B1

Infinitiv oder Gerundium im Englischen

Infinitive vs Gerund

Dieser Artikel ist Teil des Englisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Nach manchen englischen Verben steht der Infinitiv mit to (want to leave), nach anderen das Gerundium auf -ing (enjoy reading). Nach einer Präposition folgt grundsätzlich die -ing-Form (interested in learning). Einige Verben erlauben beide Formen, doch manchmal ändert sich dadurch die Bedeutung: stop smoking heißt „mit dem Rauchen aufhören“, stop to smoke dagegen „anhalten, um zu rauchen“.

Überblick

Wenn im Englischen zwei Tätigkeiten aufeinandertreffen, muss man entscheiden, welche Form das zweite Verb bekommt. Es kann als Infinitiv erscheinen (die Grundform des Verbs, hier meist mit to: to learn) oder als Gerundium (eine Verbform auf -ing, die im Satz ähnlich wie ein Substantiv verwendet wird: learning). Gerade für Deutschsprachige ist die Wahl nicht immer selbstverständlich. Ein deutscher Infinitiv mit zu entspricht nicht automatisch einem englischen Infinitiv mit to.

Das Thema gehört zum Niveau B1, begegnet dir aber schon früh in alltäglichen Sätzen: I want to go, I like cooking oder Thank you for helping. Wichtig ist, nicht nach einer einzigen deutschen Übersetzung zu suchen, sondern das erste Verb zusammen mit seinem typischen Anschluss zu lernen. So wird aus enjoy von Anfang an das Muster enjoy doing something.

Die Form auf -ing kann auch ein Partizip sein (eine Verbform, die etwa in einer Verlaufsform vorkommt): In She is reading gehört reading zum Present Continuous. In diesem Artikel geht es dagegen vor allem um das Gerundium, also um Fälle wie Reading helps me relax oder She enjoys reading.

So funktioniert es

1. Infinitiv mit to

Viele Verben, die einen Wunsch, einen Plan, eine Entscheidung oder ein Ziel ausdrücken, verlangen to + Grundform.

Typische Verben Muster Beispiel
want, would like, hope, wish Verb + to do We hope to see you soon.
decide, choose, plan, arrange Verb + to do She decided to stay.
promise, agree, offer, refuse Verb + to do He offered to help.
learn, manage, fail, afford Verb + to do I managed to finish on time.
expect, seem, appear, pretend Verb + to do They seem to understand.

Der Infinitiv kann außerdem einen Zweck nennen. Dann entspricht to oft dem deutschen „um … zu“:

  • I went outside to make a phone call. – Ich ging nach draußen, um zu telefonieren.
  • She saved money to buy a laptop. – Sie sparte Geld, um einen Laptop zu kaufen.

Steht zwischen den beiden Verben eine Person oder Sache als Objekt (die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet), verwenden viele Verben das Muster Verb + Objekt + to-Infinitiv:

  • They asked me to wait. – Sie baten mich zu warten.
  • I want you to be honest. – Ich möchte, dass du ehrlich bist.
  • The doctor advised him to rest. – Der Arzt riet ihm, sich auszuruhen.

Typisch sind hier unter anderem ask, tell, want, expect, allow, advise, invite, remind und encourage. Nicht jedes Verb funktioniert jedoch so: Nach suggest sagt man normalerweise suggest doing something oder suggest that someone do something, nicht suggest someone to do something.

2. Gerundium auf -ing

Andere Verben werden typischerweise von der -ing-Form gefolgt. Häufig geht es um Erfahrungen, Vorlieben, das Vermeiden oder Beenden einer Tätigkeit.

Bedeutungsgruppe Typische Verben Beispiel
mögen oder nicht mögen enjoy, dislike, mind, miss Do you mind opening the window?
vermeiden oder riskieren avoid, risk, resist He avoided answering the question.
erwägen oder vorstellen consider, imagine, suggest We considered moving abroad.
beginnen, fortsetzen, beenden start, keep, continue, finish, give up Please keep talking.
eingestehen oder bestreiten admit, deny She denied taking the money.
üben oder hinauszögern practise, postpone, delay They postponed making a decision.

Im Deutschen wird dieselbe Aussage oft ganz anders gebaut. I enjoy playing tennis bedeutet natürlich „Ich spiele gern Tennis“ und nicht wörtlich „Ich genieße Tennis zu spielen“. Gerade deshalb lohnt es sich, die englische Verbindung enjoy + -ing als Einheit zu speichern.

Das Gerundium kann auch selbst die Rolle eines Substantivs übernehmen:

  • Walking is good for you.Spazierengehen ist gesund.
  • Her favourite activity is painting. – Ihre Lieblingsbeschäftigung ist Malen.

3. Nach Präpositionen: -ing

Folgt ein Verb auf eine Präposition (ein Verhältniswort wie in, at, for, without oder after), steht es in der -ing-Form. Das gilt nach einzelnen Präpositionen ebenso wie in festen Verbindungen.

Struktur Beispiel Deutsche Entsprechung
Präposition + -ing before leaving vor dem Weggehen / bevor man geht
Adjektiv + Präposition + -ing good at explaining gut im Erklären
Verb + Präposition + -ing think about changing über eine Änderung nachdenken
Substantiv + Präposition + -ing a reason for staying ein Grund zu bleiben

Beispiele sind interested in learning, afraid of flying, thank you for coming, without saying anything und by working together. Im Deutschen kann nach einer Präposition ein substantivierter Infinitiv oder ein ganzer Nebensatz stehen. Im Englischen bleibt die Kernregel einfach: Präposition + Verb ergibt die -ing-Form.

Besondere Aufmerksamkeit verdient to. Es kann entweder Infinitivmarker oder Präposition sein:

  • I want to leave. – Hier markiert to den Infinitiv.
  • I look forward to seeing you. – Hier gehört to zur festen Verbindung look forward to und ist eine Präposition.
  • She is used to working late. – Hier bedeutet be used to „an etwas gewöhnt sein“.

Weitere Verbindungen mit präpositionalem to sind object to, admit to und get used to. Nach ihnen folgt deshalb -ing.

4. Beide Formen ohne großen Bedeutungsunterschied

Nach begin, start und continue sind häufig beide Formen möglich:

  • It started to rain. / It started raining.
  • She continued to work. / She continued working.

Oft ist der Bedeutungsunterschied gering. Bei Verlaufsformen vermeidet man jedoch gern zwei aufeinanderfolgende -ing-Formen: It was beginning to rain klingt meist leichter als It was beginning raining.

Auch like, love, hate und prefer können beide Formen annehmen. Die -ing-Form bezeichnet häufig die Tätigkeit allgemein: I like cooking. Der Infinitiv kann eher eine Gewohnheit, bewusste Entscheidung oder passende Handlung hervorheben: I like to check my email before breakfast. Diese Tendenz ist keine starre Regel; Kontext und regionale Gewohnheiten spielen mit.

Beispiele im Kontext

Englisch Deutsch Hinweis
I want to learn English. Ich möchte Englisch lernen. want + Infinitiv
We decided to take the earlier train. Wir beschlossen, den früheren Zug zu nehmen. Entscheidung
Maya offered to carry the bags. Maya bot an, die Taschen zu tragen. Angebot
I enjoy playing tennis after work. Ich spiele nach der Arbeit gern Tennis. enjoy + Gerundium
He avoided talking about money. Er vermied es, über Geld zu sprechen. avoid + Gerundium
Would you mind closing the door? Würdest du bitte die Tür schließen? höfliche Bitte mit mind
I stopped smoking three years ago. Ich habe vor drei Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Tätigkeit beendet
We stopped to buy some water. Wir hielten an, um Wasser zu kaufen. Pause für einen Zweck
I’m interested in learning more. Ich möchte gern mehr darüber lernen. nach interested in folgt -ing
She left without saying goodbye. Sie ging, ohne sich zu verabschieden. nach without
Thank you for helping me. Danke, dass du mir geholfen hast. nach for
I look forward to meeting your family. Ich freue mich darauf, deine Familie kennenzulernen. to ist eine Präposition
The teacher asked us to work in pairs. Die Lehrerin bat uns, zu zweit zu arbeiten. Objekt + Infinitiv
Try restarting the computer. Versuch einmal, den Computer neu zu starten. Methode ausprobieren
I remembered to lock the door. Ich dachte daran, die Tür abzuschließen. die nötige Handlung nicht vergessen

Häufige Fehler

Nach jedem Verb automatisch to setzen

  • Falsch: I enjoy to play tennis.
  • Richtig: I enjoy playing tennis.
  • Warum: Enjoy verlangt ein Gerundium. Das deutsche „gern spielen“ liefert keinen zuverlässigen Hinweis auf die englische Form.

Nach einer Präposition den Infinitiv verwenden

  • Falsch: She is interested in to learn Spanish.
  • Richtig: She is interested in learning Spanish.
  • Warum: Nach einer Präposition wie in steht ein folgendes Verb auf -ing.

Jedes to für einen Infinitivmarker halten

  • Falsch: I look forward to hear from you.
  • Richtig: I look forward to hearing from you.
  • Warum: In look forward to ist to eine Präposition. Deshalb folgt das Gerundium.

Bei stop die Bedeutung übersehen

  • Falsch für „Er hörte mit der Arbeit auf“: He stopped to work.
  • Richtig: He stopped working.
  • Warum: Stop doing beendet eine Tätigkeit. Stop to do bedeutet, dass man eine andere Tätigkeit unterbricht, um etwas zu tun.

Nach suggest ein Personenobjekt mit Infinitiv bilden

  • Falsch: She suggested me to take a taxi.
  • Richtig: She suggested taking a taxi. / She suggested that I take a taxi.
  • Warum: Suggest folgt nicht dem Muster tell someone to do something. Verwende ein Gerundium oder einen that-Satz.

Gerundium und Verlaufsform verwechseln

  • Falsch: I am enjoying to read this book.
  • Richtig: I am enjoying reading this book.
  • Warum: Am enjoying ist hier die Verlaufsform des ersten Verbs; reading bleibt das von enjoy verlangte Gerundium. Zwei -ing-Formen können also verschiedene Aufgaben haben.

Gebrauchshinweise

Im Alltag sind beide Strukturen sehr häufig. Die Wahl ist keine Frage von formell oder informell, sondern meist eine Eigenschaft des vorausgehenden Verbs oder der Konstruktion. Wörterbücher zeigen solche Muster oft mit Angaben wie verb + to-infinitive oder verb + -ing. Beim Nachschlagen sollte daher nicht nur die Bedeutung, sondern auch die Grammatikangabe beachtet werden.

Bei like, love, hate und prefer unterscheiden sich britischer und amerikanischer Sprachgebrauch teilweise in den Vorlieben für Infinitiv oder Gerundium. Sätze wie I like reading und I like to read before bed sind in beiden Varietäten normal. Statt eine absolute Bedeutungsregel anzunehmen, ist es sinnvoller, auf den jeweiligen Kontext zu achten.

Manche Verben können vor dem Gerundium ein Possessivwort tragen: I appreciate your helping me. Diese Form betont die Handlung und wirkt eher sorgfältig oder formell. In der Alltagssprache ist auch I appreciate you helping me sehr verbreitet. Für B1 reicht es, beide Varianten zu verstehen.

Für Fortgeschrittene: Formwechsel mit Bedeutungswechsel

Einige Verben stehen sowohl mit Infinitiv als auch mit Gerundium, aber die Form verändert die zeitliche Beziehung oder sogar die gesamte Aussage.

Verb Verb + -ing Verb + to-Infinitiv
remember Erinnerung an eine frühere Handlung: I remember meeting her. an eine noch nötige Handlung denken: Remember to call her.
forget eine vergangene Erfahrung vergessen; oft mit never: I’ll never forget seeing the sea. eine nötige Handlung versäumen: I forgot to call.
regret eine vergangene Handlung bedauern: I regret saying that. eine schlechte Nachricht formell ankündigen: We regret to inform you …
try eine Methode versuchsweise anwenden: Try adding more salt. sich bemühen: Try to stay calm.
mean etwas zur Folge haben: This means working late. beabsichtigen: I meant to reply.
go on dieselbe Tätigkeit fortsetzen: He went on talking. danach zu einer neuen Tätigkeit übergehen: He went on to discuss costs.

Auch need + -ing verdient Beachtung, besonders im britischen Englisch. The car needs washing bedeutet „Das Auto muss gewaschen werden“. Die Form hat hier eine passive Bedeutung und entspricht The car needs to be washed. Lernende sollten diese Konstruktion zunächst erkennen; für die eigene Verwendung ist needs to be washed oft leichter durchschaubar.

Daneben gibt es den Infinitiv ohne to, auch „bloßer Infinitiv“ genannt. Er steht unter anderem nach Modalverben (can swim, must leave) sowie nach let und make mit Objekt: Let me explain; They made us wait. In der Passivform kehrt to bei make zurück: We were made to wait. Diese Regeln gehören zum größeren Infinitivsystem, dürfen aber nicht mit den hier behandelten Mustern want to do und enjoy doing vermischt werden.

Übungstipps

  1. Lerne Verben mit ihrem Anschluss. Schreibe nicht nur avoid = vermeiden, sondern avoid doing something. Für Infinitivverben notierst du entsprechend decide to do something.
  2. Sortiere Beispielsätze in drei Gruppen. Sammle beim Lesen Beispiele für „Verb + Infinitiv“, „Verb + Gerundium“ und „Präposition + Gerundium“. Markiere besonders to, wenn es eine Präposition ist.
  3. Übe Bedeutungspaare in kleinen Situationen. Formuliere etwa zwei passende Mini-Szenen zu I stopped working und I stopped to work. Ein klarer Kontext prägt den Unterschied besser ein als eine isolierte Regel.

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