B1

Präteritum von *sein* und *haben* im Deutschen

Präteritum: sein, haben

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Das Präteritum von sein und haben wird mit war beziehungsweise hatte gebildet: Ich war müde. Wir hatten wenig Zeit. Anders als bei vielen anderen Verben sind diese Formen auch im gesprochenen Deutsch sehr gebräuchlich. Für die Vergangenheit braucht man dabei kein zusätzliches Hilfsverb und kein Partizip.

Überblick

Das Präteritum ist eine Zeitform für Vergangenes. Bei sein und haben begegnet es einem besonders häufig: Man beschreibt damit einen früheren Zustand, einen Aufenthaltsort, einen Besitz oder eine damalige Situation. Sie war zu Hause sagt, wo sie sich befand; Sie hatte Besuch beschreibt ihre damalige Situation.

Auf dem Niveau B1 lohnt es sich, die Formen vollständig und sicher zu beherrschen. Viele andere Verben stehen im Gespräch bevorzugt im Perfekt, also in einer Form wie ich habe gearbeitet. Bei sein und haben wirken war und hatte dagegen auch mündlich meist ganz natürlich. Sie kommen außerdem ständig in Erzählungen, Berichten, Biografien und Nachrichten vor.

Beide Verben können Vollverben sein, das heißt, sie tragen selbst die Hauptbedeutung: Wir waren müde; ich hatte Hunger. Später braucht man ihre Präteritumformen auch als Hilfsverben (Verben, die eine andere Verbform unterstützen): Wir waren angekommen; ich hatte gegessen. Diese zweite Funktion gehört zum Plusquamperfekt und wird weiter unten kurz eingeordnet.

So funktioniert es

Die Formen von sein

Sein ist unregelmäßig. Sein Präteritumstamm lautet war-. Nur bei ich und er/sie/es steht die kurze Form war; die übrigen Formen erhalten eine Personalendung.

Person Form Beispiel
ich war Ich war müde.
du warst Du warst sehr ruhig.
er / sie / es war Es war kalt.
wir waren Wir waren draußen.
ihr wart Ihr wart schon fertig.
sie / Sie waren Sie waren pünktlich.

Wichtig ist besonders ihr wart ohne -en und ohne d: nicht ihr waren und nicht ihr ward. Das altertümliche ward begegnet einem gelegentlich als Form von werden, gehört aber nicht in diese Formreihe von sein.

Mit sein verbindet man häufig:

  • ein Adjektiv: Der Film war spannend.
  • einen Ort oder eine Richtungsergänzung: Wir waren in Köln.
  • eine Person oder Sache als Zuordnung: Das war meine Idee.
  • eine Zeit- oder Wetterangabe: Es war schon spät. Es war windig.

Die Formen von haben

Das Präteritum von haben hat den Stamm hatte-. Die Formen ähneln den Endungen regelmäßiger Verben im Präteritum. Bei ich und er/sie/es lautet die Form jeweils hatte.

Person Form Beispiel
ich hatte Ich hatte Hunger.
du hattest Du hattest recht.
er / sie / es hatte Sie hatte frei.
wir hatten Wir hatten Glück.
ihr hattet Ihr hattet Besuch.
sie / Sie hatten Sie hatten eine Frage.

Haben bezeichnet nicht nur Besitz. Sehr häufig erscheint es in festen Verbindungen mit einem Substantiv (einem Wort für eine Person, Sache oder Vorstellung): Angst haben, Hunger haben, Zeit haben, Glück haben, recht haben, Besuch haben. Deshalb ist hatte im Alltag viel häufiger, als eine reine Übersetzung mit „besitzen“ vermuten lässt.

Aussagesatz, Frage und Nebensatz

Im normalen Aussagesatz steht die konjugierte Form – also die an die Person angepasste Verbform – an zweiter Satzposition:

  • Ich war gestern im Büro.
  • Gestern war ich im Büro.
  • Leider hatten wir keine Zeit.

Bei einer Entscheidungsfrage ohne Fragewort rückt das Verb an die erste Position. Mit einem Fragewort steht es direkt nach dem Fragewort:

  • Warst du schon einmal dort?
  • Hattet ihr einen Termin?
  • Warum war die Tür offen?

In einem Nebensatz mit weil, dass, obwohl oder als steht die Verbform am Ende:

  • Ich blieb zu Hause, weil ich krank war.
  • Sie sagte, dass sie keine Zeit hatte.
  • Als wir Kinder waren, spielten wir oft hier.

Die Verneinung funktioniert wie in anderen Zeitformen. Nicht verneint meist eine Eigenschaft oder die ganze Aussage; kein steht vor einem Substantiv ohne bestimmten Artikel:

  • Das Essen war nicht teuer.
  • Wir waren nicht in Berlin.
  • Er hatte keine Fahrkarte.
  • Ich hatte keinen Hunger.

Präteritum oder Perfekt?

Für sein und haben gibt es auch Perfektformen: ist gewesen und hat gehabt. Beide Varianten können dasselbe vergangene Geschehen bezeichnen. Es gibt im Deutschen keine einfache Regel, nach der das Perfekt immer „näher an der Gegenwart“ und das Präteritum immer „weiter zurück“ liegen müsste.

Präteritum Perfekt Typische Wirkung
Ich war krank. Ich bin krank gewesen. war ist kürzer und meist unmarkiert.
Wir waren in Wien. Wir sind in Wien gewesen. Beide sind möglich; regional und im Gespräch kann das Perfekt häufiger sein.
Er hatte Angst. Er hat Angst gehabt. hatte ist sehr geläufig und kompakt.
Sie hatte ein altes Fahrrad. Sie hat ein altes Fahrrad gehabt. Beide können früheren Besitz ausdrücken.

In einem Gespräch sind war und hatte im gesamten deutschen Sprachraum gut verständlich und üblich. Je nach Region, Situation und persönlichem Sprachgebrauch hört man jedoch auch bin gewesen und habe gehabt. Es geht hier meist um Stil und Gewohnheit, nicht um einen festen Bedeutungsunterschied.

Beispiele im Zusammenhang

Die zweite Spalte formuliert die Aussage in einfachem Deutsch um. So wird deutlich, was die Präteritumform im jeweiligen Satz ausdrückt.

Beispielsatz Sinngemäße Bedeutung Hinweis
Ich war gestern krank. Gestern ging es mir wegen einer Krankheit nicht gut. früherer Zustand mit sein
Er hatte keine Zeit. Für ihn war keine Zeit verfügbar. kein verneint Zeit
Wir waren im Urlaub. Wir verbrachten diese Zeit im Urlaub. früherer Aufenthalt
Als Kind war ich sehr schüchtern. In meiner Kindheit verhielt ich mich sehr zurückhaltend. längerer Zustand in der Vergangenheit
Wo wart ihr am Samstag? An welchem Ort habt ihr euch am Samstag aufgehalten? Frage mit ihr
Das Wetter war besser als erwartet. Das Wetter erwies sich als besser als erwartet. Bewertung eines vergangenen Zustands
Hattest du gestern einen Termin? War für gestern ein Termin mit dir vereinbart? Entscheidungsfrage
Meine Großeltern hatten früher einen kleinen Laden. Früher gehörte meinen Großeltern ein kleiner Laden. früherer Besitz
Wir hatten Glück, denn der letzte Zug wartete noch. Durch einen glücklichen Umstand erreichten wir den letzten Zug. feste Verbindung Glück haben
Obwohl sie müde war, arbeitete sie weiter. Sie war müde, setzte ihre Arbeit aber fort. Verb am Ende des Nebensatzes
Niemand war im Wartezimmer. Das Wartezimmer war leer. niemand als Satzgegenstand
Ich hatte den Schlüssel nicht bei mir. Der Schlüssel befand sich nicht bei mir. nicht verneint bei mir haben

Häufige Fehler

Präsens und Präteritum vermischen

  • Falsch: Gestern bin ich den ganzen Tag müde.
  • Richtig: Gestern war ich den ganzen Tag müde.
  • Warum: Ein klar abgeschlossener Zeitpunkt wie gestern verlangt hier eine Vergangenheitsform. Bin ist Präsens und bezeichnet normalerweise die Gegenwart.

Die falsche Form für ihr verwenden

  • Falsch: Ihr waren sehr freundlich.
  • Richtig: Ihr wart sehr freundlich.
  • Warum: Zu ihr gehört die eigene Form wart. Waren verwendet man mit wir, sie und dem höflichen Sie.

Bei haben nur den Stamm benutzen

  • Falsch: Du hatte keine Lust.
  • Richtig: Du hattest keine Lust.
  • Warum: Die zweite Person Singular du braucht die Endung -st: hattest. Entsprechend heißt es bei sein du warst.

Ein zusätzliches Hilfsverb einsetzen

  • Falsch: Ich habe gestern müde war.
  • Richtig: Ich war gestern müde.
  • Auch richtig im Perfekt: Ich bin gestern müde gewesen.
  • Warum: Das Präteritum besteht hier nur aus war beziehungsweise hatte. Wer das Perfekt bildet, braucht dagegen die passende Form von sein oder haben plus das Partizip gewesen oder gehabt.

War und wäre oder hatte und hätte verwechseln

  • Falsch: Wenn ich gestern zu Hause war, hätte ich dir geholfen.
  • Richtig: Wenn ich gestern zu Hause gewesen wäre, hätte ich dir geholfen.
  • Warum: War und hatte stellen etwas als wirklich dar. Wäre und hätte sind Formen des Konjunktivs II, also einer Verbform für Irreales, Wünsche oder höfliche Distanz. In diesem Satz war die Person gerade nicht zu Hause.

Im Nebensatz die Verbposition beibehalten

  • Falsch: Ich ging nach Hause, weil ich war müde.
  • Richtig: Ich ging nach Hause, weil ich müde war.
  • Warum: Im Nebensatz mit weil steht die konjugierte Verbform im Standarddeutschen am Ende.

Hinweise zum Gebrauch

Gesprochenes und geschriebenes Deutsch

In geschriebenen Erzählungen ist das Präteritum die übliche Grundzeit: Der Tag war kalt. Paul hatte schlechte Laune. Auch in sachlichen Berichten und Biografien sind war und hatte selbstverständlich. In Gesprächen wechseln Sprecherinnen und Sprecher bei vielen Verben zum Perfekt, sagen also eher ich habe gearbeitet als ich arbeitete. Bei sein und haben bleibt das Präteritum aber besonders stabil: Ich war unterwegs und Ich hatte keine Zeit klingen ganz alltäglich.

Die Perfektvarianten sind deshalb nicht falsch. Wo bist du gewesen? oder So viel Glück habe ich noch nie gehabt sind natürliche Sätze. Welche Form bevorzugt wird, hängt unter anderem von Region, Betonung und Satzrhythmus ab. Für Lernende ist die sichere Grundentscheidung einfach: war und hatte kann man in alltäglichen Aussagen sehr häufig verwenden.

Zeitangaben und Kontext

Das Präteritum zeigt Vergangenheit, nennt aber allein weder Dauer noch genaue zeitliche Grenze. Diese Informationen kommen aus dem Zusammenhang:

  • Ich war kurz draußen. – kurze Dauer
  • Ich war drei Jahre in Dresden. – längere Dauer
  • Damals hatte sie oft Kopfschmerzen. – wiederholte Situation
  • An diesem Morgen hatte sie plötzlich starke Kopfschmerzen. – einzelne Situation

Wörter wie gestern, damals, früher, als Kind, letzte Woche oder ein vorheriger Satz machen den Zeitraum deutlich. Wenn der Kontext bereits klar vergangen ist, muss nicht jeder Satz eine eigene Zeitangabe enthalten.

Feste Verbindungen mit haben

Viele besonders nützliche Aussagen bestehen aus haben und einem Substantiv. Sie werden im Präteritum genauso konjugiert wie andere Verwendungen von haben:

  • Ich hatte Angst / Hunger / Durst / Zeit / Geduld.
  • Du hattest recht / Glück / Pech.
  • Wir hatten Besuch / Unterricht / Urlaub.

Dabei richtet sich die Verneinung nach der Verbindung: meist keine Zeit, keinen Hunger, kein Glück, aber nicht recht haben ist ebenfalls gebräuchlich. Solche Wortgruppen sollte man am besten als Ganzes lernen.

Weiterführendes

War und hatte als Hilfsverben

In Verbindung mit einem Partizip II – einer Form wie gemacht, gegangen oder gelesen – bilden war und hatte das Plusquamperfekt. Diese Zeitform bezeichnet etwas, das bereits vor einem anderen vergangenen Ereignis geschehen war:

  • Ich hatte gegessen, bevor der Besuch kam.
  • Sie war schon gegangen, als ich anrief.

Hier bedeutet hatte nicht „besaß“, und war beschreibt keinen Ort oder Zustand. Die Formen helfen vielmehr dabei, die zeitliche Reihenfolge auszudrücken. Welches Hilfsverb gebraucht wird, richtet sich wie im Perfekt nach dem Vollverb: ich habe gegessen führt zu ich hatte gegessen; sie ist gegangen führt zu sie war gegangen.

Zustand oder Vorgang

Sein beschreibt oft das Ergebnis oder den Zustand einer Sache:

  • Die Tür war geöffnet. – Die Tür befand sich in geöffnetem Zustand.
  • Die Tür wurde geöffnet. – Jemand öffnete die Tür; der Vorgang steht im Mittelpunkt.

Die zweite Form gehört zum Passiv mit werden. Der Unterschied ist fortgeschritten, aber wichtig: war + Partizip kann ein sogenanntes Zustandspassiv bilden, während wurde + Partizip normalerweise einen Vorgang bezeichnet. Der Zusammenhang entscheidet allerdings, ob eine Form tatsächlich passivisch ist oder das Partizip eher wie ein Adjektiv wirkt.

Erzählerischer Hintergrund

In Erzählungen liefern war und hatte häufig den Hintergrund, vor dem etwas geschieht: Es war dunkel, und die Straße hatte keine Beleuchtung. Plötzlich hörte ich einen Schrei. Die Formen können Zustände und Rahmenbedingungen schildern, sind aber nicht darauf beschränkt. Ob etwas andauerte, sich wiederholte oder nur einmal galt, ergibt sich aus Wortwahl und Kontext – nicht allein aus dem Präteritum.

Tipps zum Üben

  1. Lerne die Formen in Dreiergruppen. Sprich zuerst ich war – du warst – er war und dann wir waren – ihr wart – sie waren. Wiederhole dasselbe mit hatte. Achte besonders auf ihr wart und ihr hattet.
  2. Schreibe einen kurzen Rückblick. Beschreibe gestern oder eine frühere Reise in sechs Sätzen. Verwende mindestens zweimal war, zweimal hatte, eine Frage und einen Nebensatz mit weil oder als.
  3. Vergleiche echte Varianten. Formuliere fünf Sätze sowohl im Präteritum als auch im Perfekt: Ich war müde – Ich bin müde gewesen. Markiere anschließend, welche Variante du in einem spontanen Gespräch eher sagen würdest.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Perfekt mit haben – hilft beim Vergleich von hatte mit habe gehabt und bereitet zusammengesetzte Vergangenheitsformen vor.
  • Nächster Schritt: Präteritum der Modalverben – behandelt häufige Formen wie konnte, musste und wollte, die ebenfalls oft gesprochen werden.
  • Nächster Schritt: Präteritum regelmäßiger Verben – erweitert das Muster auf Formen wie machte, arbeitete und spielte.

Voraussetzung

Perfekt mit haben im DeutschenA2

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