A1

Dritte Person mit ʻo ia im Hawaiianischen

ʻO ia mau mea

Dieser Artikel ist Teil des Hawaiisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Für „er“, „sie“ und „es“ verwendet das Hawaiianische dieselbe Form: ʻo ia. Bei mehreren Personen unterscheidet die Sprache genau: ʻo lāua meint zwei, ʻo lākou drei oder mehr. Stehen diese Pronomen als Subjekt (wer etwas tut oder über wen etwas ausgesagt wird), gehört ʻo normalerweise fest dazu.

Überblick

Wer auf Hawaiianisch über eine andere Person oder Sache spricht, braucht kein unterschiedliches Wort für deutsches „er“, „sie“ oder „es“. ʻo ia kann alle drei Bedeutungen haben. Erst der Zusammenhang macht klar, ob von einem Mann, einer Frau, einem Tier oder einer Sache die Rede ist. Das ist ein wichtiger Unterschied zum Deutschen: Man darf das Geschlecht eines deutschen Pronomens nicht auf das Hawaiianische übertragen.

Außerdem besitzt das Hawaiianische neben Singular und Plural einen Dual (eine eigene Form für genau zwei). ʻo lāua heißt daher „die beiden“ oder „sie beide“, während ʻo lākou für drei oder mehr steht. Deutsch fasst beides meist unter „sie“ zusammen. Beim Übersetzen ins Hawaiianische muss man also oft genauer auf die Anzahl achten als im Deutschen.

Dieses Thema gehört zu den Grundlagen auf A1. Die drei Formen tauchen in Erzählungen, Personenbeschreibungen und einfachen Aussagen ständig auf. Gleichzeitig zeigen sie ein typisches Merkmal des Hawaiianischen: Verben verändern ihre Form nicht je nach Person. Wer handelt, erkennt man am Pronomen oder an einer Nominalgruppe (einer Wortgruppe mit einem Hauptwort).

So funktioniert es

Die drei Grundformen

Anzahl Hawaiianische Subjektform Deutsche Entsprechung
eine Person oder Sache ʻo ia er, sie, es
genau zwei ʻo lāua sie beide, die beiden
drei oder mehr ʻo lākou sie

Die Längenzeichen in lāua und lākou sind keine bloßen Akzente. Ein Kahakō (Längenzeichen über einem Vokal) zeigt an, dass der Vokal lang gesprochen wird. Auch das ʻOkina in ʻo ist ein eigener Buchstabe und bezeichnet einen kurzen Verschlusslaut. In sorgfältiger Schreibung sollten beide Zeichen erhalten bleiben.

ʻo gehört zur Subjektform

Vor den Pronomen der dritten Person steht als Subjekt die Partikel ʻo. Eine Partikel ist ein kurzes Wort, das die Funktion anderer Satzteile kenntlich macht. Lerne die Formen deshalb am besten nicht isoliert als ia, lāua, lākou, sondern gleich als feste Einheiten:

  • ʻo ia
  • ʻo lāua
  • ʻo lākou

Das ʻo ist kein Artikel und bedeutet nicht „der“, „die“ oder „das“. Es zeigt hier das folgende Pronomen als Subjekt an. Es wird als eigenes Wort geschrieben, also ʻo ia, nicht zusammengeschrieben.

Verb oder Zustandswort zuerst

In einem einfachen hawaiianischen Verbalsatz steht die Aussage gewöhnlich vor dem Subjekt. Das kann für deutschsprachige Lernende zunächst ungewohnt wirken, denn im Deutschen beginnt ein Aussagesatz oft mit dem Subjekt.

Grundmuster:

Verb oder Aussage + ʻo ia / ʻo lāua / ʻo lākou

  • Hele ʻo ia. — Er/Sie geht.
  • Noho ʻo lāua ma Hilo. — Die beiden wohnen in Hilo.
  • Hauʻoli ʻo lākou. — Sie sind glücklich.

Das Verb erhält dabei keine besondere Endung für die dritte Person. hele bleibt also gleich, ganz gleich, ob eine, zwei oder viele Personen gehen. Das Pronomen liefert die Information zur Person und Anzahl.

Zeit- und Aspektpartikeln stehen vor dem Verb

Hawaiianische Verben werden nicht wie deutsche Verben nach Person konjugiert. Zeit und Verlauf werden häufig durch Partikeln rund um das Verb ausgedrückt. Ein Aspekt beschreibt, ob eine Handlung etwa abgeschlossen ist oder gerade verläuft.

Satzmuster Grundbedeutung Beispiel
Verb + Subjekt allgemeine oder vom Zusammenhang bestimmte Aussage Hele ʻo ia.
Ua + Verb + Subjekt abgeschlossenes Geschehen Ua ʻai ʻo lāua.
Ke + Verb + Subjekt + nei Geschehen im aktuellen Verlauf Ke hula nei ʻo lākou.
E + Verb + Subjekt + ana zukünftiges oder erwartetes Geschehen E hoʻi ana ʻo ia.

Für den Einstieg reicht es, die Position des Subjekts zu erkennen: Die ganze Gruppe ʻo ia, ʻo lāua oder ʻo lākou folgt gewöhnlich auf die verbale Aussage. Die genaue Verwendung aller Zeit- und Aspektmuster ist jeweils ein eigenes Lernthema.

Aussagen mit einem Nomen

Ein Nomen oder Hauptwort bezeichnet zum Beispiel eine Person, einen Ort oder eine Sache. Hawaiianisch braucht in Sätzen wie „Sie ist Lehrerin“ kein eigenes Verb, das dem deutschen „sein“ entspricht.

Mit he bezeichnet man eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder Klasse:

  • He kumu ʻo ia. — Er/Sie ist Lehrkraft.
  • He mau haumāna ʻo lākou. — Sie sind Schüler bzw. Schülerinnen.

Geht es um eine bestimmte Identität, begegnet häufig ein Muster mit ʻo:

  • ʻO ia ke kumu. — Er/Sie ist die Lehrkraft.
  • ʻO lāua nā alakaʻi. — Die beiden sind die Verantwortlichen.

Der Unterschied ähnelt dem zwischen „eine Lehrkraft“ und „die Lehrkraft“. He kumu ʻo ia ordnet die Person einer Gruppe zu; ʻO ia ke kumu identifiziert sie als die bestimmte Lehrkraft, um die es geht.

Verneinung

Ein wichtiges Grundmuster beginnt mit ʻaʻole „nicht/nein“. Bei einem verneinten vergangenen Ereignis kann der Satz so aussehen:

ʻAʻole + Subjekt + i + Verb

  • ʻAʻole ʻo ia i hiki mai. — Er/Sie ist nicht angekommen.
  • ʻAʻole ʻo lākou i hele. — Sie sind nicht gegangen.

Auffällig ist die Stellung: Im bejahten Satz steht das Subjekt nach dem Verb (Ua hele ʻo ia), im negativen Muster steht es direkt nach ʻaʻole. Diese Wortstellung sollte als vollständiges Satzmuster geübt werden, nicht durch wortwörtliches Übertragen aus dem Deutschen.

Beispiele im Kontext

Hawaiianisch Deutsch Hinweis
Hele ʻo ia i ke kula. Er/Sie geht zur Schule. ʻo ia kann „er“ oder „sie“ bedeuten.
He keiki ʻo ia. Er/Sie ist ein Kind. Einordnung mit he.
ʻO ia ke kumu. Er/Sie ist die Lehrkraft. Bestimmte Identität.
Noho ʻo ia ma Maui. Er/Sie wohnt auf Maui. Das Subjekt folgt auf die Aussage.
Ua ʻai ʻo lāua. Die beiden haben gegessen. lāua bezeichnet genau zwei.
Ua hoʻi ʻo lāua i ka hale. Die beiden sind nach Hause zurückgekehrt. Abgeschlossenes Geschehen mit ua.
He mau hoaaloha ʻo lāua. Sie beide sind Freunde. Zwei Personen werden gemeinsam beschrieben.
Ke hula nei ʻo lākou. Sie tanzen gerade. lākou bezeichnet mindestens drei.
Hauʻoli ʻo lākou i kēia lā. Sie sind heute glücklich. Zustandsbeschreibung ohne „sein“.
E hele ana ʻo lākou i Honolulu. Sie werden nach Honolulu fahren. Zukünftiges Geschehen.
ʻAʻole ʻo ia i hiki mai. Er/Sie ist nicht angekommen. Subjekt direkt nach ʻaʻole.
ʻAʻole ʻo lāua i ʻai. Die beiden haben nicht gegessen. Verneinung mit dem Dual.
ʻIke ʻo ia iā lākou. Er/Sie sieht sie. ʻo ia ist Subjekt, iā lākou Objekt.

Im letzten Satz haben die beiden Pronomen verschiedene Aufgaben. Das Subjekt führt die Handlung aus; das Objekt ist hier die Personengruppe, auf die sich das Sehen richtet. Deshalb steht beim Subjekt ʻo ia, beim personenbezogenen Objekt aber iā lākou.

Häufige Fehler

1. ʻo bei der dritten Person weglassen

  • Falsch: Hele ia.
  • Richtig: Hele ʻo ia.
  • Warum: Als Subjekt wird ia in diesem Grundmuster von der Partikel ʻo begleitet. Präge dir ʻo ia als Einheit ein.

2. ʻo und das Pronomen zusammenschreiben

  • Falsch: ʻoia oder O ia
  • Richtig: ʻo ia
  • Warum: ʻo ist ein eigenes Wort. Das ʻOkina gehört zur korrekten Schreibung und darf nicht einfach durch den Buchstaben O ersetzt werden.

3. für „er“ und „sie“ verschiedene Formen suchen

  • Unnötige Unterscheidung: eine erfundene männliche und eine weibliche Form
  • Richtig: ʻo ia für „er“, „sie“ und „es“
  • Warum: Das Pronomen zeigt kein grammatisches Geschlecht. Der Zusammenhang oder ein zuvor genanntes Nomen klärt die Bedeutung.

4. lāua und lākou verwechseln

  • Falsch: Ua hele ʻo lākou bei genau zwei Personen.
  • Richtig: Ua hele ʻo lāua.
  • Warum: lāua ist ausschließlich dual, also für genau zwei. lākou wird für drei oder mehr verwendet. Das deutsche „sie“ verdeckt diesen Unterschied leicht.

5. deutsche Wortstellung übernehmen

  • Unnatürliches Grundmuster: ʻO ia hele i ke kula.
  • Richtig: Hele ʻo ia i ke kula.
  • Warum: Im neutralen Verbalsatz steht die Aussage gewöhnlich zuerst. Das ist nicht dieselbe Reihenfolge wie in „Er geht zur Schule“.

6. Subjekt- und Objektform vermischen

  • Falsch: ʻIke iā ia iā lākou. im Sinn von „Er/Sie sieht sie“
  • Richtig: ʻIke ʻo ia iā lākou.
  • Warum: Wer sieht, ist das Subjekt und steht hier mit ʻo. Die gesehenen Personen sind das Objekt und stehen mit .

Hinweise zum Gebrauch

Das Geschlecht ergibt sich aus dem Zusammenhang

Ein Satz wie Ua kelepona ʻo ia kann „Er hat angerufen“ oder „Sie hat angerufen“ bedeuten. Das ist im Hawaiianischen nicht unvollständig. Wurde vorher etwa ka wahine „die Frau“ genannt, verweist ʻo ia im weiteren Gespräch auf diese Person. Wo der Zusammenhang nicht reicht, kann man den Namen oder die Personenbezeichnung wiederholen.

Bei unbelebten Dingen kann ʻo ia je nach Zusammenhang auch dem deutschen „es“ entsprechen. Man sollte daher nicht bei jedem Auftreten sofort ein deutsches Geschlecht einsetzen, sondern zuerst fragen: Worauf verweist das Pronomen?

Die Anzahl ist genauer als im Deutschen

Deutsch unterscheidet bei „sie“ nicht zwischen zwei und einer größeren Gruppe. Hawaiianisch zwingt Sprechende dagegen zur Wahl zwischen lāua und lākou. Wenn die genaue Anzahl unbekannt ist, braucht man genügend Kontext oder eine passendere Nominalgruppe. Beim Lernen hilft es, Übersetzungen bewusst als „die beiden“ und „sie, mindestens drei“ zu formulieren, bis der Unterschied automatisch sitzt.

Nicht jedes ʻo hat dieselbe Aufgabe

ʻo steht nicht nur vor diesen drei Pronomen. Es begegnet auch bei Eigennamen und in Identifikationssätzen, etwa ʻO Malia ke kumu „Malia ist die Lehrkraft“. Die Verwendungen hängen zusammen, sollten aber nicht mit dem deutschen bestimmten Artikel gleichgesetzt werden. Vor allem ist ʻo ia nicht einfach eine Übersetzung von „der er“ oder „die sie“, sondern die normale Subjektform.

Über A1 hinaus

Die folgenden Punkte musst du am Anfang noch nicht sicher bilden. Sie helfen aber, Formen zu erkennen, die in natürlichen Texten bald auftauchen.

Subjekt und Objekt verwenden unterschiedliche Marker

Bei Personen und Personalpronomen werden Objekte häufig mit markiert. Dadurch entstehen klare Gegenüberstellungen:

Funktion Singular Dual Plural
Subjekt ʻo ia ʻo lāua ʻo lākou
personenbezogenes Objekt iā ia iā lāua iā lākou

Vergleiche:

  • Ua ʻike ʻo ia iā lāua. — Er/Sie hat die beiden gesehen.
  • Ua ʻike ʻo lāua iā ia. — Die beiden haben ihn/sie gesehen.

Die Wortformen bleiben fast gleich; die vorangestellte Partikel zeigt die Satzfunktion. Gerade deshalb sind ʻo und für das Verständnis wichtiger als deutsche Lernende zunächst vermuten.

Rückbezug mit iho

Mit iho kann ein Pronomen auf das Subjekt selbst zurückverweisen. iā ia iho bedeutet je nach Zusammenhang „sich selbst“, „ihn selbst“ oder „sie selbst“. Das gehört zu fortgeschritteneren Objekt- und Reflexivkonstruktionen (Konstruktionen, bei denen die Handlung auf dieselbe Person zurückgeht):

  • Ua nānā ʻo ia iā ia iho. — Er/Sie sah sich selbst an.

Auch hier gibt es keine Geschlechtsunterscheidung. Erst die Gesprächssituation entscheidet, welche deutsche Übersetzung passt.

Pronomen können auf bereits eingeführte Gruppen verweisen

In längeren Erzählungen dienen ʻo lāua und ʻo lākou dazu, eine bekannte Zweier- oder Mehrpersonengruppe wiederaufzunehmen. Wird aus einer größeren Gruppe später nur ein Paar herausgegriffen, kann der Wechsel von lākou zu lāua die veränderte Gruppengröße anzeigen. Diese Zahlinformation ist ein wichtiger Teil des hawaiianischen Textzusammenhangs und nicht nur eine Vokabelfrage.

Übungstipps

  1. Lerne in Dreierreihen. Bilde zu einem Verb immer drei Sätze, zum Beispiel Hele ʻo ia, Hele ʻo lāua, Hele ʻo lākou. Stell dir dabei sichtbar eine Person, zwei Personen und mindestens drei Personen vor.
  2. Übersetze deutsches „sie“ nicht sofort. Markiere zuerst, ob es „sie“ als einzelne Frau, zwei Personen oder mindestens drei Personen meint. Wähle erst dann ʻo ia, ʻo lāua oder ʻo lākou.
  3. Übe ganze Satzrahmen. Sprich bejahte und verneinte Paare laut: Ua ʻai ʻo iaʻAʻole ʻo ia i ʻai. So lernst du zugleich, wie sich die Stellung des Subjekts verändert.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Personalpronomen — gibt den Überblick über die hawaiianischen Pronomen und ihre Unterscheidung nach Person und Anzahl.
  • Später hilfreich: Fortgeschrittene Personalpronomen — vertiefen Objektformen wie iā ia, iā lāua und iā lākou sowie den Rückbezug mit iho.

Voraussetzung

Personalpronomen im HawaiianischenA1

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