A1

Die -ám/-áš-Konjugation im Tschechischen

Konjugace -ám/-áš

Dieser Artikel ist Teil des Tschechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Bei Verben wie dělat „machen“ wird im Präsens der Infinitiv auf -at durch die Endungen -ám, -áš, -á, -áme, -áte, -ají ersetzt: dělám, děláš, dělá … Die Endung zeigt bereits, wer handelt; deshalb lässt man já, ty, my und andere Subjektpronomen meist weg.

Überblick

Die Konjugation ist die Veränderung eines Verbs je nach Person, also danach, ob „ich“, „du“, „wir“ oder jemand anderes handelt. Das Muster mit -ám/-áš begegnet einem schon auf A1-Niveau sehr häufig. Dazu gehören wichtige Alltagsverben wie dělat „machen“, volat „rufen, anrufen“ und čekat „warten“.

Für deutschsprachige Lernende ist vor allem eines neu: Im Deutschen steht das Subjekt fast immer ausdrücklich dabei — „ich mache“, „du wartest“. Im Tschechischen trägt die Verbendung diese Information meist allein. Čekáme bedeutet bereits „wir warten“; my braucht man nur bei einem Gegensatz oder besonderer Betonung.

Die Grundregel ist überschaubar, aber sie lohnt sich als festes Muster. Wer die sechs Formen sicher erkennt, versteht viele kurze Äußerungen sofort und kann Aussagen, Fragen und Verneinungen bilden. Später kommen Aspekte, reflexive Verben und weitere Verbklassen hinzu; sie ändern nichts daran, dass dieses Paradigma als Einheit gelernt werden sollte.

So funktioniert sie

Die sechs Präsensformen

Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, wie sie im Wörterbuch steht, zum Beispiel dělat. Das Präsens ist die Gegenwartsform. Für ein regelmäßiges Verb dieses Musters nimmt man praktisch den Teil vor -at und ergänzt die passende Endung:

děl-atděl- + -ám, -áš, -á, -áme, -áte, -ají

Person Pronomen Endung dělat „machen“ Deutsche Bedeutung
1. Person Singular -ám dělám ich mache
2. Person Singular ty -áš děláš du machst
3. Person Singular on, ona, ono dělá er, sie, es macht
1. Person Plural my -áme děláme wir machen
2. Person Plural vy -áte děláte ihr macht / Sie machen
3. Person Plural oni, ony, ona -ají dělají sie machen

Singular bedeutet Einzahl, Plural Mehrzahl. Die dritte Person Singular hat nur eine Verbform: dělá passt zu on „er“, ona „sie“ und ono „es“. Anders als im Deutschen unterscheidet die Endung hier also nicht nach Geschlecht.

Dasselbe Schema gilt für die Kernverben dieses Themas:

Infinitiv ich du er/sie/es wir ihr/Sie sie
dělat „machen“ dělám děláš dělá děláme děláte dělají
volat „rufen, anrufen“ volám voláš volá voláme voláte volají
čekat „warten“ čekám čekáš čeká čekáme čekáte čekají

Weitere häufige Verben mit diesem Muster sind hledat „suchen“, poslouchat „zuhören“, zpívat „singen“, bydlet gehört dagegen nicht dazu (bydlím). Die Infinitivendung allein ist kein vollkommen sicherer Weg zur richtigen Klasse. Auch psát „schreiben“ endet ähnlich, hat aber píšu, nicht psám. Am besten lernt man bei einem neuen Verb neben dem Infinitiv mindestens die Ich-Form mit: dělat — dělám.

Lange Vokale gehören zur Form

Die Striche über á und í bezeichnen im Tschechischen lange Vokale. Sie sind keine frei wählbaren Akzente. Man schreibt daher dělám, děláš, dělá, děláme, děláte, dělají. Die Wortbetonung liegt trotzdem normalerweise auf der ersten Silbe: In DĚ-lám ist á lang, aber nicht betont.

Das ist für deutsche Muttersprachler gewöhnungsbedürftig, weil Vokallänge und Betonung im Deutschen oft enger zusammenhängen. Beim Lernen hilft es, die Endungen laut als Rhythmusreihe zu sprechen: -ám, -áš, -á; -áme, -áte, -ají.

Subjektpronomen werden meist weggelassen

Ein Subjekt ist die Person oder Sache, die handelt. Weil -ám eindeutig „ich“ und -áme eindeutig „wir“ signalisiert, klingt das Pronomen in einer neutralen Aussage oft unnötig:

  • Dělám večeři. — Ich mache das Abendessen.
  • Čekáme venku. — Wir warten draußen.
  • Volají každý den. — Sie rufen jeden Tag an.

Das Pronomen bleibt stehen, wenn ein Gegensatz wichtig ist: Já čekám, ale ty odcházíš. „Ich warte, aber du gehst.“ Es ist also nicht falsch, já dělám zu sagen; ohne besonderen Grund wirkt es nur stärker betont als deutsches „ich mache“.

Fragen und Verneinungen

Für eine Ja-Nein-Frage braucht das Tschechische weder ein Hilfsverb noch eine besondere Wortstellung. Die gesprochene Intonation oder das Fragezeichen genügt:

  • Voláš mi? — Rufst du mich an?
  • Čekáte na autobus? — Wartet ihr auf den Bus? / Warten Sie auf den Bus?

Zur Verneinung setzt man ne- direkt vor das Verb. Es wird als Teil des Verbs zusammengeschrieben:

Aussage Verneinung Bedeutung
dělám nedělám ich mache / ich mache nicht
voláš nevoláš du rufst an / du rufst nicht an
čekají nečekají sie warten / sie warten nicht

Die Personenendung bleibt unverändert. Aus čekáme wird also nečekáme, nicht eine neue unregelmäßige Form.

Höfliches und vertrautes „Sie“

Ty ist das vertraute „du“. Vy kann entweder mehrere Personen („ihr“) oder eine Person höflich („Sie“) bezeichnen. In beiden Fällen steht die Endung -áte:

  • Co děláte? — Was macht ihr? / Was machen Sie?
  • Čekáte dlouho? — Wartet ihr schon lange? / Warten Sie schon lange?

Ob „ihr“ oder höfliches „Sie“ gemeint ist, ergibt sich aus der Situation. In Briefen oder persönlichen Nachrichten kann höfliches Vy großgeschrieben werden; die Verbform ändert sich dadurch nicht.

Beispiele im Zusammenhang

Tschechisch Deutsch Hinweis
Dělám to. Ich mache das. -ám: 1. Person Singular
Co děláš večer? Was machst du heute Abend? Frage ohne ausgesprochenes ty
Petr dělá večeři. Petr macht das Abendessen. Ein genanntes Subjekt mit
Děláme domácí úkol. Wir machen die Hausaufgabe. -áme: 1. Person Plural
Děláte chybu. Ihr macht einen Fehler. / Sie machen einen Fehler. -áte hat zwei mögliche Anreden
Dělají chyby. Sie machen Fehler. -ají: 3. Person Plural
Voláš mi? Rufst du mich an? mi bedeutet hier „mir“
Každý pátek voláme babičce. Jeden Freitag rufen wir Oma an. Die Person am Telefon steht hier im Dativ
Proč nevoláte? Warum ruft ihr nicht an? / Warum rufen Sie nicht an? ne- bildet die Verneinung
Čekám před nádražím. Ich warte vor dem Bahnhof. Ort des Wartens
Čekáme na autobus. Wir warten auf den Bus. čekat na verlangt den Akkusativ
Děti čekají venku. Die Kinder warten draußen. Pluralsubjekt mit -ají
Já poslouchám, ale on pořád mluví. Ich höre zu, aber er redet ständig. steht wegen des Gegensatzes
Hledáte hotel? Suchen Sie ein Hotel? Natürlich in einer höflichen Frage

Der Dativ in mi und babičce bezeichnet hier vereinfacht die Person, der der Anruf gilt. Der Akkusativ in na autobus ist eine Fallform, die unter anderem nach bestimmten Präpositionen steht. Diese Fälle muss man nicht beherrschen, um die Verbendung zu erkennen; man sollte die Verbindungen aber als Ganzes mitlernen: volat někomu „jemanden anrufen“ und čekat na někoho/něco „auf jemanden/etwas warten“.

Häufige Fehler

1. Die deutsche Personalendung übernehmen

  • Falsch: Já dělat to.
  • Richtig: Dělám to.
  • Warum: Ein Infinitiv kann nicht einfach wie das deutsche „machen“ nach stehen. Das Verb braucht die Endung -ám; ist in der neutralen Aussage überflüssig.

2. Die dritte Person Plural mit der Einzahl verwechseln

  • Falsch: Děti čeká venku.
  • Richtig: Děti čekají venku.
  • Warum: Děti „Kinder“ ist Mehrzahl. Deshalb braucht das Verb -ají. Čeká bedeutet „er/sie/es wartet“.

3. Den Längestrich weglassen

  • Falsch: delam, volas, cekame
  • Richtig: dělám, voláš, čekáme
  • Warum: ě, á, š, č sind Bestandteile der richtigen Schreibweise. Besonders á kennzeichnet einen langen Vokal. Ohne tschechische Tastatur kann eine Ersatzschreibung kurzfristig praktisch sein, gelernt werden sollten aber die korrekten Formen.

4. Jedes Verb auf -at nach diesem Muster bilden

  • Falsch: psám dopis
  • Richtig: píšu dopis — Ich schreibe einen Brief.
  • Warum: Die Grundform auf -at oder -át garantiert das -ám-Muster nicht. Die Präsensform eines neuen Verbs sollte im Wörterbuch geprüft und mitgelernt werden.

5. Bei volat die deutsche Satzstruktur kopieren

  • Falsch: Volám tě. im Sinn von „Ich rufe dich telefonisch an.“
  • Richtig: Volám ti.
  • Warum: Deutsches „jemanden anrufen“ hat ein direktes Objekt; tschechisches volat někomu verwendet für die angerufene Person normalerweise den Dativ: mi, ti, Petrovi. Volat někoho kann je nach Zusammenhang eher „nach jemandem rufen“ oder „jemanden herbeirufen“ bedeuten.

6. ne getrennt schreiben

  • Falsch: Ne čekáme na autobus.
  • Richtig: Nečekáme na autobus.
  • Warum: Die einfache Verneinung ne- wird direkt an das Verb gesetzt und zusammengeschrieben.

Hinweise zum Gebrauch

Im gesprochenen wie im geschriebenen Standardtschechisch sind Formen ohne Subjektpronomen völlig normal. Deutschsprachige Lernende sollten daher nicht versuchen, jedes deutsche „ich“, „du“ oder „wir“ sichtbar zu übersetzen. Namen und Substantive bleiben selbstverständlich stehen, wenn sonst unklar wäre, wer gemeint ist: Marie volá. „Marie ruft an.“

Die Gegenwartsform kann wie im Deutschen eine Handlung gerade jetzt, eine Gewohnheit oder eine allgemeine Tatsache ausdrücken. Eine eigene Verlaufsform wie „ich bin gerade am Arbeiten“ gibt es nicht. Pracuju oder standardsprachlich pracuji kann je nach Zusammenhang „ich arbeite“ oder „ich arbeite gerade“ heißen; bei den hier behandelten Verben erfüllt dělám dieselbe breite Präsensfunktion. Wörter wie teď „jetzt“, právě „gerade“ oder každý den „jeden Tag“ machen die Zeitbedeutung genauer.

In lockerer Umgangssprache hört man in Böhmen häufig gekürzte Pluralformen wie dělaj statt standardsprachlichem dělají. Zum Verstehen ist das nützlich, in neutraler Schriftsprache und beim aktiven Lernen sollte jedoch dělají verwendet werden.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen man bald begegnet.

Präfixe können die Zeitbedeutung verändern

Tschechische Verben haben einen Aspekt, also eine grammatische Sicht darauf, ob eine Handlung als Verlauf/Wiederholung oder als abgeschlossenes Ganzes erscheint. Dělat ist imperfektiv: dělám kann „ich mache“ oder „ich bin dabei“ bedeuten. Das präfigierte udělat ist perfektiv und richtet den Blick auf das Ergebnis. Obwohl udělám dieselbe Personenendung hat, bedeutet es gewöhnlich Zukunft: „ich werde es machen/erledigen“.

Ähnlich stehen sich volat „anrufen, wiederholt oder im Verlauf“ und zavolat „einmal anrufen“ gegenüber:

  • Volám mu každý den. — Ich rufe ihn jeden Tag an.
  • Zavolám mu večer. — Ich werde ihn am Abend anrufen.

Das ist keine Ausnahme bei den Endungen, sondern eine Folge des Aspekts. Für den Anfang reicht es, solche Paare mitsamt ihrer Bedeutung zu lernen.

Reflexive Verben behalten dieselben Endungen

Bei Verben wie ptát se „fragen“ bleibt das Konjugationsmuster erhalten: ptám se, ptáš se, ptá se, ptáme se, ptáte se, ptají se. Das kleine Wort se gehört zum Verb, wird aber getrennt geschrieben. Seine Stellung im Satz folgt eigenen Regeln:

  • Ptám se učitele. — Ich frage den Lehrer.
  • Na co se ptáš? — Wonach fragst du?

Das Thema Reflexive Verben behandelt diese Stellung ausführlicher.

Vergangenheit und Aufforderung haben eigene Formen

Die Präsensendungen werden nicht unverändert in alle Zeiten übernommen. In der Vergangenheit erscheint bei dělat ein Partizip — eine Verbform, die hier zusammen mit einer Form von „sein“ verwendet wird: dělal jsem „ich habe gemacht“ für einen männlichen Sprecher, dělala jsem für eine weibliche Sprecherin. Auch Aufforderungen sehen anders aus: Dělej! „Mach!“, Čekejte! „Wartet!/Warten Sie!“.

Diese späteren Formen bauen auf demselben Verbwortschatz auf, sollten aber als eigene Muster gelernt werden. Wer das Präsens sicher kann, erkennt den Stamm in dělal oder čekejte leichter.

Mít sieht ähnlich aus, hat aber einen besonderen Stamm

Mít „haben“ bildet mám, máš, má, máme, máte, mají. Die Endungen entsprechen dem hier gelernten Paradigma, doch der Wechsel von mí- zu má- lässt sich nicht durch einfaches Entfernen von -at erklären. Deshalb ist es sinnvoll, mít — mám als eigenes häufiges Verb zu lernen und nicht als Beweis dafür zu nehmen, dass jede Grundform vorhersagbar wäre.

Übungstipps

  1. Sprich ein Sechsermuster. Nimm täglich zwei Verben und sage alle Formen in drei Gruppen: dělám, děláš, dělá — děláme, děláte, dělají. Bilde danach je einen Satz nur mit der Ich-, Wir- und Sie-Form.
  2. Übe ohne Pronomen. Übersetze kurze deutsche Sätze wie „Wir warten“, „Rufst du an?“ und „Sie machen Fehler“, ohne automatisch my, ty, oni einzusetzen. Ergänze das Pronomen anschließend nur bei einem Gegensatz: Já čekám, ale oni odcházejí.
  3. Lerne Verben als Paar. Notiere nicht nur hledat „suchen“, sondern hledat — hledám. So erkennst du sofort, ob ein neues Verb tatsächlich zum -ám/-áš-Muster gehört. Markiere die langen Vokale beim lauten Wiederholen bewusst.

Verwandte Themen

  • Direkte Fortsetzung: Verneinung — zeigt, wie ne- mit Verben und anderen Satzteilen verwendet wird.
  • Später: Vergangenheit — führt Formen wie dělal jsem und dělala jsem ein.
  • Später: Reflexive Verben — erklärt Verben mit se und si, etwa ptát se.
  • Auf B1-Niveau: Imperativ — behandelt Aufforderungen wie dělej, volejte und čekejme.

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