Das Verb „werden“ im Präsens
Verb 'werden' im Präsens
Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Werden beschreibt meistens eine Veränderung: Es wird kalt, Ich werde müde, Er wird Arzt. Im Präsens lauten die Formen werde, wirst, wird, werden, werdet, werden. Besonders wichtig sind die unregelmäßigen Formen du wirst und er/sie/es wird.
Überblick
Mit werden sagt man, dass jemand oder etwas einen neuen Zustand erreicht. Die Veränderung kann körperlich oder emotional sein (müde werden, nervös werden), eine äußere Entwicklung bezeichnen (dunkel werden, teuer werden) oder eine neue Rolle nennen (Arzt werden). Anders als sein beschreibt werden also normalerweise nicht nur einen Zustand, sondern den Übergang dorthin: Das Kind ist ruhig nennt den Zustand; Das Kind wird ruhig beschreibt die Veränderung.
Das Verb gehört schon auf Niveau A1 zum Grundwortschatz. Es ist unregelmäßig und muss deshalb mit seinen Formen gelernt werden. In einem einfachen Satz ist werden das konjugierte Verb (das Verb, dessen Form zur Person passt): Ich werde müde, aber du wirst müde.
Später begegnet werden auch als Hilfsverb, also als Verb, das zusammen mit einem weiteren Verb eine grammatische Form bildet. So entstehen unter anderem das Futur (Ich werde anrufen) und das Passiv (Die Tür wird geöffnet). Für den Anfang genügt jedoch die Grundbedeutung „sich verändern“ oder „in einen neuen Zustand kommen“.
So funktioniert es
Die Formen im Präsens
| Person | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| ich | werde | Ich werde müde. |
| du | wirst | Du wirst ungeduldig. |
| er / sie / es | wird | Es wird dunkel. |
| wir | werden | Wir werden älter. |
| ihr | werdet | Ihr werdet leiser. |
| sie / Sie | werden | Sie werden nervös. |
Der Infinitiv (die Grundform eines Verbs) lautet werden. Im Singular verändert sich der Wortstamm deutlich: Bei du und er/sie/es steht nicht werdest oder werdet, sondern wirst beziehungsweise wird. Die Formen wir werden, sie werden und Sie werden sind mit dem Infinitiv identisch.
Werden plus Adjektiv: ein Zustand verändert sich
Sehr häufig folgt auf werden ein Adjektiv, also ein Wort wie kalt, ruhig oder müde, das eine Eigenschaft beschreibt:
Subjekt + Form von werden + Adjektiv
- Der Kaffee wird kalt.
- Die Kinder werden müde.
- Ich werde langsam nervös.
Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird. Das Adjektiv hat hier keine Endung: Man sagt Der Kaffee wird kalt, nicht der Kaffee wird kalter oder kalte. Kälter ist nur nötig, wenn ausdrücklich ein Vergleich gemeint ist: Der Kaffee wird immer kälter.
Werden plus Nomen: eine neue Rolle oder Identität
Ein Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder Rolle) kann sagen, was jemand oder etwas wird:
- Er wird Arzt.
- Mia wird Teamleiterin.
- Das Dorf wird eine Stadt.
Bei Berufen, Funktionen und Zugehörigkeiten steht nach werden oft kein Artikel, wenn nur die Rolle genannt wird: Sie wird Ärztin, Er wird Vater, Lena wird Mitglied. Kommt eine nähere Beschreibung hinzu, ist ein Artikel häufig nötig: Sie wird eine gute Ärztin.
Das Nomen nach werden ist kein Akkusativobjekt (keine Person oder Sache, auf die eine Handlung gerichtet ist). Es benennt dieselbe Person oder Sache wie das Subjekt und steht deshalb im Nominativ, der Grundform: Mein Bruder wird ein guter Koch.
Werden zu plus Dativ: Entwicklung in etwas Neues
Bei manchen Veränderungen ist die Verbindung zu + Dativ natürlich. Der Dativ ist eine Form des Nomens und seiner Begleiter; nach zu ist er immer erforderlich:
- Das wird zu einem Problem.
- Aus einem Hobby wird ein Beruf.
- Die Raupe wird zum Schmetterling.
Zum ist die Zusammenziehung von zu dem, zur die von zu der. Einfache Berufe stehen dagegen normalerweise ohne zu: Er wird Lehrer, nicht Er wird zum Lehrer, wenn nur seine Berufswahl gemeint ist. Er wird zum Lehrer der Gruppe kann passen, wenn die Entwicklung zu einer bestimmten Funktion betont wird.
Satzstellung
Im Aussagesatz steht die konjugierte Form in der Regel an zweiter Stelle:
- Ich werde heute früh müde.
- Heute wird es früh dunkel.
Eine andere Angabe darf am Satzanfang stehen. Das Subjekt folgt dann oft nach dem Verb: Im Winter wird es früh dunkel. In einer Entscheidungsfrage steht das Verb an erster Stelle: Wirst du müde? Bei einer Frage mit Fragewort steht es an zweiter Stelle: Wann wird es dunkel?
Verneinung mit nicht und kein
Ein Adjektiv oder eine ganze Veränderung wird meistens mit nicht verneint:
- Ich werde nicht müde.
- Das Essen wird nicht kalt.
Vor einem Nomen ohne bestimmten Artikel steht meist kein:
- Er wird kein Arzt.
- Das wird keine einfache Aufgabe.
Beispiele im Zusammenhang
Die Spalte „Bedeutung“ formuliert den Inhalt in einfachen Worten neu. So lässt sich erkennen, welche Veränderung jeweils gemeint ist.
| Beispiel | Bedeutung | Hinweis |
|---|---|---|
| Es wird kalt. | Die Temperatur sinkt. | Wetter oder Umgebung |
| Ich werde müde. | Meine Müdigkeit nimmt zu. | körperlicher Zustand |
| Er wird Arzt. | Er ergreift den Beruf des Arztes. | Beruf ohne Artikel |
| Meine Schwester wird bald Mutter. | Sie bekommt bald ein Kind. | neue Rolle ohne Artikel |
| Der Tee wird langsam kalt. | Der Tee verliert nach und nach seine Wärme. | langsam betont den Verlauf |
| Warum wirst du so nervös? | Warum nimmt deine Nervosität so stark zu? | Frage mit du wirst |
| Nach dem Gespräch werden wir ruhiger. | Das Gespräch beruhigt uns. | erste Person Plural |
| Beim Spielen werdet ihr immer lauter. | Eure Lautstärke nimmt beim Spielen ständig zu. | zweite Person Plural |
| Im Herbst werden die Tage kürzer. | Die Tageslänge nimmt im Herbst ab. | Veränderung mit Vergleichsform |
| Das kleine Geschäft wird eine große Firma. | Aus dem Geschäft entwickelt sich eine Firma. | Nomen mit Artikel |
| Ohne Plan wird das schnell zu einem Problem. | Das kann sich schnell als Problem entwickeln. | zu plus Dativ |
| Nächstes Jahr werde ich dreißig. | Im nächsten Jahr erreiche ich das Alter von dreißig Jahren. | Alter mit werden |
| Keine Sorge, alles wird gut. | Die Situation verbessert sich. | sehr gebräuchliche Wendung |
| Wenn es dunkel wird, gehen wir nach Hause. | Wir gehen beim Einbruch der Dunkelheit nach Hause. | Verb am Ende des Nebensatzes |
Häufige Fehler
1. Die regelmäßige Form statt „wirst“ verwenden
- Falsch: Du werdest schnell müde.
- Richtig: Du wirst schnell müde.
- Warum: Die Form der zweiten Person Singular ist unregelmäßig. Sie muss als feste Verbindung du wirst gelernt werden.
2. „Wird“ und „werdet“ verwechseln
- Falsch: Ihr wird langsam unruhig.
- Richtig: Ihr werdet langsam unruhig.
- Warum: Zu ihr gehört werdet. Wird passt nur zu er, sie, es oder zu einem einzelnen Nomen: Das Kind wird unruhig.
3. „Sein“ verwenden, obwohl eine Veränderung gemeint ist
- Unpassend: Es ist kalt, wenn gerade die sinkende Temperatur gemeint ist.
- Passend: Es wird kalt.
- Warum: Sein nennt einen bestehenden Zustand; werden richtet den Blick auf den Übergang. Beide Sätze können richtig sein, aber sie sagen nicht genau dasselbe.
4. Bei einer Berufsbezeichnung unnötig einen Artikel setzen
- Unüblich: Sie wird eine Ärztin.
- Üblich: Sie wird Ärztin.
- Warum: Eine reine Berufs- oder Rollenbezeichnung steht meist ohne Artikel. Mit einer Beschreibung ist der Artikel dagegen normal: Sie wird eine ausgezeichnete Ärztin.
5. Nach „werden“ eine Adjektivendung anhängen
- Falsch: Die Suppe wird kalte.
- Richtig: Die Suppe wird kalt.
- Warum: Das Adjektiv nach werden beschreibt das Subjekt und steht ohne Endung. Eine Endung braucht es zum Beispiel direkt vor einem Nomen: die kalte Suppe.
6. „Werden“ automatisch als Zukunft verstehen
- Missverständlich: Er wird krank bedeutet nicht automatisch „Er wird irgendwann krank sein“.
- Grundbedeutung: Er wird krank heißt zunächst: Sein Zustand verändert sich; er erkrankt.
- Warum: Steht nach werden ein Adjektiv oder Nomen, hat werden meist seine eigene Bedeutung. Beim Futur folgt zusätzlich ein Infinitiv: Er wird morgen anrufen.
Hinweise zum Gebrauch
Werden ist im gesprochenen und geschriebenen Deutsch sehr häufig. Besonders natürlich sind Verbindungen wie müde werden, krank werden, älter werden, besser werden, dunkel werden und teurer werden. Solche Wortgruppen sollte man als Einheiten lernen, statt jedes Mal ein einzelnes Wort zu übersetzen.
Mit immer, langsam, allmählich, plötzlich oder wieder lässt sich der Verlauf genauer beschreiben:
- Es wird langsam wärmer.
- Die Lage wird immer schwieriger.
- Plötzlich wurde es still.
- Bald wird alles wieder normal.
Immer + Vergleichsform hebt eine fortschreitende Veränderung hervor: immer größer, immer schneller, immer teurer. Ohne Vergleichsform bezeichnet das Adjektiv eher den neuen Zustand: Das Zimmer wird warm.
In festen Wendungen kann werden sehr knapp auftreten. Was wird aus ihm? fragt nach seiner künftigen Entwicklung. Daraus wird nichts bedeutet, dass ein Plan wahrscheinlich nicht verwirklicht wird. Alles wird gut drückt Zuversicht aus. Diese Wendungen sind alltäglich, aber ihre genaue Bedeutung ergibt sich aus dem Zusammenhang.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Verwendungen müssen auf A1 noch nicht aktiv beherrscht werden. Es ist aber hilfreich, sie früh von der Grundbedeutung „sich verändern“ unterscheiden zu können.
Werden als Hilfsverb des Futurs
Werden + Infinitiv kann eine Vermutung oder eine zukünftige Handlung ausdrücken. Der Infinitiv steht im Hauptsatz am Ende:
- Ich werde dich morgen anrufen.
- Sie wird jetzt wahrscheinlich zu Hause sein.
Im Deutschen wird Zukünftiges oft einfach mit dem Präsens ausgedrückt: Morgen rufe ich dich an. Das Futur mit werden ist deshalb nicht bei jeder zukünftigen Aussage nötig. Entscheidend für die Erkennung ist das zweite Verb im Infinitiv.
Werden als Hilfsverb des Passivs
Werden + Partizip II bildet das Vorgangspassiv. Das Partizip II ist eine Verbform wie gemacht, geöffnet oder geschrieben. Beim Vorgangspassiv steht die Handlung oder der Ablauf im Mittelpunkt:
- Die Tür wird geöffnet.
- Die E-Mails werden heute beantwortet.
Vergleiche: Die Tür wird offen beschreibt eine Zustandsveränderung; Die Tür wird geöffnet beschreibt den Vorgang des Öffnens. Das zusätzliche Partizip geöffnet zeigt das Passiv an.
Wurde, geworden und worden
Die einfache Vergangenheitsform von werden lautet wurde: Es wurde dunkel. Im Perfekt der Grundbedeutung steht geworden: Es ist dunkel geworden. Im Perfekt des Passivs steht dagegen worden: Die Tür ist geöffnet worden. Diese Unterscheidung gehört zu einem späteren Lernschritt, erklärt aber Formen, die schon früh in Texten auftauchen.
Auch würde gehört zur Wortfamilie. Es ist eine Form des Konjunktivs II (eine Verbform für Wünsche, Möglichkeiten oder höfliche Aussagen): Ich würde gern Ärztin werden. Wurde und würde dürfen nicht verwechselt werden; der Umlaut verändert die grammatische Bedeutung.
Übungstipps
- Lerne die Formen paarweise. Sprich mehrmals laut: ich werde – du wirst – er wird und danach wir werden – ihr werdet – sie werden. Konzentriere dich besonders auf wirst, wird und werdet.
- Beschreibe sichtbare Veränderungen. Formuliere täglich fünf kurze Sätze, etwa Es wird dunkel, Der Kaffee wird kalt oder Ich werde hungrig. Ergänze später Wörter wie langsam, immer und wieder.
- Markiere das Wort nach „werden“. Ein Adjektiv oder Nomen weist meist auf die Grundbedeutung hin (wird müde, wird Lehrerin). Ein Infinitiv weist auf das Futur hin (wird kommen), ein Partizip II häufig auf das Passiv (wird repariert).
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Personalpronomen im Nominativ — hilft dabei, die richtige Form für ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie und Sie zu wählen.
- Spätere Anwendung: Futur und Vorgangspassiv — beide verwenden werden als Hilfsverb, bauen aber auf zusätzlichen Verbformen auf.
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