Personalpronomen im Hawaiianischen
Papainoa Pilikino
languages.seo.contextNote
Kurz gesagt
Hawaiianische Personalpronomen unterscheiden nicht nur Einzahl und Mehrzahl, sondern auch den Dual für genau zwei Personen. Bei „wir“ zeigt die Form außerdem, ob die angesprochene Person dazugehört: kāua/kākou schließen sie ein, māua/mākou schließen sie aus. Die wichtigsten Formen für den Anfang sind au „ich“, ʻoe „du/Sie“ und ʻo ia „er, sie oder es“.
Überblick
Personalpronomen sind Wörter, die für Personen oder bereits bekannte Dinge stehen: auf Deutsch etwa „ich“, „du“, „wir“ oder „sie“. Im Hawaiianischen heißen sie papainoa pilikino. Sie sind ein A1-Grundthema, doch das System enthält von Anfang an Informationen, die das Deutsche nicht in einem einzigen Pronomen ausdrückt. Besonders wichtig sind die genaue Anzahl der Beteiligten und bei „wir“ die Frage, ob das Gegenüber mitgemeint ist.
Anders als im Deutschen verändert sich das Verb nicht nach der Person. In Hele au, Hele ʻoe und Hele lākou bleibt hele „gehen“ unverändert. Wer geht, erkennt man am Pronomen. Außerdem steht die Satzaussage im Hawaiianischen häufig vor dem Subjekt (dem Satzteil, der angibt, wer handelt): wörtlich also eher „geht – ich“ als „ich – gehe“.
Das System wirkt zunächst umfangreich, ist aber sehr regelmäßig. Wer vier Fragen stellt, findet meist schnell die richtige Form: Geht es um eine, zwei oder mindestens drei Personen? Ist die sprechende Person beteiligt? Ist die angesprochene Person beteiligt? Handelt es sich um andere Personen?
So funktioniert es
Das vollständige Grundsystem
Der Dual bezeichnet genau zwei Personen. Der hawaiianische Plural beginnt deshalb normalerweise bei drei Personen. Inklusiv bedeutet bei der ersten Person „wir einschließlich der angesprochenen Person“; exklusiv bedeutet „wir ohne die angesprochene Person“.
| Person und Anzahl | Hawaiianisch | Deutsche Bedeutung | Wer ist gemeint? |
|---|---|---|---|
| 1. Person Singular | au / wau | ich | die sprechende Person |
| 2. Person Singular | ʻoe | du; je nach Situation auch Sie | eine angesprochene Person |
| 3. Person Singular | ʻo ia | er, sie, es | eine andere Person oder Sache |
| 1. Person Dual, inklusiv | kāua | wir beide | ich und du |
| 1. Person Dual, exklusiv | māua | wir beide | ich und eine andere Person, nicht du |
| 2. Person Dual | ʻolua | ihr beide | genau zwei Angesprochene |
| 3. Person Dual | lāua | die beiden; sie beide | genau zwei andere Personen |
| 1. Person Plural, inklusiv | kākou | wir | ich, du/ihr und mindestens eine weitere Person |
| 1. Person Plural, exklusiv | mākou | wir | ich und mindestens zwei weitere Personen, nicht du/ihr |
| 2. Person Plural | ʻoukou | ihr; je nach Situation auch Sie | mindestens drei Angesprochene |
| 3. Person Plural | lākou | sie | mindestens drei andere Personen |
Die deutschen Übersetzungen „wir“, „ihr“ und „sie“ verdecken also einen Teil der hawaiianischen Information. Wir gehen kann je nach Gruppe Hele kāua, Hele māua, Hele kākou oder Hele mākou heißen.
Die vier Formen für „wir“
Bei der Auswahl hilft eine kleine Entscheidungstabelle:
| Zusammensetzung der Gruppe | Form | Beispielsituation |
|---|---|---|
| ich + du | kāua | Ich schlage dir vor, dass wir beide gehen. |
| ich + eine andere Person, nicht du | māua | Ich berichte dir, was meine Schwester und ich tun. |
| ich + du/ihr + weitere Person(en) | kākou | Ich lade die ganze anwesende Gruppe ein. |
| ich + mindestens zwei andere Personen, nicht du/ihr | mākou | Ich berichte Außenstehenden über meine Gruppe. |
Das Deutsche zwingt nicht zu dieser Entscheidung. Vor einem hawaiianischen Satz sollte man sich daher die beteiligten Personen kurz bildlich vorstellen. Bei kā- gehört das Gegenüber dazu; bei mā- nicht. Die Endung -ua steht in diesen Formen für zwei, während -kou zu den Formen für mindestens drei gehört.
Typische Stellung im Satz
Ein einfacher Handlungssatz folgt häufig diesem Rahmen:
Verb oder Verbgruppe + Pronomen + weitere Angaben
- Hele au. — Ich gehe.
- Ke aʻo nei ʻolua. — Ihr beide lernt gerade.
- Ua hoʻi lākou. — Sie sind zurückgekehrt.
Die Verbgruppe kann aus mehreren Teilen bestehen. In Ke heluhelu nei au i ka puke „Ich lese gerade das Buch“ umschließen ke ... nei das Verb heluhelu. Das Pronomen au folgt erst danach. Man sollte also nicht einfach die deutsche Reihenfolge „ich + Verb“ übernehmen.
Prädikative Wörter, die im Deutschen oft mit „sein“ verbunden werden, stehen ebenfalls vor dem Pronomen:
- Hauʻoli au. — Ich bin glücklich.
- Maikaʻi ʻoe. — Dir geht es gut; du bist in Ordnung.
- Mākaukau kākou. — Wir sind bereit, einschließlich der angesprochenen Person(en).
au und wau
Beide Formen bedeuten „ich“. Nach einem Verb oder einer anderen Satzaussage ist au sehr häufig: Noho au ma Hilo „Ich wohne in Hilo“. Wau begegnet besonders in hervorhebenden oder gleichsetzenden Wendungen mit ʻo, etwa ʻO wau ke kumu „Ich bin der Lehrer/die Lehrerin“. Für den Einstieg ist es sinnvoll, au als normale Form nach dem Prädikat zu verwenden und ʻO wau ... als festen Rahmen für Identifikation zu lernen.
Die besondere Form ʻo ia
ʻO ia bezeichnet eine einzelne dritte Person und unterscheidet kein Geschlecht. Der Zusammenhang entscheidet, ob die deutsche Übersetzung „er“, „sie“ oder bei einer Sache „es“ lautet. Das ist ein deutlicher Unterschied zum Deutschen: Man kann aus dem hawaiianischen Pronomen allein weder das Geschlecht noch das grammatische Genus ablesen.
Als Subjekt sollte ʻo ia zunächst als vollständige Einheit gelernt werden:
- Hele ʻo ia. — Er/Sie geht.
- Hauʻoli ʻo ia. — Er/Sie ist glücklich.
Die Partikel ʻo steht auch vor Personennamen in entsprechenden Subjektpositionen, zum Beispiel Hele ʻo Keola. Bei au, ʻoe, kāua, māua und den übrigen Personalpronomen wird in diesem einfachen Muster jedoch nicht automatisch ein zusätzliches ʻo eingesetzt.
Höflichkeit und Anrede
Hawaiianisch besitzt in diesem Grundsystem keine eigene Form, die genau dem deutschen höflichen „Sie“ entspricht. ʻOe, ʻolua und ʻoukou richten sich nach der Zahl der Angesprochenen, nicht nach einer formellen oder vertrauten Beziehung. Respekt entsteht durch die gesamte Anrede, den Wortlaut und die Situation, nicht durch einen Wechsel von „du“ zu „Sie“ innerhalb der Pronomenreihe. In einer deutschen Übersetzung kann ʻoe deshalb je nach Zusammenhang „du“ oder „Sie“ heißen.
Beispiele im Kontext
| Hawaiianisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Hele au. | Ich gehe. | erste Person Singular |
| Hele ʻoe. | Du gehst. | eine angesprochene Person |
| Hele ʻo ia. | Er/Sie geht. | dritte Person ohne Geschlechtsunterscheidung |
| E hele kāua i ke kahakai. | Lass uns beide zum Strand gehen. | nur ich und du |
| Hele māua i ke kula. | Wir beide gehen zur Schule. | ich und jemand anderes, nicht du |
| Ke aʻo nei ʻolua i ka ʻōlelo Hawaiʻi. | Ihr beide lernt gerade Hawaiianisch. | genau zwei Angesprochene |
| Ua hoʻi lāua i ka hale. | Die beiden sind nach Hause zurückgekehrt. | genau zwei andere Personen |
| E ʻai kākou. | Lasst uns alle essen. | die angesprochene Gruppe ist eingeschlossen |
| Noho mākou ma Hilo. | Wir wohnen in Hilo. | die Angesprochenen gehören nicht zu „wir“ |
| Mākaukau ʻoukou? | Seid ihr bereit? | mindestens drei Angesprochene |
| Hauʻoli lākou. | Sie sind glücklich. | mindestens drei andere Personen |
| ʻO wau ke kumu. | Ich bin der Lehrer/die Lehrerin. | Identifikation mit ʻo wau |
| No Hawaiʻi ʻo ia. | Er/Sie kommt aus Hawaiʻi. | ʻo ia kann eine Frau oder einen Mann meinen |
| Makemake au e heluhelu. | Ich möchte lesen. | das Pronomen folgt auf makemake |
Bei einer deutschen Übersetzung wie „Lasst uns gehen“ muss besonders auf den Kontext geachtet werden. Spricht eine Person nur zu einem Gegenüber, passt E hele kāua. Richtet sie sich an eine größere Gruppe und schließt sich selbst ein, passt E hele kākou.
Häufige Fehler
Dual und Plural verwechseln
- Falsch: Hele mākou für „Wir beide gehen, aber du nicht“.
- Richtig: Hele māua.
- Warum: Māua bezeichnet genau zwei Personen. Mākou steht für die sprechende Person und mindestens zwei weitere Personen; das Gegenüber ist in beiden Formen ausgeschlossen.
Das Gegenüber versehentlich ein- oder ausschließen
- Falsch: E hele māua! als Einladung an eine einzelne angesprochene Person: „Lass uns beide gehen!“
- Richtig: E hele kāua!
- Warum: Māua schließt die angesprochene Person ausdrücklich aus. Für „du und ich“ braucht man kāua.
Deutsche Wortstellung übernehmen
- Falsch: Au hele. als neutrale Entsprechung von „Ich gehe“.
- Richtig: Hele au.
- Warum: Im einfachen hawaiianischen Handlungssatz steht die Satzaussage häufig zuerst und das Subjekt danach. Die deutsche Reihenfolge ist kein zuverlässiges Satzmuster.
ʻo ia auf ein Geschlecht festlegen
- Missverständlich: ʻo ia immer nur mit „er“ lernen.
- Richtig: ʻo ia je nach Zusammenhang mit „er“, „sie“ oder „es“ verstehen.
- Warum: Das hawaiianische Pronomen markiert kein Geschlecht. Erst Namen, Beschreibungen oder die Gesprächssituation klären die passende deutsche Übersetzung.
Bei Verben deutsche Personenendungen erwarten
- Falsch: für „du gehst“ eine veränderte Form von hele bilden.
- Richtig: Hele ʻoe.
- Warum: Hawaiianische Verben werden nicht wie deutsche Verben nach „ich“, „du“ oder „wir“ verändert. Hele bleibt in Hele au, Hele ʻoe und Hele lākou gleich.
ʻOkina und Kahakō weglassen
- Falsch: oe, maua, kakou
- Richtig: ʻoe, māua, kākou
- Warum: Die ʻOkina ʻ ist ein eigener Konsonant, und der Kahakō genannte Längungsstrich kennzeichnet einen langen Vokal. Beides gehört zur korrekten Form und Aussprache.
Gebrauchshinweise
In einfachen Lernersätzen sollte das Subjekt genannt werden, sofern es nicht schon aus der Situation oder aus einem Namen eindeutig hervorgeht. Da hele bei allen Personen gleich bleibt, trägt ein ausgesprochenes Pronomen oft die entscheidende Information darüber, wer handelt. Ist der Name genannt, steht dieser an seiner Stelle: Hele ʻo Leilani „Leilani geht“. In kurzen Aufforderungen wie E hele! „Geh!“ ergibt sich die angesprochene Person dagegen bereits aus der Situation.
Bei kāua, māua, kākou und mākou ist die Wahl nicht nur eine Rechenaufgabe. Sie zeigt auch, wie die sprechende Person die Gesprächsgruppe einteilt. Eine Einladung mit kākou schafft ausdrücklich eine gemeinsame Gruppe. Ein Bericht mit mākou stellt dagegen klar, dass die Zuhörenden nicht zu der erwähnten Gruppe gehören. Diese Unterscheidung sollte man in der deutschen Übersetzung ruhig durch Zusätze wie „wir beide“, „wir alle“, „einschließlich euch“ oder „ohne dich“ sichtbar machen, wenn der Zusammenhang sonst unklar bliebe.
Beim Lesen älterer oder uneinheitlich gesetzter Texte können ʻOkina und Kahakō fehlen. Für das eigene Schreiben empfiehlt sich dennoch die moderne Schreibung mit allen diakritischen Zeichen. Gerade bei den Pronomen helfen sie, die Formen sicher wiederzuerkennen und korrekt auszusprechen.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Einzelheiten müssen auf A1 noch nicht vollständig beherrscht werden. Sie erklären aber Formen, die in echten Texten bald auftauchen.
Pronomen nach Verhältniswörtern und als Objekt
Ein Objekt ist die Person oder Sache, auf die sich eine Handlung richtet. Vor persönlichen Objekten erscheint häufig iā; mit „ich“ entsteht die besondere Form iaʻu:
- ʻIke au iā ʻoe. — Ich sehe dich.
- Ua ʻike ʻo ia iaʻu. — Er/Sie hat mich gesehen.
- Ua aloha mākou iā lākou. — Wir lieben sie; die Angesprochenen gehören nicht zu „wir“.
Hier zeigt sich, warum ʻo ia nicht überall unverändert als Block behandelt werden darf: Nach iā heißt es iā ia „ihn/sie“. Auch andere Verhältniswörter verbinden sich mit Pronomen, etwa me ʻoe „mit dir“. Die genaueren Objektformen gehören zum weiterführenden Pronomenstoff.
Rückbezug mit iho
Iho kann zusammen mit einem Pronomen eine rückbezügliche Bedeutung ausdrücken, also eine Handlung zurück auf dieselbe Person beziehen:
- iā ia iho — ihn selbst / sie selbst
Welche Rolle iho genau übernimmt, hängt vom Satz ab. Für Anfänger genügt es, solche Folgen zunächst als Einheit zu erkennen und nicht jedes iho automatisch mit „selbst“ zu übersetzen, denn das Wort hat auch andere grammatische Verwendungen.
Eindeutigkeit in längeren Texten
Weil ʻo ia kein Geschlecht unterscheidet, kann ein Satz mit mehreren möglichen Bezugspersonen für deutsche Leser ungewohnt mehrdeutig wirken. Hawaiianische Texte können dann einen Namen erneut nennen oder eine Beschreibung verwenden. Man sollte beim Übersetzen nicht ohne Kontext ein Geschlecht ergänzen. Dasselbe gilt für lāua und lākou: Beide sagen etwas über die Anzahl, aber nichts über die Geschlechter innerhalb der Gruppe.
Pronomen und Besitzformen
Formen wie koʻu „mein“, kou „dein“ oder kāna/kona „sein/ihr“ gehören zwar zur selben Personenwelt, sind aber keine einfachen Personalpronomen. Das Hawaiianische unterscheidet bei Besitz zusätzlich sogenannte A- und O-Klassen. Man sollte daher nicht versuchen, au direkt vor ein Substantiv zu setzen, um deutsches „mein“ nachzubauen.
Übungstipps
Gruppen zeichnen statt nur übersetzen. Zeichne drei Kreise für „ich“, „du/ihr“ und „andere“. Markiere zuerst die Beteiligten und wähle dann kāua, māua, kākou oder mākou. So entsteht die Bedeutung direkt aus der Gesprächssituation und nicht aus dem mehrdeutigen deutschen „wir“.
Mit einem unveränderten Verb üben. Sprich eine Reihe mit hele: Hele au, hele ʻoe, hele ʻo ia, hele kāua ... Dadurch prägt sich gleichzeitig ein, dass das Verb keine Personenendung erhält und dass das Pronomen nach dem Verb steht.
Beim Hören auf Anzahl und Einschluss achten. Notiere bei jedem gehörten -ua, ob genau zwei Personen gemeint sind. Frage bei kā- und mā- zusätzlich: Gehört das Gegenüber dazu? Bei -kou prüfst du, ob mindestens drei Personen beteiligt sind.
Verwandte Konzepte
- Weiterführend: Fortgeschrittene Pronomen — vertieft Objektformen, Rückbezug sowie das vollständige Pronomensystem.
- Eng verwandt: Dritte Person und ʻO ia — behandelt die geschlechtsneutrale dritte Person und die Funktionen von ʻo ia genauer.
languages.concept.buildsOn
languages.concept.related
languages.concept.otherLanguages
languages.concept.compareLanguages
languages.cta.conceptText
languages.cta.practiceConceptButton