Reflexive Verben im Rumänischen
Verbele Reflexive
Dieser Artikel ist Teil des Rumänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Rumänische reflexive Verben stehen mit einem unbetonten Reflexivpronomen: mă, te, se, ne, vă, se. Dieses Pronomen richtet sich nach der handelnden Person: mă spăl „ich wasche mich“, aber te speli „du wäschst dich“. Im Wörterbuch erkennt man solche Verben meist an a se: a se trezi „aufwachen“.
Überblick
Bei einem reflexiven Verb bezieht sich die Handlung auf die Person zurück, die sie ausführt: In Mă spăl sind die waschende und die gewaschene Person identisch. Das kleine Wort mă bedeutet hier „mich“. Es ist ein Pronomen, also ein Wort, das für eine Person oder Sache steht. Genauer gesagt handelt es sich um ein unbetontes oder klitisches Pronomen: Es kann nicht frei im Satz stehen, sondern lehnt sich eng an das Verb an.
Reflexive Formen begegnen dir im Rumänischen sehr früh im Alltag. Man braucht sie für Morgenroutinen wie a se trezi „aufwachen“, a se spăla „sich waschen“ und a se îmbrăca „sich anziehen“, aber auch für Verben wie a se plimba „spazieren gehen“, a se grăbi „sich beeilen“ oder a se simți „sich fühlen“. Der Grundbau gehört zum Niveau A2: Pronomen auswählen, Verb konjugieren und beides richtig zusammensetzen.
Für Deutschsprachige ist ein wichtiger Punkt: Reflexivität stimmt nicht Wort für Wort zwischen beiden Sprachen überein. A se spăla entspricht gut „sich waschen“, doch a se trezi heißt einfach „aufwachen“ und a se plimba „spazieren gehen“. Umgekehrt ist ein deutsches Verb mit „sich“ nicht automatisch auch im Rumänischen reflexiv. Am besten lernst du daher den rumänischen Infinitiv samt se.
So funktioniert es
Die sechs Grundformen
Das Reflexivpronomen richtet sich nach dem Subjekt, also nach der Person oder Sache, die handelt. Das Verb wird zusätzlich ganz normal nach Person und Zahl konjugiert.
| Person | Reflexivpronomen | Beispiel mit a se spăla | Deutsch |
|---|---|---|---|
| 1. Person Singular | mă | eu mă spăl | ich wasche mich |
| 2. Person Singular | te | tu te speli | du wäschst dich |
| 3. Person Singular | se | el/ea se spală | er/sie wäscht sich |
| 1. Person Plural | ne | noi ne spălăm | wir waschen uns |
| 2. Person Plural | vă | voi vă spălați | ihr wascht euch |
| 3. Person Plural | se | ei/ele se spală | sie waschen sich |
Die Subjektpronomen eu, tu, el/ea, noi, voi, ei/ele können oft entfallen, weil die Verbform die Person erkennen lässt. Das Reflexivpronomen darf dagegen normalerweise nicht wegfallen: Mă spăl ist vollständig, während bloßes Spăl „ich wasche (etwas)“ bedeutet.
Wörterbuchform und konjugierte Form
Die Wörterbuchform beginnt mit a se: a se îmbrăca, a se trezi, a se odihni. Das a kennzeichnet den Infinitiv, also die Grundform des Verbs. Beim Konjugieren verschwindet a, se nimmt die passende Personenform an und das Verb erhält seine Endung:
- a se îmbrăca → mă îmbrac, te îmbraci, se îmbracă
- a se trezi → ne trezim, vă treziți, se trezesc
- a se odihni → mă odihnesc, te odihnești, se odihnește
Die Konjugationsklasse des Verbs ändert sich durch das Reflexivpronomen nicht. Deshalb lohnt es sich, zwei Informationen gemeinsam zu lernen: „Das Verb ist reflexiv“ und „so wird sein Verbstamm konjugiert“.
Stellung im einfachen Satz
Vor einer einfachen konjugierten Verbform steht das Reflexivpronomen direkt vor dem Verb:
- Ana se grăbește. – Ana beeilt sich.
- Nu mă odihnesc. – Ich ruhe mich nicht aus.
- Când vă întoarceți? – Wann kehrt ihr zurück?
Bei der Verneinung steht nu vor Pronomen und Verb: nu + mă + spăl. Auch Fragewörter oder andere Satzteile ändern diese Reihenfolge nicht.
In einer Konstruktion mit să steht das Pronomen hinter să und vor dem konjugierten Verb: Vreau să mă culc „Ich möchte ins Bett gehen“. Bei zwei verschiedenen Personen muss das Pronomen zur Person im să-Satz passen: Vreau să te odihnești „Ich möchte, dass du dich ausruhst“.
Körperteile: oft bestimmter Artikel statt Besitzwort
Im Deutschen sagt man häufig „ich wasche mir meine Hände“ oder einfach „ich wasche mir die Hände“. Im Rumänischen steht der Körperteil meist mit dem bestimmten Artikel, weil das Reflexivpronomen schon erkennen lässt, wem er gehört:
- Mă spăl pe mâini. – Ich wasche mir die Hände.
- Îmi spăl mâinile. – Ich wasche mir die Hände.
- Se spală pe față. – Er/Sie wäscht sich das Gesicht.
Bei îmi spăl mâinile steht eine Dativform. Der Dativ bezeichnet hier die Person, der der Körperteil zugeordnet ist. Seine Formen lauten îmi, îți, își, ne, vă, își: îmi pieptăn părul „ich kämme mir die Haare“, își pune haina „er/sie zieht sich den Mantel an“. Für A2 genügt zunächst, häufige Wendungen als Ganzes zu lernen; die Unterscheidung zwischen mă und îmi wird mit den Pronomenformen systematischer.
Vergangenheit mit perfect compus
Im häufigsten Vergangenheitstempus, dem perfect compus, steht das Reflexivpronomen vor dem Hilfsverb. Ein Hilfsverb ist ein kurzes Verb, das zusammen mit dem Partizip die Zeitform bildet. Das Partizip ist hier die Form wie spălat oder trezit.
| Person | a se spăla im perfect compus | Deutsch |
|---|---|---|
| eu | m-am spălat | ich habe mich gewaschen |
| tu | te-ai spălat | du hast dich gewaschen |
| el/ea | s-a spălat | er/sie hat sich gewaschen |
| noi | ne-am spălat | wir haben uns gewaschen |
| voi | v-ați spălat | ihr habt euch gewaschen |
| ei/ele | s-au spălat | sie haben sich gewaschen |
Vor einem Hilfsverb, das mit einem Vokal beginnt, werden einige Formen verkürzt und mit Bindestrich geschrieben: m-am, s-a, v-ați, s-au. Der Bindestrich ist obligatorisch. Das Partizip bleibt in dieser Zeitform normalerweise unverändert: Maria s-a trezit, copiii s-au trezit.
Beispiele im Zusammenhang
| Rumänisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Mă spăl pe mâini înainte de masă. | Ich wasche mir vor dem Essen die Hände. | Alltag und Körperpflege |
| Te trezești devreme în fiecare zi? | Wachst du jeden Tag früh auf? | Frage in der 2. Person |
| Andrei se îmbracă repede. | Andrei zieht sich schnell an. | Das Subjekt ist ausdrücklich genannt. |
| Ne plimbăm în parc după cină. | Wir gehen nach dem Abendessen im Park spazieren. | Im Deutschen ohne „uns“ |
| Vă grăbiți sau aveți timp? | Beeilt ihr euch, oder habt ihr Zeit? | 2. Person Plural |
| Copiii se joacă în grădină. | Die Kinder spielen im Garten. | A se juca ist im Rumänischen reflexiv. |
| Nu mă simt bine astăzi. | Ich fühle mich heute nicht gut. | nu steht vor dem Pronomen. |
| La ce oră te culci de obicei? | Um wie viel Uhr gehst du gewöhnlich ins Bett? | Feste Alltagsverbindung |
| Vreau să mă odihnesc puțin. | Ich möchte mich ein wenig ausruhen. | Pronomen nach să |
| Ea își spală părul dimineața. | Sie wäscht sich morgens die Haare. | Dativform își beim Körperteil |
| Ne vedem mâine la gară. | Wir sehen uns morgen am Bahnhof. | Gegenseitige Bedeutung |
| M-am trezit la ora șapte. | Ich bin um sieben Uhr aufgewacht. | Vergangenheit mit m-am |
| S-au întors târziu acasă. | Sie sind spät nach Hause zurückgekehrt. | Vergangenheit in der 3. Person Plural |
| Uită-te la fotografia aceasta! | Sieh dir dieses Foto an! | Bejahter Imperativ |
Häufige Fehler
Das Pronomen bleibt immer se
- Falsch: Eu se spăl dimineața.
- Richtig: Eu mă spăl dimineața.
- Warum: Se gehört nur zur dritten Person. Zur ersten Person Singular gehört mă. Die Form a se spăla im Wörterbuch ist kein unveränderlicher Baustein.
Das deutsche Muster wird Wort für Wort übertragen
- Falsch: Eu plimb în parc. für „Ich gehe im Park spazieren.“
- Richtig: Mă plimb în parc.
- Warum: „Spazieren gehen“ ist im Deutschen nicht reflexiv, rumänisch a se plimba aber schon. Lerne deshalb a se plimba vollständig mit se.
Das Reflexivpronomen wird zusätzlich zum passenden Objekt verwendet
- Falsch: Mă spăl mașina. für „Ich wasche das Auto.“
- Richtig: Spăl mașina.
- Warum: Das Auto ist das Objekt, also das, worauf die Handlung gerichtet ist. Die Handlung geht nicht auf die handelnde Person zurück. Mă spăl bedeutet „ich wasche mich“.
Falsche Reihenfolge bei să
- Falsch: Vreau mă să odihnesc.
- Richtig: Vreau să mă odihnesc.
- Warum: In dieser Konstruktion lautet die feste Reihenfolge să + Reflexivpronomen + Verb.
Bindestriche in der Vergangenheit fehlen
- Falsch: M am trezit devreme. / Ei s au întors.
- Richtig: M-am trezit devreme. / Ei s-au întors.
- Warum: Die verkürzte Pronomenform und das Hilfsverb werden mit Bindestrich verbunden.
Ein Besitzwort beim Körperteil wird unnötig wiederholt
- Weniger natürlich: Îmi spăl mâinile mele.
- Natürlich: Îmi spăl mâinile.
- Warum: Îmi zeigt bereits, dass es sich um die eigenen Hände handelt. Mele braucht man nur bei einem besonderen Gegensatz, etwa „meine Hände, nicht deine“.
Hinweise zum Gebrauch
Nicht jedes Verb mit Reflexivpronomen drückt wörtlich „sich selbst“ aus. Bei a se spăla ist die Beziehung klar. Bei a se trezi, a se teme „Angst haben“ oder a se întâmpla „geschehen“ gehört das Pronomen dagegen zur üblichen Verbform. Eine wörtliche Rückbeziehung hilft dort kaum. Solche Verben werden oft als pronominale Verben bezeichnet, also als Verben, die fest mit einem Pronomen gebraucht werden.
Manche Verben ändern mit se ihre Bedeutung. Diese Paare sollte man nicht als bloße Varianten behandeln:
| Ohne se | Bedeutung | Mit se | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| a uita | vergessen | a se uita la | anschauen, hinsehen |
| a duce | tragen, bringen | a se duce | gehen, sich begeben |
| a întoarce | umdrehen, zurückbringen | a se întoarce | zurückkehren, sich umdrehen |
| a simți | etwas spüren | a se simți | sich fühlen |
Achte auch auf die Präposition, wenn sie zum Verb gehört. Es heißt a se uita la ceva „etwas ansehen“ und a se gândi la ceva „an etwas denken“. Das Pronomen ersetzt diese Präposition nicht.
Die Formen ne und se können eine gegenseitige Handlung ausdrücken: Ne ajutăm kann „wir helfen einander“ heißen, Se salută „sie grüßen einander“. Der Zusammenhang entscheidet, ob „sich selbst“ oder „einander“ gemeint ist. Wenn Klarheit nötig ist, kann man unul pe altul beziehungsweise passend zu Geschlecht und Zahl eine entsprechende Form ergänzen: Ei se ajută unul pe altul „Sie helfen einander“.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Muster musst du auf A2 noch nicht vollständig beherrschen. Du wirst ihnen aber in Gesprächen, Anweisungen und Texten häufig begegnen.
Imperativ: Das Pronomen wechselt seine Stellung
Beim bejahten Imperativ, also bei einer direkten Aufforderung, steht das Pronomen hinter dem Verb und wird mit Bindestrich angeschlossen:
- Spală-te pe mâini! – Wasch dir die Hände!
- Așezați-vă, vă rog! – Setzen Sie sich bitte!
- Uită-te aici! – Schau hierher!
Beim verneinten Imperativ steht es wieder vor dem Verb:
- Nu te grăbi! – Beeil dich nicht!
- Nu vă ridicați! – Stehen Sie nicht auf!
Diese Stellung ist eine häufige Fehlerquelle, weil der einfache Aussagesatz das Pronomen stets vor dem Verb zeigt.
Reflexives Passiv und unpersönliches se
Se kann auch verwendet werden, wenn die handelnde Person unwichtig oder gar nicht genannt ist. In Aici se vorbește românește bedeutet der Satz „Hier spricht man Rumänisch“. Das ist eine unpersönliche Konstruktion: Es geht allgemein um Menschen, nicht um eine bestimmte Person, die mit sich selbst spricht.
Bei einem reflexiven Passiv entspricht die Aussage oft einem deutschen Satz mit „werden“:
- Casa se vinde. – Das Haus wird verkauft.
- Casele se vând repede. – Die Häuser werden schnell verkauft.
- Biletele se cumpără online. – Die Fahrkarten werden online gekauft.
Das Verb richtet sich hier nach der Sache, die verkauft oder gekauft wird: Singular casa se vinde, Plural casele se vând. Diese Verwendung sieht äußerlich wie ein reflexives Verb aus, erfüllt aber eine andere grammatische Aufgabe.
Betonte Verstärkung
Wenn ausdrücklich „selbst“ gemeint ist, reicht das unbetonte Pronomen nicht immer als Betonung. Dann kann eine Form von pe sine oder, je nach Zusammenhang, singur/singură hinzukommen: Se critică pe sine „Er/Sie kritisiert sich selbst“, A făcut-o singură „Sie hat es allein/selbst gemacht“. Se und „selbst“ sind also nicht in jeder Situation dasselbe.
Lerntipps
- Lerne Infinitiv und Beispielsatz zusammen. Notiere nicht nur a trezi, sondern a se trezi – mă trezesc la șapte. So prägst du dir Reflexivität, Konjugation und einen natürlichen Gebrauch gleichzeitig ein.
- Sprich eine Tagesroutine in allen Personen durch. Beginne mit mă trezesc, mă spăl, mă îmbrac und bilde danach te trezești …, se trezește … sowie die Pluralformen. Damit übst du Pronomen und Verbendung als Einheit.
- Markiere Unterschiede zum Deutschen. Lege zwei Listen an: ähnliche Paare wie a se spăla – „sich waschen“ und abweichende Paare wie a se juca – „spielen“. Gerade die zweite Liste verhindert wörtliche Übertragungen.
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