A1

Nisba-Adjektive im Arabischen

النسبة

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Kurz gesagt

Mit einem Nisba-Adjektiv drückt Arabisch Herkunft, Zugehörigkeit oder eine andere Beziehung aus. An den Wortstamm tritt im Maskulinum meist ـيّ und im Femininum ـية: مصر → مصريّ / مصرية „Ägypten → ägyptisch; Ägypter/Ägypterin“. Im normalen unvokalisierten Text wird die Verdopplung des ي oft nicht markiert, sodass man gewöhnlich مصري sieht.

Überblick

Ein Nisba-Adjektiv, arabisch صفة النسبة, ist ein von einem Nomen abgeleitetes Adjektiv. Ein Nomen ist ein Hauptwort wie „Ägypten“, „Tag“ oder „Holz“. Die Ableitung macht daraus eine Form mit der ungefähren Bedeutung „zu … gehörig“, „aus … stammend“ oder „mit … verbunden“: Aus مصر „Ägypten“ wird مصريّ „ägyptisch“, aus يوم „Tag“ wird يوميّ „täglich“ und aus خشب „Holz“ wird خشبيّ „hölzern“.

Das Muster begegnet dir schon auf A1, besonders bei Ländern, Nationalitäten und Sprachen. Es ist aber weit mehr als eine Liste von Herkunftsbezeichnungen. Nisba-Adjektive kommen auch bei Zeitangaben, Fachgebieten, Institutionen und Materialien vor: تاريخيّ „historisch“, جامعيّ „universitär“, أسبوعيّ „wöchentlich“. Das Verfahren ist sehr produktiv, das heißt: Es kann auf viele Wörter angewandt werden und wird auch für moderne Begriffe genutzt.

Für den Einstieg reichen zwei Gedanken. Erstens: Erkenne ـي / ـية als häufiges Ableitungspaar. Zweitens: Behandle das Ergebnis wie jedes andere arabische Adjektiv. Es steht nach dem beschriebenen Nomen und passt sich an Geschlecht, Zahl und Bestimmtheit an. Bei manchen Grundwörtern verändert sich der Stamm; diese häufigen Formen lernst du am besten zusammen mit dem Ausgangswort.

So funktioniert es

1. Die Grundform bilden

Bei einem einfachen Grundwort wird im Maskulinum ـيّ angefügt. Das Zeichen ّ heißt šadda und zeigt eine Verdopplung des Konsonanten an. Die sorgfältig ausgesprochene Endung lautet ungefähr -iyy. Die feminine Form endet auf ـية, ausgesprochen ungefähr -iyya.

Grundwort Bedeutung Maskuline Nisba-Form Feminine Nisba-Form
مصر Ägypten مصريّ مصرية
عرب Araber; Arabien als kultureller Bezug عربيّ عربية
يوم Tag يوميّ يومية
أسبوع Woche أسبوعيّ أسبوعية
تاريخ Geschichte تاريخيّ تاريخية
خشب Holz خشبيّ خشبية

In Texten ohne Vokalzeichen schreibt man meist مصري، عربي، يومي. Die šadda fehlt dann auf dem Papier, gehört aber zur standardsprachlichen Form. Bei der femininen Schreibung steht nicht noch ein zweites ي: مصريّ → مصرية, nicht مصريية.

2. Ein vorhandenes ـة fällt normalerweise weg

Viele feminine Grundwörter enden auf ـة, die sogenannte tāʾ marbūṭa. Vor der Nisba-Endung wird dieses ـة normalerweise entfernt. Erst danach wird ـيّ / ـية ergänzt.

Grundwort Zwischenschritt Nisba-Form Bedeutung
جامعة جامعـ جامعيّ / جامعية universitär; Universitäts-
ثقافة ثقافـ ثقافيّ / ثقافية kulturell
سياسة سياسـ سياسيّ / سياسية politisch
مدرسة مدرسـ مدرسيّ / مدرسية schulisch; Schul-

So entsteht حياة جامعية „Universitätsleben“ beziehungsweise wörtlich „universitäres Leben“, nicht eine Form mit erhaltenem ـة des Grundworts.

3. Ländernamen auf einen passenden Stamm zurückführen

Bei vielen Ländernamen ist die Bildung leicht zu erkennen, doch nicht immer wird einfach nur eine Endung angehängt. Häufig fällt ein auslautendes ا weg oder der überlieferte Stamm wird sichtbar.

Land Nationalitätsform, maskulin Nationalitätsform, feminin
مصر مصريّ مصرية
أمريكا أمريكيّ أمريكية
ألمانيا ألمانيّ ألمانية
سوريا سوريّ سورية
فرنسا فرنسيّ فرنسية
العراق عراقيّ عراقية

Diese Formen sind regelmäßig genug, um das Muster zu erkennen, aber Ländername und Nationalität sollten trotzdem als Paar gelernt werden. Auf diese Weise vermeidest du es, vom deutschen Ländernamen oder von einer bloßen Buchstabenregel auszugehen.

4. Das Nisba-Adjektiv an das Bezugswort anpassen

Das Bezugswort ist das Nomen, das beschrieben wird. Wie andere arabische Adjektive steht die Nisba-Form danach und stimmt mit ihm überein. Diese Übereinstimmung nennt man Kongruenz.

Bezugswort Passende Form Ganze Wortgruppe
طالب „Student“ مصريّ طالب مصريّ – ein ägyptischer Student
طالبة „Studentin“ مصرية طالبة مصرية – eine ägyptische Studentin
كتاب „Buch“ عربيّ كتاب عربيّ – ein arabisches Buch
مجلة „Zeitschrift“ أسبوعية مجلة أسبوعية – eine Wochenzeitschrift

Für Deutschsprachige sind zwei Unterschiede wichtig. Im Deutschen steht das Adjektiv vor dem Nomen und erhält Endungen wie in „ein arabisches Buch“. Im Arabischen steht es danach; seine Form richtet sich nicht nach dem deutschen grammatischen Geschlecht, sondern nach dem arabischen Nomen. لغة „Sprache“ ist feminin, daher heißt es لغة عربية.

5. Bestimmt und unbestimmt

Ist die ganze Nomengruppe bestimmt, tragen sowohl Nomen als auch Adjektiv den Artikel الـ. „Bestimmt“ bedeutet hier, dass eine konkrete oder bereits bekannte Sache gemeint ist.

Unbestimmt Bestimmt
كتاب عربيّ – ein arabisches Buch الكتاب العربيّ – das arabische Buch
صحيفة يومية – eine Tageszeitung الصحيفة اليومية – die Tageszeitung
طالب عراقيّ – ein irakischer Student الطالب العراقيّ – der irakische Student

Der Artikel wird im Deutschen nur einmal gesetzt, im Arabischen aber an beiden Wörtern. الكتاب العربي ist deshalb eine Nomengruppe: „das arabische Buch“. Dagegen ist الكتاب عربي ein vollständiger Satz: „Das Buch ist arabisch.“ Im Präsens steht in einem solchen arabischen Satz kein eigenes Wort für „ist“.

6. Nationalität als Eigenschaft oder Personenbezeichnung

Eine Nisba-Form kann wie ein Adjektiv ein Nomen beschreiben:

  • طالب أمريكيّ – ein amerikanischer Student
  • مهندسة مصرية – eine ägyptische Ingenieurin

Sie kann auch ohne ausgesprochenes Nomen eine Person bezeichnen:

  • أنا أمريكيّ. – Ich bin Amerikaner beziehungsweise amerikanisch.
  • أنا أمريكية. – Ich bin Amerikanerin beziehungsweise amerikanisch.
  • هو عراقيّ. – Er ist Iraker.
  • هي عراقية. – Sie ist Irakerin.

Anders als im Deutschen gibt es hier nicht unbedingt getrennte Formen für das großgeschriebene Personenwort „Ägypter“ und das kleingeschriebene Adjektiv „ägyptisch“. Die arabische Form und der Satzkontext übernehmen diese Aufgaben. Das Geschlecht der sprechenden oder bezeichneten Person bleibt jedoch sichtbar.

7. Mehrzahl und nichtmenschliche Plurale

Bei Personen können Nisba-Formen in der Mehrzahl stehen. Häufige standardsprachliche Formen sind etwa مصريون „Ägypter“ und مصريات „Ägypterinnen“. Die Endung des maskulinen Plurals kann je nach grammatischem Fall auch ـين lauten, zum Beispiel مصريين.

Bei nichtmenschlichen Pluralen steht das Adjektiv in der Standardsprache normalerweise im Femininum Singular:

  • كتب عربية – arabische Bücher
  • صحف يومية – Tageszeitungen
  • أحداث تاريخية – historische Ereignisse

Diese Regel gehört zur allgemeinen Adjektivkongruenz. Auf A1 genügt es, die häufigen Wortgruppen zu erkennen; Dual, Plural und Kasus können später systematisch vertieft werden.

Beispiele im Kontext

Arabisch Deutsch Hinweis
أنا أمريكيّ. Ich bin Amerikaner. Maskuline Form als Personenbezeichnung.
أنا أمريكية. Ich bin Amerikanerin. Feminine Form passend zur Sprecherin.
هي طالبة مصرية. Sie ist eine ägyptische Studentin. Das Adjektiv folgt dem femininen Nomen.
هو مهندس عراقيّ. Er ist ein irakischer Ingenieur. Maskulinum Singular.
أتعلم اللغة العربية. Ich lerne die arabische Sprache. اللغة und العربية sind bestimmt und feminin.
هذا كتاب عربيّ جديد. Das ist ein neues arabisches Buch. Zwei Adjektive nach dem Nomen.
قرأت الكتاب التاريخيّ. Ich habe das historische Buch gelesen. Nomen und Adjektiv sind bestimmt.
عندي جريدة يومية. Ich habe eine Tageszeitung. يومية beschreibt das feminine جريدة.
هذا برنامجي الأسبوعيّ. Das ist mein Wochenprogramm. Das Besitzsuffix macht برنامجي bestimmt; das Adjektiv trägt الـ.
نعيش في مدينة ألمانية. Wir leben in einer deutschen Stadt. Nationalitätsadjektiv im Femininum.
المطعم السوريّ قريب. Das syrische Restaurant ist in der Nähe. Bestimmte Nomengruppe als Satzgegenstand.
هذه طاولة خشبية. Das ist ein Holztisch. Deutsch nutzt ein zusammengesetztes Nomen, Arabisch ein Nisba-Adjektiv.
شاهدت أفلامًا مصرية. Ich habe ägyptische Filme gesehen. Nichtmenschlicher Plural mit Femininum Singular.
الطلاب المصريون هنا. Die ägyptischen Studenten sind hier. Menschlicher maskuliner Plural.
الصحف اليومية على الطاولة. Die Tageszeitungen liegen auf dem Tisch. Nichtmenschlicher Plural; اليومية bleibt feminin singular.

Häufige Fehler

Die feminine Form vergessen

  • Falsch: طالبة مصريّ
  • Richtig: طالبة مصرية
  • Warum: طالبة „Studentin“ ist feminin. Das Nisba-Adjektiv muss deshalb ebenfalls feminin sein.

Die deutsche Adjektivstellung übernehmen

  • Falsch: عربيّ كتاب
  • Richtig: كتاب عربيّ
  • Warum: Beschreibende Adjektive stehen im Arabischen normalerweise nach ihrem Nomen.

Den Artikel nur einmal setzen

  • Falsch für „das arabische Buch“: الكتاب عربيّ
  • Richtig: الكتاب العربيّ
  • Warum: In einer bestimmten Nomengruppe tragen Nomen und Adjektiv الـ. Die Form الكتاب عربيّ ist zwar grammatisch, bedeutet aber „Das Buch ist arabisch“.

Das ـة des Grundworts behalten

  • Falsch: ثقافةية
  • Richtig: ثقافية
  • Warum: Vor der Nisba-Endung fällt die tāʾ marbūṭa von ثقافة normalerweise weg: ثقافة → ثقافيّ.

Zwei ي in der femininen Form schreiben

  • Falsch: مصريية
  • Richtig: مصرية
  • Warum: Die Konsonantenverdopplung wird durch die šadda ausgedrückt, nicht durch zwei ausgeschriebene ي. In unvokalisierten Alltagstexten fehlt die šadda oft ganz.

Jeden deutschen Ausdruck wörtlich mit einer Nisba-Form bilden

  • Problematisch: für jedes deutsche Adjektiv oder zusammengesetzte Nomen spontan ـي anhängen
  • Besser: häufige Verbindungen wie صحيفة يومية „Tageszeitung“ oder حياة جامعية „Universitätsleben“ als ganze Wortgruppe lernen
  • Warum: Das Muster ist produktiv, aber die genaue Bedeutung einer Ableitung ist sprachüblich festgelegt. Eine formal mögliche Neubildung muss nicht die gebräuchliche arabische Bezeichnung sein.

Gebrauchshinweise

Dieser Artikel verwendet vor allem die moderne arabische Standardsprache. Sie begegnet dir in Unterricht, Nachrichten und Sachtexten. Dort wird die šadda in vollständig vokalisierten Lehrtexten als ـيّ sichtbar; gewöhnliche Texte lassen die meisten Vokalzeichen und oft auch die šadda weg. Deshalb ist مصري die normale Schreibweise, obwohl die sorgfältige standardsprachliche Form مِصْرِيّ lautet.

In gesprochenen arabischen Varietäten unterscheiden sich Aussprache und einzelne Nationalitätsformen regional. Die feminine Endung kann zum Beispiel eher wie -iyye als wie standardarabisches -iyya klingen. Die geschriebene Standardform bleibt in formellen Texten dennoch weitgehend dieselbe. Wenn du zusätzlich eine regionale Varietät lernst, übernimm ihre Aussprache am besten aus Aufnahmen von Muttersprachlern, statt sie nur aus der Standardschrift abzuleiten.

Nicht jede Nisba-Form lässt sich im Deutschen mit einem Adjektiv wiedergeben. صحيفة يومية heißt natürlich „Tageszeitung“, طاولة خشبية „Holztisch“ und طالب جامعي „Student“ oder genauer „Universitätsstudent“. Umgekehrt kann dieselbe arabische Form je nach Nomen unterschiedlich übersetzt werden. عربي bedeutet in رجل عربي „arabisch; Araber“, in كتاب عربي „arabischsprachig oder arabisch“ und in اللغة العربية den Namen der arabischen Sprache.

Bei Aussagen über Identität entscheidet der Kontext, ob Deutsch ein Nomen oder ein Adjektiv bevorzugt. هي ألمانية kann „Sie ist Deutsche“ oder „Sie ist deutsch“ heißen. Im Arabischen ist vor allem wichtig, dass ألمانية zur weiblichen Person passt.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie helfen dir aber, häufige Formen richtig einzuordnen.

Stammveränderungen und die Erweiterung ـويّ

Manche Ableitungen zeigen mehr als das einfache Anhängen von ـيّ. Häufig erscheint و vor der Endung oder der Stamm wird verkürzt:

Grundwort Nisba-Form Bedeutung
سنة سنويّ jährlich
يد يدويّ von Hand; manuell
سماء سماويّ himmlisch
دنيا دنيويّ weltlich, diesseitig
مدينة مدنيّ städtisch; zivil

Solche Formen folgen historischen Laut- und Ableitungsmustern. Für Lernende ist es meist hilfreicher, سنة / سنوي als Wortpaar zu speichern, statt jede Veränderung selbst herleiten zu wollen.

Voll vokalisierte Fallformen

Im formellen Arabisch kann auch ein Nisba-Adjektiv Kasusendungen tragen. Kasus bedeutet hier die Form, die seine Aufgabe im Satz anzeigt. Bei der maskulinen unbestimmten Form sieht das zum Beispiel so aus:

Fall Form Beispielhafte Funktion
Nominativ مِصْرِيٌّ häufig beim Satzgegenstand
Akkusativ مِصْرِيًّا häufig beim direkten Objekt
Genitiv مِصْرِيٍّ unter anderem nach einer Präposition

Im unvokalisierten Text sehen diese Formen meist alle wie مصري aus. Das Adjektiv steht stets im selben Fall wie das Nomen, das es beschreibt. Diese Endungen sind daher kein neues Nisba-Muster, sondern Teil der allgemeinen arabischen Falllehre.

Formen können zu Nomen werden

Nisba-Adjektive werden oft substantiviert, also wie Nomen gebraucht. المصريون meint „die Ägypter“, العربية kann verkürzt für اللغة العربية „die arabische Sprache“ stehen, und يومية kann je nach Kontext eine Tageszeitung bezeichnen. Die Grenze zwischen Adjektiv und Nomen ist deshalb beweglicher als die deutsche Übersetzung vermuten lässt.

Umgekehrt ist nicht jedes Wort auf ـية einfach die feminine Form eines Nisba-Adjektivs. Die Endung kommt auch in fest gewordenen abstrakten Nomen vor, etwa حرية „Freiheit“ und أهمية „Bedeutung, Wichtigkeit“. Form, Bedeutung und Satzumgebung müssen gemeinsam betrachtet werden.

Bedeutung ist nicht immer vollständig vorhersagbar

Das Ableitungsmuster zeigt eine Beziehung, legt aber deren genaue Art nicht immer fest. تاريخي kann „historisch“, رياضي je nach Kontext „sportlich“ oder „mathematisch“ und علمي „wissenschaftlich“ bedeuten. Ein Wörterbuch oder ein guter Beispielsatz klärt, welche Bedeutung üblich ist. Das ist ähnlich wie bei deutschen Endungen: Aus der Form eines Wortes allein weiß man nicht immer, ob eine fachliche, örtliche oder wertende Beziehung gemeint ist.

Übungstipps

  1. Lerne Dreiergruppen. Notiere Grundwort, maskuline und feminine Form zusammen: مصر – مصري – مصرية, أمريكا – أمريكي – أمريكية. Sprich anschließend je einen Satz mit einer männlichen und einer weiblichen Person.
  2. Übe in ganzen Wortgruppen. Verbinde jede neue Form mit einem maskulinen und einem femininen Nomen: كتاب تاريخي / رواية تاريخية, برنامج يومي / جريدة يومية. So lernst du Ableitung und Kongruenz gleichzeitig.
  3. Markiere Artikel und Endungen. Stelle كتاب عربي, الكتاب العربي und الكتاب عربي nebeneinander. Erkläre dir selbst den Unterschied zwischen „ein arabisches Buch“, „das arabische Buch“ und „das Buch ist arabisch“.

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