A2

Angleichung des Partizips im Italienischen

Accordo del Participio Passato

Dieser Artikel ist Teil des Italienisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit essere richtet sich das Partizip nach dem Subjekt: Maria è arrivata, i ragazzi sono partiti. Mit avere bleibt es normalerweise auf -o: Ho visto Maria. Steht jedoch ein direktes Objektpronomen wie lo, la, li, le vor dem Verb, wird angeglichen: L'ho vista, li abbiamo invitati.

Überblick

Das italienische participio passato entspricht ungefähr dem deutschen Partizip II, also Formen wie „gemacht“, „gesehen“ oder „gekommen“. Im Italienischen kann seine Endung sichtbar machen, ob sich die Aussage auf eine männliche oder weibliche Person beziehungsweise auf eine oder mehrere Personen bezieht: arrivato, arrivata, arrivati, arrivate. Diese Veränderung heißt Angleichung oder Kongruenz.

Das ist für Deutschsprachige zunächst ungewohnt. Im deutschen Perfekt bleibt das Partizip unverändert: „Sie ist angekommen“ und „Sie sind angekommen“. Im Italienischen ändert sich dagegen bei Verben mit essere die Endung: Lei è arrivata und Loro sono arrivati/arrivate. Bei avere ist die Lage anders: Ein nachgestelltes Substantiv hat keinen Einfluss, ein vorangestelltes direktes Objektpronomen aber schon.

Die Grundregel gehört zum Niveau A2 und baut auf dem passato prossimo auf. Das Hilfsverb ist dabei die Form von essere oder avere, mit der die zusammengesetzte Vergangenheit gebildet wird. Wer zuerst auf dieses Hilfsverb und dann auf die Stellung eines möglichen Objektpronomens achtet, kann die richtige Endung meist zuverlässig bestimmen.

So funktioniert es

1. Die vier möglichen Endungen

Regelmäßige Partizipien enden in ihrer Grundform auf -ato, -uto oder -ito, zum Beispiel mangiato, ricevuto, partito. Bei einer Angleichung verändert sich jeweils der letzte Vokal.

Bezug Endung Beispiel
männlich, Einzahl -o arrivato, visto
weiblich, Einzahl -a arrivata, vista
männlich oder gemischt, Mehrzahl -i arrivati, visti
weiblich, Mehrzahl -e arrivate, viste

Das gilt auch für unregelmäßige Partizipien. Der Stamm bleibt erhalten, nur die Endung wechselt: fatto – fatta – fatti – fatte, scritto – scritta – scritti – scritte, preso – presa – presi – prese.

2. Mit essere: Angleichung an das Subjekt

Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die ausgesagt wird, wer etwas tut oder wem etwas geschieht. Wird das passato prossimo mit essere gebildet, richtet sich das Partizip in Geschlecht und Zahl nach diesem Subjekt.

Subjekt Form Beispiel
männlich, Einzahl -o Marco è partito.
weiblich, Einzahl -a Giulia è partita.
männlich oder gemischt, Mehrzahl -i Marco e Giulia sono partiti.
weiblich, Mehrzahl -e Giulia e Sara sono partite.

Zu dieser Gruppe gehören auch reflexive Verben im passato prossimo, denn sie werden mit essere gebildet: Paolo si è svegliato, Anna si è svegliata, le bambine si sono svegliate. Bei einer gemischten Gruppe verwendet die Standardsprache die männliche Mehrzahl: Anna e Luca sono arrivati.

Die Auswahl zwischen essere und avere muss unabhängig gelernt werden. Die Angleichungsregel setzt erst danach ein: Wenn ein Verb in der jeweiligen Bedeutung essere verlangt, wird an das Subjekt angeglichen.

3. Mit avere: normalerweise keine Angleichung

Bei avere bleibt das Partizip normalerweise in der männlichen Einzahl auf -o. Das gilt auch dann, wenn das direkte Objekt weiblich oder in der Mehrzahl steht. Das direkte Objekt bezeichnet hier die Person oder Sache, die unmittelbar von der Handlung betroffen ist; man kann oft mit „wen oder was?“ danach fragen.

Satz Erklärung
Ho visto Maria. „Wen habe ich gesehen?“ – Maria; trotzdem visto
Abbiamo comprato due sedie. Die Stühle stehen nach dem Verb; deshalb comprato
Hai letto le lettere? Das weibliche Mehrzahlobjekt ändert letto nicht

Für Deutschsprachige ist diese Teilregel leichter: Wie im deutschen Perfekt bleibt das Partizip unverändert. Entscheidend ist aber, dass ein ausgeschriebenes Substantiv nach dem Verb steht und kein vorangestelltes direktes Objektpronomen seine Stelle einnimmt.

4. Avere mit lo, la, li, le: Angleichung an das Pronomen

Ein Pronomen ist ein kurzes Wort, das für ein bereits genanntes Substantiv steht. Die direkten Objektpronomen lo, la, li, le bedeuten je nach Zusammenhang „ihn/es“, „sie“ oder „sie in der Mehrzahl“. Sie stehen vor dem Hilfsverb. Dann ist die Angleichung in der Standardsprache erforderlich.

Pronomen Bezug Muster Beispiel
lo männlich, Einzahl l'ho ...-o Il film? L'ho visto.
la weiblich, Einzahl l'ho ...-a La torta? L'ho mangiata.
li männlich/gemischt, Mehrzahl li ho ...-i I biglietti? Li ho comprati.
le weiblich, Mehrzahl le ho ...-e Le chiavi? Le ho trovate.

Vor ho, hai, ha, hanno werden lo und la meist zu l' verkürzt. Am Apostroph allein erkennt man daher das Geschlecht nicht. Die Partizipendung liefert die Information: L'ho visto bezieht sich auf etwas Männliches, l'ho vista auf etwas Weibliches.

Diese Regel gilt nicht nur im passato prossimo. Sie bleibt auch in anderen zusammengesetzten Zeiten erhalten: Le avevo già viste („Ich hatte sie schon gesehen“), Li avranno dimenticati („Sie werden sie wohl vergessen haben“).

5. Mit ne und einer Mengenangabe

Ne kann ein bereits genanntes Substantiv ersetzen und bedeutet in Mengenaussagen ungefähr „davon“. Besonders wenn anschließend eine Zahl oder Menge genannt wird, richtet man das Partizip häufig nach dem ausgelassenen Substantiv:

  • Quanti libri hai letto? — Ne ho letti tre.
  • Quante mele hai comprato? — Ne ho comprate due.
  • Di quelle fotografie ne abbiamo scattate molte.

Für die aktive Verwendung ist diese Angleichung eine gute und klare Standardwahl. Im heutigen Sprachgebrauch hört und liest man bei ne jedoch auch schwankende Formen; dazu mehr im Abschnitt für Fortgeschrittene.

Eine schnelle Entscheidungshilfe

  1. Steht essere als Hilfsverb? Dann nach dem Subjekt angleichen.
  2. Steht avere? Dann zunächst die unveränderte Form auf -o erwarten.
  3. Steht vor avere ein direktes lo, la, li oder le? Dann nach diesem Pronomen angleichen.
  4. Steht ne für eine gezählte Menge? Dann die Endung am ausgelassenen Substantiv ausrichten.

Beispiele im Kontext

Italienisch Deutsch Hinweis
Marta è arrivata alle otto. Marta ist um acht angekommen. essere: weibliche Einzahl
I miei genitori sono tornati ieri. Meine Eltern sind gestern zurückgekommen. essere: gemischte Mehrzahl
Le ragazze sono uscite insieme. Die Mädchen sind zusammen ausgegangen. essere: weibliche Mehrzahl
Mi sono svegliato presto. Ich bin früh aufgewacht. Sprecher männlich; reflexives Verb
Ci siamo divertite molto. Wir hatten viel Spaß. rein weibliche Gruppe
Ho incontrato Lucia in centro. Ich habe Lucia im Stadtzentrum getroffen. avere mit nachgestelltem Objekt: keine Angleichung
Abbiamo ordinato due pizze. Wir haben zwei Pizzen bestellt. Trotz weiblicher Mehrzahl bleibt ordinato
Hai visto Paolo? — Sì, l'ho visto. Hast du Paolo gesehen? – Ja, ich habe ihn gesehen. lo wird zu l', Endung -o
Hai visto Elena? — Sì, l'ho vista. Hast du Elena gesehen? – Ja, ich habe sie gesehen. la wird zu l', Endung -a
Le ho viste ieri. Ich habe sie gestern gesehen. le: weibliche Mehrzahl
Li abbiamo invitati a cena. Wir haben sie zum Abendessen eingeladen. li: männliche oder gemischte Mehrzahl
La torta? L'ho mangiata dopo pranzo. Den Kuchen? Ich habe ihn nach dem Mittagessen gegessen. Grammatisches Geschlecht von torta: weiblich
Quanti libri hai letto? — Ne ho letti tre. Wie viele Bücher hast du gelesen? – Ich habe drei davon gelesen. ne ersetzt libri
Quante bottiglie avete aperto? — Ne abbiamo aperte due. Wie viele Flaschen habt ihr geöffnet? – Wir haben zwei davon geöffnet. ne ersetzt bottiglie
Le lettere? Le avevo già spedite. Die Briefe? Ich hatte sie schon abgeschickt. dieselbe Regel im Plusquamperfekt

Häufige Fehler

1. Mit essere immer die Form auf -o verwenden

  • Falsch: Chiara è arrivato tardi.
  • Richtig: Chiara è arrivata tardi.
  • Warum: Arrivare bildet diese Vergangenheit mit essere. Das Partizip richtet sich nach dem weiblichen Subjekt Chiara.

2. Das nachgestellte Objekt bei avere angleichen

  • Falsch: Ho vista Maria ieri.
  • Richtig: Ho visto Maria ieri.
  • Warum: Ein ausgeschriebenes direktes Objekt nach dem Verb löst keine Angleichung aus. Das ist der wichtige Gegensatz zu L'ho vista.

3. Nach einem vorangestellten direkten Pronomen nicht angleichen

  • Falsch: Le chiavi? Le ho trovato.
  • Richtig: Le chiavi? Le ho trovate.
  • Warum: Le ersetzt le chiavi und steht vor dem Hilfsverb. Daher braucht das Partizip die weibliche Mehrzahl auf -e.

4. Bei l'ho das Geschlecht übersehen

  • Falsch: La borsa? L'ho preso stamattina.
  • Richtig: La borsa? L'ho presa stamattina.
  • Warum: In l'ho ist nicht mehr sichtbar, ob ursprünglich lo oder la gemeint ist. Das Bezugswort borsa ist weiblich, also heißt es presa.

5. Jedes le für ein direktes Objekt halten

  • Falsch: Ho parlato con Anna e le ho spiegata la situazione.
  • Richtig: Ho parlato con Anna e le ho spiegato la situazione.
  • Warum: Hier bedeutet le „ihr“ und ist ein indirektes Objekt (die Person, der etwas erklärt wird), nicht „sie“ als direktes Objekt. Das direkte Objekt ist la situazione und steht nach dem Verb; deshalb bleibt spiegato unverändert.

6. Bei einer gemischten Gruppe die weibliche Mehrzahl wählen

  • Falsch: Laura e Marco sono partite.
  • Richtig: Laura e Marco sono partiti.
  • Warum: Für eine Gruppe mit mindestens einer männlichen Person verwendet die traditionelle Standardsprache die männliche Mehrzahl auf -i.

Hinweise zum Gebrauch

Die Angleichung mit lo, la, li, le ist kein besonders gehobenes Merkmal, sondern gehört auch zur normalen gesprochenen Standardsprache. Gerade bei l'ho vista oder le ho comprate fällt eine fehlende Angleichung deutlich auf. Beim schnellen Sprechen kann die Endung akustisch schwach wirken, schriftlich muss sie trotzdem gesetzt werden.

Das grammatische Geschlecht des italienischen Bezugsworts entscheidet, nicht die deutsche Übersetzung. La torta ist weiblich, obwohl es auf Deutsch „der Kuchen“ heißt: L'ho mangiata. Umgekehrt ist il regalo männlich: L'ho comprato. Lernen Sie deshalb neue Substantive möglichst immer mit Artikel.

Bei Personen richtet sich die Endung mit essere nach der gemeinten Person beziehungsweise Gruppe. Formen wie sono arrivato oder sono arrivata können ohne ausgesprochenes Subjekt zugleich zeigen, wie sich die sprechende Person grammatisch einordnet. Bei gemischten Gruppen gilt in der traditionellen Norm die männliche Mehrzahl; in heutigen inklusiven Schreibweisen gibt es zusätzliche, nicht einheitlich standardisierte Lösungen. Für Lernende bleibt -i in gemischten Gruppen die sichere Standardform.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten müssen auf A2 noch nicht aktiv beherrscht werden. Sie erklären aber Formen, die in Gesprächen und Texten auftreten können.

Mi, ti, ci, vi vor dem Partizip

Wenn diese Pronomen direkte Objekte sind, schwankt die Angleichung im heutigen Italienisch stärker als bei lo, la, li, le. Man findet zum Beispiel sowohl Mi hai visto? als auch – mit deutlicher Kennzeichnung einer Sprecherin – Mi hai vista?. Die angeglichene Form ist möglich und oft sinnvoll; die nicht angeglichene Form ist ebenfalls verbreitet. Bei lo, la, li, le sollte dagegen konsequent angeglichen werden.

Außerdem können dieselben kurzen Formen andere Funktionen haben. In Mi sono svegliata wird nicht wegen mi, sondern wegen des Hilfsverbs essere an das weibliche Subjekt angeglichen.

Ein Relativpronomen mit che

In le lettere che ho scritto ist che das direkte Objekt von ho scritto. Die heute neutrale und häufigste Form lässt das Partizip unverändert. Eine Angleichung wie le lettere che ho scritte kommt ebenfalls vor, wirkt jedoch oft literarischer, formeller oder stilistisch markiert. Für den alltäglichen Gebrauch ist che ho scritto die sichere Wahl.

Schwankungen bei ne

Bei ne ist die Sprachwirklichkeit weniger einheitlich als die einfache Lernregel vermuten lässt. Vor allem mit einer ausdrücklich genannten Zahl ist die Angleichung sehr üblich und empfehlenswert: Ne ho comprate due. Daneben begegnet auch Ne ho comprato due. Wer eine klare Standardsprache anstrebt, kann bei gezählten Dingen nach dem ausgelassenen Substantiv angleichen und sollte vor allem verstehen, dass beide Muster vorkommen.

Passivformen

Auch im Passiv wird angeglichen. Das Passiv stellt in den Vordergrund, was mit einer Person oder Sache geschieht: La porta è stata chiusa, le porte sono state chiuse. Hier richten sich sowohl stata/state als auch das passive Partizip chiusa/chiuse nach porta/porte. Dieses Muster gehört nicht mehr zur A2-Kernregel, folgt aber demselben Grundgedanken.

Lerntipps

  1. Bilden Sie Dreiergruppen. Schreiben Sie jeweils einen Satz mit Substantiv, einen mit Pronomen und einen mit essere: Ho comprato la giacca – L'ho comprata – La giacca è arrivata. So wird sichtbar, was die Endung auslöst.
  2. Markieren Sie zuerst das Hilfsverb. Unterstreichen Sie in Übungssätzen essere oder avere. Kreisen Sie bei avere zusätzlich ein vorangestelltes lo, la, li, le oder ne ein. Entscheiden Sie erst danach über die Endung.
  3. Lernen Sie Substantive mit Artikel und sprechen Sie die Endung laut. Aus la chiave wird l'ho trovata, aus i documenti wird li ho trovati. Gerade die Gegensatzpaare visto/vista und presi/prese schärfen das Gehör.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Das Passato prossimo — erklärt Bildung, Hilfsverben und die Grundfunktion der zusammengesetzten Vergangenheit.

Voraussetzung

Das Passato prossimo im ItalienischenA2

Mehr A2-Konzepte

Übe Accordo del Participio Passato auf Italienisch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Italienisch · A2 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.

Dieses Konzept üben