ist deshalb, häufige Nomen gleich mit einer Form vor vokalischer Endung zu lernen: kitap – kitabım, aber top – topum „mein Ball“.

Mehrzahl und Possessivsuffix

Wenn das besessene Nomen in der Mehrzahl steht, kommt zuerst die Mehrzahlendung -lar/-ler und danach das Possessivsuffix:

  • kitap-lar-ım – „meine Bücher“
  • araba-lar-ımız – „unsere Autos“
  • öğrenci-ler-iniz – „eure/Ihre Schüler und Schülerinnen“

Das ist für Deutschsprachige ungewohnt, weil mehrere Informationen in einem einzigen türkischen Wort stehen. Man kann die Reihenfolge jedoch gut lesen: Nomen + Mehrzahl + Besitz.

Beispiele im Kontext

Türkisch Deutsch Hinweis
Kitabım masada. Mein Buch liegt auf dem Tisch. kitap + ım; p wird zu b.
Bu senin evin mi? Ist das dein Haus? senin macht die besitzende Person ausdrücklich sichtbar.
Arabası çok eski. Sein/Ihr Auto ist sehr alt. Dritte Person nach einem Vokal: -sı.
Adım Deniz. Ich heiße Deniz. Wörtlich: „Mein Name ist Deniz.“
Telefon numaran ne? Wie lautet deine Telefonnummer? numara + n: zweite Person Singular.
Annem öğretmen. Meine Mutter ist Lehrerin. Bei Verwandtschaftsbezeichnungen ist die Endung sehr häufig.
İki kardeşim var. Ich habe zwei Geschwister. Wörtlich ungefähr: „Zwei meiner Geschwister sind vorhanden.“
Bizim evimiz Ankara'da. Unser Haus ist in Ankara. Pronomen und Endung stehen gemeinsam.
Çocuklarımız okulda. Unsere Kinder sind in der Schule. Reihenfolge: çocuk-lar-ımız.
Pasaportunuz hazır. Ihr Pass ist fertig. -unuz kann höfliches „Ihr“ oder „euer“ bedeuten.
Onların bahçeleri büyük. Ihr Garten/Ihre Gärten sind groß. Die genaue Zahl kann nur der Zusammenhang klären.
Ayşe'nin çantası burada. Ayşes Tasche ist hier. Besitzer im Genitiv, besessenes Nomen mit -sı.
Gözlerim yorgun. Meine Augen sind müde. Mehrzahl vor dem Possessivsuffix.
Anahtarımı bulamıyorum. Ich kann meinen Schlüssel nicht finden. Nach anahtarım folgt noch die Objektendung .

Häufige Fehler

Die Endung nach einem Possessivpronomen weglassen

  • Falsch: benim kitap
  • Richtig: benim kitabım
  • Warum: Benim bezeichnet zwar die besitzende Person, doch das besessene Nomen erhält ebenfalls die passende Endung. Ohne Betonung genügt auch kitabım.

Den Endungsvokal aus dem Deutschen heraus erraten

  • Falsch: evım, okulim
  • Richtig: evim, okulum
  • Warum: Maßgeblich ist der letzte Vokal des türkischen Nomens. Nach e folgt i, nach u folgt u.

Das Bindungs-s der dritten Person vergessen

  • Falsch: arabı für „sein/ihr Auto“
  • Richtig: arabası
  • Warum: Endet das Nomen auf einen Vokal, steht in der dritten Person Singular ein s zwischen Nomen und Endung: araba-sı.

Die Konsonantenerweichung übersehen

  • Falsch: kitapım
  • Richtig: kitabım
  • Warum: Bei kitap wird das auslautende p vor der vokalisch beginnenden Endung zu b. Diese Veränderung ist allerdings nicht bei jedem Nomen automatisch möglich.

Mehrzahl und Besitz vertauschen

  • Falsch: kitabımlar
  • Richtig: kitaplarım
  • Warum: Die Mehrzahl steht näher am Nomen: Nomen + -lar/-ler + Possessivsuffix.

Nach der dritten Person das verbindende n auslassen

  • Falsch: arabasıda „in seinem/ihrem Auto“
  • Richtig: arabasında
  • Warum: Wenn nach der Possessivendung der dritten Person eine Kasusendung (eine Endung für die Rolle oder Beziehung des Nomens im Satz) folgt, erscheint meist ein verbindendes n: araba-sı-n-da.

Hinweise zum Gebrauch

Türkische Possessivsuffixe sind im Alltag häufiger als deutsche Possessivwörter. Bei Körperteilen und persönlichen Gegenständen ist die Beziehung oft selbstverständlich, aber die Endung bleibt: Başım ağrıyor. bedeutet „Mein Kopf tut weh“, Telefonum nerede? „Wo ist mein Telefon?“.

Das Pronomen wird vor allem bei Kontrast, Klarstellung oder besonderer Betonung genannt: Benim kahvem şekersiz, senin kahven şekerli. – „Mein Kaffee ist ohne Zucker, deiner mit Zucker.“ Ist die Person bereits klar, klingt die kürzere Form meist natürlicher.

Sizin und die Endung -(I)nIz haben zwei Verwendungen: Sie bezeichnen mehrere angesprochene Personen („euer“) oder eine höflich angesprochene Person („Ihr“). Ob Adınız ne? „Wie heißt ihr?“ oder höflich „Wie heißen Sie?“ bedeutet, ergibt sich aus der Situation.

Für „haben“ verwendet das Türkische sehr oft eine Possessivform mit var „vorhanden“ oder yok „nicht vorhanden“: Arabam var. bedeutet „Ich habe ein Auto“, Vaktimiz yok. „Wir haben keine Zeit“. Die Besitzinformation steckt dabei in arabam beziehungsweise vaktimiz.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten müssen auf A1 noch nicht sicher beherrscht werden. Sie erklären aber Formen, denen man früh in echten Gesprächen und Texten begegnet.

Ein weiteres Suffix nach der Besitzendung

An eine Possessivform können Kasusendungen treten. Diese zeigen zum Beispiel einen Ort, eine Richtung oder ein bestimmtes direktes Objekt (die Person oder Sache, auf die eine Handlung unmittelbar zielt):

  • evim-de – „in meinem Haus“
  • evim-den – „aus meinem Haus“
  • kitabım-ı – „mein Buch“ als bestimmtes Objekt
  • araba-sı-n-da – „in seinem/ihrem Auto“
  • araba-sı-n-a – „zu seinem/ihrem Auto“

Nach der dritten Person erscheint dabei das verbindende n. Bei evimde nach der ersten Person ist es nicht nötig.

Besitzgruppen mit einem genannten Nomen

Ist die besitzende Person ein Name oder ein Nomen, trägt sie gewöhnlich eine Genitivendung; das besessene Wort erhält weiterhin ein Possessivsuffix:

  • Ali'nin kitabı – „Alis Buch“
  • çocuğun oyuncağı – „das Spielzeug des Kindes“
  • evin kapısı – „die Tür des Hauses“

Dieses doppelte Kennzeichnen ist ein Grundmuster des Türkischen: Am ersten Teil erkennt man den Besitzer, am zweiten die Beziehung. Es führt später direkt zu den türkischen Nomenverbindungen.

Mehrdeutige Formen der dritten Person

Kitapları kann je nach Zusammenhang mehrere Lesarten haben: „seine/ihre Bücher“, „ihr Buch“ oder „ihre Bücher“. Ein ausdrückliches onun oder onların und der weitere Satz schaffen Klarheit:

  • Onun kitapları burada. – „Seine/Ihre Bücher sind hier.“
  • Onların kitapları burada. – „Ihr Buch/Ihre Bücher sind hier.“

Die Mehrdeutigkeit ist kein Fehler. Türkischsprachige erschließen die gemeinte Zahl und Person meist aus dem Gesprächszusammenhang.

Das besondere Wort su

Su „Wasser“ verwendet in mehreren Possessivformen ein verbindendes y: suyum „mein Wasser“, suyun „dein Wasser“, suyu „sein/ihr Wasser“, suyumuz „unser Wasser“. Diese häufige Besonderheit lernt man am besten als eigenes kleines Formenpaket.

Übungstipps

  1. Bilde Reihen mit zwei Nomen. Sprich alle sechs Formen von ev und araba: evim, evin, evi … sowie arabam, araban, arabası …. So übst du gleichzeitig Endungen nach Konsonant und Vokal.
  2. Zerlege lange Wörter von rechts nach links. Markiere in çocuklarımız zuerst -ımız „unser“, dann -lar „Mehrzahl“ und schließlich çocuk „Kind“. Dieses Verfahren hilft später auch bei weiteren türkischen Endungen.
  3. Beschreibe deine Umgebung. Formuliere täglich fünf kurze Sätze wie Kitabım masada, Anahtarlarım çantamda oder Telefonum burada. Ergänze benim nur dann, wenn du einen Gegensatz ausdrücken möchtest.

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  • Nächster Schritt: Nomenverbindungen – baut das Muster zu Verbindungen wie annenin evi und okul bahçesi aus.

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