A1

Verneinung im Türkischen

Olumsuzluk

Dieser Artikel ist Teil des Türkisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Türkischen hängt die Verneinung von der Art der Aussage ab: Verben erhalten -ma/-me, Nomen und Adjektive werden mit değil verneint, und für „nicht vorhanden“ oder „nicht haben“ verwendet man yok. Deshalb heißen „Ich weiß es nicht“, „Sie ist keine Studentin“ und „Es gibt keine Zeit“ ganz unterschiedlich: Bilmiyorum, O öğrenci değil und Zaman yok.

Überblick

Die türkische Verneinung lässt sich nicht mit einem einzigen Wort wie dem deutschen nicht bilden. Zuerst muss man erkennen, was verneint wird: eine Handlung, eine Eigenschaft oder Zugehörigkeit oder das Vorhandensein einer Sache. Diese Unterscheidung ist schon auf A1 wichtig, weil sie in fast jedem Alltagsgespräch vorkommt.

Bei einem Verb wird die Verneinung als Endung direkt in die Verbform eingebaut: geliyorum „ich komme gerade“ wird zu gelmiyorum „ich komme gerade nicht“. Ein Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder einen Begriff) oder ein Adjektiv (ein Eigenschaftswort) erhält dagegen değil: doktor değil „kein Arzt/keine Ärztin“, pahalı değil „nicht teuer“. Mit yok sagt man, dass etwas nicht da ist oder jemand etwas nicht hat: Su yok „Es gibt kein Wasser“, Param yok „Ich habe kein Geld“.

Für Deutschsprachige ist vor allem die Stellung ungewohnt. Im Deutschen steht „nicht“ als eigenes Wort an verschiedenen Stellen im Satz. Im Türkischen sitzt die Verneinung bei Verben unmittelbar am Verbstamm; değil und yok stehen gewöhnlich dort, wo am Satzende die entscheidende Aussage gemacht wird.

So funktioniert es

1. Verben mit -ma/-me verneinen

Der Verbstamm ist der Teil des Verbs ohne die Wörterbuchendung -mak/-mek: Aus gelmek „kommen“ wird gel-, aus yapmak „machen“ wird yap-. Die allgemeine Reihenfolge lautet:

Verbstamm + Verneinung + Zeitform + Personenendung

Die Verneinungsendung folgt der zweifachen Vokalharmonie, also der Anpassung an den letzten Vokal des Stamms:

Letzter Vokal im Stamm Verneinungsendung Beispiel
a, ı, o, u -ma bak-ma-mak „nicht schauen“
e, i, ö, ü -me gel-me-mek „nicht kommen“

Diese Grundregel sieht man besonders klar bei Infinitiven (der Grundform eines Verbs) und Befehlen: yapmamak „nicht machen“, gelmemek „nicht kommen“, Yapma! „Mach das nicht!“, Gelme! „Komm nicht!“.

2. Verneinung in der Verlaufsform auf -(I)yor

Beim bereits bekannten şimdiki zaman, der türkischen Verlaufsform für Vorgänge in der Gegenwart, verschmilzt die Verneinungsendung in der Aussprache und Schreibung mit -(I)yor. Die praktische Form ist:

Verbstamm + -mıyor/-miyor/-muyor/-müyor + Personenendung

Welche Variante erscheint, richtet sich nach dem letzten Vokal des Verbstamms:

Letzter Stammvokal Form Beispiel in der 3. Person Singular
a, ı -mıyor bakmıyor „er/sie schaut nicht“
e, i -miyor gelmiyor „er/sie kommt nicht“
o, u -muyor okumuyor „er/sie liest nicht“
ö, ü -müyor görmüyor „er/sie sieht nicht“

Man schreibt also nicht gelmeiyor, sondern gelmiyor. Dasselbe Muster gilt für alle Personen:

Person gelmek „kommen“ Deutsche Bedeutung
ben gelmiyorum ich komme nicht
sen gelmiyorsun du kommst nicht
o gelmiyor er/sie kommt nicht
biz gelmiyoruz wir kommen nicht
siz gelmiyorsunuz ihr kommt nicht / Sie kommen nicht
onlar gelmiyorlar sie kommen nicht

Das Pronomen kann meist entfallen, weil die Personenendung bereits zeigt, wer gemeint ist. Bilmiyorum ist daher ein vollständiger Satz: „Ich weiß es nicht.“

3. Nomen und Adjektive mit değil verneinen

In einfachen türkischen Gegenwartssätzen steht in der dritten Person oft kein eigenes Wort für „sein“: O öğrenci bedeutet wörtlich etwa „Er/Sie Student“ und natürlich „Er/Sie ist Student/in“. Die Verneinung solcher Aussagen erfolgt mit değil.

Das Satzmuster ist:

Nomen oder Adjektiv + değil + Personenendung

Das Prädikat (der Teil, der etwas über die Person oder Sache aussagt) steht dabei vor değil. Değil verändert seine Vokale nicht; nur die Personenendung wird angefügt.

Person Form von değil Beispielsatz
ben değilim Ben yorgun değilim. „Ich bin nicht müde.“
sen değilsin Sen öğrenci değilsin. „Du bist kein Schüler/keine Schülerin.“
o değil O hazır değil. „Er/Sie ist nicht bereit.“
biz değiliz Biz evde değiliz. „Wir sind nicht zu Hause.“
siz değilsiniz Siz geç değilsiniz. „Ihr seid/Sie sind nicht spät dran.“
onlar değiller Onlar meşgul değiller. „Sie sind nicht beschäftigt.“

Bei onlar ist die Mehrzahlendung am Prädikat in vielen Zusammenhängen weglassbar: Onlar meşgul değil ist ebenfalls gebräuchlich. Für den Anfang ist değiller eine klare und gut erkennbare Form.

4. Vorhandensein und Besitz mit yok verneinen

Yok ist das Gegenstück zu var „vorhanden, es gibt“. Es bedeutet je nach Zusammenhang „nicht vorhanden“, „es gibt nicht“ oder „nicht da“:

  • Evde süt var. — „Zu Hause gibt es Milch.“
  • Evde süt yok. — „Zu Hause gibt es keine Milch.“

Türkisch drückt Besitz häufig mit einer Besitzendung am Nomen und var/yok aus. Param heißt „mein Geld“; Param yok bedeutet sinngemäß „Mein Geld ist nicht vorhanden“, idiomatisch also „Ich habe kein Geld“. Entsprechend heißt Vaktimiz yok „Wir haben keine Zeit“.

Die drei Grundmuster lassen sich so auseinanderhalten:

Art der Aussage Bejahung Verneinung
Handlung Ali geliyor. „Ali kommt.“ Ali gelmiyor. „Ali kommt nicht.“
Eigenschaft oder Zugehörigkeit Bu pahalı. „Das ist teuer.“ Bu pahalı değil. „Das ist nicht teuer.“
Vorhandensein oder Besitz Kahve var. „Es gibt Kaffee.“ Kahve yok. „Es gibt keinen Kaffee.“

5. Verneinte Fragen

Die Fragepartikel mı/mi/mu/mü wird getrennt geschrieben und folgt der Vokalharmonie. Sie steht nach der verneinten Form:

  • Gelmiyor musun? — „Kommst du nicht?“
  • Öğrenci değil misiniz? — „Sind Sie kein Student/keine Studentin?“
  • Evde ekmek yok mu? — „Gibt es zu Hause kein Brot?“

Die Personenendung steht bei der Verlaufsform an der Fragepartikel: gelmiyor mu-sun. Bei değil verhält es sich ebenso: değil mi-siniz.

Beispiele im Zusammenhang

Türkisch Deutsch Hinweis
Bilmiyorum. Ich weiß es nicht. Verb mit -miyor; das Pronomen ben entfällt.
Bugün çalışmıyorum. Heute arbeite ich nicht. Eine laufende oder für heute geltende Handlung.
Ayşe kahve içmiyor. Ayşe trinkt keinen Kaffee. Das deutsche „keinen“ entspricht hier einer Verbverneinung.
Beni duymuyor musun? Hörst du mich nicht? Verneinte Frage mit mu.
Lütfen kapıyı açma. Bitte öffne die Tür nicht. Verneinter Befehl an eine vertraute Person.
O öğrenci değil. Er/Sie ist kein Schüler / keine Schülerin. Zugehörigkeit: değil, nicht yok.
Bu yemek sıcak değil. Dieses Essen ist nicht warm. Ein Adjektiv wird mit değil verneint.
Ben doktor değilim. Ich bin kein Arzt / keine Ärztin. Die Personenendung -im steht an değil.
Biz hazır değiliz. Wir sind nicht bereit. Erste Person Mehrzahl: değiliz.
Dolapta süt yok. Im Kühlschrank ist keine Milch. Etwas ist an einem Ort nicht vorhanden.
Zaman yok. Es gibt keine Zeit. Allgemeine Aussage über fehlende Zeit.
Bugün dersimiz yok. Wir haben heute keinen Unterricht. Besitzform dersimiz „unser Unterricht“ plus yok.
Telefonum yok. Ich habe kein Telefon. Besitz wird nicht mit einem Verb wie „haben“ ausgedrückt.
Hiçbir şey anlamıyorum. Ich verstehe überhaupt nichts. Das negative Verb gehört zu hiçbir şey.
Hayır, yorgun değilim. Nein, ich bin nicht müde. Hayır beantwortet die Frage; değil verneint die Aussage.

Häufige Fehler

1. Nicht als freies Wort vor ein Verb setzen

  • Falsch: Ben değil biliyorum.
  • Richtig: Bilmiyorum.
  • Warum: Anders als das deutsche „nicht“ wird die Verneinung bei einem Verb in die Verbform eingebaut.

2. Die volle Form -me vor -(I)yor schreiben

  • Falsch: Gelmeiyorum.
  • Richtig: Gelmiyorum.
  • Warum: In der Verlaufsform erscheint die zusammengezogene Form -mıyor/-miyor/-muyor/-müyor.

3. Yok für einen Beruf oder eine Eigenschaft verwenden

  • Falsch: O öğrenci yok.
  • Richtig: O öğrenci değil.
  • Warum: „Student/in sein“ bezeichnet eine Zugehörigkeit, nicht das Vorhandensein einer Person. Öğrenci yok würde bedeuten: „Es ist kein Schüler/keine Schülerin da.“

4. Değil verwenden, wenn etwas fehlt

  • Falsch: Zaman değil.
  • Richtig: Zaman yok.
  • Warum: Fehlende Zeit wird als Nichtvorhandensein ausgedrückt. Zaman değil heißt in einem passenden Gegensatz eher „Es ist nicht die Zeit“ oder „Nicht Zeit, sondern …“.

5. Die Personenendung nach değil vergessen

  • Falsch: Ben yorgun değil.
  • Richtig: Ben yorgun değilim.
  • Warum: In der Standardsprache zeigt -im, dass sich die Aussage auf „ich“ bezieht. Nur die dritte Person Singular hat hier keine sichtbare Personenendung.

6. Ein negatives Fürwort mit einem positiven Verb verbinden

  • Falsch: Hiç kimse geliyor. in der Bedeutung „Niemand kommt.“
  • Richtig: Hiç kimse gelmiyor.
  • Warum: Im Türkischen stehen Wörter wie hiç kimse „niemand“ und hiçbir şey „nichts“ normalerweise zusammen mit einem verneinten Verb. Diese doppelte Markierung ist korrekt und keine unnötige Wiederholung.

Hinweise zum Gebrauch

Hayır, değil und yok erfüllen verschiedene Aufgaben. Hayır bedeutet „nein“ und dient als Antwort: Geliyor musun? — Hayır, gelmiyorum. Es ersetzt jedoch nicht die Verneinung im vollständigen Satz. Değil verneint eine Beschreibung oder Gleichsetzung, yok das Vorhandensein.

Im gesprochenen Türkisch dient değil auch häufig zur Korrektur oder zum Gegensatz, ohne dass ein vollständiger Satz wiederholt wird:

  • Bugün değil, yarın. — „Nicht heute, sondern morgen.“
  • Çay değil, kahve istiyorum. — „Ich möchte nicht Tee, sondern Kaffee.“

Die kurze Frage değil mi? entspricht je nach Ton ungefähr „nicht wahr?“, „oder?“ oder „stimmt's?“: Güzel, değil mi? — „Schön, oder?“ Sie kann an eine bejahte Aussage angehängt werden und ist nicht mit einer normalen verneinten Aussage zu verwechseln.

Bei unbestimmten negativen Ausdrücken ist die negative Verbform besonders wichtig: Kimse gelmedi heißt „Niemand kam“, Hiçbir şey görmedim „Ich habe nichts gesehen“. Die deutsche Gewohnheit, nur einmal zu verneinen, führt hier leicht zu Fehlern.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Formen muss man auf A1 noch nicht vollständig beherrschen. Sie zeigen aber, dass dieselbe Grundidee auch in anderen Zeiten und Strukturen weiterlebt.

Andere Zeitformen

Die Endung -ma/-me steht grundsätzlich vor der Zeitform:

  • gelmedi — „er/sie kam nicht“
  • çalışmayacağım — „ich werde nicht arbeiten“
  • gelmemek — „nicht kommen“

Bei der breiten Gegenwartsform, dem Aorist (einer Form für Gewohnheiten und allgemeine Aussagen), gibt es ein besonderes Muster. Man sagt gelmem „ich komme nicht/ich pflege nicht zu kommen“, aber gelmezsin „du kommst nicht“ und gelmez „er/sie kommt nicht“. Diese Formen sollte man später als eigenes Paradigma lernen und nicht einfach aus der Verlaufsform ableiten.

Değil in Vergangenheit und bei indirekter Information

Değil kann ebenfalls Zeit- und Personenendungen tragen:

  • Dün evde değildim. — „Gestern war ich nicht zu Hause.“
  • O doktor değilmiş. — „Er/Sie soll offenbar kein Arzt/keine Ärztin sein.“

Für Zustände mit „sein“ bleibt değil also auch außerhalb der einfachen Gegenwart wichtig. Wenn dagegen ein Werden oder eine zukünftige Rolle gemeint ist, verwendet man oft das verneinte Verb olmamak „nicht sein/nicht werden“: Doktor olmayacağım „Ich werde kein Arzt/keine Ärztin.“

Nicht tun und nicht tun können

Zwischen einfacher Verneinung und fehlender Möglichkeit besteht ein Bedeutungsunterschied:

  • Gelmiyorum. — „Ich komme nicht.“
  • Gelemiyorum. — „Ich kann nicht kommen.“

In gelemiyorum steht die Verneinung innerhalb der Möglichkeitsform. Diese Form ist im Alltag sehr häufig, gehört aber zu einem weiterführenden Thema.

Der Geltungsbereich der Verneinung

Auf höherem Niveau ist wichtig, welchen Teil einer Aussage die Verneinung betrifft. Herkes gelmedi bedeutet gewöhnlich „Nicht alle sind gekommen“, nicht „Niemand ist gekommen“. Für die zweite Bedeutung sagt man eindeutig Hiç kimse gelmedi. Ebenso hebt Bugün değil, yarın geliyorum nur den Zeitpunkt auf: „Ich komme nicht heute, sondern morgen.“

Lerntipps

  1. Lerne drei Gegensatzpaare als Muster: geliyor–gelmiyor, pahalı–pahalı değil und var–yok. Ordne jeden neuen Satz zunächst einem dieser drei Typen zu.
  2. Übe die vier Verlaufsformen laut: Bilde mit je einem Verb -mıyor, -miyor, -muyor und -müyor, zum Beispiel bakmıyor, bilmiyor, okumuyor, görmüyor. Ergänze danach alle Personenendungen.
  3. Beschreibe deinen Alltag: Schreibe täglich fünf wahre Sätze, etwa was du nicht tust, was du nicht bist und was du nicht hast. Verwende dabei mindestens einmal -ma/-me, değil und yok.

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