B2

Nominalisierung im Māori

Kupu Whakaingoatanga

Dieser Artikel ist Teil des Māori-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Durch eine Nominalisierung wird eine Handlung, ein Vorgang oder eine Eigenschaft zu einem Nomen (einem Wort für eine Sache oder einen Begriff): Aus haere „gehen“ wird haerenga „Gang, Reise, Aufbruch“. Häufig steht die Form in einer Nominalgruppe mit te, etwa te haerenga ki Rotorua „die Reise nach Rotorua“. Welche Endungsvariante verwendet wird, ist jedoch nicht frei wählbar; lerne deshalb immer das ganze Wortpaar.

Überblick

Im Deutschen können wir aus „ankommen“ das substantivierte „Ankommen“ oder das abgeleitete Nomen „Ankunft“ bilden. Māori verfügt über ein ähnliches, aber nicht deckungsgleiches Mittel: An einen Verbal- oder Eigenschaftsstamm tritt eine nominalisierende Endung. Das Ergebnis kann die Handlung selbst, ihren Verlauf, ihr Ergebnis, einen Anlass oder einen bereits fest etablierten abstrakten Begriff bezeichnen. Taenga kann zum Beispiel das Ankommen oder die Ankunft meinen, während rangatiratanga je nach Zusammenhang unter anderem Selbstbestimmung, Souveränität oder Herrschaft bezeichnet.

Dieses Thema gehört zum Niveau B2, weil man damit Informationen verdichten und längere Sätze genauer gliedern kann. Statt nur auszudrücken, dass jemand ankommt, lässt sich die Ankunft zum Satzgegenstand, zum Zeitpunkt oder zum Grund einer anderen Handlung machen: I muri i te taenga mai o ngā manuhiri, ka tīmata te hui „Nach der Ankunft der Gäste beginnt die Versammlung.“ Die nominalisierte Form bildet dabei den Kern einer Nominalgruppe (einer Wortgruppe, die im Satz wie ein Nomen funktioniert).

Für deutschsprachige Lernende ist vor allem ein Unterschied wichtig: Die deutsche Endung „-ung“ lässt sich bei vielen Verben recht regelmäßig einsetzen, und der substantivierte Infinitiv sieht oft einfach wie das Verb aus. Im Māori gibt es dagegen mehrere verwandte Endungsformen. Man kann nicht zuverlässig erraten, welche zu einem bestimmten Stamm gehört. Außerdem wird ein Māori-Nomen nicht wie im Deutschen durch Großschreibung markiert.

So funktioniert es

Stamm und Nominalendung

Das Grundmuster lautet:

Stamm + nominalisierende Endung → Nomen

In einer bestimmten Nominalgruppe erscheint häufig zusätzlich der Artikel te:

te + nominalisierte Form + Ergänzungen

Te ist also nicht selbst Teil der Wortbildung. Das zeigt sich daran, dass auch andere Begleiter möglich sind: ngā haerenga „die Reisen“, tēnei haerenga „diese Reise“ oder tōna taenga mai „seine/ihre Ankunft“.

Māori-Bildung Bedeutung Hinweis
haere → haerenga gehen → Gang, Reise, Aufbruch Die Vokalfolge des Stamms bleibt nicht einfach vor -anga stehen.
tae → taenga ankommen, erreichen → Ankunft, Erreichen Häufig mit mai: taenga mai.
mutu → mutunga enden → Ende, Abschluss Kann einen Zeitpunkt oder ein Ergebnis benennen.
ako → akoranga lernen, lehren → Unterricht, Lernstoff, Lektion Die genaue Bedeutung ergibt sich aus dem Kontext.
kōrero → kōrerotanga sprechen, erörtern → Sprechen, Erörterung Hier erscheint die Variante -tanga.
whakamahi → whakamahinga benutzen → Gebrauch, Verwendung Eine bereits komplexe Basis kann nominalisiert werden.
tiaki → tiakitanga schützen, betreuen → Schutz, Fürsorge Ebenfalls mit -tanga.
rangatira → rangatiratanga führend, rangatira sein → Selbstbestimmung, Souveränität Ein festes Wort mit kulturell und politisch geprägten Bedeutungen.

Die Formen -nga, -anga, -hanga, -kanga, -manga, -ranga, -tanga und -whanga gehören zu einer Familie nominalisierender Endungen. Für die praktische Anwendung ist aber nicht entscheidend, die längste mögliche Liste auswendig zu lernen. Wichtig ist, dass diese Varianten nicht austauschbar sind. Formen wie haerenga, taenga, akoranga und kōrerotanga sollten wie vollständige Vokabeln gelernt werden.

Die Bedeutung ist mehr als „das Tun“

Eine Nominalisierung kann verschiedene Seiten eines Geschehens hervorheben:

  • Handlung oder Vorgang: te tiakitanga o te taiao – der Schutz der Umwelt
  • Ereignis: te taenga mai – die Ankunft
  • Verlauf oder Unternehmung: te haerenga – die Reise, der Weg
  • Endpunkt oder Ergebnis: te mutunga – das Ende, der Abschluss
  • Unterrichtseinheit oder Inhalt: te akoranga – die Lektion, der Unterricht
  • abstrakter oder gesellschaftlicher Begriff: te rangatiratanga – Selbstbestimmung, Souveränität, Herrschaft

Darum führt eine rein wörtliche Übersetzung mit „das …-en“ oft nicht weit. Akoranga ist je nach Satz nicht bloß „das Lernen“, sondern kann eine Lektion oder einen Lehrinhalt meinen. Ebenso ist haerenga häufig eine konkrete Reise und nicht nur die abstrakte Tätigkeit des Gehens.

Ergänzungen bleiben bei der Handlung

Was zum ursprünglichen Verb gehört, kann häufig auch die nominalisierte Handlung näher bestimmen. Die Ergänzung steht dann nach dem neuen Nomen:

Verbaler Ausdruck Nominalgruppe Deutsche Entsprechung
haere ki Rotorua te haerenga ki Rotorua die Reise nach Rotorua
tae mai ngā manuhiri te taenga mai o ngā manuhiri die Ankunft der Gäste
whakamahi i te reo Māori te whakamahinga o te reo Māori der Gebrauch der Māori-Sprache
tiaki i te taiao te tiakitanga o te taiao der Schutz der Umwelt

Diese Umformungen sind keine starre Rechenaufgabe. Besonders die Verbindung zwischen einer nominalisierten Handlung und ihren Beteiligten kann mit Possessivformen sowie mit a oder o ausgedrückt werden. Welche Possessivklasse passt, hängt von der inhaltlichen Beziehung ab. Verlasse dich hier nicht auf die deutsche Genitivform „des/der“, sondern lerne häufige Gesamtgruppen wie te taenga mai o ngā manuhiri.

Richtungspartikeln bleiben bedeutsam. In tae mai zeigt mai eine Bewegung zum Bezugspunkt hin an; entsprechend bedeutet taenga mai die Ankunft hierher beziehungsweise am Bezugspunkt. Ohne mai ist taenga allgemeiner und kann auch das Erreichen eines Ziels bezeichnen.

Nominalgruppen im Satz

Sobald die Form als Nomen gebraucht wird, kann die ganze Gruppe an Stellen stehen, an denen sonst ebenfalls eine Nominalgruppe steht:

  • als Thema oder hervorgehobener Satzteil: Ko te kōrerotanga te mea nui.
  • nach einer Präposition: i muri i te taenga mai „nach der Ankunft“
  • als Ergänzung eines Verbs: E tatari ana mātou ki tōna taenga mai „Wir warten auf seine/ihre Ankunft“
  • mit Zahl, Artikel oder Demonstrativ: ngā akoranga e rua „die zwei Lektionen“, tēnei haerenga „diese Reise“

Dabei bleibt der übrige Māori-Satzbau erhalten. Die deutsche Gewohnheit, mehrere Nomen vor ein anderes Nomen zu stellen, darf nicht einfach übertragen werden. Für „die Reise nach Rotorua“ heißt es te haerenga ki Rotorua, nicht eine Zusammensetzung nach dem Muster „Rotorua-Reise“.

Beispiele im Zusammenhang

Māori Deutsch Hinweis
Te haerenga ki Rotorua. Die Reise nach Rotorua. ki Rotorua nennt das Ziel.
Kua tīmata te haerenga ki Rotorua. Die Reise nach Rotorua hat begonnen. haerenga ist das Subjekt des Satzes.
Ko te kōrerotanga te mea nui. Das Gespräch beziehungsweise die Erörterung ist das Wichtige. Die Handlung wird als Thema hervorgehoben.
I muri i te taenga mai. Nach der Ankunft. Eine Zeitangabe; im laufenden Text folgt meist ein Hauptsatz.
I muri i te taenga mai o ngā manuhiri, ka tīmata te hui. Nach der Ankunft der Gäste beginnt die Versammlung. o ngā manuhiri nennt die Ankommenden.
E tatari ana mātou ki tōna taenga mai. Wir warten auf seine beziehungsweise ihre Ankunft. Die Possessivform bestimmt die Ankunft näher.
Kua mutu te akoranga tuatahi. Die erste Lektion ist zu Ende. akoranga bezeichnet hier eine Unterrichtseinheit.
E rua ngā akoranga i tēnei rā. Heute gibt es zwei Unterrichtseinheiten. Eine zählbare Verwendung im Plural.
Kei te kōrero mātou mō te whakamahinga o te reo Māori. Wir sprechen über den Gebrauch der Māori-Sprache. führt das Gesprächsthema ein.
He mea nui te tiakitanga o te taiao. Der Schutz der Umwelt ist wichtig. Abstrakter Vorgang als Nominalgruppe.
Nā te mutunga o te ua i taea ai e mātou te haere. Weil der Regen aufgehört hatte, konnten wir gehen. Wörtlich steht das „Ende des Regens“ als Ursache.
Ko te rangatiratanga o te iwi. Die Souveränität beziehungsweise Selbstbestimmung des Volkes. rangatiratanga trägt eine etablierte politische Bedeutung.
He nui ngā painga o tēnei akoranga. Diese Lektion hat viele Vorteile. painga bezeichnet positive Wirkungen oder Vorteile.
Kua whakaritea ngā mahi mō te haerenga. Die Aufgaben für die Reise sind vorbereitet worden. Die Nominalisierung steht nach .

Häufige Fehler

1. Einfach -anga an jeden Stamm hängen

  • Falsch: te haereanga ki Rotorua
  • Richtig: te haerenga ki Rotorua
  • Warum: Die Endungsvariante ist an den jeweiligen Stamm gebunden. Die allgemeine Funktion der Endung ist regelmäßig, ihre konkrete Form aber nicht vollständig vorhersagbar.

2. Ein Nomen wie ein Verb mit einer Aspektpartikel verwenden

  • Falsch: Kei te haerenga au ki Rotorua. – wenn „Ich fahre gerade nach Rotorua“ gemeint ist
  • Richtig: Kei te haere au ki Rotorua.
  • Warum: Kei te leitet hier eine laufende Handlung ein und verlangt den Verbalstamm haere. Haerenga ist ein Nomen: Kua tīmata te haerenga „Die Reise hat begonnen.“

3. mai bei einer Ankunft am Bezugspunkt weglassen

  • Unvollständig im gemeinten Zusammenhang: te taenga o ngā manuhiri
  • Passender: te taenga mai o ngā manuhiri
  • Warum: Mai zeigt die Bewegung zum Sprecher oder zum gewählten Bezugspunkt. Die kürzere Form ist nicht grundsätzlich falsch, enthält diese Richtungsinformation aber nicht.

4. Deutsche Zusammensetzungen Wort für Wort nachbauen

  • Falsch: te Rotorua haerenga
  • Richtig: te haerenga ki Rotorua
  • Warum: Das Ziel der Reise wird mit ki angeschlossen. Der deutsche Ausdruck „Rotorua-Reise“ liefert kein zuverlässiges Māori-Satzmuster.

5. Jede Form rein aus ihren Teilen übersetzen

  • Zu eng: rangatiratanga immer nur als „das Rangatira-Sein“ wiedergeben
  • Besser: Je nach Zusammenhang „Selbstbestimmung“, „Souveränität“, „Herrschaft“ oder eine andere etablierte Entsprechung wählen
  • Warum: Viele Nominalisierungen sind lexikalisiert, das heißt, sie haben sich als eigenständige Wörter mit bestimmten Bedeutungen etabliert. Bei kulturell wichtigen Begriffen reicht eine Wort-für-Wort-Analyse besonders selten aus.

6. Makrons und Wortform nicht mitlernen

  • Falsch: korero → korero tanga
  • Richtig: kōrero → kōrerotanga
  • Warum: Der Makron gehört zur Schreibung, und die Endung wird ohne Leerzeichen angefügt. Vokallänge kann im Māori Bedeutung und Aussprache unterscheiden.

Gebrauchshinweise

Nominalisierungen kommen sowohl im Gespräch als auch in schriftlichen Texten vor. Konkrete Wörter wie haerenga, taenga und akoranga sind keineswegs nur formell. Längere Folgen abstrakter Nominalgruppen treten jedoch besonders oft in Verwaltung, Bildung, politischen Diskussionen und sachlichen Texten auf. Wie im Deutschen kann zu viel Nominalstil schwer wirken: „die Durchführung der Vorbereitung“ ist auch auf Deutsch weniger direkt als ein klarer Verbsatz.

Die Wahl zwischen Singular und Plural richtet sich nach der gemeinten Bedeutung. Ein abstrakter Vorgang steht häufig mit te, während einzelne Reisen, Lektionen oder Beobachtungen zählbar sein können: te tiakitanga „der Schutz“, aber ngā haerenga e toru „die drei Reisen“. Das Nomen selbst erhält dabei keine deutsche Art von Pluralendung; Begleiter wie te und ngā zeigen die Zahl.

Achte zudem auf die Übersetzung. Deutsch verlangt oft ein anderes Nomen, als die Formteile nahelegen: taenga mai wird natürlich als „Ankunft“ übersetzt, nicht als „das Hierher-Erreichen“. Umgekehrt muss ein deutsches Nomen auf „-ung“ nicht automatisch durch eine Māori-Nominalisierung wiedergegeben werden. Ein Verbsatz kann idiomatischer und lebendiger sein.

Bei der konkreten Endungsform und bei Possessivverbindungen ist ein gutes Māori-Wörterbuch zuverlässiger als eine selbst gebildete Regel. Sprachgebrauch und fest etablierte Wörter entscheiden. Das gilt besonders für Begriffe aus Politik, tikanga (kulturell geprägte Werte und Handlungsweisen) und Gemeinschaftsleben.

Über die Grundlagen hinaus

Nominalisierung und Relativsatz im Vergleich

Dasselbe Ereignis lässt sich entweder als Nomen oder als vollständiger Teilsatz darstellen:

Māori Deutsch Blickrichtung
te taenga mai o Mere Meres Ankunft Das Ereignis wird als Nomen verpackt.
te wā i tae mai ai a Mere die Zeit, zu der Mere ankam Ein Relativsatz beschreibt ausdrücklich, wann Mere ankam.

Die nominalisierte Fassung ist kompakt und eignet sich gut als Satzbaustein. Der Relativsatz kann dagegen Teilnehmer, Zeit und weitere Umstände als Aussage entfalten. Fortgeschrittenes Māori besteht nicht darin, möglichst viele Nominalisierungen zu verwenden, sondern die zur Aussage passende Form zu wählen.

Mehrschichtige Wortbildung

Eine Nominalendung kann an eine bereits abgeleitete Basis treten. Whakaako bedeutet „lehren, unterrichten“ und enthält whaka-; daraus entsteht whakaakoranga „Unterricht, Lehre, Bildung“. Ebenso steht hinter whakamahinga die Basis whakamahi „verwenden“. Mehrere Wortbildungsschritte sind also möglich, doch auch hier sollte die belegte Gesamtform gelernt werden, statt Präfixe und Suffixe beliebig aneinanderzureihen.

Feste Begriffe und kulturelle Bedeutung

Wörter wie rangatiratanga, manaakitanga und whanaungatanga sind grammatisch als Ableitungen erkennbar, aber nicht durch eine knappe Summe ihrer Bestandteile erschöpfend erklärt. Ihre Bedeutung wird durch Geschichte, gesellschaftliche Beziehungen und den jeweiligen Text geprägt. Rangatiratanga kann etwa in politischen und rechtlichen Zusammenhängen eine wesentlich genauere Einordnung verlangen als das allgemeine deutsche Wort „Herrschaft“. Grammatische Analyse hilft beim Erkennen des Wortes; für eine angemessene Übersetzung braucht es zusätzlich Kontextwissen.

Die verschiedenen Nominalendungen zeigen außerdem formale Beziehungen zu anderen Māori-Suffixmustern, unter anderem zu Varianten, die auch bei Passivformen auftreten. Daraus entsteht jedoch keine sichere Endungsformel. Für die aktive Verwendung bleibt die Paarmethode am zuverlässigsten: tae–taenga, haere–haerenga, ako–akoranga, kōrero–kōrerotanga.

Übungstipps

  1. Lerne Wortfamilien statt einzelner Endungen. Notiere auf einer Karte Vorder- und Rückseite als Paar: haere → haerenga, tae mai → taenga mai, mutu → mutunga. Ergänze je einen vollständigen Satz, damit auch die Bedeutung sitzen bleibt.
  2. Formuliere Ereignis und Aussage nebeneinander. Vergleiche te taenga mai o ngā manuhiri mit einem Satz wie Kua tae mai ngā manuhiri. Markiere, welche Form die Ankunft als Begriff behandelt und welche das Ankommen direkt berichtet.
  3. Sammle echte Nominalgruppen. Suche in Māori-Texten nach te, ngā, tōna oder mō te vor bekannten Nominalisierungen. Schreibe die gesamte Gruppe ab, nicht nur das Einzelwort; so lernst du Präpositionen, Richtungspartikeln und Possessivmuster gleich mit.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Relativsätze — hilft, nominalisierte Ereignisse mit ausführlichen Teilsätzen zu vergleichen und komplexe Informationen zu verbinden.
  • Weiterführend: Präfix- und Suffixmuster — ordnet Nominalendungen in die umfassendere Māori-Wortbildung ein und behandelt weitere produktive Muster.

Voraussetzung

Relativsätze im MāoriB1

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