Der budoucí čas im Tschechischen
Budoucí Čas
Dieser Artikel ist Teil des Tschechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
In Kürze
Die tschechische Zukunft hängt vom Verbalaspekt ab, also davon, ob ein Verb einen Verlauf beziehungsweise eine Wiederholung oder ein abgeschlossenes Ergebnis ausdrückt. Imperfektive Verben bilden die Zukunft mit budu + Infinitiv: Budu psát. Perfektive Verben verwenden dagegen ihre einfache konjugierte Form: Napíšu. — „Ich werde es schreiben und fertigstellen.“
Überblick
Im Deutschen lässt sich die Zukunft meist einheitlich mit werden + Infinitiv ausdrücken. Im Tschechischen muss man zuerst wissen, welchen Aspekt ein Verb hat. Der imperfektive Aspekt zeigt eine Tätigkeit im Verlauf, eine Wiederholung oder eine Handlung ohne Blick auf ihren Abschluss. Der perfektive Aspekt betrachtet die Handlung als einmaliges Ganzes mit Grenze oder Ergebnis. Dieses Wissen aus dem Thema Verbalaspekt ist deshalb die Grundlage für den budoucí čas.
Auf B1-Niveau sind vor allem zwei Baupläne wichtig. Mit einem imperfektiven Verb steht die konjugierte Zukunftsform von být „sein“ plus Infinitiv (die Grundform des Verbs): budu pracovat „ich werde arbeiten“. Ein perfektives Verb hat keine echte Gegenwartsbedeutung; seine Formen, die wie Präsensformen aussehen, bezeichnen normalerweise die Zukunft: udělám „ich werde es machen/erledigen“.
Die Wahl ist nicht bloß eine Frage der Form. Budu číst knihu lenkt den Blick auf das Lesen als Tätigkeit; Přečtu knihu verspricht eher, dass das Buch zu Ende gelesen wird. Deutschsprachige Lernende dürfen „perfektiv“ dabei nicht mit dem deutschen Perfekt verwechseln: Es geht nicht um habe gemacht, sondern um die Sicht auf die Handlung.
So funktioniert es
1. Imperfektive Verben: Zukunft von být + Infinitiv
Für eine Tätigkeit im Verlauf, eine Gewohnheit oder einen offenen Vorgang verwendet man die Zukunftsformen von být und den unveränderten Infinitiv.
| Person | Form von být | Beispiel mit psát | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|---|
| já | budu | budu psát | ich werde schreiben |
| ty | budeš | budeš psát | du wirst schreiben |
| on / ona / ono | bude | bude psát | er / sie / es wird schreiben |
| my | budeme | budeme psát | wir werden schreiben |
| vy | budete | budete psát | ihr werdet / Sie werden schreiben |
| oni / ony / ona | budou | budou psát | sie werden schreiben |
Das finite Verb, also die an Person und Zahl angepasste Form, ist budu, budeš, bude und so weiter. Der Infinitiv bleibt immer gleich:
- Budu pracovat doma. — Ich werde zu Hause arbeiten.
- Budete čekat dlouho? — Werdet ihr / Werden Sie lange warten?
- Děti budou spát. — Die Kinder werden schlafen.
Diese Form entspricht nicht automatisch der deutschen Verlaufsformulierung „gerade dabei sein“. Budu psát dopis kann je nach Zusammenhang sowohl „Ich werde einen Brief schreiben“ als auch „Ich werde an einem Brief schreiben“ bedeuten. Entscheidend ist, dass der Abschluss nicht als Ergebnis hervorgehoben wird.
Auch Verben ohne natürliches Endergebnis stehen gewöhnlich in dieser Form: budu bydlet „ich werde wohnen“, budu vědět „ich werde wissen“, budu potřebovat „ich werde brauchen“.
2. Perfektive Verben: einfache Form mit Zukunftsbedeutung
Perfektive Verben bezeichnen eine begrenzte, einmalige oder erfolgreich abgeschlossene Handlung. Ihre konjugierten Formen sehen formal wie ein Präsens aus, haben aber normalerweise Zukunftsbedeutung.
| Imperfektiv | Perfektiv | Imperfektive Zukunft | Perfektive Zukunft |
|---|---|---|---|
| psát | napsat | Budu psát dopis. | Napíšu dopis. |
| číst | přečíst | Budu číst knihu. | Přečtu knihu. |
| dělat | udělat | Budu dělat večeři. | Udělám večeři. |
| kupovat | koupit | Budu kupovat jídlo. | Koupím jídlo. |
| opravovat | opravit | Budu opravovat kolo. | Opravím kolo. |
Ein Präfix wie na-, pře- oder u- bildet häufig ein perfektives Verb, aber nicht jedes Verb mit Präfix ist automatisch perfektiv. Den Aspekt sollte man deshalb zusammen mit dem Verb lernen, möglichst als Paar.
Die perfektive Zukunft wird nach dem jeweiligen Präsensmuster des Verbs konjugiert. Bei napsat lauten die Formen zum Beispiel:
| Person | Zukunftsform |
|---|---|
| já | napíšu |
| ty | napíšeš |
| on / ona / ono | napíše |
| my | napíšeme |
| vy | napíšete |
| oni / ony / ona | napíšou |
Man sagt also napíšu, nicht budu napsat. Die Form mit budu verlangt in der Standardsprache einen imperfektiven Infinitiv.
3. Die Zukunft von být
Wenn být selbst „sein“ bedeutet, genügen seine Zukunftsformen; ein weiterer Infinitiv wird nicht ergänzt.
- Zítra budu doma. — Morgen bin ich zu Hause.
- Bude unavená. — Sie wird müde sein.
- Budeme připraveni. — Wir werden vorbereitet sein.
Für die einfache Zukunft von „sein“ heißt es daher budu, nicht budu být. Die Verbindung budu + Infinitiv verwendet být als Hilfsverb nur bei einem anderen imperfektiven Verb.
4. Verneinung und Fragen
Bei der zusammengesetzten Zukunft kommt ne- an die Form von být:
| Aussage | Verneinung | Frage |
|---|---|---|
| Budu pracovat. | Nebudu pracovat. | Budeš pracovat? |
| Budeme čekat. | Nebudeme čekat. | Budete čekat? |
Bei perfektiven Verben wird das konjugierte Verb selbst verneint:
- Napíšu mu. — Ich werde ihm schreiben.
- Nenapíšu mu. — Ich werde ihm nicht schreiben.
- Přijdeš zítra? — Kommst du morgen?
Tschechische Entscheidungsfragen brauchen kein zusätzliches Hilfsverb. Intonation und Fragezeichen reichen häufig aus.
5. Reflexive Verben und die kurzen Wörter se und si
Bei reflexiven Verben gehören se oder si zum Verb. Diese unbetonten Kurzformen stehen gewöhnlich früh im Satz, oft an der sogenannten zweiten Satzposition:
- Budu se učit česky. — Ich werde Tschechisch lernen.
- Zítra se budu učit doma. — Morgen werde ich zu Hause lernen.
- Budeš si číst? — Wirst du für dich lesen?
Die Folge budu učit se klingt im neutralen Tschechisch unnatürlich. Bei einem perfektiven reflexiven Verb bleibt die einfache Zukunft: Naučím se to. — „Ich werde es lernen.“
Beispiele im Zusammenhang
| Tschechisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Napíšu dopis ještě dnes. | Ich werde den Brief noch heute schreiben. | Perfektiv: Der Brief soll fertig werden. |
| Budu psát dopis celé odpoledne. | Ich werde den ganzen Nachmittag an einem Brief schreiben. | Imperfektiv: Dauer und Verlauf stehen im Vordergrund. |
| Co budeš dělat o víkendu? | Was wirst du am Wochenende machen? | Offene Frage nach einer Tätigkeit. |
| Přijdu v pět. | Ich komme um fünf. | Perfektive einfache Zukunft. |
| Zítra budu pracovat z domova. | Morgen werde ich von zu Hause aus arbeiten. | Imperfektive Tätigkeit. |
| Přečtu tu zprávu večer. | Ich werde den Bericht heute Abend durchlesen. | Perfektiv: vollständiges Lesen. |
| Večer budu číst. | Am Abend werde ich lesen. | Imperfektiv: Tätigkeit ohne genanntes Ergebnis. |
| Nebudeme na vás dlouho čekat. | Wir werden nicht lange auf Sie warten. | Verneinte zusammengesetzte Zukunft. |
| Nezapomenu na to. | Ich werde es nicht vergessen. | Verneinte perfektive Zukunft. |
| Budeš zítra doma? | Bist du morgen zu Hause? | být als Vollverb. |
| Děti se budou učit celé odpoledne. | Die Kinder werden den ganzen Nachmittag lernen. | se steht früh in der Verbgruppe. |
| Až skončím, zavolám ti. | Sobald ich fertig bin, rufe ich dich an. | Beide perfektiven Formen beziehen sich auf die Zukunft. |
| Každé pondělí budeme chodit plavat. | Jeden Montag werden wir schwimmen gehen. | Wiederholte zukünftige Gewohnheit. |
| Půjdu domů pěšky. | Ich werde zu Fuß nach Hause gehen. | Besondere Zukunft von jít. |
| Pojedeme do Brna vlakem. | Wir werden mit dem Zug nach Brno fahren. | Besondere Zukunft von jet. |
Häufige Fehler
Perfektiven Infinitiv nach budu verwenden
- Falsch: Budu napsat dopis.
- Richtig: Napíšu dopis.
- Warum: napsat ist perfektiv und bildet seine Zukunft mit der einfachen konjugierten Form. Mit budu müsste das imperfektive psát stehen: Budu psát dopis.
Die einfache Form eines imperfektiven Verbs als neutrale Zukunft benutzen
- Falsch: Zítra píšu dopis. — wenn lediglich „Ich werde morgen einen Brief schreiben“ gemeint ist und kein fester Plan hervorgehoben werden soll.
- Richtig: Zítra budu psát dopis.
- Warum: Die einfache Form píšu ist grundsätzlich Präsens. Ein Präsens kann zwar bei einem klar geplanten Termin Zukunftsbedeutung bekommen, ist aber nicht die allgemeine Zukunftsform des imperfektiven Verbs.
Perfektiv mit deutscher Vergangenheit gleichsetzen
- Falsch gedacht: Napíšu bedeute „ich habe geschrieben“, weil das Verb perfektiv ist.
- Richtig: Napíšu bedeutet „ich werde schreiben und fertigstellen“.
- Warum: Der tschechische Aspekt und die deutsche Zeitform Perfekt sind verschiedene Kategorien. Für die Vergangenheit braucht Tschechisch eine Vergangenheitsform, etwa Napsal jsem dopis.
Být doppelt setzen
- Falsch: Zítra budu být doma.
- Richtig: Zítra budu doma.
- Warum: budu ist bereits die Zukunft von být. Ein zusätzlicher Infinitiv ist in der einfachen Aussage „ich werde sein“ nicht nötig.
Se oder si ans Satzende schieben
- Falsch: Zítra budu učit se česky.
- Richtig: Zítra se budu učit česky.
- Warum: Die unbetonten Wörter se und si stehen in neutralen Sätzen früh, typischerweise in der zweiten Satzposition.
Bei jedem Zukunftssatz budu erwarten
- Falsch: Nur Formen wie budu dělat als Zukunft erkennen.
- Richtig: Auch udělám, koupím, přijdu oder zavolám sind Zukunftsformen.
- Warum: Perfektive Verben bilden die Zukunft ohne budu. Beim Hören ist deshalb der gelernte Aspekt des Verbs entscheidend.
Hinweise zum Gebrauch
Ergebnis oder Verlauf?
Der Unterschied zwischen budu dělat und udělám lässt sich nicht immer Wort für Wort ins Deutsche übertragen. Oft heißen beide Varianten „ich werde machen“. Die tschechische Wahl verrät jedoch, wie die sprechende Person die Handlung betrachtet:
- Budu uklízet kuchyň. — Ich werde die Küche aufräumen; der Vorgang oder die dafür verwendete Zeit ist wichtig.
- Uklidím kuchyň. — Ich werde die Küche aufräumen; das erwartete Ergebnis ist eine aufgeräumte Küche.
Bei Versprechen, Zusagen und einmaligen Entscheidungen ist der perfektive Aspekt daher häufig: Zavolám ti. „Ich rufe dich an“, Pomůžu ti. „Ich helfe dir“, Pošlu to zítra. „Ich schicke es morgen.“ Für längere Tätigkeiten, wiederholte Abläufe und Fragen danach, womit jemand beschäftigt sein wird, ist die zusammengesetzte Zukunft naheliegend.
Die Zukunft muss nicht immer ausdrücklich markiert sein
Wie im Deutschen kann ein Präsens mit einer klaren Zeitangabe auf die Zukunft verweisen, besonders bei festen Plänen und Terminen:
- Zítra odjíždím v šest. — Morgen fahre ich um sechs ab.
- V pátek máme poradu. — Am Freitag haben wir eine Besprechung.
Das wirkt oft unmittelbarer und planmäßiger als eine ausdrücklich gebildete Zukunft. Für eine neutrale Vorhersage oder eine noch nicht als Termin feststehende Tätigkeit bleibt die reguläre Zukunftsform die sicherere Wahl.
Wortstellung und Betonung
Die Grundbedeutung bleibt bei mehreren Wortstellungen erhalten, doch der Informationsschwerpunkt kann wechseln:
- Zítra budu pracovat doma. — neutral: Was geschieht morgen?
- Doma budu pracovat zítra. — „zu Hause“ steht als Thema vorn; „morgen“ kann den Kontrast tragen.
Kurze Pronomen wie ti, mi, ho sowie se/si unterliegen strengeren Stellungsregeln als volle Satzteile: Zítra ti zavolám und Zítra se budu učit sind neutrale Folgen.
Über die Grundlagen hinaus
Besondere Zukunftsformen bei Bewegungsverben
Einige zielgerichtete Bewegungsverben bilden eine besondere Zukunft mit po- statt mit budu. Besonders wichtig sind:
| Infinitiv | Zukunft | Bedeutung |
|---|---|---|
| jít | půjdu | ich werde gehen |
| jet | pojedu | ich werde fahren |
| běžet | poběžím | ich werde laufen/rennen |
| letět | poletím | ich werde fliegen |
Daher sagt man Půjdu do práce pěšky und Pojedu autobusem. Bei wiederholter oder gewohnheitsmäßiger Bewegung steht dagegen häufig die normale zusammengesetzte Zukunft eines nicht zielgerichteten Bewegungsverbs: Budu chodit do práce pěšky. — „Ich werde regelmäßig zu Fuß zur Arbeit gehen.“ Diese Formen sollte man als feste Paradigmen mitlernen; das po- lässt sich nicht beliebig vor jedes Verb setzen.
Zukünftige Abfolge in Nebensätzen
Nach Wörtern wie až „sobald/wenn erst“ oder když „wenn“ können perfektive Formen zukünftige Handlungen ausdrücken. Anders als im Deutschen gibt es dabei keine eigene Form, die dem Futur II genau entsprechen müsste:
- Až napíšu dopis, pošlu ho. — Sobald ich den Brief geschrieben habe, werde ich ihn abschicken.
- Když přijdeš včas, všechno ti vysvětlím. — Wenn du rechtzeitig kommst, erkläre ich dir alles.
Die perfektiven Verben napíšu, pošlu, přijdeš, vysvětlím ordnen einzelne abgeschlossene Schritte. Zeitangaben und der Zusammenhang machen deutlich, welcher Schritt zuerst erfolgt.
Vermutungen und modale Bedeutungen
Die Zukunft von být kann auch eine vorsichtige Annahme ausdrücken, ähnlich dem deutschen „wird wohl“:
- To bude asi pravda. — Das wird wohl wahr sein.
- Bude mu kolem čtyřiceti. — Er wird ungefähr vierzig sein.
Hier geht es nicht unbedingt um einen späteren Zeitpunkt. Die Form zeigt eine Vermutung über die Gegenwart. Solche Verwendungen sind häufig, sollten aber von der normalen zeitlichen Zukunft unterschieden werden.
Dauer bis zu einem zukünftigen Zeitpunkt
Mit der imperfektiven Zukunft kann man ausdrücken, wie lange eine Tätigkeit zu einem späteren Zeitpunkt schon andauern wird:
- V červnu tu budu pracovat už deset let. — Im Juni werde ich schon zehn Jahre hier arbeiten.
Tschechisch braucht dafür keine eigene vollendete Zukunftszeit. Die imperfektive Form, die Dauerangabe und der Zeitpunkt ergeben gemeinsam die Bedeutung.
Übungstipps
- Lerne Verben paarweise. Notiere nicht nur psát, sondern psát / napsat. Bilde zu jedem Paar zwei Zukunftssätze: einen mit Verlauf oder Wiederholung und einen mit klarem Ergebnis.
- Plane einen echten Tag auf Tschechisch. Schreibe fünf Sätze wie Zítra budu pracovat, Večer přečtu zprávu und Pak zavolám rodičům. Begründe bei jedem Verb kurz deine Aspektwahl.
- Achte beim Hören auf Zukunft ohne budu. Markiere in einem tschechischen Gespräch Formen wie přijdu, udělám, koupím. Frage dich jeweils: Welches Ergebnis oder welche Grenze macht das Verb perfektiv?
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