A1

Das schwedische Verb *vara* („sein“)

Verbet Vara

Dieser Artikel ist Teil des Schwedisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Das unregelmäßige Verb vara bedeutet „sein“. Im Präsens heißt es bei allen Personen är, im Präteritum bei allen Personen var: jag är, du är, vi var. Man verwendet es unter anderem für Identität, Beruf, Eigenschaften, Ort, Uhrzeit und Wetter.

Überblick

Vara gehört zu den wichtigsten Verben des Schwedischen. Schon auf Niveau A1 brauchst du es, um dich vorzustellen, Menschen und Dinge zu beschreiben oder zu sagen, wo jemand ist: Jag är student („Ich bin Student bzw. Studentin“), Kaffet är varmt („Der Kaffee ist warm“) und Vi är hemma („Wir sind zu Hause“).

Für Deutschsprachige ist die Bedeutung meist leicht zugänglich, denn viele Verwendungen entsprechen direkt dem deutschen „sein“. Die Formen sind sogar einfacher: Während es im Deutschen „ich bin“, „du bist“ und „wir sind“ heißt, verändert sich das schwedische Verb nicht nach der Person. Jag är, du är und de är enthalten immer dieselbe Verbform.

Trotzdem gibt es einige wichtige Unterschiede. Vor einer unmodifizierten Berufsbezeichnung steht im Schwedischen gewöhnlich kein Artikel: Hon är läkare, wörtlich also eher „Sie ist Ärztin“ als „Sie ist eine Ärztin“. Außerdem muss man det är („es ist/das ist“) von det finns („es gibt“, „es ist vorhanden“) unterscheiden.

So funktioniert vara

Die wichtigsten Formen

Vara ist unregelmäßig. Das heißt: Seine Formen lassen sich nicht einfach nach dem normalen Muster einer Verbgruppe bilden.

Form Schwedisch Deutsche Entsprechung Beispiel
Infinitiv (Grundform) vara sein Det är bra att vara här. – Es ist schön, hier zu sein.
Präsens (Gegenwart) är bin, bist, ist, sind, seid Jag är hemma. – Ich bin zu Hause.
Präteritum (einfache Vergangenheit) var war, warst, waren, wart De var trötta. – Sie waren müde.
Supinum (Form für zusammengesetzte Zeiten) varit gewesen Vi har varit där. – Wir sind dort gewesen.
Imperativ (Aufforderungsform) var sei Var försiktig! – Sei vorsichtig!

Das Supinum ist eine besondere schwedische Verbform, die zusammen mit har oder hade die vollendeten Zeiten bildet. Für den Anfang reicht es, har varit als „ist/sind gewesen“ oder je nach Zusammenhang als deutsches Perfekt zu lernen.

Eine Form für jede Person

Im Präsens und Präteritum bleibt die Verbform unabhängig vom Subjekt gleich. Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird.

Person Präsens Präteritum
jag – ich jag är jag var
du – du du är du var
han/hon/hen – er/sie/geschlechtsneutral han/hon/hen är han/hon/hen var
den/det – er/sie/es bei Sachen den/det är den/det var
vi – wir vi är vi var
ni – ihr/Sie ni är ni var
de – sie de är de var

Du musst also nicht wie beim deutschen „sein“ mehrere Präsensformen auswendig lernen. Entscheidend ist nur die Zeit: Gegenwart är, Vergangenheit var.

Aussage, Verneinung und Frage

In einem einfachen Aussagesatz steht är oder var nach dem Subjekt:

  • Jag är trött. – Ich bin müde.
  • Barnen var ute. – Die Kinder waren draußen.

Für die Verneinung setzt man inte in einem einfachen Hauptsatz hinter das finite Verb, also hinter die Verbform, die Zeit und Satzstellung trägt:

  • Jag är inte trött. – Ich bin nicht müde.
  • Barnen var inte ute. – Die Kinder waren nicht draußen.

Bei einer Ja-Nein-Frage steht das Verb am Anfang:

  • Är du klar? – Bist du fertig?
  • Var ni hemma? – Wart ihr zu Hause?

Bei einer Frage mit Fragewort folgt das Verb direkt auf das Fragewort:

  • Var är Anna? – Wo ist Anna?
  • Hur var resan? – Wie war die Reise?

Hier stehen zweimal ähnlich aussehende Wörter nebeneinander: Das Fragewort var bedeutet „wo“, während die Verbform var „war“ bedeutet. Der Satzbau und der Zusammenhang zeigen, was gemeint ist: In Var var du? heißt das erste var „wo“ und das zweite „warst“ – also „Wo warst du?“.

Wofür man vara verwendet

Identität, Name und Zuordnung

Vara verbindet eine Person oder Sache mit einer Identität oder Einordnung:

  • Jag är Lisa. – Ich bin Lisa.
  • Det är min cykel. – Das ist mein Fahrrad.
  • Hon är min chef. – Sie ist meine Chefin.

Beruf, Rolle, Herkunft und Religion

Bei einer einfachen Berufs- oder Rollenbezeichnung steht gewöhnlich kein unbestimmter Artikel:

  • Han är lärare. – Er ist Lehrer.
  • Maja är student. – Maja ist Studentin.

Kommt jedoch eine nähere Beschreibung hinzu, ist ein Artikel oft natürlich oder nötig:

  • Han är en bra lärare. – Er ist ein guter Lehrer.
  • Hon är en erfaren läkare. – Sie ist eine erfahrene Ärztin.

Für Nationalität oder Herkunft verwendet man häufig ein Adjektiv: Jag är svensk („Ich bin Schwede/Schwedin“ beziehungsweise „Ich bin schwedisch“), De är tyska („Sie sind deutsch“). Das Adjektiv richtet sich dabei nach der beschriebenen Person oder Gruppe.

Eigenschaften und Zustände

Nach vara kann ein Adjektiv stehen, also ein Eigenschaftswort wie trött („müde“) oder glad („froh“). Dieses Adjektiv passt sich häufig in der Form an das Subjekt an:

Subjekt Beispiel Erklärung
eine Person oder ein en-Wort Hon är trött. Grundform trött
ein ett-Wort Huset är stort. sächliche Form auf -t
mehrere Personen oder Dinge De är trötta. Pluralform auf -a

Diese Anpassung gehört eigentlich zum Thema Adjektive. Für vara ist zunächst wichtig: Nicht das Verb verändert sich, sondern gegebenenfalls das Adjektiv.

Ort und Anwesenheit

Mit vara sagst du, wo sich eine bekannte Person oder Sache befindet:

  • Vi är i Stockholm. – Wir sind in Stockholm.
  • Nycklarna är på bordet. – Die Schlüssel sind auf dem Tisch.
  • Jag är hemma. – Ich bin zu Hause.

Das Schwedische unterscheidet dabei nicht wie manche anderen Sprachen zwischen einem dauerhaften und einem vorübergehenden „sein“. Är kann beides ausdrücken; der Zusammenhang liefert die genaue Bedeutung.

Wetter, Zeit und allgemeine Situationen

In unpersönlichen Aussagen steht oft das formale Subjekt det. „Formal“ bedeutet hier: det bezeichnet nicht unbedingt einen bestimmten Gegenstand, sondern besetzt die notwendige Subjektstelle.

  • Det är kallt. – Es ist kalt.
  • Det är måndag. – Es ist Montag.
  • Klockan är tre. – Es ist drei Uhr.
  • Det är långt till stationen. – Es ist weit bis zum Bahnhof.

Bei Wetterausdrücken steht das Adjektiv nach det är meist in der Form auf -t: kallt, varmt, mörkt.

Zusammengesetzte Zeiten

Für abgeschlossene Erfahrungen oder Zustände verwendet man har varit. Har ist die Präsensform von ha („haben“), varit das Supinum von vara:

  • Jag har varit i Sverige. – Ich bin in Schweden gewesen / Ich war schon in Schweden.
  • Hon har varit sjuk hela veckan. – Sie ist die ganze Woche krank gewesen.

Die Vorvergangenheit wird mit hade varit gebildet. Sie bezeichnet etwas, das schon vor einem anderen vergangenen Zeitpunkt galt:

  • Vi hade varit där förut. – Wir waren schon vorher dort gewesen.

Auffällig für Deutschsprachige: Obwohl man im Deutschen „ist gewesen“ sagt, verwendet das Schwedische das Hilfsverb ha: har varit, nicht eine Form mit vara als Hilfsverb.

Beispiele im Kontext

Schwedisch Deutsch Hinweis
Jag är lärare. Ich bin Lehrer. Beruf ohne unbestimmten Artikel
Hon är trött. Sie ist müde. Eigenschaft im Singular
Det är kallt. Es ist kalt. Unpersönliches det und Adjektiv auf -t
Vi var hemma igår. Wir waren gestern zu Hause. Vergangenheit mit var
Är du redo? Bist du bereit? Ja-Nein-Frage
Kaffet är inte varmt. Der Kaffee ist nicht warm. inte steht nach är
Min syster är en skicklig läkare. Meine Schwester ist eine fähige Ärztin. Artikel wegen der näheren Beschreibung
Barnen är glada idag. Die Kinder sind heute fröhlich. Adjektiv im Plural
Var är busshållplatsen? Wo ist die Bushaltestelle? Fragewort var bedeutet „wo“
Var var du i går kväll? Wo warst du gestern Abend? Fragewort und Vergangenheitsform nebeneinander
Mötet är på fredag. Die Besprechung ist am Freitag. Termin oder Zeitpunkt
De har varit i Göteborg många gånger. Sie sind oft in Göteborg gewesen. Perfekt mit har varit
Det är min plats. Das ist mein Platz. Identifikation mit det är
I dag är vi lediga. Heute haben wir frei. Nach der vorangestellten Zeitangabe folgt das Verb
Var lugn! Sei ruhig! Imperativ var

Häufige Fehler

Die Verbform an die Person anpassen

  • Falsch: Jag är, men vi ären.
  • Richtig: Jag är, och vi är.
  • Warum: Schwedische Verben haben keine unterschiedlichen Personenendungen. Är gilt für „ich“, „du“, „wir“ und alle anderen Subjekte.

Den deutschen Artikel beim Beruf übernehmen

  • Falsch: Hon är en läkare. – wenn nur der Beruf genannt wird
  • Richtig: Hon är läkare.
  • Warum: Eine einfache Berufsbezeichnung nach vara steht normalerweise ohne en oder ett. Mit einer Beschreibung ist der Artikel dagegen richtig: Hon är en bra läkare.

Für die Vergangenheit är verwenden

  • Falsch: Vi är hemma igår.
  • Richtig: Vi var hemma igår.
  • Warum: Igår („gestern“) verweist auf die Vergangenheit; deshalb braucht man var. Die Form ist auch hier für alle Personen gleich.

Inte wie im Deutschen an das Satzende setzen

  • Falsch: Jag är trött inte.
  • Richtig: Jag är inte trött.
  • Warum: Im einfachen schwedischen Hauptsatz steht inte gewöhnlich direkt nach dem finiten Verb.

Det är und det finns verwechseln

  • Unpassend: Det är en bank nära stationen. – wenn gemeint ist, dass dort eine Bank vorhanden ist
  • Richtig: Det finns en bank nära stationen. – Es gibt eine Bank in der Nähe des Bahnhofs.
  • Warum: Det är identifiziert oder beschreibt etwas: Det är banken („Das ist die Bank“). Det finns führt die Existenz oder das Vorhandensein von etwas ein.

Das Adjektiv unverändert lassen

  • Falsch: Barnen är trött.
  • Richtig: Barnen är trötta.
  • Warum: Är bleibt gleich, aber das beschreibende Adjektiv erhält bei einem Plural normalerweise die Endung -a.

Gebrauchshinweise

In normaler schwedischer Rechtschreibung werden är, var und varit immer ausgeschrieben. In schneller Alltagssprache kann är je nach Region und Sprechweise stark verkürzt klingen. Orientiere dich beim Schreiben trotzdem an är und lerne die gesprochene Form durch Hörbeispiele im ganzen Satz.

Die Verbform drückt keine Höflichkeitsstufe aus. Sowohl du är als auch ni är enthalten dasselbe är. Im heutigen Schwedisch ist du auch in sehr vielen Situationen üblich, in denen Deutschsprachige „Sie“ sagen würden. Ni ist in erster Linie der Plural „ihr“ und kann in bestimmten Dienstleistungs- oder förmlichen Situationen als Anrede vorkommen; man sollte es aber nicht automatisch überall als genaue Entsprechung des deutschen „Sie“ einsetzen.

Bei Antworten kann vara zusammen mit dem Rest der Aussage weggelassen werden, wenn der Sinn klar ist. Auf Är du trött? kann man knapp Ja oder Nej antworten. Eine vollständige, ebenfalls natürliche Antwort lautet Ja, det är jag („Ja, das bin ich“) beziehungsweise Nej, det är jag inte („Nein, das bin ich nicht“).

Über das Grundwissen hinaus

Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht sicher beherrschen. Sie helfen dir aber, Formen von vara in späteren Texten richtig einzuordnen.

Satzstellung nach einem vorangestellten Satzteil

Im schwedischen Hauptsatz steht das finite Verb normalerweise an zweiter Stelle. Dabei zählt ein ganzer Ausdruck als ein Satzteil. Beginnt der Satz etwa mit einer Zeitangabe, folgt är oder var vor dem Subjekt:

  • I dag är jag hemma. – Heute bin ich zu Hause.
  • Förra veckan var hon sjuk. – Letzte Woche war sie krank.

Die deutsche Satzstellung funktioniert hier ähnlich. Anders ist die Stellung der Verneinung in einem Nebensatz, also in einem abhängigen Satzteil: eftersom jag inte är trött („weil ich nicht müde bin“). Im Hauptsatz heißt es dagegen jag är inte trött.

Zukunft mit vara

Schwedisch hat keine eigene einfache Zukunftsform von vara. Je nach Bedeutung verwendet man das Präsens, ska vara oder kommer att vara:

  • Jag är i Malmö i morgon. – Ich bin morgen in Malmö.
  • Mötet ska vara här. – Die Besprechung soll hier stattfinden.
  • Det kommer att vara kallt i natt. – Es wird heute Nacht kalt sein.

Das Präsens ist besonders natürlich, wenn eine Zeitangabe die Zukunft schon klar macht. Ska kann Plan, Absicht oder Vorgabe ausdrücken; kommer att häufig eine Erwartung oder Vorhersage.

Vara in festen Verbindungen

Viele häufige Ausdrücke bestehen aus vara und einem Adjektiv oder einer Ortsangabe. Ihre deutsche Entsprechung enthält nicht immer „sein“:

  • vara hungrig – Hunger haben
  • vara törstig – Durst haben
  • vara rädd – Angst haben
  • vara ledig – frei haben
  • vara sen – zu spät sein
  • vara med – dabei sein, mitmachen

Gerade bei hungrig, törstig und rädd verleitet das Deutsche zu einer Konstruktion mit „haben“. Im Schwedischen steht jedoch vara: Jag är hungrig, nicht eine wörtlich nach dem Deutschen gebildete Form.

Var als Vergangenheit und als Aufforderung

Var kann nicht nur das Präteritum sein, sondern auch der Imperativ:

  • Hon var försiktig. – Sie war vorsichtig.
  • Var försiktig! – Sei vorsichtig!

Ein ausdrücklich genanntes Subjekt und der Satztyp machen den Unterschied deutlich. Der Imperativ begegnet dir besonders häufig in Wendungen wie Var snäll! („Sei so nett!“) und Var inte rädd! („Hab keine Angst!“).

Übungstipps

  1. Bilde kleine Dreierreihen. Nimm einen Satz wie Jag är hemma und forme ihn in Vergangenheit und Perfekt um: Jag var hemmaJag har varit hemma. Wiederhole das mit fünf alltagsnahen Orts- oder Zustandsangaben.
  2. Übe Frage und Antwort zusammen. Schreibe Fragen wie Är du trött?, Var är nyckeln? und Var ni där? und beantworte sie vollständig. So lernst du Verbform und Wortstellung als Einheit.
  3. Markiere beim Lesen zwei verschiedene Dinge. Unterstreiche är/var/varit und kreise die Endung des folgenden Adjektivs ein: Barnet är trött, Barnen är trötta. Dadurch verwechselst du die unveränderliche Verbform nicht mit der Adjektivanpassung.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Personalpronomen – zeigt, welche Subjekte mit der stets gleichen Form är oder var stehen.
  • Nächster Schritt: Det finns („es gibt“) – wichtig für den Unterschied zwischen Beschreibung mit det är und dem Vorhandensein einer Sache.
  • Nächster Schritt: Das formale Subjekt det – vertieft Aussagen über Wetter, Zeit und unpersönliche Situationen.

Voraussetzung

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