Die -ím/-íš-Konjugation im Tschechischen
Konjugace -ím/-íš
Dieser Artikel ist Teil des Tschechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
In Kürze
Bei Verben dieses Musters endet das Präsens auf -ím, -íš, -í, -íme, -íte, -í: mluvím, mluvíš, mluví, mluvíme, mluvíte, mluví. Die Endung zeigt bereits die Person; deshalb lässt man já, ty, my und andere Subjektpronomen normalerweise weg. Besonders wichtig: Die 3. Person Singular und Plural haben dieselbe Form auf -í.
Überblick
Die sogenannte -ím/-íš-Konjugation ist eines der grundlegenden Präsensmuster im Tschechischen. Mit ihr werden viele häufige Verben gebeugt, darunter mluvit „sprechen“, prosit „bitten“, vidět „sehen“ und slyšet „hören“. Schon auf Niveau A1 brauchst du diese Formen, um über dich und andere zu sprechen, Fragen zu stellen oder höflich um etwas zu bitten.
„Konjugieren“ bedeutet einfach, ein Verb an die handelnde Person anzupassen. Diese Person ist das Subjekt – also die Person oder Sache, die etwas tut oder erlebt. Im Deutschen sagt man etwa „ich spreche“, aber „du sprichst“. Tschechisch verändert das Verb ebenfalls, nur mit anderen Endungen: mluvím und mluvíš.
Die deutsche Gewohnheit, fast immer ein Subjektpronomen zu nennen, darfst du dabei nicht direkt übertragen. Im Tschechischen reicht die Verbendung meist aus: Mluvím česky bedeutet bereits „Ich spreche Tschechisch“. Ein ausgesprochenes já ist möglich, hebt „ich“ aber oft besonders hervor oder stellt einen Gegensatz her.
So funktioniert es
Das Grundmuster
Als Infinitiv bezeichnet man die Grundform eines Verbs, im Deutschen zum Beispiel „sprechen“ und im Tschechischen mluvit. Für die Präsensformen von mluvit verwendest du den Stamm mluv- und setzt die Endungen des Musters daran.
| Person | Pronomen | Endung | mluvit | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| 1. Person Singular | já | -ím | (já) mluvím | ich spreche |
| 2. Person Singular | ty | -íš | (ty) mluvíš | du sprichst |
| 3. Person Singular | on / ona / ono | -í | (on/ona/ono) mluví | er/sie/es spricht |
| 1. Person Plural | my | -íme | (my) mluvíme | wir sprechen |
| 2. Person Plural | vy | -íte | (vy) mluvíte | ihr sprecht / Sie sprechen |
| 3. Person Plural | oni / ony / ona | -í | (oni/ony/ona) mluví | sie sprechen |
Die Klammern zeigen: Das Pronomen kann stehen, muss aber meistens nicht stehen. Beim Lernen lohnt es sich trotzdem, die Reihe zunächst mit Pronomen aufzusagen. So verbindest du jede Endung sicher mit der richtigen Person.
Die sechs Endungen
Das Muster lässt sich kompakt so merken:
| Zahl | 1. Person | 2. Person | 3. Person |
|---|---|---|---|
| Singular | -ím | -íš | -í |
| Plural | -íme | -íte | -í |
Drei Beobachtungen erleichtern das Lernen:
- Alle Formen enthalten ein langes í. Der Akut zeigt im Tschechischen Vokallänge an; er ist kein frei gesetztes Betonungszeichen und darf beim Schreiben nicht fehlen.
- -íme und -íte sind die längeren Pluralformen von -ím und -íš.
- Die Form auf -í kann sowohl „er/sie/es …“ als auch „sie …“ bedeuten. Das Subjekt oder der Zusammenhang klärt die Zahl: Petr mluví „Petr spricht“, aber Petr a Jana mluví „Petr und Jana sprechen“.
Häufige Verben nach diesem Muster
Nicht nur Infinitive auf -it gehören hierher. Auch mehrere sehr häufige Verben auf -ět oder -et haben diese Präsensendungen.
| Infinitiv | Stamm im Präsens | 1. Person Singular | 2. Person Singular | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| mluvit | mluv- | mluvím | mluvíš | sprechen |
| prosit | pros- | prosím | prosíš | bitten |
| vidět | vid- | vidím | vidíš | sehen |
| slyšet | slyš- | slyším | slyšíš | hören |
| bydlet | bydl- | bydlím | bydlíš | wohnen |
| sedět | sed- | sedím | sedíš | sitzen |
| rozumět | rozum- | rozumím | rozumíš | verstehen |
| učit | uč- | učím | učíš | lehren, unterrichten |
Am sichersten lernst du ein neues Verb nicht nur als Infinitiv, sondern zusammen mit mindestens einer Präsensform, etwa vidět – vidím oder slyšet – slyším. Die Infinitivendung allein verrät das Präsensmuster nämlich nicht immer zuverlässig.
Verneinung
Für eine Verneinung steht ne- direkt vor dem Verb. Die Personenendung bleibt unverändert:
| Bejahung | Verneinung | Bedeutung |
|---|---|---|
| mluvím | nemluvím | ich spreche nicht |
| vidíš | nevidíš | du siehst nicht |
| rozumíme | nerozumíme | wir verstehen nicht |
| slyší | neslyší | er/sie hört nicht; sie hören nicht |
Im Deutschen steht „nicht“ meist als eigenes Wort. Im Tschechischen gehört ne- dagegen unmittelbar zur Verbform: Nemluvím německy.
Fragen
Für eine Ja-Nein-Frage brauchst du kein zusätzliches Hilfsverb. Die Form bleibt gleich; beim Sprechen kennzeichnet die Satzmelodie die Frage, beim Schreiben das Fragezeichen:
- Mluvíš česky? – Sprichst du Tschechisch?
- Vidíte to? – Seht ihr das? / Sehen Sie das?
- Rozumí? – Versteht er oder sie? / Verstehen sie?
Das ist anders als bei deutschen Fragen, bei denen das gebeugte Verb gewöhnlich vor dem Subjekt steht. Da das tschechische Subjekt oft fehlt, kann eine Frage einfach aus Verb und Ergänzung bestehen.
Beispiele im Zusammenhang
| Tschechisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Mluvím česky. | Ich spreche Tschechisch. | 1. Person Singular; já ist nicht nötig. |
| Mluvíš moc rychle. | Du sprichst sehr schnell. | Informelle Anrede einer Person. |
| Eva mluví německy. | Eva spricht Deutsch. | Das genannte Subjekt macht die 3. Person eindeutig. |
| Doma mluvíme česky. | Zu Hause sprechen wir Tschechisch. | 1. Person Plural. |
| Mluvíte anglicky? | Sprecht ihr Englisch? / Sprechen Sie Englisch? | vy kann informell plural oder höflich sein. |
| Vidíš to? | Siehst du das? | Kurze Ja-Nein-Frage ohne Pronomen. |
| Nevidím autobus. | Ich sehe den Bus nicht. | ne- verneint die Verbform. |
| Prosíme o pomoc. | Wir bitten um Hilfe. | prosit o wird mit „um etwas bitten“ wiedergegeben. |
| Prosíte o účet? | Bitten Sie um die Rechnung? | Form auf -íte; die Situation bestimmt die Anrede. |
| Slyší nás. | Sie hören uns. | Ohne genanntes Subjekt kann slyší Singular oder Plural sein. |
| Neslyšíme tě dobře. | Wir hören dich nicht gut. | Verneinte 1. Person Plural. |
| Bydlím v Brně. | Ich wohne in Brünn. | Häufige Angabe des Wohnorts. |
| Kde bydlíte? | Wo wohnen Sie? / Wo wohnt ihr? | Fragewort plus 2. Person Plural. |
| Sedíte tady? | Sitzen Sie hier? / Sitzt ihr hier? | Höfliche oder plurale Anrede. |
| Rozumíš mi? | Verstehst du mich? | Informelle Frage an eine Person. |
Häufige Fehler
1. Die Infinitivendung nur abzuschneiden
- Falsch: Já mluvi česky.
- Richtig: Mluvím česky.
- Warum: Aus mluvit wird nicht einfach mluvi. Der Präsensstamm lautet mluv-; für „ich“ kommt die vollständige Endung -ím hinzu. Auch das lange í gehört zur Form.
2. Für die 3. Person Plural eine zusätzliche Endung zu erfinden
- Falsch: Oni mluvíjí česky.
- Richtig: Oni mluví česky.
- Warum: In diesem Muster sind die 3. Person Singular und Plural identisch: on mluví und oni mluví. Anders als im Deutschen gibt es hier keinen Unterschied wie „spricht“ gegenüber „sprechen“.
3. Deutsche Subjektpronomen-Gewohnheiten ungeprüft zu übertragen
- Weniger neutral: Já mluvím česky. Já bydlím v Praze. Já rozumím dobře.
- Neutraler: Mluvím česky. Bydlím v Praze. Rozumím dobře.
- Warum: Die Sätze mit já sind grammatisch, klingen in einer solchen Folge aber unnötig nachdrücklich. Verwende das Pronomen, wenn du wirklich „ich – nicht jemand anderes“ hervorheben möchtest: Já mluvím česky, ale Petr mluví anglicky.
4. Bei vy die Singularform zu verwenden
- Falsch: Vy mluvíš německy?
- Richtig: Vy mluvíte německy?
- Warum: vy verlangt immer die Form der 2. Person Plural auf -íte – sowohl für mehrere vertraute Personen als auch für die höfliche Anrede einer Person.
5. Den Akut wegzulassen
- Falsch: mluvim, prosis, vidime
- Richtig: mluvím, prosíš, vidíme
- Warum: í und i bezeichnen unterschiedliche Vokallängen. Tschechische Längenzeichen sind ein fester Teil der Schreibweise, auch wenn man die Bedeutung oft noch erraten kann.
6. Jedes Verb auf -it nach diesem Schema zu bilden
- Falsch: aus der Infinitivendung allein eine sichere Regel für jedes neue Verb abzuleiten
- Richtig: Infinitiv und eine Präsensform gemeinsam lernen, zum Beispiel mluvit – mluvím, aber dělat – dělám
- Warum: Tschechische Infinitivendungen und Präsensklassen passen nicht immer in eine einzige mechanische Schablone. Das Muster ist sehr wichtig, doch das Wörterbuch oder der Lernwortschatz sollte die tatsächliche Präsensform bestätigen.
Hinweise zum Gebrauch
Pronomen: meist weglassen, gezielt einsetzen
Da -ím eindeutig „ich“ und -íme eindeutig „wir“ signalisiert, sind já und my häufig überflüssig. Pronomen erscheinen vor allem bei Kontrast, Korrektur oder einem Themenwechsel:
- Já mluvím česky, ale ona mluví slovensky. – Ich spreche Tschechisch, aber sie spricht Slowakisch.
- My bydlíme v Brně. A vy? – Wir wohnen in Brünn. Und Sie/ihr?
Bei der Form auf -í kann ein Pronomen oder ein genanntes Subjekt besonders hilfreich sein, weil Singular und Plural gleich aussehen: Ona rozumí gegenüber Oni rozumí.
vy: „ihr“ und höfliches „Sie“
Die Formen auf -íte haben zwei wichtige Funktionen. Sie sprechen mehrere Personen informell an oder eine beziehungsweise mehrere Personen höflich. In Briefen und direkten höflichen Mitteilungen sieht man häufig die Großschreibung Vy, Vám, Váš. Die Verbform bleibt in beiden Fällen dieselbe: Mluvíte česky?
prosím als feste Alltagsform
Prosím ist grammatisch die 1. Person Singular von prosit, wird aber sehr oft selbstständig gebraucht. Je nach Situation bedeutet es „bitte“, „gern geschehen“, „wie bitte?“ oder dient beim Überreichen im Sinn von „bitte schön“. Diese alltäglichen Funktionen lernst du am besten als feste Wendungen; sie ändern nichts am normalen Paradigma prosím, prosíš, prosí ….
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen du später häufig begegnest.
Der Infinitiv sagt nicht alles voraus
Die Bezeichnung „-ím/-íš-Konjugation“ richtet den Blick bewusst auf die Präsensendungen. Verschiedene Lehrwerke teilen tschechische Verben etwas unterschiedlich in Klassen ein. Für die Praxis ist daher entscheidend, welche Formen ein Verb tatsächlich hat, nicht wie eine Klasse nummeriert wird.
Manche Verben besitzen dasselbe Endungsmuster, obwohl ihr Infinitiv ganz anders aussieht. Ein bekanntes Beispiel ist spát „schlafen“ mit spím, spíš, spí, spíme, spíte, spí. Umgekehrt darfst du aus einer ähnlich aussehenden Grundform nicht automatisch dieselben Endungen folgern. Ein gutes Wörterbuch nennt gewöhnlich die 1. Person Singular; genau diese Angabe verrät dir das Muster.
Lautwechsel im Stamm
Bei manchen Verben verändert sich nicht nur die Endung, sondern auch ein Laut im Stamm. Solche Wechsel sind historisch gewachsen und nicht immer zuverlässig aus dem Infinitiv abzuleiten. Deshalb ist die Lernform „Infinitiv + ich-Form“ so nützlich. Später kannst du zusätzlich die 3. Person Singular notieren, wenn ein Verb weitere Besonderheiten zeigt.
Vollendeter und unvollendeter Aspekt
Tschechische Verben unterscheiden den Aspekt, also ob eine Handlung als Verlauf/Wiederholung oder als abgeschlossenes Ganzes betrachtet wird. Viele hier behandelte Verben, etwa mluvit, sind unvollendet und ihre Präsensformen bezeichnen die Gegenwart. Vollendete Partner können ähnliche Personenendungen haben, beziehen sich in der Präsensform jedoch gewöhnlich auf ein zukünftiges Ergebnis. Das ist ein späteres Thema: Für den Einstieg genügt es, die sechs Endungen sicher zu erkennen und mit häufigen unvollendeten Verben zu verwenden.
Stellung kurzer unbetonter Wörter
In Sätzen mit kurzen Wörtern wie se, si, mi oder tě spielt die sogenannte zweite Satzposition eine wichtige Rolle. Deshalb heißt es zum Beispiel Jak se jmenuješ? und Rozumíš mi? Diese Wortstellung gehört nicht zur Bildung der Endungen selbst. Lerne solche Sätze zunächst als ganze, natürliche Einheiten, statt die deutschen Wörter einzeln in dieselbe Reihenfolge zu setzen.
Lerntipps
- Übe in einem Sechserrhythmus. Sprich täglich ein Verb vollständig: mluvím – mluvíš – mluví – mluvíme – mluvíte – mluví. Markiere dabei laut den Gegensatz zwischen -ím/-íme und -íš/-íte.
- Lerne neue Verben paarweise. Notiere nicht nur vidět = sehen, sondern vidět – vidím. Bilde danach sofort eine Aussage, eine Verneinung und eine Frage: Vidím to. Nevidím to. Vidíš to?
- Suche die Person in echten Sätzen. Unterstreiche in kurzen Dialogen die Verbendung und ergänze gedanklich das ausgelassene Pronomen. Bei einer Form auf -í prüfst du zusätzlich, ob der Kontext eine einzelne Person oder mehrere Personen meint.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Personalpronomen – damit ordnest du die Endungen den handelnden Personen zu und erkennst bewusste Hervorhebung.
- Nächster Schritt: Fragebildung – zeigt, wie Formen wie mluvíš und bydlíte in verschiedenen Fragetypen verwendet werden.
- Nächster Schritt: Modalverben – verbindet gebeugte Formen wie musím oder můžeš mit einem weiteren Verb im Infinitiv.
Voraussetzung
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