B2

Ungarische Verbklassen und ihre Konjugation

Igeragozási Típusok

Dieser Artikel ist Teil des Ungarisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Einige häufige ungarische Verben hängen ihre Endungen nicht einfach an einen unveränderten Stamm. Bei ik-Verben wie eszik und iszik, sz-Verben wie vesz und tesz sowie Verben mit einem v-Stamm wie jön → jöv- muss man mehrere Stammformen kennen. Die Personalendung, die bestimmte oder unbestimmte Konjugation und teilweise auch Zeit oder Modus entscheiden darüber, welche Form erscheint.

Überblick

Ungarische Verben zeigen durch ihre Endung meist schon, wer handelt. Zusätzlich unterscheidet die Sprache häufig zwischen der unbestimmten Konjugation (alanyi ragozás) und der bestimmten Konjugation (tárgyas ragozás). Vereinfacht gesagt steht die unbestimmte Form ohne bestimmtes direktes Objekt oder bei einem unbestimmten Objekt; die bestimmte Form steht, wenn das direkte Objekt — also die Person oder Sache, auf die die Handlung unmittelbar zielt — eindeutig bestimmt ist. So heißt es veszel egy könyvet „du kaufst ein Buch“, aber veszed a könyvet „du kaufst das Buch“.

Auf B2-Niveau reicht es nicht mehr, jedes Verb nach einem einzigen regelmäßigen Schema zu behandeln. Besonders alltägliche Verben wie eszik „essen“, iszik „trinken“, vesz „nehmen; kaufen“, tesz „tun; stellen/legen“ und jön „kommen“ wechseln ihren Stamm oder verwenden unerwartete Endungen. Diese Muster sind nicht zufällig, aber sie sind auch nicht vollständig aus dem Infinitiv vorhersagbar.

Für deutschsprachige Lernende fühlt sich das zunächst ähnlich wie nehmen – du nimmst – genommen an: Ein häufiges Verb verändert seinen Stamm. Im Ungarischen verteilt sich dieser Wechsel jedoch anders. Nicht nur Person und Zeitform spielen eine Rolle, sondern auch die Bestimmtheit des Objekts. Deshalb lernt man ein solches Verb am besten nicht als einzelnes Wort, sondern als kleines Formenpaket.

So funktioniert es

Drei Entscheidungen bei jeder Verbform

Bevor du eine Endung wählst, prüfe drei Dinge:

  1. Person und Zahl: Wer handelt — ich, du, er/sie, wir, ihr oder sie?
  2. Objekttyp: Braucht der Satz die unbestimmte oder die bestimmte Konjugation?
  3. Stammklasse: Bleibt der Verbstamm gleich, oder gehört das Verb zu einem wechselnden Muster?

Der Stamm ist der Teil des Verbs, an den eine Endung tritt. Bei einem regelmäßigen Verb ist er meist leicht zu erkennen. Bei den hier behandelten Verben gibt es dagegen mehrere Stämme, etwa vesz-, ve- und vegy- in vesz, venni und vegyél.

Auch die Vokalharmonie wirkt weiter: Die Vokale im Wort bestimmen, welche Variante einer Endung verwendet wird. Daher stehen zum Beispiel -om in iszom, aber -em in eszem und -ök in jövök.

ik-Verben: Die Endung -ik ist nur ein Hinweis

Ein ik-Verb endet in der dritten Person Singular des Präsens auf -ik: eszik „er/sie isst“, iszik „er/sie trinkt“, alszik „er/sie schläft“, dolgozik „er/sie arbeitet“. Historisch besaßen diese Verben eine eigene Konjugation. Im heutigen Ungarisch ist diese Klasse jedoch nicht mehr völlig einheitlich. Das sichtbare -ik verrät deshalb nicht automatisch alle übrigen Formen.

Bei den sehr häufigen Verben eszik und iszik sollte man die folgenden unbestimmten Präsensformen als Ganzes lernen:

Person eszik „essen“ iszik „trinken“
én eszem iszom
te eszel iszol
ő eszik iszik
mi eszünk iszunk
ti esztek isztok
ők esznek isznak

Auffällig ist vor allem die erste Person Singular auf -m: eszem, iszom. Bei vielen anderen Verben erwartet man in der unbestimmten Konjugation eine k-Endung, etwa olvasok „ich lese“. In der gesprochenen Sprache hört man auch eszek und iszok; auf den Unterschied im Register geht der Abschnitt „Hinweise zum Gebrauch“ genauer ein.

Mit einem bestimmten Objekt gelten die Formen der bestimmten Konjugation:

Person eszik „essen“ iszik „trinken“
én eszem iszom
te eszed iszod
ő eszi issza
mi esszük isszuk
ti eszitek isszátok
ők eszik isszák

Manche Formen fallen zusammen. Eszem kann je nach Kontext „ich esse“ oder „ich esse es/das …“ bedeuten. Umgekehrt unterscheidet die zweite Person klar: eszel egy almát „du isst einen Apfel“, aber eszed az almát „du isst den Apfel“.

sz-Verben: vesz, tesz, visz, hisz, lesz

Zur sz-Gruppe gehören mehrere sehr häufige Verben: vesz „nehmen; kaufen“, tesz „tun; stellen/legen“, visz „bringen; tragen“, hisz „glauben“ und lesz „werden; sein werden“. Das sz gehört in vielen Präsensformen zum Stamm. Vor anderen Endungen erscheint aber ein kürzerer oder veränderter Stamm: venni „nehmen/kaufen“, vett „nahm/kaufte“, vegyél! „nimm/kauf!“.

Die unbestimmte Konjugation von vesz zeigt das Grundmuster:

Person Form Bedeutung
én veszek ich nehme/kaufe
te veszel du nimmst/kaufst
ő vesz er/sie nimmt/kauft
mi veszünk wir nehmen/kaufen
ti vesztek ihr nehmt/kauft
ők vesznek sie nehmen/kaufen

Die anderen sz-Verben verhalten sich im Präsens weitgehend parallel: teszek – teszel – tesz, viszek – viszel – visz, hiszek – hiszel – hisz und leszek – leszel – lesz. Die deutsche Übersetzung kann dabei je nach Zusammenhang wechseln. Vesz bedeutet beim Einkaufen meist „kaufen“, sonst oft „nehmen“; tesz kann „tun“, „stellen“ oder „legen“ heißen.

Bei transitiven Verben — Verben, die ein direktes Objekt haben können — kommt die bestimmte Reihe hinzu. Der Vergleich mit vesz macht den Unterschied sichtbar:

Person Unbestimmt Bestimmt
én veszek veszem
te veszel veszed
ő vesz veszi
mi veszünk vesszük
ti vesztek veszitek
ők vesznek veszik

Beachte vesszük mit Doppel-sz. Entsprechend heißen die Formen tesszük, hisszük, visszük. Lesz ist normalerweise nicht transitiv und hat daher im gewöhnlichen Gebrauch keine entsprechende bestimmte Reihe.

Das v-Muster bei jön

Das Verb jön „kommen“ zeigt vor manchen Endungen einen Stamm mit v: jövök, jövünk. In anderen Formen bleibt jön- erhalten oder es erscheint ein weiterer Stamm. Seine unbestimmten Präsensformen lauten:

Person Form Bedeutung
én jövök ich komme
te jössz du kommst
ő jön er/sie kommt
mi jövünk wir kommen
ti jöttök ihr kommt
ők jönnek sie kommen

Die Formen jössz und jöttök darf man nicht mechanisch aus jöv- bilden. Da „kommen“ kein direktes Objekt nimmt, wird jön nur unbestimmt konjugiert. Ein Satz wie „ich komme es“ ist auch im Deutschen nicht möglich; genau deshalb gibt es hier keine praktische bestimmte Gegenreihe.

Ein Verb, mehrere Stämme

Die Unterschiede werden außerhalb des Präsens noch deutlicher. Der Infinitiv ist die Grundform auf „-ni“, die etwa dem deutschen essen oder kommen entspricht. Der Imperativ ist die Aufforderungsform, zum Beispiel „Iss!“ oder „Komm!“. Die folgende Übersicht ist nicht als vollständige Konjugation gedacht, sondern als Lernkarte für die wichtigsten Stammwechsel:

Präsens, 3. Person Singular Infinitiv Vergangenheit, 3. Person Singular Aufforderung an eine Person
eszik enni evett egyél!
iszik inni ivott igyál!
tesz tenni tett tegyél!
vesz venni vett vegyél!
hisz hinni hitt higgyél!
visz vinni vitt vigyél!
lesz lenni lett legyél!
jön jönni jött jöjj!

Gerade hier führt die deutsche Gewohnheit „Infinitiv merken, Endung anhängen“ nicht weit genug. Aus venni lässt sich vesz ebenso wenig regelmäßig ableiten wie aus jön die Form jövök. Für die aktive Verwendung solltest du deshalb mindestens Präsens, Infinitiv, Vergangenheit und Aufforderungsstamm gemeinsam speichern.

Beispiele im Kontext

Ungarisch Deutsch Hinweis
Reggel hétkor eszem. Morgens esse ich um sieben. eszik, unbestimmt; kein genanntes Objekt
Te eszel húst? Isst du Fleisch? unbestimmtes, nicht einzeln bestimmtes Objekt
Eszed a levest, vagy már nem kéred? Isst du die Suppe, oder möchtest du sie nicht mehr? bestimmtes Objekt: a levest
Ebédhez vizet iszom. Zum Mittagessen trinke ich Wasser. iszik, erste Person Singular
Megiszod a kávét? Trinkst du den Kaffee aus? bestimmtes Objekt; meg- betont den Abschluss
Veszek egy jegyet Budapestre. Ich kaufe eine Fahrkarte nach Budapest. unbestimmtes Objekt: egy jegyet
Te veszed a kenyeret, én pedig a sajtot. Du kaufst das Brot, ich dagegen den Käse. bestimmtes Objekt: a kenyeret
Minden reggel beveszi a gyógyszert. Jeden Morgen nimmt er/sie das Medikament ein. bevesz behält das sz-Muster
Mit teszel a táskádba? Was legst du in deine Tasche? Fragewort mit verlangt hier die unbestimmte Form
Az asztalra teszem a kulcsot. Ich lege den Schlüssel auf den Tisch. bestimmtes Objekt: a kulcsot
Nem hiszek ennek a történetnek. Ich glaube dieser Geschichte nicht. hisz mit einer Ergänzung auf -nek
Holnap korán jövök. Morgen komme ich früh. v-Stamm in jövök
Mikor jöttök vissza? Wann kommt ihr zurück? besondere Form der zweiten Person Plural
A vendégek hatkor jönnek. Die Gäste kommen um sechs. Stamm jön- vor -nek
Ha kész lesz, szólok. Wenn es fertig ist, sage ich Bescheid. lesz bezeichnet hier einen künftigen Zustand

Häufige Fehler

Das -ik in jeder Person stehen lassen

  • Falsch: én eszik, te iszik
  • Richtig: én eszem, te iszol
  • Warum: -ik kennzeichnet hier nur die dritte Person Singular. Die anderen Personen haben eigene Formen.

Bei einem bestimmten Objekt die unbestimmte Form verwenden

  • Falsch: Te veszel a jegyet.
  • Richtig: Te veszed a jegyet.
  • Warum: A jegyet „die Fahrkarte“ ist eindeutig bestimmt. Deshalb braucht vesz die bestimmte Konjugation. Bei egy jegyet „eine Fahrkarte“ wäre veszel richtig.

jövök auf alle Personen übertragen

  • Falsch: te jövsz, ti jövtök
  • Richtig: te jössz, ti jöttök
  • Warum: Jön besitzt mehrere Stammvarianten. Der v-Stamm erscheint zwar in jövök und jövünk, aber nicht unverändert im ganzen Paradigma.

Den Infinitiv als unveränderlichen Stamm behandeln

  • Falsch: aus venni Formen wie venek oder vensz bilden
  • Richtig: veszek, veszel, vesz
  • Warum: Bei sz-Verben zeigt der Infinitiv einen anderen Stamm als viele Präsensformen. Lerne vesz – venni – vett – vegyél als zusammengehörige Reihe.

Die Verdopplung in der bestimmten Wir-Form vergessen

  • Falsch: veszük a kenyeret, viszük a csomagot
  • Richtig: vesszük a kenyeret, visszük a csomagot
  • Warum: Beim Zusammentreffen des Stamms mit der bestimmten Endung entstehen die geschriebenen Doppelkonsonanten ssz: vesszük, tesszük, hisszük, visszük.

Deutsche Personalpronomen immer ausdrücklich setzen

  • Unnatürlich ohne besonderen Kontrast: Én jövök holnap. Én veszek kenyeret.
  • Neutral: Holnap jövök. Kenyeret veszek.
  • Warum: Die ungarische Verbendung zeigt die Person bereits. Én ist richtig, wenn „ich und nicht jemand anderes“ hervorgehoben werden soll; als dauernde Übersetzung des deutschen „ich“ wirkt es unnötig betont.

Hinweise zum Gebrauch

Die traditionelle ik-Konjugation ist im heutigen Sprachgebrauch teilweise im Wandel. Besonders eszek und iszok sind in spontaner Alltagssprache weit verbreitet. In sorgfältiger Standardsprache und in neutralen schriftlichen Texten sind eszem und iszom weiterhin die sichere Wahl. Wichtig ist außerdem: Bei einem bestimmten Objekt bleibt die m-Form notwendig. Iszom a kávét ist standardsprachlich korrekt; iszok a kávét vermischt die unbestimmte Form mit einem bestimmten Objekt.

Nicht jedes Verb auf -ik verhält sich genauso wie eszik oder iszik. Viele produktive Verben auf -zik oder -ozik/-ezik/-özik folgen im modernen Gebrauch weitgehend den allgemeinen Mustern, und bei manchen schwankt die erste Person. Die Wörterbuchform mit -ik ist daher eine nützliche Warnlampe, aber keine vollständige Bauanleitung. Prüfe bei neuen, häufigen ik-Verben mindestens die erste und zweite Person Singular.

Vorsilben verändern die Stammklasse normalerweise nicht. Aus vesz entstehen etwa megvesz „kaufen“, bevesz „einnehmen“ und felvesz „aufnehmen; anziehen“; sie konjugieren weiterhin megveszem, beveszed, felvesszük. Ebenso bleiben die Wechsel in megeszik und megiszik erhalten. Die Vorsilbe kann sich in Fragen, Verneinungen und bei Betonung vom Verb lösen, doch die innere Konjugation bleibt dieselbe: Nem veszem meg. „Ich kaufe es nicht.“

Für Fortgeschrittene

Die Bezeichnungen ik-, sz- und v-Verben sind Lernhilfen für Stammalternationen, also den geregelten Wechsel zwischen mehreren Stämmen desselben Verbs. Sie bedeuten nicht, dass jedes Mitglied einer Gruppe in jeder Zeitform vollkommen identisch reagiert. Besonders die Aufforderungsformen zeigen weitere Wechsel: eszik → egyél, iszik → igyál, vesz → vegyél, hisz → higgyél. Auch die Vergangenheitsformen evett, ivott, vett, hitt, vitt, lett, jött müssen lexikalisch gelernt werden.

Bei der bestimmten Konjugation entstehen außerdem Formen, die oberflächlich wie ik-Formen aussehen. Veszik kann „sie nehmen es“ bedeuten: Es ist dann die dritte Person Plural der bestimmten Konjugation von vesz, nicht die Wörterbuchform eines ik-Verbs. Ebenso bedeutet eszik je nach Satz entweder „er/sie isst“ oder „sie essen es“. Das Subjekt und das Objekt im Satz lösen die Mehrdeutigkeit:

  • Péter eszik. — „Péter isst.“
  • A gyerekek eszik a levest. — „Die Kinder essen die Suppe.“

Ein weiterer fortgeschrittener Punkt ist das spezielle Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt. Bei én als Subjekt und téged/titeket „dich/euch“ als Objekt verwendet Ungarisch die besondere Endung -lak/-lek: Szeretlek „Ich liebe dich“, viszlek „Ich bringe dich“. Diese Form gehört zum größeren System der Objektkonjugation; am wechselnden Stamm des Verbs ändert sie nichts.

Für ein belastbares Formenwissen lohnt sich daher eine Stammkarte mit vier Spalten: Präsens, Infinitiv, Vergangenheit und Aufforderung. Dieses Verfahren bildet die ungarische Wirklichkeit besser ab als die Suche nach einer einzigen „unregelmäßigen Endung“.

Übungstipps

  1. Lerne Kontrastpaare mit Objekten. Bilde zu jedem sz-Verb zwei Sätze: Veszek egy könyvet und Veszem a könyvet. So übst du Stammklasse und Objektkonjugation gleichzeitig.
  2. Sprich vollständige Personenreihen rhythmisch. Wiederhole etwa jövök – jössz – jön – jövünk – jöttök – jönnek. Gerade bei jön verhindert der Rhythmus analoge, aber falsche Formen wie jövtök.
  3. Führe eine Stammkartei. Notiere vorn vesz und hinten veszek – venni – vett – vegyél. Ergänze einen natürlichen Beispielsatz, statt nur isolierte Endungen auswendig zu lernen.

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