B2

Vergleichssätze mit als ob und als wenn im Deutschen

Vergleichssätze: als ob/als wenn

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit als ob, als wenn oder als + Verb beschreibt man einen Eindruck, der nicht als Tatsache gilt: Er tut, als ob er alles wüsste oder kürzer Er tut, als wüsste er alles. Bei einem irrealen oder bezweifelten Vergleich steht normalerweise der Konjunktiv II; nach als ob und als wenn steht das konjugierte Verb am Satzende, nach einfachem als direkt am Anfang des Vergleichssatzes.

Überblick

Ein irrealer Vergleichssatz vergleicht eine beobachtete Situation mit einer nur vorgestellten Situation. Jemand wirkt beispielsweise krank, ohne dass sicher ist, ob die Person wirklich krank ist: Sie sieht aus, als ob sie krank wäre. Der Vergleich beschreibt also einen Eindruck, eine Deutung oder eine bewusst übertriebene Darstellung, nicht unbedingt die Wirklichkeit.

Solche Sätze begegnen dir häufig nach Verben und Wendungen wie aussehen, wirken, klingen, sich anhören, sich anfühlen, den Eindruck machen, tun oder so reden. Sie sind auf dem Niveau B2 wichtig, weil man mit ihnen Wahrnehmungen vorsichtig formulieren, Zweifel ausdrücken und Verhalten treffend kommentieren kann.

Der Konjunktiv II ist eine Verbform, mit der man unter anderem Nichtwirkliches, nur Vorgestelltes oder bezweifelte Annahmen kennzeichnet. Die häufigsten Formen in diesen Vergleichssätzen sind wäre, hätte, könnte, müsste, wüsste und die Vergangenheit mit hätte oder wäre: als hätte er es vergessen, als wäre nichts geschehen.

Bildung und Satzbau

Drei mögliche Satzmuster

Die drei Konstruktionen haben fast dieselbe Bedeutung, aber einen unterschiedlichen Satzbau.

Konstruktion Satzmuster Beispiel
als ob Hauptsatz, als ob + Subjekt + … + Verb Er tut, als ob er nichts wüsste.
als wenn Hauptsatz, als wenn + Subjekt + … + Verb Er tut, als wenn er nichts wüsste.
als Hauptsatz, als + Verb + Subjekt + … Er tut, als wüsste er nichts.

Nach als ob und als wenn folgt ein Nebensatz. Ein Nebensatz ist ein Satzteil, dessen konjugiertes Verb normalerweise am Ende steht. Deshalb heißt es als ob er nichts wüsste und als wenn sie schon lange hier wäre.

Nach einfachem als steht die konjugierte Verbform dagegen unmittelbar nach als. Danach folgt in der Regel das Subjekt: als wüsste er nichts, als wäre sie schon lange hier. Diese Form ähnelt einem Fragesatz ohne Fragewort, ist aber keine Frage.

Das Bezugswort so

Im Hauptsatz kann ein so stehen:

  • Er tut so, als ob er mich nicht kennen würde.
  • Sie spricht so, als hätte sie die Entscheidung allein getroffen.

Dieses so weist auf die Art und Weise hin und bereitet den Vergleich vor. Es ist oft möglich, aber nicht immer nötig. Nach aussehen, wirken, klingen und ähnlichen Verben lässt man es gewöhnlich weg: Das klingt, als ob etwas nicht stimmen würde. Auch Er tut, als ob … ist korrekt; Er tut so, als ob … ist lediglich etwas ausdrücklicher.

Gleichzeitigkeit: Konjunktiv II der Gegenwart

Wenn der Eindruck und die vorgestellte Situation gleichzeitig gelten, verwendet man den Konjunktiv II der Gegenwart. Der Name „Gegenwart“ bedeutet hier nicht, dass der Hauptsatz im Präsens stehen muss. Entscheidend ist das zeitliche Verhältnis.

Wirklicher oder gedachter Inhalt Häufige Form im Vergleichssatz Beispiel
sein wäre Sie wirkt, als wäre sie müde.
haben hätte Er tut, als hätte er keine Zeit.
wissen wüsste Du redest, als wüsstest du alles.
können könnte Sie bewegt sich, als könnte sie kaum laufen.
müssen müsste Er sieht aus, als müsste er dringend schlafen.
anderes Verb eigene Form oder würde + Infinitiv Es klingt, als würde jemand klopfen.

Auch bei einem Hauptsatz in der Vergangenheit kann der Vergleich gleichzeitig sein: Sie sah aus, als wäre sie krank. Das Kranksein ist hier gleichzeitig mit dem damaligen Aussehen. Man braucht deshalb nicht automatisch die Vergangenheitsform gewesen wäre.

Bei vielen schwachen Verben ist die einfache Form des Konjunktivs II äußerlich mit dem Präteritum identisch. Er arbeitete kann daher wie eine normale Vergangenheitsform wirken. Für einen klaren irrealen Vergleich ist meist würde + Infinitiv leichter erkennbar: Er tut, als ob er arbeiten würde. Bei sein, haben und den Modalverben verwendet man jedoch normalerweise die kurzen Formen wäre, hätte, könnte, müsste, dürfte statt umständlicher Formen mit würde.

Vorzeitigkeit: Konjunktiv II der Vergangenheit

Ist die vorgestellte Handlung bereits vor dem Eindruck oder Verhalten abgeschlossen, verwendet man den Konjunktiv II der Vergangenheit:

hätte oder wäre im Konjunktiv II + Partizip II

Das Partizip II ist die Verbform, die auch im Perfekt vorkommt, zum Beispiel gemacht, gesehen, gegangen.

Hilfsverb Bauplan Beispiel
hätte … + Partizip II + hätte Er spricht, als ob er nie Deutsch gelernt hätte.
wäre … + Partizip II + wäre Sie sieht aus, als wäre sie gerade aufgewacht.

In der kurzen Konstruktion mit einfachem als steht das Hilfsverb direkt nach als: Er spricht, als hätte er nie Deutsch gelernt. Das Partizip steht weiter hinten. Ebenso: Sie wirkte, als wäre sie die ganze Nacht gelaufen.

Nachzeitigkeit und Erwartung

Eine Handlung, die aus der beschriebenen Perspektive erst bevorsteht, wird häufig mit würde + Infinitiv ausgedrückt:

  • Er sieht mich an, als würde er gleich etwas sagen.
  • Der Himmel ist so dunkel, als würde jeden Moment ein Gewitter beginnen.

Oft ergibt sich die Zukunftsbedeutung schon aus Wörtern wie gleich, bald oder jeden Moment. Eine zusätzliche Zukunftsform ist dann unnötig.

Komma und Position des Vergleichssatzes

Der Vergleichssatz wird durch ein Komma vom Hauptsatz getrennt:

  • Es fühlt sich an, als ob der Boden schwanken würde.
  • Als ob nichts passiert wäre, setzte er sich wieder an den Tisch.

Der Vergleichssatz kann also auch vorn stehen. Dann folgt nach dem Komma der Hauptsatz mit dem Verb an zweiter Stelle: Als hätte sie die Frage nicht gehört, wechselte sie das Thema. Diese Voranstellung hebt den Vergleich besonders hervor.

Beispiele im Zusammenhang

Die mittlere Spalte formuliert jeweils in einfachen Worten, welcher Eindruck gemeint ist. Sie behauptet nicht, dass dieser Eindruck wahr ist.

Beispielsatz Sinngemäße Bedeutung Hinweis
Er tut, als ob er nichts wüsste. Sein Verhalten vermittelt den Eindruck, dass er nichts weiß. als ob + Verb am Ende
Sie sieht aus, als wäre sie krank. Sie wirkt krank; sicher ist das nicht. kurzes als, Verb zuerst
Er spricht, als hätte er nie Deutsch gelernt. Seine Art zu sprechen lässt frühere Deutschkenntnisse unwahrscheinlich erscheinen. vorgestellte Vorzeitigkeit
Du klingst, als ob du erkältet wärst. Deine Stimme klingt erkältet. gleichzeitiger Zustand
Mara lächelt, als wenn sie ein Geheimnis hätte. Ihr Lächeln wirkt geheimnisvoll. Variante mit als wenn
Das Kind starrte mich an, als hätte es einen Geist gesehen. Sein Blick wirkte stark erschrocken. vorgestelltes früheres Ereignis
Es fühlt sich an, als ob der Zug stillstehen würde. Man hat den Eindruck, der Zug stehe still. würde bei einem schwachen Verb
Er gibt Geld aus, als wäre er Millionär. Er gibt ungewöhnlich viel Geld aus. oft kritisch oder übertreibend
Sie redete weiter, als ob nichts geschehen wäre. Sie ignorierte scheinbar das vorherige Ereignis. feste, häufige Wendung
Der Kollege verhält sich, als gehörte ihm die Firma. Er tritt übertrieben selbstbewusst auf. einfache Konjunktivform gehörte
Du schaust mich an, als würde ich lügen. Dein Blick zeigt Misstrauen. würde + Infinitiv
Er sprang auf, als hätte ihn jemand gestochen. Er sprang sehr plötzlich auf. bildhafte Übertreibung
Als ob sie die Antwort schon gekannt hätte, reagierte sie völlig ruhig. Ihre Ruhe erweckte den Eindruck früheren Wissens. Vergleichssatz vorangestellt
Der Motor klingt, als würde er jeden Moment ausgehen. Das Geräusch lässt einen baldigen Stillstand erwarten. vorgestellte Nachzeitigkeit

Häufige Fehler

1. Im Nebensatz das Verb an die zweite Stelle setzen

  • Falsch: Er tut, als ob er weiß nichts.
  • Richtig: Er tut, als ob er nichts wüsste.
  • Warum: Nach als ob folgt ein Nebensatz. Das konjugierte Verb steht am Ende; bei einem irrealen Vergleich steht es außerdem im Konjunktiv II.

2. Die beiden Satzmuster vermischen

  • Falsch: Sie sieht aus, als ob wäre sie krank.
  • Richtig: Sie sieht aus, als ob sie krank wäre.
  • Auch richtig: Sie sieht aus, als wäre sie krank.
  • Warum: Entweder verwendet man als ob mit Verb am Ende oder einfaches als mit dem Verb direkt danach. Beide Muster dürfen nicht vermischt werden.

3. Für ein früheres Ereignis die Gleichzeitigkeit verwenden

  • Unpassend: Er spricht, als ob er nie Deutsch lernen würde.
  • Passend: Er spricht, als ob er nie Deutsch gelernt hätte.
  • Warum: Das Lernen müsste vor dem jetzigen Sprechen stattgefunden haben. Deshalb braucht man den Konjunktiv II der Vergangenheit: gelernt hätte.

4. Nach jedem Präteritum automatisch die Vergangenheitsform wählen

  • Unpassend: Gestern sah sie aus, als wäre sie krank gewesen. — wenn sie zu diesem Zeitpunkt krank wirkte
  • Passend: Gestern sah sie aus, als wäre sie krank.
  • Warum: Die Zeitform richtet sich nach dem Verhältnis der beiden Situationen. Das Kranksein und das Aussehen sind gleichzeitig, obwohl beides in der Vergangenheit liegt. Als wäre sie krank gewesen würde das Kranksein noch weiter zurückverlegen.

5. Das Komma weglassen

  • Falsch: Es klingt als ob jemand an die Tür klopfen würde.
  • Richtig: Es klingt, als ob jemand an die Tür klopfen würde.
  • Warum: Der Vergleichssatz wird mit einem Komma abgetrennt.

6. Grundsätzlich den Indikativ benutzen

  • Weniger passend bei deutlichem Zweifel: Er tut so, als ob er alles weiß.
  • Typisch: Er tut so, als ob er alles wüsste.
  • Warum: Der Indikativ (die normale Wirklichkeitsform des Verbs) kann vorkommen, wenn der Inhalt als durchaus möglich oder wirklich betrachtet wird. Soll aber Abstand, Zweifel oder Irrealität deutlich werden, ist der Konjunktiv II die klare Wahl.

Hinweise zum Gebrauch

Als ob ist die häufigste und stilistisch neutrale Variante. Sie passt sowohl in Gespräche als auch in geschriebene Texte. Als wenn bedeutet hier dasselbe, wirkt aber für viele Sprecher eher mündlich oder regional geprägt. Es ist grammatisch korrekt, sollte in einem sachlichen Text jedoch nicht ständig mit als ob abgewechselt werden.

Die Konstruktion mit einfachem als ist besonders knapp: Es scheint, als gäbe es keine Lösung. Sie kommt häufig in sorgfältig formulierten Texten vor, ist aber keineswegs nur literarisch. Weil das Verb direkt nach als steht, klingt sie oft etwas konzentrierter als die längere Variante mit als ob.

Viele dieser Sätze tragen eine Haltung des Sprechers mit. Du tust ja, als ob das meine Schuld wäre! ist nicht nur ein Vergleich, sondern auch ein Vorwurf. Er gibt Geld aus, als wäre er Millionär ist meist eine Übertreibung und kann Kritik oder Verwunderung ausdrücken. Der Vergleich sagt nicht automatisch, was tatsächlich wahr ist: Vielleicht ist er Millionär, vielleicht auch nicht; entscheidend ist der dargestellte Eindruck.

Der Konjunktiv II markiert die Distanz besonders deutlich. Der Indikativ ist dennoch nicht pauschal falsch. In Es sieht so aus, als ob es regnet hält der Sprecher Regen für eine reale Erklärung. Es sieht so aus, als ob es regnen würde stellt stärker den bloßen Eindruck oder eine hypothetische Vorstellung heraus. Im Zweifelsfall passt beim hier behandelten irrealen Vergleich der Konjunktiv II.

Weiterführendes

Vergleichssatz oder Bedingungssatz?

Als ob beschreibt einen Vergleich, wenn allein dagegen oft eine Bedingung:

  • Er zittert, als ob er Angst hätte. — Sein Zittern wird mit dem Zustand einer ängstlichen Person verglichen.
  • Wenn er Angst hätte, würde er gehen. — Das Angsthaben ist die Bedingung für eine mögliche Folge.

Bei als wenn gehört wenn fest zur vergleichenden Verbindung. Der Satz Er zittert, als wenn er Angst hätte ist daher kein Bedingungssatz.

Zeitform und Perspektive

Nicht die Zeitform des Hauptsatzes, sondern die Perspektive bestimmt die Form im Vergleichssatz:

Zeitverhältnis Beispiel Deutung
gleichzeitig Er schwieg, als wüsste er die Antwort nicht. Wissen und Schweigen gehören zum selben Zeitpunkt.
vorher Er schwieg, als hätte er die Frage nicht gehört. Das angebliche Nichthören liegt vor dem Schweigen.
nachher Er holte tief Luft, als würde er eine Rede beginnen. Der vorgestellte Beginn folgt auf das Luftholen.

Diese Unterscheidung ist wichtiger als eine mechanische Anpassung an Präsens oder Präteritum im Hauptsatz.

Verkürzte und selbstständige Wendungen

Als ob! kann allein als Ausruf stehen. Damit weist man eine Behauptung spöttisch oder entschieden zurück:

  • „Du hast doch Angst.“ – „Als ob!“

Gemeint ist ungefähr: Das stimmt überhaupt nicht oder Das ist doch lächerlich. Die Wendung ist umgangssprachlich und kann schroff wirken.

Häufig sind außerdem feste Formulierungen wie als ob nichts wäre, als ob nichts geschehen wäre und als hätte es das nie gegeben. Sie folgen denselben Regeln, werden aber oft als ganze Einheiten gebraucht:

  • Nach dem Streit begrüßte er mich, als ob nichts gewesen wäre.
  • Die alte Werkstatt ist verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.

Stilistische Voranstellung

Ein vorangestellter Vergleich kann eine Szene lebendiger machen: Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, wurde es plötzlich still. Besonders in Erzählungen schafft diese Reihenfolge zuerst ein Bild und nennt danach das eigentliche Ereignis. In nüchterner Alltagssprache steht meist zuerst der Hauptsatz: Es wurde plötzlich still, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Beide Reihenfolgen sind korrekt.

Übungstipps

  1. Bilde jedes Beispiel zweimal. Schreibe zuerst die Form mit als ob und forme sie dann in die kurze Form um: als ob er müde wäreals wäre er müde. Achte bewusst darauf, wie das Verb seine Position ändert.
  2. Ordne Eindrücke nach ihrer Zeit. Frage bei jedem Satz: Ist die vorgestellte Handlung gleichzeitig, vorher oder nachher? Wähle danach wäre/hätte, wäre/hätte + Partizip II oder würde + Infinitiv.
  3. Sammle typische Auslöser. Notiere beim Hören oder Lesen ganze Verbindungen wie sieht aus, als …, klingt, als … und tut so, als ob …. Eigene Beispiele zu solchen Satzanfängen prägen sich besser ein als isolierte Regeln.

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