Die Partitivkonstruktion im Baskischen
Egitura Partitiboa
Dieser Artikel ist Teil des Baskisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Das baskische Partitivsuffix -(r)ik steht vor allem bei einer nicht näher bestimmten Menge in verneinten Sätzen und in Fragen: Ez dut ogirik bedeutet „Ich habe kein Brot“, Ogirik nahi duzu? „Möchtest du Brot?“ oder „Möchtest du etwas Brot?“. Gemeint ist nicht ein bestimmtes Brot, sondern überhaupt Brot beziehungsweise irgendeine Menge davon. In einer bejahenden Antwort steht normalerweise wieder der Absolutiv: Bai, ogia nahi dut („Ja, ich möchte Brot“).
Überblick
Die Partitivkonstruktion heißt auf Baskisch egitura partitiboa. Ihr sichtbares Kennzeichen ist die Endung -(r)ik. Sie wird an eine Nominalgruppe angehängt, also an ein Substantiv und gegebenenfalls seine nähere Beschreibung. Ein Substantiv ist ein Wort für eine Person, Sache oder einen Begriff, etwa ikasle „Schüler/in“, ogi „Brot“ oder denbora „Zeit“.
Für Deutschsprachige lässt sich die Grundidee oft mit kein, irgendein oder etwas erfassen. Die Sprachen ordnen diese Bedeutung aber unterschiedlich: Im Deutschen steht kein als eigenes Wort vor dem Substantiv; im Baskischen steckt die entsprechende unbestimmte Bedeutung in einer Endung am Ende der Nominalgruppe. Darum heißt arazorik je nach Satz „kein Problem“, „irgendein Problem“ oder „Probleme überhaupt“.
Das Thema wird auf A2 eingeführt und baut auf dem Absolutiv auf, dem Fall für das Subjekt eines intransitiven Verbs und das Objekt eines transitiven Verbs. Ein Fall ist einfach eine Form, die zeigt, welche Aufgabe eine Nominalgruppe im Satz hat. Die wichtigste A2-Regel lautet: unbestimmte Größe plus Verneinung oder offene Ja-Nein-Frage → häufig -(r)ik. Ob eine ganz bestimmte Sache gemeint ist, bleibt dabei entscheidend.
Wie es funktioniert
Die Form: -rik nach Vokal, -ik nach Konsonant
Man schreibt die Endung zusammen mit dem vorhergehenden Wort. Die Klammer in -(r)ik zeigt, dass das r nur nach einem Vokal erscheint.
| Wortstamm | Umgebung | Partitivform | Bedeutung im passenden Satz |
|---|---|---|---|
| ogi „Brot“ | endet auf Vokal | ogirik | Brot; etwas/kein Brot |
| diru „Geld“ | endet auf Vokal | dirurik | Geld; etwas/kein Geld |
| denbora „Zeit“ | endet auf Vokal | denborarik | Zeit; etwas/keine Zeit |
| etxe „Haus“ | endet auf Vokal | etxerik | irgendein/kein Haus |
| lan „Arbeit“ | endet auf Konsonant | lanik | Arbeit; irgendeine/keine Arbeit |
| gizon „Mann“ | endet auf Konsonant | gizonik | irgendein/kein Mann |
Aus einer bestimmten Form wie liburua „das Buch“ oder liburuak „die Bücher“ wird nicht einfach liburuarik oder liburuakrik. Man geht vom Stamm liburu- aus und bildet libururik. Das Partitiv ist unbestimmt und unterscheidet nicht zwischen Singular und Plural. Ez dago ikaslerik kann daher je nach Situation „Es ist kein Schüler da“ oder „Es sind keine Schüler da“ bedeuten.
Die Endung steht am Ende der ganzen Nominalgruppe
Im Baskischen trägt gewöhnlich das letzte Element der Nominalgruppe die Fallendung. Steht nach dem Substantiv ein Adjektiv, also ein Eigenschaftswort, kommt -(r)ik an das Adjektiv:
| Ohne nähere Beschreibung | Mit Adjektiv | Bedeutung |
|---|---|---|
| libururik | liburu interesgarririk | irgendein/kein interessantes Buch |
| arazorik | arazo larririk | irgendein/kein ernstes Problem |
| etxerik | etxe handirik | irgendein/kein großes Haus |
Daher heißt es Ez dut liburu interesgarririk aurkitu „Ich habe kein interessantes Buch gefunden“. Die Form libururik interesgarria wäre für diese Bedeutung falsch, weil die Endung nicht mitten in der Nominalgruppe stehen soll.
Verneinung: „kein …“ oder „überhaupt kein …“
Bei einem nicht näher bestimmten Objekt oder Subjekt steht der Partitiv sehr häufig zusammen mit ez „nicht“:
- Ez dut autorik. – Ich habe kein Auto.
- Ez dago esnerik. – Es gibt keine Milch.
- Ez da ikaslerik etorri. – Es ist kein Schüler gekommen / Es sind keine Schüler gekommen.
Der Unterschied zum Absolutiv lässt sich am besten an einem Paar erkennen:
| Baskisch | Deutsch | Was ist gemeint? |
|---|---|---|
| Ez dut liburua irakurri. | Ich habe das Buch nicht gelesen. | ein bestimmtes Buch |
| Ez dut libururik irakurri. | Ich habe kein Buch gelesen. | kein Buch überhaupt |
Das entspricht im Deutschen ungefähr dem Gegensatz zwischen nicht das Buch und kein Buch. Nicht jede Verneinung erzwingt also den Partitiv. Bleibt die Sache bestimmt, bleibt auch die bestimmte Absolutivform möglich.
Fragen: „irgendein …?“ oder „etwas …?“
In einer Ja-Nein-Frage kann -(r)ik anzeigen, dass offen ist, ob überhaupt etwas aus der genannten Kategorie vorhanden ist:
- Ogirik nahi duzu? – Möchtest du Brot / etwas Brot?
- Dirurik baduzu? – Hast du Geld?
- Galderarik duzu? – Hast du eine Frage / irgendwelche Fragen?
Auch hier ist der Kontrast zur bestimmten Form wichtig:
| Baskisch | Natürliche deutsche Entsprechung | Blickrichtung |
|---|---|---|
| Liburua irakurri duzu? | Hast du das Buch gelesen? | bestimmtes, bekanntes Buch |
| Libururik irakurri duzu? | Hast du irgendein Buch gelesen? | offen, ob überhaupt eines gelesen wurde |
Der Partitiv ist in Fragen also keine rein mechanische „Frageendung“. Wenn nach einer bekannten Sache gefragt wird, steht sie nicht allein deshalb im Partitiv, weil der Satz ein Fragezeichen hat.
Bejahung: meist zurück zum Absolutiv
In einem gewöhnlichen bejahenden Aussagesatz verwendet man für dieselbe Sache normalerweise den Absolutiv:
- Ogia nahi dut. – Ich möchte Brot.
- Dirua badut. – Ich habe Geld.
- Arazo bat dago. – Es gibt ein Problem.
Ein nützliches Übungsmuster ist deshalb der Wechsel Absolutiv → Partitiv → Absolutiv:
- Ogia dago. – Es ist Brot da.
- Ez dago ogirik. – Es ist kein Brot da.
- Ogirik dago? – Ist Brot da?
- Bai, ogia dago. – Ja, es ist Brot da.
Beispiele im Zusammenhang
| Baskisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Ez dago arazorik. | Es gibt kein Problem. | Unbestimmtes Subjekt in einer Verneinung. |
| Ez dut denborarik. | Ich habe keine Zeit. | Eine nicht näher bestimmte Menge. |
| Ez dugu ogirik erosi. | Wir haben kein Brot gekauft. | Verneintes Objekt. |
| Ez da ikaslerik etorri. | Es ist kein Schüler gekommen. / Es sind keine Schüler gekommen. | Die Partitivform zeigt keine Zahl. |
| Ez dut liburu interesgarririk aurkitu. | Ich habe kein interessantes Buch gefunden. | Die Endung steht am Adjektiv. |
| Dirurik baduzu? | Hast du Geld? | Offene Frage nach dem Vorhandensein. |
| Ogirik nahi duzu? | Möchtest du Brot / etwas Brot? | Keine bestimmte Portion ist gemeint. |
| Galderarik duzue? | Habt ihr Fragen? | Singular oder Plural ergibt sich aus dem Zusammenhang. |
| Berririk ba al dago? | Gibt es Neuigkeiten? | Häufige Frage mit ba al. |
| Ez dago jenderik kalean. | Es sind keine Leute auf der Straße. | Korrekte Kleinschreibung: jenderik. |
| Ez dut ezer ikusi inon. | Ich habe nirgendwo irgendetwas gesehen. | ezer und inon sind eigene negative Polaritätswörter. |
| Ez dut kafea edan. | Ich habe den Kaffee nicht getrunken. | Bestimmter Kaffee: Absolutiv statt Partitiv. |
| Ez dut kaferik edan. | Ich habe keinen Kaffee getrunken. | Kaffee überhaupt: Partitiv. |
| Dirurik baduzu, eros dezakezu. | Wenn du Geld hast, kannst du es kaufen. | Unbestimmte Menge in einer Bedingung. |
Häufige Fehler
Die bestimmte Form nur um -rik verlängern
- Falsch: Ez dut liburuarik.
- Richtig: Ez dut libururik.
- Warum: liburua enthält bereits den bestimmten Artikel -a. Für den Partitiv nimmt man den Stamm liburu- und fügt nach dem Vokal -rik an.
In jedem verneinten Satz den Partitiv verwenden
- Falsch: Ez dut libururik irakurri, wenn ein bestimmtes, bereits erwähntes Buch gemeint ist.
- Richtig: Ez dut liburua irakurri.
- Warum: Der Partitiv bedeutet hier „kein Buch überhaupt“. Bei „das Buch nicht“ bleibt die bestimmte Absolutivform liburua erhalten. Diese Unterscheidung entspricht recht gut dem deutschen Gegensatz kein Buch gegenüber das Buch nicht.
-rik nach einem Konsonanten setzen
- Falsch: lanrik, gizonrik
- Richtig: lanik, gizonik
- Warum: Nach einem Konsonanten lautet die Endung -ik; nach einem Vokal steht -rik.
Die Endung an das Substantiv statt an das letzte Wort hängen
- Falsch: Ez dago arazorik larria.
- Richtig: Ez dago arazo larririk.
- Warum: Das Adjektiv larri „ernst“ beendet die Nominalgruppe und trägt deshalb die Partitivendung.
Eine Pluralendung hinzufügen
- Falsch: Ez dago ikasleakrik.
- Richtig: Ez dago ikaslerik.
- Warum: Der Partitiv besitzt in dieser Verwendung keinen eigenen Singular-Plural-Gegensatz. Ob eine oder mehrere Personen denkbar sind, ergibt sich aus dem Kontext.
Ezer zusätzlich wie ein normales Substantiv beugen
- Falsch: Ez dut ezerrik ikusi.
- Richtig: Ez dut ezer ikusi.
- Warum: ezer bedeutet in solchen Zusammenhängen „etwas/irgendetwas“ und verbindet sich unter Verneinung mit ez zu „nichts“. Es erhält hier nicht noch einmal die Partitivendung.
Hinweise zum Gebrauch
Der deutsche Artikelgebrauch ist nur eine Annäherung. Baskisches -a deckt mehr Kontexte ab als deutsches „der/die/das“ und kann auch bei allgemeinen oder stofflichen Aussagen vorkommen. Daher ist Ogia nahi dut eine natürliche bejahende Entsprechung zu Ez dut ogirik nahi, obwohl die deutsche Übersetzung in beiden Fällen schlicht „Brot“ verwendet. Es wäre irreführend, ogia immer ausdrücklich mit „das Brot“ wiederzugeben.
In Fragen sind sowohl Formen mit als auch ohne -(r)ik möglich, aber sie lenken die Aufmerksamkeit anders. Baduzu dirua? kann nach dem vorhandenen oder erwarteten Geld fragen; Dirurik baduzu? fragt offener, ob überhaupt Geld vorhanden ist. Wortstellung und Betonung können die genaue Wirkung zusätzlich beeinflussen. Für A2 reicht zunächst die sichere Leitfrage: Ist die Sache bestimmt, oder frage/verneine ich ihr Vorhandensein überhaupt?
Bei verneinten unbestimmten Nominalgruppen ist der Partitiv sehr üblich. In bejahenden Aussagen ist er dagegen nicht die neutrale Standardwahl. Deutschsprachige sollten deshalb nicht jedes deutsche „etwas“ automatisch durch -(r)ik wiedergeben. Zuerst muss der ganze Satz betrachtet werden: Aussage, Frage, Verneinung oder Bedingung?
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Punkte musst du auf A2 noch nicht aktiv beherrschen. Sie helfen aber, Formen auf -ik später richtig einzuordnen.
Nicht jedes -ik ist die hier gelernte Partitivkonstruktion
In festen oder adverbialen Ausdrücken begegnen Formen wie gaixorik „krank“, bizirik „lebendig“, zutik „stehend“ und eskerrik asko „vielen Dank“. Sie sehen formal ähnlich aus, erfüllen im heutigen Satz aber nicht einfach die Anfängerregel „unbestimmtes Substantiv in Verneinung oder Frage“. Gaixorik dago bedeutet beispielsweise „Er/Sie ist krank“ und ist eine bejahende Aussage. Solche Ausdrücke lernt man am besten zunächst als feste Muster.
Partitiv in Bedingungen und anderen offenen Umgebungen
Der Partitiv kann auch außerhalb direkter Fragen und Verneinungen stehen, wenn die Existenz oder Menge offen bleibt. Ein typischer Fall ist eine Bedingung: Dirurik baduzu, eros dezakezu „Wenn du Geld hast, kannst du es kaufen“. Die Grundbedeutung bleibt dieselbe: Es geht um irgendeine, nicht näher festgelegte Menge Geld.
Nominalisierte Beschreibungen
Auch Formen, die sinngemäß „etwas Derartiges“ oder „nichts Besseres“ bedeuten, können -(r)ik tragen: Ez dut horrelakorik ikusi heißt „So etwas habe ich noch nicht gesehen“. Hier steht horrelako „derartig“ selbstständig wie ein Substantiv und erhält -rik. Dieses Muster wird besonders nützlich, wenn der gemeinte Gegenstand aus dem Zusammenhang bereits klar ist und nicht wiederholt werden soll.
Die Bedeutung reicht über „eine Teilmenge“ hinaus
Der Name „Partitiv“ kann den Eindruck erwecken, es gehe immer um einen abgetrennten Teil, etwa „ein Stück vom Brot“. Im Baskischen ist für Lernende jedoch die Funktion als unbestimmte Form in negativen, fragenden oder anderweitig offenen Zusammenhängen wichtiger. Eine wortgetreue Übersetzung mit „ein Teil von“ ist meistens falsch. Übersetze den ganzen Satz natürlich: Ez dago arazorik heißt „Es gibt kein Problem“, nicht „Es gibt keinen Teil eines Problems“.
Übungstipps
- Bilde Kontrastpaare. Schreibe zu fünf bestimmten Sätzen jeweils eine unbestimmte Verneinung: Liburua irakurri dut → Ez dut libururik irakurri. Sage dabei auf Deutsch bewusst „das Buch“ und „kein Buch“, damit der Bedeutungsunterschied hörbar bleibt.
- Sortiere nach dem letzten Laut. Sammle Wörter in zwei Gruppen und bilde die Partitivform: Vokal + -rik (ogi → ogirik) und Konsonant + -ik (lan → lanik). Ergänze danach Adjektive, etwa arazo larririk, um die Endposition zu üben.
- Übe kurze Frage-Antwort-Folgen. Frage Ogirik nahi duzu? und antworte Bai, ogia nahi dut oder Ez, ez dut ogirik nahi. So lernst du den Wechsel zwischen Partitiv und Absolutiv als Bedeutungsmuster statt als isolierte Endung.
Verwandte Konzepte
- Voraussetzung: Absolutiv — erklärt die Grundform, die bei bestimmten Objekten und in bejahenden Aussagen dem Partitiv gegenübersteht.
Voraussetzung
Der Absolutiv im BaskischenA1Mehr A2-Konzepte
Übe Egitura Partitiboa auf Baskisch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Baskisch · A2 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.
Dieses Konzept üben