A1

Alltagsnomen und Gegenstände auf Hawaiisch

Mea Maoli

Dieser Artikel ist Teil des Hawaiisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Hawaiische Nomen (Wörter für Personen, Dinge oder Begriffe) verändern ihre Form normalerweise nicht nach Geschlecht, Fall oder Mehrzahl. Statt Endungen zeigen kleine Wörter wie ka/ke „der, die, das“, he „ein/eine“ und „die“ in der Mehrzahl, wie ein Nomen gemeint ist: ka puke „das Buch“, he puke „ein Buch“, nā puke „die Bücher“.

Überblick

Wer auf Hawaiisch über den Alltag sprechen möchte, braucht schnell Wörter für Dinge: puke „Buch“, pepa „Papier; Blatt“, kaʻa „Auto; Fahrzeug“, pākaukau „Tisch“, noho „Stuhl“, lole „Kleidung; Kleidungsstück“ und kālā „Geld“. Auf A1-Niveau geht es nicht nur darum, diese Wörter einzeln zu lernen. Ebenso wichtig ist, sie mit einem Artikel in einen Satz einzubauen.

Für Deutschsprachige ist dabei vieles angenehm: Es gibt bei diesen Nomen kein grammatisches Geschlecht wie in der Tisch, die Kleidung und das Buch. Auch eine Formveränderung nach Fällen wie das Buch, des Buches oder dem Buch entfällt. Die Funktion eines Ausdrucks wird vielmehr durch die Satzstellung und durch Partikeln ausgedrückt. Eine Partikel ist ein kurzes, unveränderliches Funktionswort, etwa i vor einem Gegenstand, auf den sich eine Handlung richtet.

Die Schreibweise gehört von Anfang an zum Wort. Das ʻOkina in kaʻa bezeichnet einen hörbaren Stimmabsatz; der Kahakō (der Strich über einem Vokal) kennzeichnet einen langen Vokal, etwa in kālā. Beides kann Bedeutung und Aussprache unterscheiden und sollte daher nicht wie ein optionales Akzentzeichen behandelt werden.

So funktioniert es

Die wichtigsten Wörter

Hawaiisch Deutsch Hinweis
puke Buch häufig mit ka: ka puke
pepa Papier, Blatt, Dokument die genaue Bedeutung ergibt sich aus dem Zusammenhang
kaʻa Auto, Wagen, Fahrzeug das ʻOkina trennt die beiden Vokale
pākaukau Tisch ein langer Anfangsvokal: pā-
noho Stuhl, Sitz dieselbe Form kann auch „sitzen, wohnen, bleiben“ bedeuten
lole Kleidung, Kleidungsstück kann je nach Zusammenhang eine Sammelbezeichnung oder ein einzelnes Stück sein
kālā Geld beide a-Vokale sind lang
mea Ding, Sache, Person; etwas, das … sehr allgemeines und vielseitiges Nomen
kaʻaahi Zug wörtlich aus kaʻa „Fahrzeug“ und ahi „Feuer“
mokuahi Dampfschiff, Dampfer wörtlich ein mit Dampf betriebenes Schiff; nicht mit dem üblichen Wort kaʻaahi für „Zug“ verwechseln

Ein Nomen, verschiedene Begleiter

Das Nomen selbst bleibt gleich. Der Begleiter davor trägt die wichtigste Information.

Bedeutung Muster Beispiel Deutsch
bestimmt, Einzahl ka/ke + Nomen ka puke das Buch
unbestimmt, Einzahl he + Nomen he puke ein Buch
bestimmt, Mehrzahl nā + Nomen nā puke die Bücher
unbestimmt, Mehrzahl he mau + Nomen he mau puke einige Bücher

Für den Einstieg gilt: ke steht häufig vor Wörtern, die mit k, e, a, o oder ʻ beginnen; sonst steht meist ka. Daher heißen die Grundverbindungen etwa ke kaʻa, ke kālā, aber ka puke, ka pepa, ka pākaukau, ka noho und ka lole. Es gibt feste Ausnahmen, die später als ganze Wortgruppen gelernt werden sollten. Am zuverlässigsten prägt man sich deshalb nicht nur puke, sondern gleich ka puke ein.

Der Plural wird nicht mit einer Endung am Nomen gebildet. Puke bleibt also in ka puke und nā puke unverändert. Das unterscheidet sich deutlich vom Deutschen mit Paaren wie Buch – Bücher oder Stuhl – Stühle.

Eigenschaften stehen in einer Nomengruppe meist danach

Eine Nomengruppe ist ein Nomen zusammen mit seinen Begleitern und Beschreibungen. Beschreibende Wörter folgen darin gewöhnlich dem Nomen:

  • he kaʻa hou – ein neues Auto
  • ka puke hou – das neue Buch
  • he pākaukau nui – ein großer Tisch
  • ka lole keʻokeʻo – das weiße Kleidungsstück

Die deutsche Gewohnheit, die Eigenschaft vor das Nomen zu setzen, führt leicht zu falscher Reihenfolge. Wichtig ist aber der Unterschied zwischen einer Nomengruppe und einem ganzen Aussagesatz: ke kaʻa hou bedeutet „das neue Auto“, während Hou ke kaʻa. „Das Auto ist neu“ bedeutet. Als Aussage kann die Eigenschaft also am Satzanfang stehen.

Wo sich ein Gegenstand befindet: aia und ma

Für den Ort eines bestimmten Gegenstands ist dieses Grundmuster besonders nützlich:

Aia + Gegenstand + ma + Ort.

  • Aia ka puke ma ka pākaukau. – Das Buch liegt auf dem Tisch.
  • Aia ke kālā ma ka hale. – Das Geld ist im Haus.

Aia zeigt hier, dass etwas vorhanden beziehungsweise an einem Ort befindlich ist. Ma führt einen ruhigen, festen Ort ein und kann je nach Zusammenhang „in“, „an“ oder „auf“ entsprechen. Anders als im Deutschen wird die genaue Raumbeziehung häufig aus der Situation erschlossen. Für ausdrücklich „oben auf“ kann ma luna o verwendet werden: ma luna o ka pākaukau „oben auf dem Tisch“.

Ein Gegenstand als Ziel einer Handlung: i

Das direkte Objekt ist die Person oder Sache, auf die eine Handlung unmittelbar zielt. Bei einer gewöhnlichen Sache steht davor meist i:

Verbgruppe + handelnde Person + i + Gegenstand

  • Ke heluhelu nei au i ka puke. – Ich lese gerade das Buch.
  • E kūʻai au i ka lole. – Ich werde Kleidung kaufen.
  • E lawe mai i ka noho. – Bring den Stuhl her.

Deutsch kennzeichnet diese Rolle oft durch den Akkusativ, also etwa der Stuhl gegenüber den Stuhl. Hawaiisch ändert den Artikel nicht; stattdessen signalisiert i die Rolle. I hat noch weitere Funktionen, unter anderem bei Richtungen und Orten. Hier genügt zunächst die Regel: Vor einem sächlichen direkten Objekt steht sehr oft i.

Besitz und fehlender Besitz

Hawaiisch verwendet für Besitz häufig keine direkte Entsprechung zu haben. Ein leicht lernbares Muster lautet:

He + Nomen + Besitzform.

  • He kaʻa hou koʻu. – Ich habe ein neues Auto.
  • He puke kaʻu. – Ich habe ein Buch.

In He kaʻa hou koʻu bildet hou mit kaʻa die Gruppe „neues Auto“. Der Satz kann in einem passenden Gespräch auch sinngemäß mit „Mein Auto ist neu“ wiedergegeben werden; grammatisch führt er jedoch zunächst ein neues Auto als Besitz ein.

Für „nicht vorhanden“ oder „kein“ dient ʻaʻohe:

  • ʻAʻohe oʻu kālā. – Ich habe kein Geld.
  • ʻAʻohe puke ma ka pākaukau. – Auf dem Tisch liegt kein Buch.

Die Formen koʻu, kaʻu und oʻu gehören zum größeren hawaiischen Besitzsystem. Für A1 reicht es, die vollständigen Beispielsätze als Muster zu lernen. Die Wahl zwischen den Besitzklassen wird weiter unten kurz eingeordnet.

Beispiele im Kontext

Hawaiisch Deutsch Hinweis
Aia ka puke ma ka pākaukau. Das Buch liegt auf dem Tisch. bestimmter Gegenstand und Ort mit ma
Aia ka pepa ma luna o ka noho. Das Papier liegt auf dem Stuhl. ma luna o macht „oben auf“ ausdrücklich
Ke heluhelu nei au i ka puke. Ich lese gerade das Buch. i ka puke ist das direkte Objekt
E kūʻai au i ka lole. Ich werde Kleidung kaufen. lole kann Kleidung allgemein bezeichnen
E lawe mai i ka noho. Bring den Stuhl her. Aufforderung mit e, Richtung zum Sprecher mit mai
He pākaukau nui kēia. Dies ist ein großer Tisch. die Eigenschaft nui folgt dem Nomen
Hou ke kaʻa. Das Auto ist neu. Eigenschaft als Aussage am Satzanfang
He kaʻa hou koʻu. Ich habe ein neues Auto. einfaches Besitzmuster
ʻAʻohe oʻu kālā. Ich habe kein Geld. fehlender Besitz mit ʻaʻohe
Aia nā puke ma ka hale. Die Bücher sind im Haus. kennzeichnet die bestimmte Mehrzahl
He mau pepa ma ka pākaukau. Auf dem Tisch liegen einige Blätter Papier. unbestimmte Mehrzahl mit he mau
Makemake au i ka puke hou. Ich möchte das neue Buch. hou gehört zur Nomengruppe nach puke
E holo ana ke kaʻaahi. Der Zug wird fahren. kaʻaahi ist das übliche Wort für Zug
Noho au ma luna o ka noho. Ich sitze auf dem Stuhl. erstes noho ist das Verb, zweites das Nomen

Häufige Fehler

1. Deutsche Genus- oder Fallformen nachbilden

  • Falsch: für „dem Buch“ eine veränderte Form von puke erfinden
  • Richtig: zum Beispiel ma ka puke oder i ka puke, je nach beabsichtigter Funktion
  • Warum: Hawaiische Nomen werden nicht wie deutsche Nomen dekliniert, also nicht nach Fall verändert. Eine Partikel vor der Nomengruppe übernimmt diese Aufgabe.

2. Die Mehrzahl am Nomen markieren

  • Falsch: nā pukes
  • Richtig: nā puke
  • Warum: Das Nomen bleibt unverändert. zeigt bereits die bestimmte Mehrzahl; he mau kann eine unbestimmte Mehrzahl einführen.

3. Die deutsche Wortfolge auf eine Nomengruppe übertragen

  • Falsch: ke hou kaʻa für „das neue Auto“
  • Richtig: ke kaʻa hou
  • Warum: Innerhalb der Nomengruppe folgt hou dem Nomen. Nicht verwechseln mit dem vollständigen Satz Hou ke kaʻa. „Das Auto ist neu.“

4. i vor einem direkten Objekt weglassen

  • Falsch: Ke heluhelu nei au ka puke.
  • Richtig: Ke heluhelu nei au i ka puke.
  • Warum: I markiert hier die Sache, die gelesen wird. Der deutsche Akkusativ hat keine eigene Endung am hawaiischen Nomen als Entsprechung.

5. ka und ke ausschließlich nach Gefühl wählen

  • Falsch: ka kālā
  • Richtig: ke kālā
  • Warum: Vor anlautendem k steht nach der Anfängerregel meist ke. Da es Ausnahmen gibt, sollten häufige Nomen von Anfang an zusammen mit ihrem bestimmten Artikel gelernt werden.

6. noho immer nur als „Stuhl“ verstehen

  • Missverständlich: Noho au. = nicht „Ich bin ein Stuhl.“
  • Richtig verstanden: Noho au. – Ich sitze, wohne oder bleibe.
  • Warum: Viele hawaiische Wortstämme sind nicht so fest auf eine Wortart beschränkt wie deutsche Wörter. Artikel und Satzumgebung zeigen, ob noho hier Gegenstand oder Tätigkeit ist.

Gebrauchshinweise

Artikel sind Lernhilfen für den Wortschatz. Auf einer Vokabelkarte ist puke – Buch zwar verständlich, für die aktive Verwendung ist ka puke nützlicher. So wird gleichzeitig der übliche bestimmte Artikel geübt. Das gilt besonders, weil die Verteilung von ka und ke zwar eine Grundregel, aber auch gebräuchliche Ausnahmen hat.

Übersetzungen sind nicht immer eins zu eins. Pepa kann je nach Situation Papier als Material, ein Blatt, ein Dokument oder eine Zeitung meinen. Lole kann Kleidung allgemein oder ein bestimmtes Kleidungsstück bezeichnen. Deutsch zwingt oft zu einer genaueren Wahl oder zu einer Mehrzahl, wo Hawaiisch dieselbe Form stehen lässt.

Lehnwörter sind an die hawaiische Lautstruktur angepasst. Puke geht historisch auf ein fremdes Wort für „Buch“ zurück, ist aber lautlich vollständig ins Hawaiische eingepasst. Auch bei vertraut wirkenden Wörtern gelten deshalb hawaiische Aussprache und Rechtschreibung, nicht die Aussprache der Herkunftssprache.

Bei Verkehrsmitteln lohnt Genauigkeit. Kaʻa ist ein allgemeines Wort für Wagen oder Fahrzeug und heute häufig „Auto“. Ein Zug heißt gewöhnlich kaʻaahi. Mokuahi bezeichnet wörtlich ein Dampfschiff beziehungsweise einen Dampfer und begegnet besonders in historischen Zusammenhängen. Eine pauschale Gleichsetzung von mokuahi mit „Zug“ kann daher irreführen.

Über A1 hinaus: weiterführende Verwendung

Die folgenden Feinheiten müssen am Anfang noch nicht sicher beherrscht werden. Sie erklären aber Formen, die in echten Texten rasch auftauchen.

Nomen und Verben sind beweglicher als im Deutschen

Im Deutschen erkennt man Wortarten oft an Form und Stellung. Hawaiische Wurzeln können je nach Satzrahmen verschiedene Aufgaben übernehmen. Noho ist das anschaulichste Beispiel dieses Wortfelds:

  • ka noho – der Stuhl, Sitz
  • Noho au. – Ich sitze, wohne oder bleibe.
  • ka noho ʻana – das Sitzen, Wohnen oder Verbleiben

Man sollte deshalb nicht jedes Wort dauerhaft mit nur einer deutschen Wortart verbinden. Entscheidend sind Begleiter, Partikeln und die Stellung im Satz.

Die A- und O-Besitzklassen

Besitzformen werden im Hawaiischen in zwei Klassen geordnet. Vereinfacht betrifft die A-Klasse eher Beziehungen, die jemand aktiv herstellt, auswählt oder kontrolliert; die O-Klasse eher Beziehungen, in denen man sich befindet oder die nicht frei kontrolliert werden. Die tatsächliche Wahl folgt festen semantischen Mustern und lässt sich nicht immer aus deutschem „mein“ vorhersagen.

Darum können bei „mein“ unter anderem kaʻu und koʻu auftreten. Fahrzeuge, in oder auf denen man sich befindet, werden typischerweise mit der O-Klasse verbunden: koʻu kaʻa „mein Auto“. Ein erworbenes oder verfasstes Buch kann dagegen als kaʻu puke erscheinen. Für Lernende ist es besser, konkrete Verbindungen zu sammeln, statt die beiden Klassen vorschnell mit „beweglich“ und „unbeweglich“ gleichzusetzen.

Eigennamen und Personen als Satzglieder

Bei Dingen steht als Objekt meist i, etwa ʻike au i ka puke „ich sehe das Buch“. Vor Personennamen und Personalpronomen erscheint dagegen häufig : ʻike au iā Keola „ich sehe Keola“. Als Subjekt (wer oder was handelt beziehungsweise beschrieben wird) werden Eigennamen und Pronomen oft mit ʻo markiert. Diese Unterscheidung zeigt, dass die Objektmarkierung nicht bloß eine Übersetzung des deutschen Akkusativs ist.

Zusammensetzungen erschließen

Viele Alltagswörter lassen sich als Zusammensetzungen erkennen. Hale kūʻai verbindet hale „Haus, Gebäude“ mit kūʻai „kaufen, verkaufen“ und bedeutet „Geschäft“. Kaʻaahi besteht aus kaʻa „Fahrzeug“ und ahi „Feuer“. Solche Bestandteile helfen beim Erinnern, doch die Gesamtbedeutung sollte trotzdem als feste Vokabel gelernt werden; sie ist nicht immer vollständig aus den Einzelteilen ableitbar.

Übungstipps

  1. Lerne Dreiergruppen statt Einzelwörter. Sprich zu jedem neuen Nomen die Formen mit: ka puke – he puke – nā puke. So werden Artikel und Mehrzahl automatisch mitgeübt.
  2. Beschrifte fünf Gegenstände und bilde jeden Tag Sätze. Aus ka puke und ka pākaukau werden etwa Aia ka puke ma ka pākaukau und Ke heluhelu nei au i ka puke. Achte beim Schreiben besonders auf ʻOkina und Kahakō.
  3. Übe deutsche Stolperstellen gezielt. Wechsle zwischen „das neue Auto“ (ke kaʻa hou) und „Das Auto ist neu“ (Hou ke kaʻa). Bilde danach Einzahl und Mehrzahl, ohne das Nomen zu verändern: ka noho – nā noho.

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Voraussetzung

Artikel und Marker im Hawaiischen: *ka*, *ke*, *he* und *ʻo*A1

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