A1

Feminine Substantive im Griechischen deklinieren

Κλίση Θηλυκών Ουσιαστικών

Dieser Artikel ist Teil des Griechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Feminine griechische Substantive erkennt man häufig am Artikel η und an einer Endung wie oder ; eine kleinere Gruppe endet auf -ος. Je nach Kasus (der Form, die die Aufgabe im Satz zeigt) und Zahl ändern sich Artikel und Endung: η γλώσσα – της γλώσσας – τη γλώσσα – οι γλώσσες – των γλωσσών – τις γλώσσες.

Überblick

Ein Substantiv ist ein Wort für Personen, Dinge, Orte oder Begriffe, zum Beispiel γυναίκα „Frau“, πόλη „Stadt“ oder τέχνη „Kunst“. Im Griechischen hat jedes Substantiv ein grammatisches Geschlecht. Bei femininen Substantiven gehört deshalb ein femininer Artikel dazu: im Nominativ Singular η, etwa η μέρα „der Tag“.

Die Deklination ist die Veränderung eines Substantivs nach Kasus und Zahl. Der Nominativ bezeichnet meist das Subjekt (wer oder was handelt), der Genitiv drückt häufig Zugehörigkeit oder Besitz aus, und der Akkusativ steht meist beim direkten Objekt (wen oder was die Handlung unmittelbar betrifft). Der Vokativ dient der direkten Anrede. Anders als im Deutschen verändert sich im Griechischen nicht nur der Artikel, sondern oft auch die Endung des Substantivs deutlich.

Dieses Thema gehört zu den Grundlagen auf A1. Für den Anfang reichen drei häufige Muster: Wörter auf , Wörter auf und feminine Wörter auf -ος. Wichtig ist, ein neues Substantiv immer zusammen mit seinem Artikel und möglichst auch mit einer Pluralform zu lernen. Das Geschlecht lässt sich nämlich nicht zuverlässig aus der deutschen Übersetzung ableiten: der Tag heißt η μέρα, ist im Griechischen also feminin.

So funktioniert die Deklination

Artikel und Aufgaben der Kasus

Die Artikel zeigen Geschlecht, Zahl und Kasus besonders klar. Der bestimmte Artikel entspricht je nach Zusammenhang deutschem „der“, „die“ oder „das“.

Kasus Singular Plural Typische Aufgabe
Nominativ η οι Subjekt: Wer oder was handelt?
Genitiv της των Zugehörigkeit, Besitz: wessen?
Akkusativ τη(ν) τις direktes Objekt, Ziel nach vielen Präpositionen
Vokativ direkte Anrede

Beim Vokativ steht kein Artikel. Bei den meisten femininen Substantiven auf und ist seine Form mit dem Akkusativ identisch: Μαρία! „Maria!“ oder Κυρία! „Gnädige Frau!“.

Das Grundmuster auf -α

Viele alltägliche feminine Substantive enden im Singular auf . Im Genitiv Singular kommt hinzu. Im Plural wird zu -ες; der Genitiv Plural endet gewöhnlich auf betontem -ών.

Kasus Singular: γλώσσα „Sprache“ Plural
Nominativ η γλώσσα οι γλώσσες
Genitiv της γλώσσας των γλωσσών
Akkusativ τη γλώσσα τις γλώσσες
Vokativ γλώσσα γλώσσες

Als Lernformel kann man sich merken: -α, -ας, -α / -ες, -ών, -ες. Dass der Akzent im Genitiv Plural häufig nach hinten wandert, sieht man an γλώσσα → γλωσσών und χώρα → χωρών. Der Akzent gehört zur Form und sollte mitgelernt werden.

Nicht jedes Wort auf bildet jede Form völlig mechanisch. Besonders wichtig ist η μέρα „der Tag“: Im heutigen Alltag sind η μέρα, της μέρας, τη μέρα, οι μέρες, τις μέρες üblich, aber der Genitiv Plural lautet των ημερών. Hier erscheint die längere Wortform ημερ-. Gerade deshalb sollte των ημερών als feste Form gelernt werden.

Das Grundmuster auf -η

Viele feminine Substantive auf verhalten sich ähnlich. Der Genitiv Singular endet auf -ης, Nominativ und Akkusativ Plural meist auf -ες, der Genitiv Plural auf betontem -ών.

Kasus Singular: τέχνη „Kunst“ Plural
Nominativ η τέχνη οι τέχνες
Genitiv της τέχνης των τεχνών
Akkusativ την τέχνη τις τέχνες
Vokativ τέχνη τέχνες

Die Lernformel lautet: -η, -ης, -η / -ες, -ών, -ες. Im Singular hört man den Unterschied zwischen Nominativ und Akkusativ oft nur am Artikel: η τέχνη gegenüber την τέχνη. Der Genitiv ist dagegen auch am Substantiv sichtbar: της τέχνης.

Feminine Substantive auf -ος

Die Endung -ος ist häufig maskulin, aber nicht immer. Wörter wie η οδός „Straße“, η είσοδος „Eingang“ und η μέθοδος „Methode“ sind feminin. Ihr Artikel bleibt feminin, während ihre Endungen dem verbreiteten Muster der Substantive auf -ος folgen.

Kasus Singular: οδός „Straße“ Plural
Nominativ η οδός οι οδοί
Genitiv της οδού των οδών
Akkusativ την οδό τις οδούς

Die Formen sind also -ος, -ου, -ο / -οι, -ων, -ους. Diese Gruppe enthält viele formellere oder aus der älteren Sprachstufe übernommene Wörter. Einige sind dennoch im Alltag sehr häufig, etwa auf Schildern: είσοδος „Eingang“ und έξοδος „Ausgang“.

Ein Wort erkennen und richtig bilden

Beim Bilden einer Form helfen drei Schritte:

  1. Geschlecht und Grundform feststellen: η γλώσσα, nicht nur γλώσσα lernen.
  2. Kasus und Zahl bestimmen: In Βλέπω τη γλώσσα ist „Sprache“ das direkte Objekt und steht im Akkusativ Singular.
  3. Artikel und Endung gemeinsam ändern: Aus η γλώσσα wird im Akkusativ Plural τις γλώσσες.

Das Deutsche verleitet dazu, vor allem auf den Artikel zu achten. Im Griechischen müssen jedoch beide Teile zusammenpassen. των γλώσσα ist deshalb nicht möglich: Zum Genitiv Plural των gehört hier die Form γλωσσών.

Beispiele im Zusammenhang

Griechisch Deutsch Hinweis
Η μέρα είναι όμορφη. Der Tag ist schön. η μέρα steht als Subjekt im Nominativ.
Το τέλος της μέρας είναι ήσυχο. Das Ende des Tages ist ruhig. της μέρας ist Genitiv Singular.
Θυμάμαι τη μέρα. Ich erinnere mich an den Tag. τη μέρα ist Akkusativ Singular.
Οι μέρες περνούν γρήγορα. Die Tage vergehen schnell. οι μέρες ist Nominativ Plural.
Η διάρκεια των ημερών αλλάζει. Die Länge der Tage verändert sich. Unregelmäßiger Genitiv Plural: των ημερών.
Η τέχνη μάς ενώνει. Die Kunst verbindet uns. η τέχνη ist das Subjekt.
Η ιστορία της τέχνης είναι ενδιαφέρουσα. Die Kunstgeschichte ist interessant. της τέχνης zeigt eine nähere Zugehörigkeit.
Μαθαίνω μια ξένη γλώσσα. Ich lerne eine Fremdsprache. γλώσσα steht nach dem Verb im Akkusativ.
Μιλάμε δύο γλώσσες. Wir sprechen zwei Sprachen. Nach δύο steht hier die Pluralform γλώσσες.
Ακούω τις γλώσσες της πόλης. Ich höre die Sprachen der Stadt. τις γλώσσες ist Akkusativ Plural; της πόλης Genitiv Singular.
Η οδός είναι κλειστή. Die Straße ist gesperrt. Feminin trotz der Endung -ος.
Το όνομα της οδού είναι παλιό. Der Name der Straße ist alt. Genitiv Singular auf -ου.
Βλέπω την είσοδο του μουσείου. Ich sehe den Eingang des Museums. την είσοδο ist ein femininer Akkusativ auf -ο.
Οι μέθοδοι είναι απλές. Die Methoden sind einfach. Nominativ Plural eines femininen Wortes auf -ος.

Häufige Fehler

Das deutsche Geschlecht übernehmen

  • Falsch: ο μέρα
  • Richtig: η μέρα
  • Warum: Das grammatische Geschlecht muss für jede Sprache eigens gelernt werden. Deutsch der Tag ist maskulin, griechisch η μέρα feminin.

Nur den Artikel verändern

  • Falsch: των γλώσσες
  • Richtig: των γλωσσών
  • Warum: Im Genitiv Plural ändern sich Artikel und Substantiv. Außerdem trägt -ών den Akzent.

Jedes Wort auf -ος für maskulin halten

  • Falsch: ο οδός
  • Richtig: η οδός
  • Warum: Die Endung ist nur ein Hinweis, keine sichere Geschlechtsangabe. Bei οδός, είσοδος, έξοδος und μέθοδος zeigt der feminine Artikel das Geschlecht.

Nominativ und Akkusativ beim Artikel verwechseln

  • Falsch: Βλέπω η γυναίκα.
  • Richtig: Βλέπω τη γυναίκα.
  • Warum: η γυναίκα wäre ein Subjekt im Nominativ. Nach βλέπω „ich sehe“ ist die Frau das direkte Objekt und steht im Akkusativ.

Den Akzent des Genitivs Plural stehen lassen

  • Falsch: των γλώσσων
  • Richtig: των γλωσσών
  • Warum: Bei diesem Muster ist die Endung -ών betont. Der geschriebene Akzent ist im Griechischen kein Schmuck, sondern Teil der korrekten Wortform.

Bei μέρα eine regelmäßige Form erzwingen

  • Falsch: των μερών in der Bedeutung „der Tage“
  • Richtig: των ημερών
  • Warum: Der Genitiv Plural von μέρα verwendet die längere Form ημερ-. των μερών kann zu einem anderen Wort gehören, nämlich μέρος „Teil“.

Hinweise zum Gebrauch

Vor femininen Substantiven steht im Akkusativ Singular την oder τη. Das Schluss-ν bleibt insbesondere vor einem Vokal und vor Lauten beziehungsweise Buchstabenfolgen wie κ, π, τ, ξ, ψ, μπ, ντ, γκ, τσ, τζ erhalten: την τέχνη, την πόλη, την ξέρω. Vor vielen anderen Konsonanten wird im normalen Sprachgebrauch meist τη geschrieben und gesprochen: τη μέρα, τη γλώσσα. In Texten begegnet einem allerdings auch häufiger ein durchgehend geschriebenes την. Beim Verstehen sind daher beide Varianten wichtig.

Der Akkusativ steht nicht nur beim direkten Objekt. Viele häufige Präpositionen verlangen ebenfalls den Akkusativ, zum Beispiel σε „in, zu, an“, με „mit“ und για „für“: στην πόλη „in der Stadt“, με τη φίλη „mit der Freundin“, για την τέχνη „für die Kunst“. Bei σε + την entsteht die zusammengezogene Form στην, bei σε + τις die Form στις.

Der Genitiv entspricht nicht immer Wort für Wort dem deutschen Genitiv. Im Alltag übersetzt man ihn oft mit einer Zusammensetzung oder mit „von“: η ιστορία της τέχνης kann „die Geschichte der Kunst“ oder natürlicher „die Kunstgeschichte“ heißen. Außerdem stehen unbetonte Possessivwörter nach dem Substantiv: η φίλη μου „meine Freundin“, wörtlich etwa „die Freundin von mir“.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Muster muss man auf A1 noch nicht vollständig beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in echten Texten früh auftauchen.

Wörter wie πόλη und ερώτηση

Nicht alle Substantive auf bilden den Plural einfach auf -ες. Eine wichtige Gruppe hat im Plural -εις und im Genitiv Plural -εων:

Kasus πόλη „Stadt“ ερώτηση „Frage“
Nominativ Singular η πόλη η ερώτηση
Genitiv Singular της πόλης της ερώτησης
Akkusativ Singular την πόλη την ερώτηση
Nominativ Plural οι πόλεις οι ερωτήσεις
Genitiv Plural των πόλεων των ερωτήσεων
Akkusativ Plural τις πόλεις τις ερωτήσεις

Dieses Muster ist besonders häufig bei Bildungen auf -ση, -ξη und -ψη, etwa η απόφαση – οι αποφάσεις „die Entscheidung – die Entscheidungen“. Es ist sinnvoller, η πόλη – οι πόλεις und η ερώτηση – οι ερωτήσεις als Formpaare zu lernen, statt sie in das einfache -η/-ες-Muster zu zwingen.

Weitere feminine Endungen

Einige häufige feminine Wörter enden auf -ου, zum Beispiel η αλεπού „Fuchs“. Sie bilden Formen wie της αλεπούς, οι αλεπούδες, των αλεπούδων. Daneben gibt es seltenere oder stärker gelehrte Muster. Für die praktische Wortschatzarbeit gilt deshalb: Artikel, Genitiv Singular und Nominativ Plural sind die zuverlässigsten Angaben in einem Wörterbuch.

Akzentverschiebung und gehobene Formen

Der Akzent kann sich bei der Deklination verschieben, besonders im Genitiv Plural: η θάλασσα – των θαλασσών, η τέχνη – των τεχνών. Bei gelehrten Wörtern auf -ος treten ebenfalls Akzentwechsel auf: η μέθοδος – της μεθόδου – των μεθόδων. Solche Wechsel folgen historischen und lautlichen Mustern, lassen sich aber für Lernende am sichersten zusammen mit dem jeweiligen Wort einprägen.

Manche Genitivformen wirken im Gespräch weniger häufig als in Verwaltungssprache, Nachrichten oder schriftlichen Beschreibungen. Das bedeutet nicht, dass sie falsch oder entbehrlich sind. Formen wie της οδού begegnen einem beispielsweise regelmäßig in Adressen und offiziellen Bezeichnungen.

Übungstipps

  1. Lerne kleine Formenpakete. Notiere nicht nur γλώσσα = Sprache, sondern η γλώσσα – της γλώσσας – οι γλώσσες – των γλωσσών. So werden Geschlecht, Stamm und Akzent gemeinsam gespeichert.
  2. Markiere die Satzaufgabe. Nimm einen kurzen Satz und frage: Wer handelt? Wessen? Wen oder was? Tausche dann Nominativ, Genitiv und Akkusativ aus: η τέχνη – της τέχνης – την τέχνη.
  3. Sortiere neue Wörter nach Pluralform. Lege Gruppen für -α/-ες, -η/-ες, -η/-εις und feminines -ος/-οι an. Sprich jede Form mit Artikel laut aus; der Artikel verhindert, dass η οδός versehentlich als maskulin gespeichert wird.

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