A1

Personalpronomen im Walisischen

Rhagenwau Personol

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Die wichtigsten walisischen Personalpronomen sind fi/i, ti, e/o, hi, ni, chi und nhw. Anders als im Deutschen stehen sie in gewöhnlichen Verbkonstruktionen meist nach der gebeugten Verbform: Dw i'n dysgu („Ich lerne“), Mae hi'n gweithio („Sie arbeitet“). Ti ist ein vertrauliches „du“, während chi sowohl „ihr“ als auch ein höfliches „Sie“ bezeichnet.

Überblick

Personalpronomen sind kurze Wörter, mit denen man auf Personen oder Dinge verweist, ohne deren Namen ständig zu wiederholen: im Deutschen etwa „ich“, „du“, „sie“ oder „wir“. Als Subjekt (die Person oder Sache, die handelt oder über die etwas ausgesagt wird) zeigen sie im Walisischen, wer gemeint ist. Besonders häufig begegnen sie zusammen mit Formen von bod („sein“), dem wichtigsten Hilfsverb der Sprache.

Dieses Thema gehört zu den ersten Grundlagen auf Niveau A1. Schon in sehr einfachen Sätzen braucht man Verbindungen wie dw i („ich bin“), wyt ti („du bist“) und mae hi („sie ist“). Mit einem Verbalsubstantiv – der Grundform eines Verbs, die in vielen walisischen Satzmustern verwendet wird – entstehen daraus auch Aussagen wie Dw i'n darllen („Ich lese“) oder Mae hi'n dod („Sie kommt“).

Für Deutschsprachige sind vor allem drei Unterschiede wichtig. Erstens steht das Pronomen häufig hinter dem gebeugten Verb. Zweitens gibt es für „er“ regionale Varianten: im Süden meist e/fe, im Norden meist o/fo. Drittens hat Walisisch kein eigenes neutrales Pronomen, das genau dem deutschen „es“ entspricht. Stattdessen richtet sich die Wahl zwischen männlichem e/o und weiblichem hi oft nach dem grammatischen Geschlecht des Bezugsworts; in unpersönlichen Wendungen kommt ebenfalls häufig hi vor.

So funktioniert es

Die Grundformen

Person Walisisch Deutsche Entsprechung Wichtig zu wissen
1. Person Singular fi, nach vielen Verbformen i ich, mich, mir i in dw i; fi oft allein, betont oder nach einer Präposition
2. Person Singular ti du, dich, dir vertraulich, für eine einzelne Person
3. Person Singular, männlich e/fe (Süden), o/fo (Norden) er, ihn; es bei männlichem Bezugswort regionale Formen; nicht wahllos innerhalb eines Lernmodells mischen
3. Person Singular, weiblich hi sie; es bei weiblichem Bezugswort auch in einigen unpersönlichen Wendungen
1. Person Plural ni wir, uns dieselbe Grundform in vielen Funktionen
2. Person Plural oder höflich chi ihr, euch; Sie, Ihnen Mehrzahl und höfliche Anrede im Singular
3. Person Plural nhw sie, ihnen für alle Geschlechter

Die Schreibweise fi/i bedeutet nicht, dass beide Formen überall frei austauschbar wären. Als einfache Lernregel gilt:

  • Nach der gesprochenen Präsensform dw steht i: Dw i'n barod.
  • Wenn „ich“ allein oder mit deutlichem Gegensatz gemeint ist, ist fi häufig: Fi sy'n gyrru. („Ich bin es, der fährt.“)
  • Nach manchen Präpositionen hört man fi: gyda fi („mit mir“, in südlichen Varietäten auch Teil einer Besitzkonstruktion).

Pronomen mit bod im Präsens

Im Deutschen steht normalerweise zuerst das Subjekt: „ich bin“, „du bist“. Im alltäglichen Walisisch kommt die gebeugte Form von bod häufig zuerst. Das folgende Pronomen darf deshalb nicht nach deutschem Muster nach vorn geschoben werden.

Person Häufige gesprochene Verbindung Grundbedeutung
ich dw i ich bin
du wyt ti du bist
er mae e / mae o er ist
sie mae hi sie ist
wir dyn ni wir sind
ihr / Sie dych chi ihr seid / Sie sind
sie maen nhw sie sind

In vollständigen Sätzen folgt oft 'n, die verkürzte Form von yn, und danach eine Eigenschaft oder ein Verbalsubstantiv:

  • Dw i'n flinedig. – „Ich bin müde.“
  • Wyt ti'n gweithio? – „Arbeitest du?“
  • Maen nhw'n aros. – „Sie warten.“

Das Apostroph gehört zur Schreibung: i'n besteht hier aus i + yn. Das kleine Wort yn erfüllt je nach Satz verschiedene grammatische Aufgaben; für den Einstieg genügt es, die ganze Verbindung als Muster zu lernen.

ti und chi: du, ihr oder Sie?

Ti spricht genau eine Person vertraulich an, beispielsweise ein Familienmitglied, einen Freund oder ein Kind. Chi hat zwei Funktionen:

  1. Es bezeichnet mehrere angesprochene Personen: „ihr“.
  2. Es bezeichnet eine einzelne Person höflich oder mit Abstand: „Sie“.

Ob ti oder chi angemessen ist, hängt von Beziehung, Alter, Situation und persönlicher Gewohnheit ab. Im Zweifel ist chi die vorsichtigere Wahl. Wichtig ist, auch die passende Verbform zu verwenden: Wyt ti...? gehört zu ti, Dych chi...? zu chi.

Anders als das deutsche höfliche „Sie“ wird chi nicht wegen der Höflichkeit großgeschrieben. Eine Großschreibung am Satzanfang ist natürlich weiterhin normal.

Männlich, weiblich und „es“

Bei Menschen ist e/o gewöhnlich männlich und hi weiblich. Die beiden Formen können aber auch auf Dinge zurückverweisen. Dann kann das grammatische Geschlecht des walisischen Substantivs entscheidend sein. Dieses Geschlecht stimmt nicht zuverlässig mit dem deutschen überein. Man sollte daher ein walisisches Substantiv möglichst zusammen mit seinem Geschlecht lernen, statt vom deutschen Artikel auszugehen.

Ein eigenes sächliches Pronomen wie deutsches „es“ gibt es in dieser Reihe nicht. In Wetter- und Zeitangaben verwendet man oft hi:

  • Mae hi'n bwrw glaw. – „Es regnet.“
  • Mae hi'n dri o'r gloch. – „Es ist drei Uhr.“

Das bedeutet nicht, dass jedes deutsche „es“ automatisch mit hi übersetzt wird. Die walisische Konstruktion muss als Ganzes gelernt werden.

Pronomen zur Verstärkung des Besitzes

Personalpronomen erscheinen auch am Ende von Besitzgruppen. Der Besitz wird dort bereits vor dem Substantiv angezeigt; das abschließende Pronomen macht die Person nochmals deutlich:

Walisische Gruppe Bedeutung Abschließendes Pronomen
fy nghar i mein Auto i
dy gar di dein Auto di
ei gar e/o sein Auto e/o
ei char hi ihr Auto hi
ein car ni unser Auto ni
eich car chi euer / Ihr Auto chi
eu car nhw ihr Auto nhw

Hier erscheinen Lautveränderungen am Wortanfang, sogenannte Anlautmutationen. So wird etwa car nach „mein“ zu nghar und nach „ihr“ zu char. Diese Mutationen und die besitzanzeigenden Wörter sind eigene Lernthemen. Für diesen Artikel ist vor allem wichtig, die wiederaufnehmenden Formen i, di, e/o, hi, ni, chi, nhw zu erkennen.

Beispiele im Zusammenhang

Walisisch Deutsch Hinweis
Fi yw Siân. Ich bin Siân. fi steht hervorgehoben; eine eher formelle oder betonte Gleichsetzung
Dw i'n dysgu Cymraeg. Ich lerne Walisisch. alltägliches Muster dw i'n
Wyt ti'n hapus? Bist du glücklich? vertrauliche Anrede im Singular
Mae e'n gweithio heddiw. Er arbeitet heute. südliche männliche Form e
Mae o'n byw yng Nghaernarfon. Er lebt in Caernarfon. nördliche männliche Form o
Mae hi'n dod nawr. Sie kommt jetzt. 3. Person Singular, weiblich
Dyn ni'n barod. Wir sind bereit. häufige gesprochene Form
Dych chi'n siarad Cymraeg? Sprechen Sie Walisisch? / Sprecht ihr Walisisch? Kontext entscheidet zwischen höflichem Singular und Plural
Maen nhw'n chwarae yn yr ardd. Sie spielen im Garten. maen, nicht mae, mit nhw
Fi sy'n coginio heno. Ich koche heute Abend. „ich und niemand anderes“ ist hervorgehoben
Mae hi'n bwrw eira. Es schneit. unpersönliches hi beim Wetter
Mae car gyda fi. Ich habe ein Auto. südliche Besitzkonstruktion, wörtlich etwa „Ein Auto ist bei mir“
Dyma ein tŷ ni. Das ist unser Haus. ni verstärkt „unser“ am Ende
Dw i'n dy weld di. Ich sehe dich. di nimmt die angesprochene Person am Ende wieder auf

Häufige Fehler

1. Deutsche Wortstellung übernehmen

  • Falsch: Fi dw yn hapus.
  • Richtig: Dw i'n hapus.
  • Warum: In diesem gewöhnlichen Satz steht die Form von bod zuerst, dann das Pronomen. Außerdem werden i und yn zu i'n verbunden.

2. fi direkt nach dw setzen

  • Falsch: Dw fi'n dysgu.
  • Richtig: Dw i'n dysgu.
  • Warum: Die feste alltägliche Verbindung lautet dw i. Fi wird in anderen Stellungen gebraucht, besonders wenn es allein, nach bestimmten Präpositionen oder betont steht.

3. ti mit der Verbform von chi verbinden

  • Falsch: Dych ti'n barod?
  • Richtig: Wyt ti'n barod?
  • Warum: Wyt gehört zur vertraulichen Einzahl ti. Für mehrere Personen oder höfliche Anrede heißt es Dych chi'n barod?

4. Bei nhw nur mae verwenden

  • Falsch: Mae nhw'n aros.
  • Richtig: Maen nhw'n aros.
  • Warum: Die übliche Pluralverbindung lautet maen nhw. Lerne sie am besten als untrennbares Satzmuster.

5. Deutsches „es“ immer mit hi übersetzen

  • Falsch als allgemeine Regel: „es“ = hi
  • Richtig: Mae hi'n bwrw glaw für „Es regnet“, aber in anderen Sätzen richtet sich das Pronomen nach der walisischen Konstruktion und gegebenenfalls nach dem Geschlecht des Bezugsworts.
  • Warum: Zwischen den Pronomen beider Sprachen besteht keine einfache Eins-zu-eins-Zuordnung.

6. chi nur als Mehrzahl verstehen

  • Missverständlich: Dych chi'n iawn? ausschließlich mit „Geht es euch gut?“ übersetzen.
  • Je nach Situation richtig: „Geht es euch gut?“ oder „Geht es Ihnen gut?“
  • Warum: chi dient zugleich als Pluralpronomen und als höfliche Anrede einer einzelnen Person.

Hinweise zum Gebrauch

Die Paare e/fe und o/fo spiegeln einen gut hörbaren regionalen Unterschied wider. Grob gesagt sind e/fe eher südlich und o/fo eher nördlich. Beide gehören zum heutigen Walisisch. Für einen stabilen Einstieg empfiehlt es sich, dem Modell des eigenen Kurses oder der Region zu folgen. Beim Hören sollte man jedoch beide Reihen erkennen können.

Auch andere Formen schwanken nach Region und Register. In formeller Schriftsprache können beispielsweise ef für „er“ und hwy für „sie“ vorkommen; in der gesprochenen Alltagssprache sind e/o und nhw viel häufiger. Ältere oder besonders formelle Texte verwenden außerdem Formen und Verbverbindungen, die in einem Anfängerkurs kaum auftreten.

Walisische Pronomen werden nicht so frei weggelassen wie Subjektpronomen in manchen anderen europäischen Sprachen. Obwohl eine Verbform bereits Person anzeigen kann, gehört das Pronomen in vielen gesprochenen Mustern fest dazu: dw i, bydda i, wnes i. Für Deutschsprachige ist also nicht das Weglassen die Hauptschwierigkeit, sondern die Stellung nach dem Verb.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen, wird ihnen aber später häufig begegnen.

Präpositionen verändern sich nach der Person

Viele walisische Präpositionen erhalten je nach Person unterschiedliche Formen. Statt einfach dieselbe Präposition vor fi, ti, hi und so weiter zu setzen, lernt man Reihen wie arna i, arnat ti, arno fe/fo, arni hi („auf mir, auf dir, auf ihm, auf ihr“ beziehungsweise je nach Ausdruck andere deutsche Entsprechungen). Das nennt man eine flektierte Präposition: Die Präposition selbst zeigt an, auf welche Person sie sich bezieht.

Objektpronomen haben eigene Satzmuster

Ein Objekt ist die Person oder Sache, auf die eine Handlung gerichtet ist – in „Ich sehe ihn“ also „ihn“. In gesprochener Sprache kann ein Pronomen nach dem Verbalsubstantiv stehen, etwa gweld e („ihn sehen“). Sehr häufig wird die Person aber zusätzlich vor dem Verbalsubstantiv markiert: Dw i'n dy weld di („Ich sehe dich“). Die Wörter vor dem Verb lösen dabei teilweise Mutationen aus. Deshalb sollte man Objektpronomen nicht einfach nach deutschem Muster Wort für Wort einsetzen.

Betonte und kontrastierende Formen

Für ausdrücklichen Gegensatz besitzt Walisisch erweiterte Formen wie innau, tithau oder hithau. Sie können sinngemäß „ich meinerseits“, „du dagegen“ oder „sie wiederum“ ausdrücken. Daneben wird im heutigen gesprochenen Walisisch oft schon durch Voranstellung und Betonung fokussiert: Fi sy'n talu bedeutet „Ich bin es, der bezahlt“. Solche Fokussätze haben eine eigene Struktur und gehören nicht zur einfachen A1-Grundregel.

Übungstipps

  1. Lerne Pronomen und Verbform als Paar. Sprich täglich die Reihe dw i – wyt ti – mae e/o – mae hi – dyn ni – dych chi – maen nhw laut. So vermeidest du Formen wie mae nhw oder dych ti.
  2. Bilde einen Satz in sieben Personen. Nimm etwa bod yn barod („bereit sein“) oder bod yn gweithio („arbeiten“) und tausche jeweils Verbform und Pronomen gemeinsam aus.
  3. Entscheide dich beim Sprechen zunächst für eine Region. Verwende konsequent entweder e oder o, markiere beim Hören aber beide als „er“. Ergänze auf Karteikarten außerdem immer, ob chi im Beispielsatz „ihr“ oder höfliches „Sie“ bedeutet.

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  • Nächster Schritt: Bod im Präsens — verbindet die Pronomen mit den wichtigsten Formen von „sein“ und bildet die Grundlage vieler walisischer Verbkonstruktionen.

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