C2

Akademisches und formelles Schreiben auf Englisch

Formal Writing

Dieser Artikel ist Teil des Englisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Gutes formelles Englisch ist präzise, nachvollziehbar und der Leserschaft angemessen – nicht einfach möglichst kompliziert. Passivformen, vorsichtige Formulierungen und Nominalisierungen können den Fokus gezielt verschieben; sie sollten aber nicht Handelnde, Belege oder klare Aussagen verdecken. Abkürzungen wie e.g., i.e., etc., viz. und cf. sind nützlich, unterliegen jedoch je nach Fachgebiet und Stilhandbuch unterschiedlichen Konventionen.

Überblick

Akademisches und formelles Schreiben begegnet Ihnen in wissenschaftlichen Arbeiten, Berichten, Gutachten, Anträgen und anspruchsvoller Geschäftskorrespondenz. Auf C2-Niveau geht es weniger darum, einzelne „vornehme“ Wörter zu sammeln. Entscheidend ist vielmehr, sprachliche Mittel bewusst nach Zweck, Textsorte und Leserschaft auszuwählen. Eine Methode muss etwa reproduzierbar beschrieben, eine Schlussfolgerung angemessen begrenzt und eine Empfehlung klar begründet werden.

Drei Mittel prägen viele solche Texte: das Passiv (eine Form, bei der der Vorgang oder das Ergebnis statt der handelnden Person im Mittelpunkt steht), Hedging oder sprachliche Abschwächung (eine Aussage wird ihrem tatsächlichen Sicherheitsgrad angepasst) und Nominalisierung (ein Vorgang oder eine Eigenschaft wird als Substantiv ausgedrückt). Hinzu kommen sachliche Verknüpfungen zwischen Sätzen, eine kontrollierte Wortwahl und etablierte Abkürzungen.

Für deutschsprachige Lernende wirkt manches vertraut: Auch deutsche Fachtexte verwenden Passiv und viele Substantive. Gerade diese Ähnlichkeit kann jedoch in die Irre führen. Englische Fachprosa bevorzugt heute häufig kürzere Sätze, sichtbare logische Beziehungen und durchaus auch aktive Formulierungen mit we oder the study. Eine möglichst schwere, unpersönliche Ausdrucksweise ist daher nicht automatisch akademischer.

So funktioniert es

Den Fokus mit Aktiv und Passiv steuern

Ein englischer Aktivsatz nennt zuerst den Handelnden: The researchers analysed the samples. Im Passiv wird das direkte Objekt (die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet) zum grammatischen Subjekt: The samples were analysed. Die Grundform lautet Form von be + past participle; das past participle ist die dritte Verbform, etwa analysed, written oder found.

Das Passiv ist besonders sinnvoll, wenn

  • das Verfahren oder Ergebnis wichtiger ist als die ausführende Person: The samples were stored at 4°C.
  • der Handelnde unbekannt oder aus dem Zusammenhang klar ist: The regulation was amended in 2024.
  • eine Folge von Arbeitsschritten denselben Gegenstand im Fokus behalten soll.

Es ist weniger hilfreich, wenn Verantwortlichkeit wichtig ist. Several errors were made verschweigt, wer die Fehler gemacht hat. In einem transparenten Bericht ist The review team made several errors oft besser. Auch in wissenschaftlichen Texten ist We analysed the data meist zulässig, sofern das Fach oder die Zeitschrift es nicht anders verlangt.

Aussagen dem Beleggrad anpassen

Akademische Vorsicht bedeutet nicht, jede Aussage schwach klingen zu lassen. Sie zeigt vielmehr, wie weit die Belege reichen. Dafür stehen mehrere Ebenen zur Verfügung:

  • Modalverben: may, might, could – The change may reflect seasonal variation.
  • Verben des Anscheins: appear to, seem to, tend to – Older participants tended to respond more slowly.
  • Adverbien: probably, possibly, apparently, relatively, somewhat.
  • Rahmenformulierungen: It could be argued that ..., The findings suggest that ...
  • Begrenzungen: in this sample, under these conditions, to some extent.

Die Stärke muss stimmen. The results prove that ... ist bei einer einzelnen beobachtenden Studie meist zu stark; The results suggest that ... ist häufig angemessener. Umgekehrt macht eine Kette wie It might perhaps be possible to suggest ... den Satz unnötig unsicher. Pro Aussage genügt oft ein klares Signal.

Vorgänge nominalisieren – aber gezielt

Bei einer Nominalisierung wird zum Beispiel aus dem Verb implement das Substantiv implementation:

  • verbal und direkt: The agency implemented the policy in May.
  • nominalisiert: The implementation of the policy took place in May.

Nominalisierungen helfen, komplexe Gedanken als Einheit wiederaufzunehmen: The committee rejected the proposal. This rejection prompted further debate. Sie verdichten außerdem Überschriften und fachliche Kategorien: risk assessment, data collection, the allocation of resources.

Zu viele davon machen den Text jedoch schwer und verstecken oft die Handlung. The implementation of an evaluation of the programme was undertaken ist klarer als The team evaluated the programme. Deutschsprachige Schreibende sollten außerdem beachten, dass englische Substantive normalerweise kleingeschrieben werden: the analysis, nicht the Analysis.

Logische Beziehungen sichtbar machen

Formelle Texte brauchen eindeutige Verbindungen, aber nicht vor jedem Satz ein schweres Bindewort. Typische Funktionen sind:

  • Ergänzung: furthermore, in addition
  • Gegensatz: however, nevertheless, whereas
  • Ursache und Folge: because, therefore, consequently
  • Eingrenzung: with respect to, in the case of
  • Beispiel und Präzisierung: for example, specifically, namely

Achten Sie auf die Grammatik hinter dem Ausdruck. Although leitet einen Nebensatz mit Subjekt und Verb ein: Although the sample was small, the pattern was consistent. Despite steht dagegen vor einer Nominalgruppe (einer Wortgruppe um ein Substantiv) oder einer -ing-Form: Despite the small sample ...; Despite being small ....

Formelles Register statt aufgeblähter Sprache

Formelles Englisch vermeidet je nach Textsorte lockere Wendungen, vage Wörter und unnötige Verkürzungen. Das heißt nicht, dass jedes kurze Wort ersetzt werden muss.

  • find out → je nach Bedeutung determine, establish oder identify
  • a lot of → many, much, substantial oder eine konkrete Zahl
  • things → ein präzises Substantiv wie factors, measures oder outcomes
  • kids → children; get → nur ersetzen, wenn ein genaueres Verb gemeint ist

Kontraktionen wie don't oder can't werden in sehr formellen Texten oft als do not und cannot ausgeschrieben. In weniger strengen Fachformaten sind sie nicht grundsätzlich falsch. Maßgeblich sind Textsorte, Institution und Stilhandbuch.

Lateinische Abkürzungen unterscheiden

e.g. bedeutet „zum Beispiel“ und führt eine Auswahl an. i.e. bedeutet „das heißt“ und präzisiert oder formuliert dasselbe genauer. etc. zeigt an, dass eine erkennbare Reihe weitergeht. viz. bedeutet „nämlich, und zwar“ und kündigt eine vollständige oder ausdrücklich benannte Liste an. cf. fordert zum Vergleich mit einer anderen Quelle oder Stelle auf; es bedeutet nicht einfach „siehe“.

In amerikanischen Stilkonventionen stehen nach e.g. und i.e. im laufenden Satz häufig Kommas: Several metals, e.g., copper and zinc, were tested. Britische und fachbezogene Regeln unterscheiden sich. Manche Publikationen bevorzugen ausgeschriebene Formen wie for example und that is. Prüfen Sie daher immer das verlangte Stilhandbuch und bleiben Sie innerhalb eines Textes einheitlich.

Beispiele im Zusammenhang

Englisch Deutsch Hinweis
It is widely acknowledged that access to housing affects public health. Es ist weithin anerkannt, dass der Zugang zu Wohnraum die öffentliche Gesundheit beeinflusst. Unpersönliche Passivkonstruktion für einen breit geteilten Standpunkt.
Further investigation is warranted. Weitere Untersuchungen sind angezeigt. Knappes formelles Passiv; warranted bedeutet hier „begründet bzw. erforderlich“.
The samples were analysed using two independent methods. Die Proben wurden mit zwei unabhängigen Methoden analysiert. Das Verfahren steht im Mittelpunkt.
We analysed the samples using two independent methods. Wir analysierten die Proben mit zwei unabhängigen Methoden. Aktiv und transparent; in vielen Fachgebieten völlig angemessen.
The findings suggest that sleep quality may affect performance. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Schlafqualität die Leistung beeinflussen könnte. suggest und may begrenzen die Aussage.
This interpretation appears to be consistent with earlier research. Diese Interpretation scheint mit früheren Forschungsergebnissen übereinzustimmen. Vorsichtige Einordnung statt Gewissheitsbehauptung.
The implementation of the policy was delayed by six months. Die Umsetzung der Richtlinie verzögerte sich um sechs Monate. Nominalisierung macht den Vorgang zum Thema des Satzes.
The committee rejected the proposal. This rejection prompted a review. Der Ausschuss lehnte den Vorschlag ab. Diese Ablehnung führte zu einer Überprüfung. Die Nominalisierung verbindet zwei Sätze.
Although the effect was small, it was statistically significant. Obwohl der Effekt klein war, war er statistisch signifikant. Although markiert einen Gegensatz.
The two groups differed in one respect, namely their prior experience. Die beiden Gruppen unterschieden sich in einem Punkt, nämlich in ihrer Vorerfahrung. namely präzisiert verständlicher als das seltenere viz..
Several factors contribute, viz., cost, time, and resources. Mehrere Faktoren tragen dazu bei, nämlich Kosten, Zeit und Ressourcen. viz. kündigt die konkret genannte Liste an; Zeichensetzung hängt vom Stilhandbuch ab.
Renewable sources, e.g., wind and solar power, were included. Erneuerbare Quellen, zum Beispiel Wind- und Solarenergie, wurden einbezogen. e.g. nennt Beispiele, nicht alle Elemente.
Only one cohort was included, i.e., participants recruited in 2025. Es wurde nur eine Kohorte einbezogen, das heißt die im Jahr 2025 angeworbenen Teilnehmenden. i.e. erklärt genau, welche Kohorte gemeint ist.
The same procedure was used for interviews, surveys, observations, etc. Dasselbe Verfahren wurde für Interviews, Umfragen, Beobachtungen und Ähnliches verwendet. etc. lässt weitere Elemente derselben Art offen.
For an alternative account, cf. Müller (2023), pp. 18–21. Für eine alternative Darstellung vgl. Müller (2023), S. 18–21. cf. fordert zum Vergleich auf.

Häufige Fehler

Passiv automatisch mit Wissenschaftlichkeit gleichsetzen

  • Ungünstig: An analysis of the data was conducted by the research team.
  • Besser: The research team analysed the data.
  • Warum: Wenn der Handelnde relevant ist, ist das Aktiv kürzer und transparenter. Das Passiv wäre sinnvoll, wenn die Daten als Thema fortgeführt werden sollen.

Eine Behauptung stärker machen, als die Belege erlauben

  • Ungünstig: This study proves that remote work increases productivity.
  • Besser: This study suggests that remote work may increase productivity under certain conditions.
  • Warum: Eine einzelne Studie beweist selten einen allgemeinen Kausalzusammenhang. Die bessere Fassung nennt zugleich Unsicherheit und Geltungsbereich.

Zu viele Absicherungen stapeln

  • Ungünstig: It might perhaps appear to suggest that the intervention could possibly help.
  • Besser: The results suggest that the intervention may help.
  • Warum: Mehrere fast gleichbedeutende Signale verdecken die Kernaussage, statt sie genauer abzustufen.

Deutsche Nominalketten wörtlich nachbauen

  • Ungünstig: The carrying out of the implementation of the new procedure led to an improvement.
  • Besser: Implementing the new procedure improved the results.
  • Warum: Englisches akademisches Schreiben verträgt Nominalisierungen, bevorzugt aber oft ein klares Verb und einen erkennbaren Handelnden.

e.g. und i.e. verwechseln

  • Falsch: Several participants, i.e., Ana and Leo, reported the problem. – wenn Ana und Leo nur Beispiele aus einer größeren Gruppe sind.
  • Richtig: Several participants, e.g., Ana and Leo, reported the problem. – wenn beispielhaft zwei genannt werden; noch klarer wäre eine genaue Umformulierung.
  • Warum: e.g. nennt Beispiele; i.e. setzt die folgende Angabe mit der vorherigen gleich oder grenzt sie vollständig ein.

Deutsche Großschreibung übernehmen

  • Falsch: The Results support the Hypothesis.
  • Richtig: The results support the hypothesis.
  • Warum: Gewöhnliche englische Substantive werden kleingeschrieben. Großbuchstaben gelten unter anderem am Satzanfang und bei Eigennamen; Überschriften folgen eigenen Stilregeln.

Hinweise zum Gebrauch

Die Regeln formeller Sprache sind keine Naturgesetze. Eine naturwissenschaftliche Methodensektion, ein juristisches Gutachten und ein Bericht für die Geschäftsleitung haben unterschiedliche Erwartungen. Lesen Sie deshalb einige aktuelle Texte genau aus dem Format, in dem Sie selbst schreiben möchten. Vorgaben einer Hochschule, Zeitschrift oder Organisation haben Vorrang vor allgemeinen Faustregeln.

Auch die Varietät spielt eine Rolle. Britisches und amerikanisches Englisch unterscheiden sich etwa bei Zeichensetzung, Rechtschreibung und einzelnen Konventionen: analyse/analysed gegenüber analyze/analyzed. Mischen Sie die Systeme nicht unbeabsichtigt. Bei Abkürzungen kann ein Stilhandbuch e.g. verlangen, ein anderes eg oder lieber for example.

Lateinische Abkürzungen sind in Klammern und knappen fachlichen Verweisen häufiger als in gut lesbarer Fließprosa. Viz. wirkt heute spezialisiert und oft altmodisch; namely oder ein Doppelpunkt ist meist zugänglicher. Setzen Sie etc. nicht nach einer bereits mit e.g. als beispielhaft markierten Liste, wenn dadurch nur doppelt gesagt wird, dass die Liste unvollständig ist. Vermeiden Sie außerdem and etc.: Das „und weitere“ steckt bereits in der Abkürzung.

Deutschsprachige Schreibende sollten sich vor zwei gegensätzlichen Übertragungen hüten. Einerseits kann die deutsche Amtssprache zu langen Nominalketten verleiten. Andererseits kann das deutsche unpersönliche man nicht immer elegant mit one wiedergegeben werden: One can observe ... klingt je nach Kontext steif; We can observe ..., The data show ... oder ein Passivsatz ist oft natürlicher. Entscheidend ist stets, wer oder was im Satz im Mittelpunkt stehen soll.

Vertiefung: fortgeschrittener Einsatz

Autorenpräsenz bewusst dosieren

Unpersönliche Wendungen wie It is widely acknowledged that ... schaffen Distanz, können aber die Quelle einer Einschätzung verschleiern. Fragen Sie bei solchen Sätzen: Von wem wird dies anerkannt, und worauf stützt sich die Behauptung? Eine belegte Formulierung ist häufig stärker: Recent reviews have consistently found that ....

Die erste Person ist nicht das Gegenteil von akademischer Sachlichkeit. In this article, I argue ... oder We distinguish between three cases kann die Textstruktur sehr klar machen. Vermeiden Sie nur unnötige persönliche Kommentare wie I feel that dort, wo Belege zählen.

Metadiskurs zur Leserführung

Metadiskurs bezeichnet Formulierungen, mit denen ein Text seinen eigenen Aufbau und seine Argumentation sichtbar macht. Dazu gehören This section examines ..., As shown in Table 2 ..., By contrast ... und The main limitation is .... Solche Wegweiser helfen, dürfen aber nicht bloß ankündigen, was im nächsten Satz ohnehin offensichtlich ist.

Eine gute Absatzstruktur führt meist von einer klaren Kernaussage über Belege zur Einordnung. Dabei muss nicht jeder Absatz mit Firstly, Secondly oder Moreover beginnen. Wiederholte Schlüsselbegriffe und präzise Pronomen können den Zusammenhang oft unauffälliger herstellen.

Nominalisierung als Textverknüpfung

Fortgeschritten eingesetzt, bildet eine Nominalisierung eine Brücke zwischen bekannter und neuer Information:

The board decided to postpone the launch. This decision reduced the immediate risk but increased costs.

This decision fasst den vorherigen Vorgang zusammen und wird zum Ausgangspunkt der nächsten Aussage. Problematisch wird die Technik erst, wenn nicht mehr klar ist, welcher Vorgang gemeint ist oder wer dafür verantwortlich war.

Parallelität und Präzision

Aufzählungen wirken professionell, wenn ihre Teile grammatisch parallel gebaut sind. Statt The project aims to reduce costs, improving access, and that quality should increase schreiben Sie: The project aims to reduce costs, improve access, and increase quality. Dieselbe Verbform macht die Beziehung der drei Ziele sofort erkennbar.

Präzision verlangt außerdem konsistente Begriffe. Wenn participants, respondents und subjects dieselbe Gruppe bezeichnen, wirkt der Wechsel möglicherweise wie ein Bedeutungsunterschied. Stilistische Abwechslung ist hier weniger wichtig als terminologische Stabilität.

Übungstipps

  1. Überarbeiten Sie in drei Durchgängen. Markieren Sie zuerst alle Passivformen und prüfen Sie den Fokus. Unterstreichen Sie dann jedes Hedging-Signal und vergleichen Sie es mit der Belegstärke. Kreisen Sie zuletzt Nominalisierungen ein und verwandeln Sie unnötige davon zurück in Verben.
  2. Bauen Sie ein Register-Paar. Schreiben Sie einen kurzen informellen Absatz und formulieren Sie ihn als Bericht um. Ersetzen Sie nicht wahllos Wörter, sondern ändern Sie Präzision, Satzverknüpfung und Umgang mit Belegen.
  3. Legen Sie eine persönliche Stilkarte an. Notieren Sie die verlangte englische Varietät, Regeln für e.g. und i.e., zulässige Autorenpronomen sowie Zitierweise. So vermeiden Sie inkonsistente Entscheidungen bei längeren Texten.

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