A1

Fragen im Griechischen bilden

Ερωτήσεις

Dieser Artikel ist Teil des Griechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Für eine griechische Ja-/Nein-Frage brauchst du kein besonderes Hilfsverb und normalerweise auch keine veränderte Wortstellung: Μιλάς ελληνικά; bedeutet je nach Sprachmelodie „Du sprichst Griechisch“ oder „Sprichst du Griechisch?“. Bei offenen Fragen steht meist ein Fragewort wie πού „wo“ oder γιατί „warum“ vorn. Im Schriftbild endet jede direkte Frage mit dem griechischen Fragezeichen ;.

Überblick

Fragen gehören zu den ersten Bausteinen auf Niveau A1: Du brauchst sie beim Kennenlernen, beim Einkaufen, auf Reisen und immer dann, wenn du etwas nicht verstanden hast. Das griechische System ist an einer Stelle einfacher als das deutsche. Ein Aussagesatz kann allein durch die Intonation (die Sprachmelodie) zu einer Ja-/Nein-Frage werden. Eine Umstellung von Verb und Subjekt wie in „Du wohnst hier“ gegenüber „Wohnst du hier?“ ist nicht erforderlich.

Für offene Fragen verwendet man Fragewörter. Besonders wichtig sind τι „was“, ποιος „wer/welcher“, πού „wo“, πότε „wann“, πώς „wie“ und γιατί „warum“. Das Fragewort steht häufig am Anfang; danach folgt im Wesentlichen ein gewöhnlicher griechischer Satz. Weil die Verbform oft schon erkennen lässt, wer handelt, wird das Subjektpronomen häufig weggelassen: Πού μένεις; heißt wörtlich ungefähr „Wo wohnst?“, auf Deutsch aber natürlich „Wo wohnst du?“.

Eine auffällige Besonderheit betrifft nur die Schreibung: Das Zeichen, das im Deutschen wie ein Semikolon aussieht, ist im Griechischen das Fragezeichen. Ein deutsches ? gehört daher nicht in einen griechischen Satz.

So funktioniert es

Ja-/Nein-Fragen: gleicher Satzbau, andere Sprachmelodie

Eine Ja-/Nein-Frage erwartet grundsätzlich eine Antwort wie ναι „ja“ oder όχι „nein“. Ihre Wörter können dieselben sein wie in der entsprechenden Aussage.

Griechisch Deutsch Hinweis
Μιλάς ελληνικά. Du sprichst Griechisch. Aussage, am Ende sinkende Sprachmelodie
Μιλάς ελληνικά; Sprichst du Griechisch? Frage, am Ende fragende Sprachmelodie
Η Μαρία δουλεύει σήμερα. Maria arbeitet heute. Aussage mit genanntem Subjekt
Η Μαρία δουλεύει σήμερα; Arbeitet Maria heute? Gleiche Wortfolge, aber als Frage gesprochen und geschrieben

Anders als im Deutschen rückt das Verb also nicht eigens an die erste Stelle. Auch ein zusätzliches Hilfsverb nach dem Muster von „tun“ wird nicht eingesetzt. Bei Μένεις εδώ; ist μένεις bereits die vollständige Verbform „du wohnst/bleibst“.

Das Subjekt kann erscheinen, wenn es neu, wichtig oder kontrastiert ist: Εσύ μιλάς ελληνικά; bedeutet etwa „Sprichst du Griechisch?“ Normalerweise reicht jedoch Μιλάς ελληνικά;. Die Endung zeigt hier bereits die zweite Person Singular, also „du“.

Auch verneinte Fragen werden wie verneinte Aussagen gebaut. Δεν steht vor dem Verb:

  • Δεν δουλεύεις σήμερα; – Arbeitest du heute nicht?
  • Δεν είναι εδώ; – Ist er/sie nicht hier?

Solche Fragen drücken oft Überraschung aus oder lassen erkennen, dass die fragende Person mit einer bestimmten Antwort gerechnet hat. Um Missverständnisse bei ναι und όχι zu vermeiden, ist eine vollständige Antwort hilfreich: Όχι, δεν δουλεύω. – „Nein, ich arbeite nicht.“

Die wichtigsten Fragewörter

Fragewort Bedeutung Typische Frage
τι was Τι κάνεις; – Was machst du? / Wie geht es dir?
ποιος, ποια, ποιο wer; welcher, welche, welches Ποιος είναι; – Wer ist das/er?
πού wo; wohin Πού πας; – Wohin gehst du?
πότε wann Πότε φεύγεις; – Wann fährst du ab?
πώς wie Πώς σε λένε; – Wie heißt du?
γιατί warum Γιατί γελάς; – Warum lachst du?

τι, πού, πότε, πώς und γιατί verändern ihre Form nicht. ποιος dagegen richtet sich nach Geschlecht und Zahl des gemeinten Nomens. Ein Nomen ist ein Wort für eine Person, Sache oder Idee, etwa „Frau“, „Bus“ oder „Problem“.

Form Verwendung Beispiel
ποιος männlich, Einzahl Ποιος άντρας; – Welcher Mann?
ποια weiblich, Einzahl Ποια γυναίκα; – Welche Frau?
ποιο sächlich, Einzahl Ποιο βιβλίο; – Welches Buch?
ποιοι männlich, Mehrzahl Ποιοι φίλοι; – Welche Freunde?
ποιες weiblich, Mehrzahl Ποιες μέρες; – Welche Tage?
ποια sächlich, Mehrzahl Ποια παιδιά; – Welche Kinder?

Wenn eine männliche Person das Objekt ist (die Person, auf die sich die Handlung richtet), steht häufig ποιον: Ποιον περιμένεις; – „Auf wen wartest du?“ Für den Einstieg genügt es, ποιος; als „wer?“ zu erkennen; die Formen werden mit den griechischen Fällen später systematischer.

Fragewort und Satzstellung

Das Fragewort steht in einer neutralen Frage meist am Anfang:

  • Πού μένεις; – Wo wohnst du?
  • Πότε αρχίζει η ταινία; – Wann beginnt der Film?
  • Γιατί μαθαίνεις ελληνικά; – Warum lernst du Griechisch?

Danach steht keine besondere „Frageform“ des Verbs. Man verwendet dieselbe Zeitform und dieselben Personalendungen wie in einer Aussage. In Πού μένεις; ist μένεις dieselbe Präsensform wie in Μένεις στην Αθήνα. – „Du wohnst in Athen.“

Andere Satzteile können vor dem Fragewort stehen, wenn sie als Thema hervorgehoben werden: Εσύ πού μένεις; – „Und du, wo wohnst du?“ oder Αύριο πού πας; – „Wohin gehst du morgen?“ Für eigene A1-Sätze ist die Reihenfolge „Fragewort + Verb + Ergänzungen“ jedoch ein verlässlicher Ausgangspunkt.

Zwei besonders nützliche Alltagsfragen

Πώς σε λένε; lässt sich nicht Wort für Wort mit „Wie heißt du?“ gleichsetzen. σε bedeutet hier „dich“, und λένε wörtlich „sie nennen“. Der natürliche deutsche Sinn ist trotzdem „Wie heißt du?“. Das kleine unbetonte Objektpronomen σε steht vor dem Verb.

Τι κάνεις; bedeutet wörtlich „Was machst du?“, wird bei einer Begrüßung aber sehr häufig im Sinn von „Wie geht es dir?“ verwendet. Der Zusammenhang entscheidet, welche Übersetzung passt.

Beispiele im Zusammenhang

Griechisch Deutsch Hinweis
Μιλάς ελληνικά; Sprichst du Griechisch? Ja-/Nein-Frage nur durch Sprachmelodie
Έχεις χρόνο; Hast du Zeit? Das Subjekt „du“ steckt in der Verbform
Είναι ανοιχτό το μουσείο; Ist das Museum geöffnet? Natürliches Muster mit dem Verb είναι
Η Άννα μένει εδώ; Wohnt Anna hier? Genanntes Subjekt, keine Umstellung nötig
Δεν πίνεις καφέ; Trinkst du keinen Kaffee? Verneinte Frage; kann Überraschung ausdrücken
Πού μένεις; Wo wohnst du? Frage nach einem Ort
Πού πας τώρα; Wohin gehst du jetzt? πού kann auch nach einem Ziel fragen
Πότε αρχίζει το μάθημα; Wann beginnt der Unterricht? Frage nach einem Zeitpunkt
Τι θέλεις; Was möchtest du? τι bleibt unverändert
Τι βιβλίο διαβάζεις; Welches/was für ein Buch liest du? τι steht direkt vor einem Nomen
Ποια είναι η Ελένη; Welche ist Eleni? Weibliche Form ποια
Ποιο λεωφορείο πάει στο κέντρο; Welcher Bus fährt ins Zentrum? Sächliche Form passend zu λεωφορείο
Πώς σε λένε; Wie heißt du? Feste, sehr häufige Kennenlernfrage
Γιατί μαθαίνεις ελληνικά; Warum lernst du Griechisch? Frage nach einem Grund
Εσύ πού δουλεύεις; Und du, wo arbeitest du? εσύ setzt einen Kontrast

Häufige Fehler

Das deutsche Fragezeichen verwenden

  • Falsch: Πού μένεις?
  • Richtig: Πού μένεις;
  • Warum: Eine direkte griechische Frage endet mit ;. Das Zeichen ? wird in der griechischen Standardschreibung nicht als Fragezeichen verwendet.

Die Akzente bei πού und πώς weglassen

  • Falsch: Που μένεις; / Πως σε λένε;
  • Richtig: Πού μένεις; / Πώς σε λένε;
  • Warum: Die Fragewörter πού und πώς tragen einen Akzent. Die unbetonten Wörter που und πως haben andere Funktionen, zum Beispiel in einem Relativ- oder Inhaltssatz.

Eine deutsche Verb-Subjekt-Umstellung erzwingen

  • Falsch: Κάνεις μιλάς ελληνικά;
  • Richtig: Μιλάς ελληνικά;
  • Warum: Griechisch benötigt weder ein zusätzliches Hilfsverb noch eine besondere Verbform. Aussage und Frage können dieselbe Wortfolge haben.

ποιος nicht anpassen

  • Falsch: Ποιος γυναίκα είναι η Μαρία;
  • Richtig: Ποια γυναίκα είναι η Μαρία;
  • Warum: γυναίκα ist weiblich, deshalb braucht man ποια, nicht das männliche ποιος.

Das Objektpronomen an die deutsche Stelle setzen

  • Falsch: Πώς λένε σε;
  • Richtig: Πώς σε λένε;
  • Warum: Das unbetonte σε „dich“ steht im normalen Aussagesatz und in dieser Frage vor der gebeugten Verbform.

Jedes Subjekt ausdrücklich nennen

  • Weniger natürlich ohne besonderen Kontrast: Εσύ πού μένεις;
  • Neutral: Πού μένεις;
  • Warum: εσύ ist nicht grammatisch falsch, betont aber „du“. Da μένεις die Person bereits zeigt, lässt man das Pronomen in einer neutralen Frage meist weg.

Hinweise zum Gebrauch

Bei der Aussprache ist die Sprachmelodie wichtig, aber sie folgt nicht in jeder Situation einer einzigen starren Kurve. Für den Anfang reicht es, Ja-/Nein-Fragen hörbar fragend zu sprechen und das letzte betonte Element nicht wie eine abgeschlossene Aussage absinken zu lassen. Fragen mit πού, πότε oder γιατί sind schon durch das Fragewort eindeutig; eine übertriebene Endhebung klingt daher nicht natürlicher.

In höflichen Situationen verwendet man häufig die zweite Person Plural als Anredeform. Μιλάτε γερμανικά; kann „Sprecht ihr Deutsch?“ oder höflich „Sprechen Sie Deutsch?“ bedeuten. Der Zusammenhang zeigt, ob eine Gruppe oder eine einzelne höflich angesprochene Person gemeint ist.

πού deckt sowohl deutsches „wo“ als auch „wohin“ ab. Das Verb liefert die entscheidende Information: Πού μένεις; fragt nach einem Ort, Πού πηγαίνεις; nach einem Ziel. Man sollte deshalb nicht für jedes deutsche Fragewort eine eigene griechische Form erwarten.

Eine einzelne Nachfrage kann sehr kurz sein. Γιατί; bedeutet schlicht „Warum?“, Πότε; „Wann?“ und Πού; „Wo/Wohin?“. Solche Einwortfragen sind im Gespräch völlig normal.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Muster musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die du früh in Gesprächen und Texten antreffen wirst.

Indirekte Fragen

Eine indirekte Frage ist eine Frage, die in einen größeren Satz eingebettet ist, etwa „Ich weiß nicht, wo er wohnt“. Die Fragewörter behalten im Griechischen ihren Akzent:

  • Δεν ξέρω πού μένει. – Ich weiß nicht, wo er/sie wohnt.
  • Θέλω να μάθω πότε φεύγει. – Ich möchte erfahren, wann er/sie abfährt.
  • Ξέρεις πώς τον λένε; – Weißt du, wie er heißt?

Der erste Satz ist insgesamt eine Aussage und endet deshalb mit einem Punkt. Der dritte Satz ist insgesamt eine direkte Ja-/Nein-Frage und endet mit dem griechischen Fragezeichen.

Weitere Frageausdrücke

Später kommen weitere sehr gebräuchliche Formen hinzu:

Ausdruck Bedeutung Beispiel
πόσο; wie viel?; wie sehr? Πόσο κοστίζει; – Wie viel kostet es?
πόσοι, πόσες, πόσα; wie viele? Πόσα άτομα; – Wie viele Personen?
μήπως etwa; vielleicht Μήπως έχεις νερό; – Hast du vielleicht Wasser?
έτσι δεν είναι; nicht wahr? Είναι εύκολο, έτσι δεν είναι; – Es ist einfach, nicht wahr?

μήπως macht eine Frage oft vorsichtiger oder signalisiert, dass eine Möglichkeit nur vermutet wird. Es entspricht nicht immer genau einem einzelnen deutschen Wort. έτσι δεν είναι; ist eine rückversichernde Nachfrage: Die sprechende Person erwartet eher Zustimmung.

Fokus durch flexible Wortstellung

Griechisch erlaubt mehr Spielraum in der Wortstellung als Deutsch. Dadurch kann ein bereits bekanntes Satzglied hervorgehoben werden: Το εισιτήριο πόσο κοστίζει; heißt sinngemäß „Und die Fahrkarte – wie viel kostet die?“ Diese Reihenfolge dient dem Fokus, also der Hervorhebung der gerade wichtigen Information. Für neutrale Anfängerfragen bleibt Πόσο κοστίζει το εισιτήριο; die einfachere Vorlage.

Tipps zum Üben

  1. Verwandle Aussagen mündlich in Fragen. Sprich Paare wie Μένεις εδώ. / Μένεις εδώ; und Η Μαρία δουλεύει. / Η Μαρία δουλεύει; Achte darauf, dass nur Sprachmelodie und Satzzeichen wechseln, nicht automatisch die Wortfolge.
  2. Baue eine persönliche Fragenliste. Formuliere mit jedem Kernwort eine Frage, die du tatsächlich stellen könntest: Πού μένεις; Πότε δουλεύεις; Τι διαβάζεις; Γιατί μαθαίνεις ελληνικά; Beantworte sie anschließend in einem vollständigen Satz.
  3. Lerne Frage und Antwort zusammen. Verbinde etwa Μιλάς ελληνικά; mit Ναι, μιλάω λίγο. So übst du zugleich die Personenformen des Präsens und gewöhnst dich daran, das Subjektpronomen wegzulassen.

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