B1

Finalsätze mit um … zu und damit im Deutschen

Finalsätze: um...zu, damit

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit um … zu und damit nennt man ein Ziel oder einen Zweck. Haben beide Handlungen dasselbe Subjekt, nimmt man meistens um … zu: Ich spare, um ein Auto zu kaufen. Braucht die zweite Handlung ein eigenes Subjekt, steht damit mit einem vollständigen Nebensatz: Ich spreche langsam, damit du mich verstehst.

Überblick

Ein Finalsatz ist ein Satzteil, der erklärt, welches Ziel eine Handlung hat. Er antwortet auf die Fragen Wozu?, Zu welchem Zweck? oder Mit welcher Absicht?: Wozu lernst du Deutsch? – Um in Deutschland zu arbeiten. Solche Aussagen braucht man ständig, etwa für Pläne, Erklärungen, Anleitungen und Empfehlungen.

Auf dem Niveau B1 lernst du dafür vor allem zwei Bauweisen. Die Infinitivgruppe mit um … zu enthält einen Infinitiv (die Grundform des Verbs, zum Beispiel arbeiten) und normalerweise kein ausgesprochenes Subjekt. Der Nebensatz mit damit enthält dagegen ein gebeugtes Verb und ein eigenes Subjekt. Der wichtigste Unterschied lautet deshalb nicht „kurz gegen lang“, sondern: Wer führt die Handlung aus?

Für deutschsprachige Lernende ist die Bedeutung meist leicht zu erkennen, aber die Form verlangt Aufmerksamkeit. Entscheidend sind das gemeinsame oder unterschiedliche Subjekt, die Stellung von zu, die Verbendstellung nach damit und das Komma. Wer diese vier Punkte prüft, bildet Finalsätze zuverlässig.

So funktioniert es

Die Grundentscheidung: gleiches oder unterschiedliches Subjekt?

Bauweise Deutsches Beispiel Erklärung
um … zu Ich lerne Deutsch, um in Deutschland zu arbeiten. Ich lerne und ich möchte arbeiten: dieselbe Person.
damit Er arbeitet viel, damit seine Familie gut lebt. Er arbeitet, aber seine Familie soll gut leben: zwei verschiedene Subjekte.

Bei um … zu wird das Subjekt im zweiten Teil nicht wiederholt. Man versteht es aus dem Hauptsatz:

  • Ich spare, um ein Auto zu kaufen. = Ich spare. Ich möchte ein Auto kaufen.
  • Mara fährt früher los, um pünktlich anzukommen. = Mara fährt los. Mara möchte ankommen.

Bei damit folgt ein vollständiger Nebensatz. Er hat ein Subjekt und ein finites Verb (eine Verbform, die zu Person und Zeit passt):

  • Ich öffne das Fenster, damit die Luft besser wird.
  • Wir schreiben dir die Adresse auf, damit du sie nicht vergisst.

Damit ist auch bei gleichem Subjekt möglich: Ich fahre früh los, damit ich pünktlich ankomme. Wenn kein besonderer Grund für den vollständigen Satz besteht, klingt um … zu meist knapper und natürlicher: Ich fahre früh los, um pünktlich anzukommen.

Satzbau mit um … zu

Das Grundmuster lautet:

Hauptsatz + Komma + um + Ergänzungen + zu + Infinitiv

Ich nehme den Bus, um rechtzeitig zu kommen.

Um eröffnet die Infinitivgruppe. Zu steht direkt beim Infinitiv, und der Infinitiv steht am Ende der Gruppe. Ein eigenes Subjekt setzt man nicht ein.

Bei einfachen Verben steht zu vor dem Infinitiv:

  • um das Museum zu besuchen
  • um alles besser zu verstehen
  • um die Reise zu planen

Bei trennbaren Verben steht zu zwischen Vorsilbe und Verbstamm:

  • einkaufenum einzukaufen
  • anrufenum dich anzurufen
  • vorbereitenum die Sitzung vorzubereiten

Bei untrennbaren Verben und Verben auf -ieren bleibt zu ein eigenes Wort:

  • bezahlenum die Rechnung zu bezahlen
  • erklärenum den Ablauf zu erklären
  • organisierenum das Treffen zu organisieren

Steht zusätzlich ein Modalverb wie können oder müssen, endet die Gruppe häufig mit zwei Infinitiven. Zu steht dann vor dem Modalverb:

  • Ich übe jeden Tag, um flüssiger sprechen zu können.
  • Wir fahren früh los, um später nicht hetzen zu müssen.

Satzbau mit damit

Das Grundmuster lautet:

Hauptsatz + Komma + damit + Subjekt + Ergänzungen + finites Verb

Ich spreche deutlicher, damit alle mich verstehen.

Weil damit einen Nebensatz einleitet, steht das finite Verb am Ende. Bei einer zusammengesetzten Verbform steht der gesamte Verbteil am Schluss:

  • Ich schicke dir eine Erinnerung, damit du den Termin nicht vergisst.
  • Sie reserviert einen Tisch, damit wir nicht lange warten müssen.
  • Wir dokumentieren alles, damit später keine Frage offen bleibt.

Der damit-Satz kann auch zuerst stehen. Danach beginnt der Hauptsatz direkt mit seinem finiten Verb:

  • Damit alle einen Platz bekommen, reservieren wir heute.
  • Damit du in Ruhe arbeiten kannst, mache ich die Tür zu.

Verneinung

Nicht verneint gewöhnlich die Handlung oder das Ziel. Seine genaue Position hängt davon ab, was verneint wird:

  • Ich gehe leise, um niemanden zu wecken.
  • Ich schreibe die Zahl auf, um sie nicht zu vergessen.
  • Wir schließen das Fenster, damit es nicht kalt wird.
  • Sie fährt mit dem Zug, damit sie nicht selbst fahren muss.

Bei Personen ist niemanden oft natürlicher als nicht jemanden: um niemanden zu stören. Bei Sachen kann kein passend sein: damit keine Missverständnisse entstehen.

Stellung und Komma

Finalangaben können hinter oder vor dem Hauptsatz stehen. Das Komma ist in beiden Fällen Pflicht:

  • Wir vergleichen die Preise, um Geld zu sparen.
  • Um Geld zu sparen, vergleichen wir die Preise.
  • Ich markiere die Stelle, damit du sie schnell findest.
  • Damit du die Stelle schnell findest, markiere ich sie.

Steht der Finalsatz vorn, folgt im Hauptsatz das finite Verb vor dem Subjekt: Um Zeit zu sparen, nehme ich ein Taxi — nicht um Zeit zu sparen, ich nehme ….

Beispiele im Zusammenhang

Beispiel Bedeutung Hinweis
Ich lerne Deutsch, um in Deutschland zu arbeiten. Mein Ziel beim Lernen ist eine Arbeit in Deutschland. Gleiches Subjekt: ich.
Ich spare, um ein Auto zu kaufen. Das Sparen dient dem späteren Autokauf. Einfacher Infinitiv mit zu.
Leila stellt den Wecker früher, um den ersten Zug zu erreichen. Leila möchte den ersten Zug nicht verpassen. Gleiches Subjekt: Leila.
Wir machen eine Pause, um uns etwas auszuruhen. Wir selbst wollen uns erholen. Reflexives Verb: sich ausruhen.
Ruf vorher an, um einen Termin zu vereinbaren. Der Anruf dient der Terminvereinbarung. Beim Imperativ ist das gedachte Subjekt du.
Er besucht einen Kurs, um besser präsentieren zu können. Der Kurs soll seine Präsentationsfähigkeit verbessern. Zu steht vor dem Modalverb können.
Um keine Zeit zu verlieren, bestellten wir die Karten online. Die Onlinebestellung sollte Zeit sparen. Finalangabe am Satzanfang.
Er arbeitet viel, damit seine Familie gut lebt. Seine Arbeit soll der Familie ein gutes Leben ermöglichen. Unterschiedliche Subjekte.
Ich schreibe dir alles auf, damit du nichts vergisst. Die Notiz soll dir beim Erinnern helfen. Ich schreibe, du erinnerst dich.
Wir sprechen leise, damit das Baby nicht aufwacht. Unser leises Sprechen soll den Schlaf des Babys schützen. Verneintes Ziel.
Die Lehrerin wiederholt die Regel, damit alle sie verstehen. Die Wiederholung hilft der ganzen Gruppe. Verb am Ende des Nebensatzes.
Nehmen Sie bitte Platz, damit der Arzt Sie untersuchen kann. Das Hinsetzen ermöglicht die Untersuchung. Höfliche Anrede und Modalverb.
Damit niemand draußen warten muss, öffnen wir den Saal früher. Das frühere Öffnen verhindert Wartezeit. Damit-Satz vor dem Hauptsatz.
Ich stelle mir eine Erinnerung, damit ich den Termin nicht vergesse. Die Erinnerung dient meinem eigenen Gedächtnis. Gleiches Subjekt; um … zu wäre ebenfalls möglich.

Häufige Fehler

Um … zu trotz unterschiedlicher Handelnder

  • Falsch: Ich erkläre es langsam, um du alles zu verstehen.
  • Richtig: Ich erkläre es langsam, damit du alles verstehst.
  • Warum: Beim Erklären handelt ich, beim Verstehen du. Die zweite Handlung braucht daher einen Nebensatz mit eigenem Subjekt.

Das Subjekt in der Infinitivgruppe wiederholen

  • Falsch: Mia trainiert, um sie den Marathon zu schaffen.
  • Richtig: Mia trainiert, um den Marathon zu schaffen.
  • Warum: Das nicht ausgesprochene Subjekt von schaffen ist bereits Mia. Nach um steht hier kein zusätzliches sie.

Hauptsatzstellung nach damit

  • Falsch: Ich rufe an, damit du weißt die Uhrzeit.
  • Richtig: Ich rufe an, damit du die Uhrzeit weißt.
  • Warum: Damit leitet einen Nebensatz ein; das finite Verb weißt steht am Ende.

Zu bei trennbaren Verben falsch setzen

  • Falsch: Wir gehen los, um ein zu kaufen.
  • Richtig: Wir gehen los, um einzukaufen.
  • Warum: Bei einem trennbaren Verb steht zu zwischen Vorsilbe und Stamm: ein + zu + kaufen.

Das Komma vergessen

  • Falsch: Sie liest viel um ihren Wortschatz zu erweitern.
  • Richtig: Sie liest viel, um ihren Wortschatz zu erweitern.
  • Warum: Eine Infinitivgruppe mit um … zu wird durch ein Komma abgetrennt. Auch vor einem damit-Satz steht ein Komma.

Damit und um … zu vermischen

  • Falsch: Wir wiederholen die Übung, damit sie besser zu verstehen.
  • Richtig: Wir wiederholen die Übung, um sie besser zu verstehen.
  • Auch richtig: Wir wiederholen die Übung, damit alle sie besser verstehen.
  • Warum: Um … zu verlangt einen Infinitiv; damit verlangt einen vollständigen Nebensatz mit finitem Verb.

Hinweise zum Gebrauch

Zweck ist nicht dasselbe wie Folge

Ein Finalsatz beschreibt eine beabsichtigte Wirkung. Er sagt, welches Ziel jemand verfolgt. Eine tatsächliche Folge wird dagegen oft mit sodass/so dass ausgedrückt:

  • Nora spricht laut, damit alle sie hören. — Sie spricht mit diesem Ziel laut.
  • Nora spricht sehr laut, sodass alle sie hören. — Das Hören ist die tatsächliche Folge.

Das Ziel kann unerreicht bleiben: Ich rief laut, damit er mich hörte, aber er reagierte nicht. Der damit-Satz nennt weiterhin die Absicht, nicht den sicheren Erfolg.

Damit ist nicht immer eine Konjunktion

Damit kann auch ein Pronominaladverb sein, also ungefähr „mit dieser Sache“ bedeuten. Dann leitet es keinen Finalsatz ein:

  • Hier ist der Schlüssel. Damit kannst du die Tür öffnen.

Vergleiche den echten Finalsatz:

  • Ich gebe dir den Schlüssel, damit du die Tür öffnen kannst.

Ein einfacher Test hilft: Lässt sich damit durch mit dieser Sache ersetzen, ist es kein finales Bindewort. Folgt ein Nebensatz mit Verb am Ende, handelt es sich meist um die hier erklärte Konstruktion.

Stil und Häufigkeit

Bei gleichem Subjekt bevorzugt man häufig um … zu, weil die Form kürzer ist und Wiederholungen vermeidet. Damit ist trotzdem korrekt, wenn das Subjekt hervorgehoben werden soll, ein Tempus ausdrücklich sichtbar sein muss oder der längere Satz verständlicher klingt. In Anleitungen kommen beide Formen oft vor: Drücken Sie hier, um die Datei zu speichern und Aktivieren Sie die Option, damit das Programm die Datei automatisch speichert.

Die Konstruktion auf dass kann ebenfalls einen Zweck ausdrücken, wirkt heute aber feierlich, scherzhaft oder veraltet: Wir stoßen an, auf dass das Projekt gelingt. Für neutrale Alltags- und Standardsprache ist damit die sichere Wahl.

Über die Grundlagen hinaus

Eindeutiger Bezug bei um … zu

Die nicht genannte handelnde Person einer Infinitivgruppe muss aus dem Hauptsatz eindeutig hervorgehen. Meist ist sie dessen Subjekt. Unklare oder unfreiwillig komische Bezüge sollte man mit damit auflösen:

  • Unklar: Die Tür wurde geöffnet, um frische Luft hereinzulassen.
  • Eindeutiger: Die Tür wurde geöffnet, damit frische Luft hereinkam.

Der erste Satz ist im Alltag zwar verständlich: Gemeint ist die Person, die die Tür öffnete. Grammatisch steht diese Person im Passivsatz aber nicht als Subjekt da. Besonders in sorgfältigen Texten schafft ein damit-Satz Klarheit.

Passiv und zusammengesetzte Infinitive

Auch komplexere Verbformen können in der um-zu-Gruppe stehen:

  • Bitte melden Sie sich an, um rechtzeitig informiert zu werden. — Infinitiv Passiv
  • Sie prüfte die Datei noch einmal, um sicher zu sein, nichts übersehen zu haben. — ein früherer Vorgang innerhalb der Infinitivgruppe
  • Er wiederholte die Erklärung, um besser verstanden zu werden. — Infinitiv Passiv

Der Infinitiv Perfekt (eine Infinitivform für etwas bereits Geschehenes) bezeichnet Vorzeitigkeit. Als eigentliche Zweckhandlung ist er selten, weil ein Ziel normalerweise erst mit oder nach der Haupthandlung erreicht werden soll. Er kann aber in eine Finalgruppe eingebettet sein, wenn jemand einen früheren Vorgang prüfen möchte, wie in um sicher zu sein, nichts übersehen zu haben. Im normalen B1-Gebrauch reichen meist der einfache Infinitiv und Formen wie sprechen zu können oder informiert zu werden.

Tempus und Modalität mit damit

Ein damit-Satz kann verschiedene Zeiten und Modalverben enthalten:

  • Ich notierte die Nummer, damit ich sie später zur Hand hatte.
  • Wir schicken die Unterlagen heute, damit die Behörde sie morgen prüfen kann.
  • Sie hatte alles vorbereitet, damit die Gäste sofort beginnen konnten.

In vielen Finalsätzen stehen können oder sollen, weil ein Zweck oft eine Möglichkeit schaffen oder ein gewünschtes Verhalten ausdrücken soll. Das Modalverb ist jedoch nicht obligatorisch: damit du mich verstehst ist ebenso vollständig wie damit du mich verstehen kannst.

Verwandte Infinitivgruppen

Ohne … zu und (an)statt … zu sehen ähnlich aus, drücken aber keinen Zweck aus:

  • Er ging, ohne sich zu verabschieden. — etwas geschieht nicht.
  • Sie fuhr mit dem Taxi, statt auf den Bus zu warten. — eine Handlung ersetzt eine andere.

Die Stellung von zu und der Bezug auf dasselbe Subjekt funktionieren ähnlich. Inhaltlich dürfen diese Gruppen jedoch nicht mit um … zu verwechselt werden.

Tipps zum Üben

  1. Stelle zuerst die Wer-Frage. Markiere in zwei einfachen Sätzen jeweils die handelnde Person: Ich öffne die Tür. Du kannst hereinkommen. Zwei Personen führen fast automatisch zu damit: Ich öffne die Tür, damit du hereinkommen kannst.
  2. Bilde Satzpaare. Formuliere fünf Beispiele einmal mit gleichem, einmal mit unterschiedlichem Subjekt: Ich lerne, um die Prüfung zu bestehenIch helfe dir, damit du die Prüfung bestehst. So wird der Formunterschied sichtbar.
  3. Trainiere die Enden getrennt. Sammle trennbare Verben und Modalverben: um anzufangen, um einzukaufen, um helfen zu können. Lies die vollständigen Gruppen laut, damit die Position von zu vertraut wird.

Verwandte Konzepte

  • Voraussetzung: Infinitiv mit zu — erklärt die Grundform mit zu, auf der um … zu aufbaut.

Voraussetzung

Infinitiv mit zu im DeutschenB1

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