Der Infinitiv mit *att* im Schwedischen
Infinitiv med Att
Dieser Artikel ist Teil des Schwedisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Att steht häufig vor dem Infinitiv, also der unveränderten Grundform eines Verbs: att läsa „lesen“, att förstå „verstehen“. Nach Modalverben wie kan, vill, ska und måste steht dagegen normalerweise kein att: Jag kan läsa. Einige Verben wie börja und försöka erlauben beide Varianten.
Überblick
Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, die nicht nach Person oder Zeit verändert ist. Im Deutschen sind das Formen wie „lesen“, „kommen“ oder „verstehen“; im Schwedischen heißen sie läsa, komma, förstå. Vor einem schwedischen Infinitiv kann das kleine Wort att stehen: att läsa, att komma, att förstå. Es wird dann Infinitivmarker genannt, weil es die folgende Verbform als Infinitiv kennzeichnet.
Dieses Muster begegnet dir schon auf A1-Niveau: nach Ausdrücken wie Det är bra ... „Es ist gut …“, bei Wünschen und Versuchen sowie in Wörterbüchern und Vokabellisten. Für deutschsprachige Lernende liegt der Vergleich mit „zu“ nahe: Det är bra att veta entspricht „Es ist gut zu wissen“. Der Vergleich hilft, ist aber keine vollständige Regel. Schwedisch setzt att nicht immer dort, wo im Deutschen „zu“ steht, und umgekehrt.
Für den Einstieg reichen zwei Regeln: Lerne neue Verben in der Form att + Infinitiv, aber setze nach einem Modalverb keinen Infinitivmarker. Später lohnt es sich, ganze Verbindungen zu lernen, denn manche Verben verlangen att, manche schließen es aus und manche lassen beides zu.
So funktioniert es
Die Grundform erkennen
Der Infinitiv ist keine Zeitform. Er sagt allein noch nicht, wer etwas tut oder wann es geschieht. Im Satz trägt meist ein anderes, finites Verb diese Information. Finit bedeutet hier: Das Verb zeigt eine Zeitform und kann das Verb eines vollständigen Satzes sein.
| Schwedisch | Deutsch | Funktion |
|---|---|---|
| Jag försöker att läsa. | Ich versuche zu lesen. | försöker ist finit; läsa ist Infinitiv. |
| Hon ville läsa. | Sie wollte lesen. | ville ist finit; nach dem Modalverb folgt läsa ohne att. |
| Att läsa är roligt. | Lesen macht Spaß. | Die ganze Infinitivgruppe ist das Subjekt. |
In Vokabellisten wird ein Verb oft als att tala „sprechen“ angegeben. Die eigentliche Verbform ist jedoch tala; att gehört nicht zum Verbstamm. Deshalb heißt es im Präsens jag talar und nicht etwa jag att talar.
Das Grundmuster mit att
Att + Infinitiv steht besonders häufig in diesen Umgebungen:
| Muster | Schwedisches Beispiel | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|
| unpersönlicher Ausdruck + att | Det är svårt att välja. | Es ist schwer, sich zu entscheiden. |
| Verb + att + Infinitiv | De försöker att hjälpa. | Sie versuchen zu helfen. |
| Nomen oder feste Wendung + att | Jag har tid att vänta. | Ich habe Zeit zu warten. |
| Infinitivgruppe als Subjekt | Att resa kostar pengar. | Reisen kostet Geld. |
| Zweck mit för att | Vi sparar för att resa. | Wir sparen, um zu reisen. |
Eine Infinitivgruppe kann mehr als nur das Verb enthalten. Alle zugehörigen Wörter stehen hinter att: att läsa boken „das Buch zu lesen“, att inte komma för sent „nicht zu spät zu kommen“, att snabbt hitta rätt adress „schnell die richtige Adresse zu finden“.
Anders als beim deutschen trennbaren Verb wird att nicht in das Verb eingeschoben. Man sagt att stiga upp „aufzustehen“ und att gå ut „hinauszugehen“. Die Partikel upp oder ut bleibt beim schwedischen Verb, während der Infinitivmarker vor der gesamten Verbgruppe steht.
Nach Modalverben: Infinitiv ohne att
Ein Modalverb ergänzt die Bedeutung eines anderen Verbs, etwa um Möglichkeit, Wunsch, Plan, Pflicht oder Erlaubnis auszudrücken. Nach den häufigsten schwedischen Modalverben folgt der Infinitiv direkt:
| Modalverb | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| kan | Jag kan simma. | ich kann schwimmen |
| vill | Hon vill stanna. | sie will bleiben |
| ska | Vi ska laga mat. | wir werden/sollen kochen |
| måste | Du måste gå. | du musst gehen |
| får | Ni får komma in. | ihr dürft hereinkommen |
| bör | Man bör boka i förväg. | man sollte vorher buchen |
Das ähnelt dem Deutschen: Auch „kann schwimmen“ oder „muss gehen“ enthält kein „zu“. Im Schwedischen bleibt der zweite Infinitiv unverändert, unabhängig vom Subjekt: jag kan läsa, hon kan läsa, vi kan läsa.
Auch brukar „gewöhnlich tun“ wird normalerweise mit einem Infinitiv ohne att verbunden: Vi brukar äta klockan 18. Die Form brukar att äta kommt vor und ist auch im Ausgangsbeispiel dieses Themas enthalten, wirkt aber für viele Sprecher weniger neutral. Für den aktiven Standardgebrauch ist brukar äta die sichere Wahl.
Verben, bei denen beide Formen möglich sind
Nach einigen Verben schwankt der Gebrauch. Besonders häufig sind börja „anfangen“, försöka „versuchen“, fortsätta „fortfahren“ und sluta „aufhören“:
- Hon börjar springa. / Hon börjar att springa. – Sie fängt an zu laufen.
- Jag försöker förstå. / Jag försöker att förstå. – Ich versuche zu verstehen.
- De fortsätter arbeta. / De fortsätter att arbeta. – Sie arbeiten weiter.
- Han slutade röka. / Han slutade att röka. – Er hörte auf zu rauchen.
Beide Varianten sind verständlich und grammatisch möglich. Die Form ohne att ist bei kurzen, eng verbundenen Verbfolgen oft sehr natürlich. Statt eine starre Bedeutungsregel zu suchen, solltest du darauf achten, welche Form in einem bestimmten Ausdruck üblich ist.
Zwei verschiedene Wörter att
Schwedisches att hat noch eine zweite wichtige Funktion: Es kann eine Konjunktion sein, also ein Bindewort, das einen Nebensatz einleitet. Dann entspricht es meist deutschem „dass“ und danach folgt ein vollständiger Satz mit Subjekt und finitem Verb.
| Art von att | Beispiel | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|
| Infinitivmarker | Det är lätt att förstå. | Nach att steht der Infinitiv förstå. |
| Konjunktion | Jag vet att du förstår. | Nach att stehen das Subjekt du und das finite Verb förstår. |
Diese Unterscheidung verhindert einen typischen Denkfehler: In Jag vet att hon kommer ist att nicht mit deutschem „zu“ zu übersetzen, sondern mit „dass“.
Beispiele im Zusammenhang
| Schwedisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Jag försöker att förstå. | Ich versuche zu verstehen. | att nach försöker ist möglich. |
| Det är bra att veta. | Es ist gut zu wissen. | unpersönlicher Ausdruck |
| Hon börjar att springa varje morgon. | Sie beginnt, jeden Morgen zu laufen. | Auch börjar springa ist üblich. |
| Vi brukar äta klockan 18. | Wir essen gewöhnlich um 18 Uhr. | Nach brukar am besten ohne att. |
| Kan du hjälpa mig? | Kannst du mir helfen? | Nach kan kein att. |
| De måste åka nu. | Sie müssen jetzt losfahren. | Nach måste kein att. |
| Jag vill lära mig svenska. | Ich möchte Schwedisch lernen. | Nach vill kein att. |
| Det är roligt att träffa nya människor. | Es macht Spaß, neue Leute kennenzulernen. | Infinitiv nach einem Adjektivausdruck |
| Hon har tid att läsa tidningen. | Sie hat Zeit, die Zeitung zu lesen. | att-Gruppe ergänzt tid. |
| Att bo nära havet är dyrt. | Nahe am Meer zu wohnen ist teuer. | Infinitivgruppe als Subjekt |
| Vi kom för att hjälpa till. | Wir kamen, um mitzuhelfen. | för att nennt den Zweck. |
| Han gick utan att säga hej då. | Er ging, ohne sich zu verabschieden. | utan att bedeutet „ohne zu“. |
| Jag hoppas att du kan komma. | Ich hoffe, dass du kommen kannst. | Erst Konjunktion att, dann kan komma ohne weiteren Marker. |
| Det kommer att regna i kväll. | Heute Abend wird es regnen. | feste Zukunftskonstruktion kommer att |
Häufige Fehler
Att nach einem Modalverb setzen
- Falsch: Jag kan att simma.
- Richtig: Jag kan simma.
- Warum: Nach kan, vill, ska, måste, får und bör folgt der Infinitiv ohne att. Die Regel entspricht weitgehend deutschen Verbindungen wie „kann schwimmen“ und „muss arbeiten“.
Den Infinitivmarker vor eine gebeugte Verbform stellen
- Falsch: Det är lätt att förstår.
- Richtig: Det är lätt att förstå.
- Warum: Nach dem Infinitivmarker steht die Grundform förstå, nicht das Präsens förstår.
Att und „zu“ Wort für Wort gleichsetzen
- Falsch: Jag vet att komma hon.
- Richtig: Jag vet att hon kommer.
- Warum: Gemeint ist „Ich weiß, dass sie kommt“. Dieses att leitet einen Nebensatz ein; danach braucht man ein Subjekt und ein finites Verb. Die deutsche Unterscheidung „zu“/„dass“ wird im Schwedischen formal nicht durch zwei verschiedene Wörter sichtbar.
Bei trennbaren Bedeutungen die deutsche Stellung nachbauen
- Falsch: Jag försöker stiga att upp.
- Richtig: Jag försöker att stiga upp.
- Auch richtig: Jag försöker stiga upp.
- Warum: Anders als deutsches „aufzustehen“ wird att nie zwischen Verb und Partikel geschoben. Es steht vor der ganzen Gruppe.
Brukar att als einzig mögliche Form lernen
- Weniger neutral: Vi brukar att äta klockan 18.
- Neutraler Standard: Vi brukar äta klockan 18.
- Warum: Bei bruka ist die markerlose Verbindung im heutigen neutralen Schwedisch besonders üblich. Merke sie als feste Einheit: brukar + Infinitiv.
Vor jedem att ein deutsches Komma setzen
- Unnötig: Det är svårt, att förstå.
- Normal: Det är svårt att förstå.
- Warum: Die deutschen Kommaregeln für Infinitivgruppen lassen sich nicht übertragen. Im einfachen schwedischen Satz steht vor att + Infinitiv normalerweise kein Komma.
Hinweise zum Gebrauch
In gesprochener Sprache werden kurze Verbverbindungen häufig ohne att verwendet, sofern beide Varianten möglich sind: börja jobba, försöka sova, sluta röka. Die Form mit att ist dennoch normal und kann besonders bei einer längeren Infinitivgruppe die Struktur deutlicher machen. Daraus sollte man aber keine absolute Regel „mündlich ohne, schriftlich mit att“ machen; beide Formen kommen in beiden Bereichen vor.
Beim Lernen ist es nützlich, drei Gruppen zu unterscheiden:
- ohne att: kan komma, vill äta, måste gå, brukar läsa;
- mit att: Det är viktigt att lyssna, ha lust att resa, för att hjälpa;
- mit Schwankung: börja (att) arbeta, försöka (att) förstå.
Beachte außerdem die Aussprache: Der Infinitivmarker att wird in normaler Rede oft unbetont und ungefähr wie å ausgesprochen. Die Schreibung bleibt immer att. Am Satzanfang oder bei besonderer Betonung kann die Aussprache deutlicher sein. Für die Grammatik ist vor allem wichtig, die geschriebene Form sicher zu erkennen.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Muster musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie zeigen aber, wie die einfache Regel später erweitert wird.
Zweck, Begleitumstand und Alternative
Mehrere feste Verbindungen enthalten att:
- för att + Infinitiv – „um zu“: Jag tränar för att må bättre. „Ich trainiere, um mich besser zu fühlen.“
- utan att + Infinitiv – „ohne zu“: Hon svarade utan att tveka. „Sie antwortete, ohne zu zögern.“
- i stället för att + Infinitiv – „anstatt zu“: Ring i stället för att skriva. „Ruf an, anstatt zu schreiben.“
Diese Verbindungen werden im weiterführenden Thema zu Infinitivkonstruktionen ausführlicher behandelt.
Wahrnehmung und Veranlassung ohne att
Nicht nur Modalverben können einen Infinitiv ohne Marker verlangen. Nach se „sehen“, höra „hören“ und låta „lassen“ steht in bestimmten Konstruktionen ebenfalls kein att:
- Jag såg henne gå. – Ich sah sie gehen.
- Vi hörde barnet skratta. – Wir hörten das Kind lachen.
- Låt mig tänka. – Lass mich nachdenken.
Bei be någon att göra något „jemanden bitten, etwas zu tun“ steht dagegen att: Vi bad dem att vänta. Solche Unterschiede lernt man am zuverlässigsten als vollständige Satzmuster.
Verneinung und längere Infinitivgruppen
Die Verneinung steht gewöhnlich hinter dem Infinitivmarker und vor dem Infinitiv: att inte komma „nicht zu kommen“, för att inte väcka barnen „um die Kinder nicht zu wecken“. Das gesamte Material, das zum Infinitiv gehört, bildet eine Einheit:
Det är viktigt att inte glömma biljetterna hemma.
„Es ist wichtig, die Karten nicht zu Hause zu vergessen.“
Weitere Infinitivformen
Der einfache Infinitiv bezeichnet meist eine gleichzeitige oder spätere Handlung: Hon hoppas att vinna „Sie hofft zu gewinnen“. Auf höheren Stufen begegnen dir auch komplexere Formen:
- att ha glömt – vergessen zu haben;
- att bli vald – gewählt zu werden;
- att ha blivit vald – gewählt worden zu sein.
Das Grundprinzip bleibt gleich: att steht vor der gesamten Infinitivgruppe, nicht vor jedem einzelnen Verb.
Kommer att als wichtige feste Verbindung
Kommer att + Infinitiv drückt häufig eine Erwartung oder Vorhersage aus: Priserna kommer att stiga. „Die Preise werden steigen.“ Obwohl komma hier ähnlich wie ein Hilfsverb funktioniert, gehört att zur neutralen Konstruktion. Verwechsle sie nicht mit ska + Infinitiv, wo kein att steht: Vi ska resa imorgon.
Übungstipps
- Sortiere Verbkarten in drei Stapel. Schreibe etwa kan komma, har tid att komma und börjar (att) arbeta auf. Entscheide bei jeder neuen Verbindung: ohne att, mit att oder beides.
- Baue Sätze paarweise um. Beginne mit Jag läser und ergänze nacheinander Jag vill läsa, Jag försöker att läsa und Det är roligt att läsa. So übst du nicht nur die Grundform, sondern auch die passende Verbindung.
- Höre auf ganze Wortgruppen. Markiere beim Lesen oder Hören Ausdrücke wie kommer att, brukar, för att und utan att. Ganze Bausteine bleiben zuverlässiger im Gedächtnis als eine vermeintliche Eins-zu-eins-Regel für deutsches „zu“.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Präsens und Verbgruppen – hilft dir, Infinitiv und finite Verbform auseinanderzuhalten.
- Nächster Schritt: Infinitivkonstruktionen – vertieft Muster wie för att, utan att und i stället för att.
Voraussetzung
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