A1

Körper und Gesundheit auf Walisisch

Y Corff ac Iechyd

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Für „Ich bin krank“ sagt man Dw i'n sâl. Beschwerden werden je nach Ausdruck unterschiedlich gebaut: Mae pen tost gyda fi oder Mae gen i ben tost bedeutet „Ich habe Kopfschmerzen“, während bei Mae fy nghoes i'n brifo das schmerzende Körperteil selbst im Mittelpunkt steht. Krankheiten wie eine Erkältung stehen häufig mit der gebeugten Präposition ar: Mae annwyd arna i.

Überblick

Beim Sprechen über den Körper begegnen einem schon auf A1-Niveau mehrere sehr typische walisische Satzmuster. Manche ähneln dem Deutschen: Mae fy nghoes i'n brifo lässt sich fast direkt als „Mein Bein tut weh“ verstehen. Bei anderen hilft eine wörtliche Übertragung gerade nicht. Das Deutsche verwendet einfach „haben“, das Walisische drückt Besitz und viele Beschwerden dagegen mit gan/gen i oder gyda fi aus.

Wichtig sind außerdem die Anlautmutationen, also regelmäßige Veränderungen am ersten Laut eines Wortes. So wird coes „Bein“ nach fy „mein“ zu fy nghoes i. Diese Veränderung gehört zur Grammatik und nicht zu einem neuen Wort. Wer die Grundformen der Körperteile zusammen mit einer kurzen Aussage lernt, prägt sich Wortschatz und Satzbau zugleich ein.

Für den Anfang genügen drei Kernmuster: ein Zustand mit bod „sein“, ein schmerzendes Körperteil mit brifo „wehtun, schmerzen“ und eine Beschwerde mit gen i oder gyda fi. Die späteren Abschnitte zeigen zusätzlich, wie dieselben Muster für andere Personen, Fragen und regionale Varianten funktionieren.

So funktioniert es

Wichtige Körperteile

Körperwörter lernt man am besten nicht isoliert, sondern gleich mit ihrer Form nach fy. Fy löst die Nasalmutation aus; dabei ändern sich unter anderem p → mh, b → m und c → ngh. Vor st- gibt es hier keine sichtbare Veränderung.

Walisisch Deutsch Mit „mein“
pen Kopf fy mhen i
braich Arm fy mraich i
coes Bein fy nghoes i
stumog Magen, Bauch fy stumog i
cefn Rücken fy nghefn i
gwddf Hals, Kehle fy ngwddf i
llaw Hand fy llaw i
troed Fuß fy nhroed i

Das nachgestellte i in fy mhen i wiederholt die Person gewissermaßen zur Verdeutlichung. In der gesprochenen Sprache ist dieses Muster sehr üblich. Es bedeutet nicht ein zweites „ich“ und wird im Deutschen nicht eigens übersetzt.

Zustände mit bod: „krank sein“

Für einen allgemeinen Zustand verwendet man eine Form von bod „sein“ und yn vor dem Adjektiv, also vor dem Eigenschaftswort:

Person + Form von bod + yn + Zustand

  • Dw i'n sâl. – Ich bin krank.
  • Mae hi'n sâl. – Sie ist krank.
  • Dyn ni'n iawn. – Uns geht es gut.
  • Dw i ddim yn dda. – Mir geht es nicht gut.

'n ist nur die verkürzte Form von yn nach einem Vokal. In Dw i'n sâl darf sie daher nicht fehlen. Für das persönliche Befinden ist auch teimlo „sich fühlen“ nützlich: Dw i'n teimlo'n well heißt „Ich fühle mich besser“. Das zweite 'n verbindet teimlo mit gwell „besser“.

Ein Körperteil tut weh: yn brifo

Wenn ein bestimmtes Körperteil schmerzt, ist dieses Körperteil das Subjekt, also das Satzglied, über das etwas ausgesagt wird:

Mae + Körperteil mit Besitzer + yn brifo.

  • Mae fy mhen i'n brifo. – Mein Kopf tut weh.
  • Mae dy fraich di'n brifo. – Dein Arm tut weh.
  • Mae ei choes hi'n brifo. – Ihr Bein tut weh.

Nach mae folgt hier nicht die Person, sondern das Körperteil. Das entspricht dem deutschen „Mein Rücken tut weh“ besser als dem Satz „Ich habe Rückenschmerzen“. Brifo ist ein Verbalnomen, also die walisische Grundform eines Verbs; in diesem Muster bedeutet es „wehtun“ oder „schmerzen“.

Auch die Possessivformen verändern den Wortanfang. Dy „dein“ und ei „sein“ lösen die weiche Mutation aus; ei „ihr“ löst bei p, t, c die Hauchmutation aus. Deshalb stehen nebeneinander:

Walisische Form Deutsch Veränderung
fy nghoes i mein Bein c → ngh
dy goes di dein Bein c → g
ei goes e sein Bein c → g
ei choes hi ihr Bein c → ch

Für erste Gespräche reicht es, fy nghoes i und einige weitere häufige Formen als ganze Einheiten zu lernen. Die Tabelle erklärt, warum die Schreibweisen verschieden sind.

Eine Beschwerde „haben“: gen i und gyda fi

Walisisch besitzt kein direktes Alltagsmuster, das genau wie deutsches „ich habe“ aufgebaut ist. Stattdessen sind zwei regionale Konstruktionen gebräuchlich:

  • Mae gen i ben tost. – Ich habe Kopfschmerzen. Besonders im Norden üblich.
  • Mae pen tost gyda fi. – Ich habe Kopfschmerzen. Besonders im Süden üblich.

Pen tost bedeutet wörtlich etwa „schmerzender Kopf“. Bei gen i steht die Beschwerde danach; ihr erster Laut kann weich mutieren, hier pen → ben. Bei gyda fi kann die Beschwerde wie im vorgegebenen Beispiel vor der Präpositionalgruppe stehen. Lernende sollten eine Variante aktiv verwenden, die andere aber von Anfang an erkennen.

Dasselbe Besitzmuster lässt sich auch mit poen „Schmerz“ verwenden: Mae gen i boen yn fy stumog – „Ich habe Schmerzen im Bauch.“ Für eine genaue Stelle ist yn „in“ nützlich.

Erkältung und ähnliche Beschwerden mit ar

Einige Krankheiten und Symptome werden so ausgedrückt, als lägen sie „auf“ einer Person. Dafür verwendet man ar in einer zur Person passenden Form. Eine gebeugte Präposition trägt die Person bereits in ihrer Form:

Form mit ar Deutsch Beispiel
arna i auf mir, bei mir Mae annwyd arna i. – Ich bin erkältet.
arnat ti auf dir, bei dir Mae annwyd arnat ti. – Du bist erkältet.
arno fe / arno fo auf ihm, bei ihm Mae'r ffliw arno fe. – Er hat Grippe.
arni hi auf ihr, bei ihr Mae annwyd arni hi. – Sie ist erkältet.
arnon ni auf uns, bei uns Mae annwyd arnon ni. – Wir sind erkältet.
arnoch chi auf Ihnen/euch Mae annwyd arnoch chi. – Sie sind/ihr seid erkältet.
arnyn nhw auf ihnen, bei ihnen Mae'r ffliw arnyn nhw. – Sie haben Grippe.

Man sollte diese Wendungen nicht Wort für Wort ins Deutsche übertragen. Mae annwyd arni hi ist idiomatisch „Sie ist erkältet“ oder „Sie hat eine Erkältung“, nicht „Eine Erkältung ist auf ihr“.

Nach Beschwerden fragen

Für ein einfaches Gespräch sind drei Fragetypen besonders nützlich:

  • Wyt ti'n iawn? – Geht es dir gut?
  • Beth sy'n bod? – Was ist los?
  • Ydy dy ben di'n brifo? – Tut dein Kopf weh?

Bei einer Ja-Nein-Frage wird mae zu ydy: Aus Mae dy ben di'n brifo wird Ydy dy ben di'n brifo? In vertrauter Anrede steht ti; chi kann mehrere Personen oder eine einzelne höflich angesprochene Person bezeichnen: Dych chi'n iawn?

Beispiele im Zusammenhang

Walisisch Deutsch Hinweis
Mae pen tost gyda fi. Ich habe Kopfschmerzen. Südliches Muster mit gyda fi
Mae gen i ben tost heddiw. Ich habe heute Kopfschmerzen. Nördliches Muster; pen → ben
Mae fy nghoes i'n brifo. Mein Bein tut weh. fy verursacht c → ngh
Mae fy mraich i'n brifo ar ôl y gwaith. Mein Arm tut nach der Arbeit weh. Ein bestimmtes Körperteil als Subjekt
Mae poen yn fy stumog i. Ich habe Schmerzen im Bauch. Wörtlich: „In meinem Bauch ist Schmerz“
Dw i'n sâl heddiw. Ich bin heute krank. Allgemeiner Zustand
Dw i ddim yn teimlo'n dda. Ich fühle mich nicht gut. Verneinung mit ddim
Wyt ti'n teimlo'n well nawr? Fühlst du dich jetzt besser? Frage nach einer Veränderung
Mae annwyd arni hi. Sie ist erkältet. ar in der Form für „sie“
Mae'r ffliw arno fe. Er hat Grippe. Südliches fe; im Norden oft fo
Ydy dy ben di'n brifo? Tut dein Kopf weh? Frage mit ydy
Nac ydy, ond mae fy ngwddf i'n brifo. Nein, aber mein Hals tut weh. Antwort auf eine ydy-Frage
Beth sy'n bod? Was ist los? Allgemeine Frage nach dem Problem
Mae hi'n iawn eto. Ihr geht es wieder gut. Genesung oder Entwarnung

Häufige Fehler

Deutsches „haben“ Wort für Wort nachbauen

  • Falsch: Dw i pen tost.
  • Richtig: Mae pen tost gyda fi. / Mae gen i ben tost.
  • Warum: Dw i bedeutet „ich bin“ und kann nicht allein als deutsches „ich habe“ dienen. Für diese Beschwerde braucht man das Besitzmuster mit gyda oder gan/gen.

yn vor dem Zustand oder dem Verbalnomen vergessen

  • Falsch: Dw i sâl. / Mae fy nghoes i brifo.
  • Richtig: Dw i'n sâl. / Mae fy nghoes i'n brifo.
  • Warum: Yn verbindet die Form von bod mit einem Zustand oder einem Verbalnomen. Nach i erscheint es verkürzt als 'n.

Die Grundform nach fy unverändert lassen

  • Falsch: fy coes i, fy pen i
  • Richtig: fy nghoes i, fy mhen i
  • Warum: Fy löst die Nasalmutation aus. Die Mutation ist auch dann nötig, wenn die deutsche Übersetzung nur „mein“ lautet.

Die Person statt des Körperteils zum Subjekt machen

  • Falsch: Dw i'n brifo fy nghoes für „Mein Bein tut weh“.
  • Richtig: Mae fy nghoes i'n brifo.
  • Warum: Im gemeinten Satz schmerzt das Bein; deshalb beginnt das Muster mit mae und dem Körperteil. Der falsche Satz kann eher so verstanden werden, dass man das Bein verletzt.

ar immer als räumliches „auf“ übersetzen

  • Falsch verstanden: Mae annwyd arni hi = „Eine Erkältung ist auf ihr.“
  • Richtig verstanden: Mae annwyd arni hi = „Sie ist erkältet.“
  • Warum: Präpositionen gehören oft zu festen Wendungen. Hier bezeichnet ar den betroffenen Menschen und wird im Deutschen nicht wörtlich wiedergegeben.

Hinweise zum Gebrauch

Gen i und die übrigen Formen von gan sind besonders mit Nordwalisisch verbunden, gyda fi besonders mit Südwalisisch. Beide Varianten sind korrekt und werden weithin verstanden. Auch Pronomen zeigen regionale Vorlieben: Für „er“ hört man im Süden häufig fe/e, im Norden fo/o. Es ist sinnvoll, beim eigenen Sprechen zunächst innerhalb einer regionalen Variante zu bleiben, ohne andere Formen als Fehler zu behandeln.

Sâl kann je nach Zusammenhang „krank“, „übel“ oder „unwohl“ bedeuten. Dw i ddim yn dda ist eine zurückhaltende Möglichkeit zu sagen, dass es einem nicht gut geht. Mae ... yn brifo benennt dagegen eine konkrete schmerzende Stelle. Im Deutschen kann man oft zwischen „Mein Arm tut weh“ und „Ich habe Armschmerzen“ wechseln; im Walisischen sollte man sich an eines der tatsächlich gebräuchlichen Satzmuster halten.

In medizinischen Situationen reichen A1-Sätze zur ersten Verständigung, ersetzen aber keine genaue Beschreibung. Zahlen, Zeitangaben und Stärkeausdrücke werden später wichtig. Für den Anfang sind klare kurze Angaben wie Mae fy stumog i'n brifo meist hilfreicher als ein komplizierter, unsicher gebauter Satz.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen, wird ihnen aber später begegnen. Die Präpositionen gan, gyda und ar besitzen für mehrere Personen eigene Formen. Darum wird aus gen i bei einer anderen Person nicht einfach gen hi: Es heißt zum Beispiel ganddi hi „bei ihr/sie hat“. Ebenso gehören arna i, arnat ti, arno fe und arni hi zu einem ganzen Formensystem gebeugter Präpositionen.

Auch der Bedeutungsunterschied zwischen einem Zustand, einem Symptom und einer Krankheit bleibt idiomatisch. Vergleiche:

  • Mae e'n sâl. – Er ist krank.
  • Mae ei ben e'n brifo. – Sein Kopf tut weh.
  • Mae annwyd arno fe. – Er ist erkältet.
  • Mae gen i boen yn fy nghefn. – Ich habe Rückenschmerzen.

Diese Sätze beschreiben ähnliche Situationen, sind aber grammatisch nicht austauschbar. Fortgeschrittene Lernende erweitern die Muster außerdem um Zeitformen: Roedd hi'n sâl bedeutet „Sie war krank“, Buodd hi'n sâl am fis hebt einen abgeschlossenen Zeitraum hervor. Der Kern bleibt derselbe; nur die Form von bod ändert sich.

Bei den Possessivformen lohnt sich später ein genauerer Blick auf den Gegensatz zwischen ei „sein“ und ei „ihr“. Das geschriebene Wort ist gleich, doch Mutation und nachgestelltes Pronomen unterscheiden die Bedeutung: ei goes e „sein Bein“, aber ei choes hi „ihr Bein“. Gerade hier übermittelt die Mutation Information, die im Deutschen durch das Possessivwort selbst ausgedrückt wird.

Übungstipps

  1. Lerne Dreiergruppen statt Einzelwörter. Notiere etwa coes – fy nghoes i – Mae fy nghoes i'n brifo. So werden Grundform, Mutation und vollständiger Satz gemeinsam abrufbar.
  2. Spiele kurze Gespräche durch. Frage Beth sy'n bod? und antworte abwechselnd mit Dw i'n sâl, Mae gen i ben tost oder Mae fy mraich i'n brifo. Tausche danach i gegen hi, fe/fo oder nhw aus.
  3. Entscheide dich aktiv für eine regionale Besitzform. Sprich fünf Beschwerden entweder mit gen i oder mit gyda fi, und übe die andere Form zunächst nur beim Hören und Lesen. Das verhindert ein zufälliges Mischen, ohne das Verständnis einzuschränken.

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