A1

Der Nominativ (Именительный падеж) im Russischen

Именительный падеж

Dieser Artikel ist Teil des Russisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Der russische Nominativ heißt именительный падеж und antwortet auf кто? „wer?“ oder что? „was?“. Er ist die Wörterbuchform eines Nomens und kennzeichnet vor allem das Subjekt – also die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird: Брат работает „Der Bruder arbeitet“. Im Präsens steht außerdem nach einer Gleichsetzung meist ebenfalls der Nominativ, denn das russische „sein“ bleibt gewöhnlich unausgesprochen: Анна — врач „Anna ist Ärztin“.

Überblick

Ein Kasus oder Fall zeigt, welche Aufgabe ein Wort im Satz hat. Im Deutschen kennen wir dies etwa aus der Mann, des Mannes, dem Mann und den Mann. Auch das Russische verändert Nomen (Wörter für Personen, Dinge oder Begriffe), Pronomen und Adjektive je nach Aufgabe. Der Nominativ ist der Ausgangspunkt dieses Systems und gehört zu den ersten Grammatikthemen auf A1.

Bei einem russischen Nomen wird im Wörterbuch normalerweise der Nominativ Singular angegeben: книга „Buch“, брат „Bruder“, море „Meer“, Москва „Moskau“. „Wörterbuchform“ bedeutet jedoch nicht, dass ein Wort in jedem Satz unverändert bleibt. Sobald es eine andere Aufgabe übernimmt oder im Plural steht, kann sich seine Endung ändern.

Für Deutschsprachige sind zwei Dinge besonders wichtig. Erstens gibt es im Russischen keine Artikel wie der, die, das, ein oder eine. Zweitens wird das Verb быть „sein“ in der Gegenwart bei einfachen Gleichsetzungen normalerweise weggelassen. Deshalb besteht Москва — большой город wörtlich nur aus „Moskau — große Stadt“, bedeutet aber ganz natürlich „Moskau ist eine große Stadt“.

So funktioniert der Nominativ

1. Die Grundform erkennen

Die Endung der Wörterbuchform gibt oft einen ersten Hinweis auf das grammatische Geschlecht. Das Genus (grammatische Geschlecht) bestimmt wiederum, welche Form ein begleitendes Adjektiv oder Possessivwort erhält.

Genus Häufige Endung im Nominativ Singular Beispiele Deutsche Bedeutung
männlich Konsonant, , manchmal брат, музей, словарь Bruder, Museum, Wörterbuch
weiblich -а, -я, manchmal книга, неделя, дверь Buch, Woche, Tür
sächlich -о, -е, selten -мя окно, море, имя Fenster, Meer, Name

Das sind gute Orientierungsmuster, aber keine vollständige Geschlechtsregel. папа „Papa“ und дедушка „Großvater“ enden zum Beispiel auf , sind wegen ihrer Bedeutung jedoch männlich. Nomen auf muss man am besten zusammen mit ihrem Genus lernen: словарь ist männlich, дверь weiblich.

Die Aussage „Im Nominativ ändert sich die Wörterbuchform nicht“ gilt genau für den Singular: книга bleibt als Subjekt книга. Der Nominativ Plural hat dagegen eigene Endungen: книга → книги, брат → братья, окно → окна. Einige Pluralformen sind unregelmäßig und sollten mit dem jeweiligen Wort gelernt werden.

2. Das Subjekt kennzeichnen

Das Subjekt ist die Person oder Sache, die handelt, sich in einem Zustand befindet oder im Mittelpunkt der Aussage steht. Es steht gewöhnlich im Nominativ.

  • Студент читает. – „Der Student liest.“
  • Книга лежит на столе. – „Das Buch liegt auf dem Tisch.“
  • Дети дома. – „Die Kinder sind zu Hause.“

Um das Subjekt zu finden, kann man fragen: кто? bei Personen oder Lebewesen und что? bei Sachen und Begriffen. Bei Студент читает lautet die Frage Кто читает? „Wer liest?“ – студент. Bei Книга лежит на столе fragt man Что лежит на столе? „Was liegt auf dem Tisch?“ – книга.

Die Fragen sind eine Lernhilfe, kein Ersatz für das Verstehen des Satzes. Auch der Akkusativ kann bei unbelebten Wörtern auf что? antworten. Entscheidend ist die Aufgabe: In Книга лежит здесь ist книга das Subjekt; in Я читаю книгу ist книгу das direkte Objekt (die Sache, auf die sich die Handlung richtet) und steht im Akkusativ.

3. Gleichsetzungen ohne „sein“ bilden

Im Präsens wird быть „sein“ in neutralen Aussagen gewöhnlich nicht ausgesprochen. Wenn ein Nomen ein anderes benennt, einordnet oder erklärt, stehen beide meist im Nominativ:

  • Ольга — инженер. – „Olga ist Ingenieurin.“
  • Москва — столица России. – „Moskau ist die Hauptstadt Russlands.“
  • Мой брат — студент. – „Mein Bruder ist Student.“

Das zweite Nomen nennt man hier ein prädikatives Nomen: Es sagt, was oder wer das Subjekt ist. Im Deutschen steht nach sein ebenfalls der Nominativ, aber das Verb muss genannt werden. Russisch setzt im geschriebenen Satz zwischen zwei nominalen Satzteilen häufig einen Gedankenstrich. Er macht die ausgelassene Verbindung sichtbar; seine genaueren Regeln hängen von Satzbau, Betonung und Stil ab.

Mit это lassen sich Personen und Dinge vorstellen oder bestimmen:

  • Это мой брат. – „Das ist mein Bruder.“
  • Это новая школа. – „Das ist eine neue Schule.“
  • Кто это? – „Wer ist das?“
  • Что это? – „Was ist das?“

Nach это steht die Benennung im Nominativ. Это selbst bleibt in solchen Vorstellungssätzen unverändert, während Begleiter sich nach dem genannten Nomen richten: Это мой паспорт, Это моя книга, Это моё место, Это мои друзья.

4. Begleiter anpassen

Ein Adjektiv (Eigenschaftswort wie „neu“ oder „groß“) und ein Possessivwort (Besitzwort wie „mein“) stimmen mit dem Nomen in Genus und Zahl überein. Diese Übereinstimmung heißt Kongruenz.

Form Häufige Adjektivendung „neu“ „mein“ Beispiel
männlich Singular -ый, -ий, -ой новый мой новый город
weiblich Singular -ая, -яя новая моя новая книга
sächlich Singular -ое, -ее новое моё новое окно
Plural -ые, -ие новые мои новые книги

Deshalb heißt es большой город „große Stadt“ im Sinne eines großen Ortes, aber большая страна „großes Land“ und большое окно „großes Fenster“. Das Deutsche markiert solche Unterschiede teils am Artikel; weil das Russische keine Artikel hat, tragen Endungen besonders viele Informationen.

5. Nominativ und Akkusativ auseinanderhalten

Bei weiblichen Nomen auf -а/-я ist der Unterschied oft gut sichtbar:

Aufgabe Frage Form Satz
Subjekt, Nominativ кто? что? книга Книга интересная. – Das Buch ist interessant.
direktes Objekt, Akkusativ кого? что? книгу Я читаю книгу. – Ich lese ein Buch.

Bei unbelebten männlichen und sächlichen Nomen können Nominativ und Akkusativ gleich aussehen: Это стол „Das ist ein Tisch“ und Я вижу стол „Ich sehe einen Tisch“. Die sichtbare Form allein verrät dann den Kasus nicht; Verb und Satzfunktion tun es.

Beispiele im Zusammenhang

Russisch Deutsch Hinweis
Это мой брат. Das ist mein Bruder. Benennung nach это
Кто это? Wer ist das? Frage nach einer Person
Что это? Was ist das? Frage nach einer Sache
Книга лежит на столе. Das Buch liegt auf dem Tisch. Книга ist das Subjekt.
Мой брат работает дома. Mein Bruder arbeitet zu Hause. Possessivwort und Nomen sind männlich.
Новая студентка говорит по-русски. Die neue Studentin spricht Russisch. Adjektiv und Nomen sind weiblich.
Окно открыто. Das Fenster ist offen. Окно ist ein sächliches Subjekt.
Дети уже дома. Die Kinder sind schon zu Hause. Nominativ Plural; kein ausgesprochenes „sein“
Анна — врач. Anna ist Ärztin. Beruf als prädikatives Nomen
Москва — большой город. Moskau ist eine große Stadt. Gleichsetzung mit Gedankenstrich
Это новая школа. Das ist eine neue Schule. новая stimmt mit школа überein.
Мои друзья здесь. Meine Freunde sind hier. Pluralische Übereinstimmung
Сегодня понедельник. Heute ist Montag. Wochentag im Nominativ
Его зовут Максим. Er heißt Maxim. Der angegebene Name steht im Nominativ.

Häufige Fehler

1. Das deutsche „sein“ im Präsens wörtlich einsetzen

  • Falsch: Анна есть врач.
  • Richtig: Анна — врач.
  • Warum: In einer neutralen Aussage zu Identität oder Beruf wird быть im heutigen Russisch normalerweise ausgelassen. есть kommt in besonderen Bedeutungen vor, ist aber kein allgemeiner Ersatz für deutsches ist.

2. Einen deutschen Artikel ergänzen

  • Falsch gedacht: Vor брат müsse wie im Deutschen ein bestimmter oder unbestimmter Artikel stehen.
  • Richtig: Это брат. / Это мой брат.
  • Warum: Russische Nomen haben keinen bestimmten oder unbestimmten Artikel. Ob брат „der Bruder“ oder „ein Bruder“ bedeutet, ergibt sich aus Zusammenhang und Wortstellung.

3. Das Subjekt mit dem direkten Objekt verwechseln

  • Falsch: Я читаю книга.
  • Richtig: Я читаю книгу.
  • Warum: Die lesende Person я ist das Subjekt im Nominativ. книгу ist die gelesene Sache und daher ein direktes Objekt im Akkusativ.

4. Die Wörterbuchform für jede Satzrolle verwenden

  • Falsch: Я говорю с Анна.
  • Richtig: Я говорю с Анной.
  • Warum: Der Nominativ ist nur eine von sechs regulären Kasusformen. Nach с in der Bedeutung „mit“ steht hier der Instrumental. Eine Form bleibt nicht allein deshalb im Nominativ, weil sie so im Wörterbuch steht.

5. Die Adjektivendung nicht anpassen

  • Falsch: Это новый книга.
  • Richtig: Это новая книга.
  • Warum: книга ist weiblich; deshalb braucht auch „neu“ die weibliche Nominativform новая.

6. Singular und Wörterbuchform gleichsetzen

  • Falsch: Книга интересные.
  • Richtig: Книга интересная. / Книги интересные.
  • Warum: Im Singular stimmen книга und интересная überein. Im Plural ändern sich beide: книги интересные „Die Bücher sind interessant“.

Hinweise zum Gebrauch

Bei Berufsbezeichnungen zeigt das Russische im Präsens oft keine besondere weibliche Form, selbst wenn über eine Frau gesprochen wird: Анна — врач ist neutral und üblich. Bei manchen Berufen gibt es verbreitete weibliche Bezeichnungen, bei anderen hängt ihre Wahl von Norm, Kontext und persönlicher Präferenz ab. Für den Nominativmechanismus ist entscheidend: Die Berufsbezeichnung ordnet das Subjekt ein und steht in diesem einfachen Präsenssatz in der Grundform.

Ein Gedankenstrich ist zwischen zwei Nomen häufig, besonders in Definitionen und klaren Gleichsetzungen: Москва — столица России. Nach это steht normalerweise kein solcher Strich: Это Москва. In spontaner Kommunikation sieht man gelegentlich abweichende Zeichensetzung; sie ändert nicht automatisch den Kasus.

Die Wortstellung ist beweglicher als im Deutschen. Брат дома ist die neutrale Aussage „Der Bruder ist zu Hause“. Дома брат kann je nach Zusammenhang eher „Zu Hause ist der Bruder“ bedeuten und hebt den Ort oder die neue Information anders hervor. Der Nominativ hängt trotzdem von der Satzfunktion ab, nicht davon, ob das Wort an erster Stelle steht.

Auch Eigennamen erscheinen zunächst im Nominativ: Анна, Максим, Москва. Bei einer direkten Anrede verwendet das heutige Standardrussisch meist ebenfalls eine Form, die wie der Nominativ aussieht: Анна, привет! „Hallo, Anna!“ In vertrauter Umgangssprache kommen verkürzte Anredeformen wie Маш! vor; diese sollte man nicht als normale Nominativbildung lernen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen du später begegnen wirst.

Vergangenheit und Zukunft von „sein“

Sobald быть in der Vergangenheit oder Zukunft ausdrücklich erscheint, ist beim prädikativen Nomen häufig der Instrumental zu finden:

  • Он был врачом. – „Er war Arzt.“
  • Она станет инженером. – „Sie wird Ingenieurin.“

Daneben kann besonders bei dauerhafter Identität, Einordnung oder in bestimmten Satzmustern auch der Nominativ stehen. Die Wahl zwischen Nominativ und Instrumental ist ein eigenes fortgeschrittenes Thema. Als sichere Anfängerregel gilt nur: Im einfachen Präsens ohne ausgesprochenes „sein“ steht die Benennung meist im Nominativ. Übertrage diese Regel nicht blind auf alle Zeiten.

Lange und kurze Adjektivformen

In Книга интересная steht die lange Adjektivform интересная. Russisch besitzt außerdem kurze Formen, zum Beispiel Книга интересна. Beide können „Das Buch ist interessant“ bedeuten, unterscheiden sich jedoch je nach Adjektiv in Aussageweise, Stil und möglicher Bedeutung. Für den Einstieg reicht es, die langen Nominativformen sicher an Genus und Zahl anzupassen.

Mengenangaben und unpersönliche Sätze

Nicht jede deutsche Satzübersetzung besitzt ein russisches Subjekt im Nominativ. Nach bestimmten Mengenwörtern und Zahlen stehen Nomen in anderen Formen: два студента „zwei Studenten“, много книг „viele Bücher“. Auch У меня есть книга heißt wörtlich etwa „Bei mir gibt es ein Buch“; книга steht dabei im Nominativ, während Besitz nicht mit einer direkten Entsprechung von deutschem haben ausgedrückt wird. In der Verneinung ändert sich das Muster: У меня нет книги „Ich habe kein Buch“, mit книги im Genitiv.

Namen und Bezeichnungen

In Его зовут Максим „Er heißt Maxim“ steht Максим trotz der Verbform зовут im Nominativ: Der Name wird als Bezeichnung angegeben. Davon zu unterscheiden ist Я вижу Максима „Ich sehe Maxim“, wo der belebte männliche Name als direktes Objekt im Akkusativ die Form Максима erhält. Solche Kontraste zeigen, warum man nicht nur Endungen, sondern ganze Satzmuster lernen sollte.

Übungstipps

  1. Frage nach der Satzrolle. Markiere in fünf kurzen russischen Sätzen das Subjekt und stelle кто? oder что?. Markiere danach das direkte Objekt in einer anderen Farbe. So lernst du Bedeutung statt bloßer Wortposition.
  2. Lerne Nomen in kleinen Vierergruppen. Bilde zu einem Adjektiv Reihen wie новый дом, новая книга, новое окно, новые дома. Sprich sie laut, damit die Übereinstimmung der Endungen vertraut wird.
  3. Übe Vorstellungen und Gleichsetzungen. Zeige auf Gegenstände oder Fotos und sage Это мой друг, Это новая улица, Берлин — большой город. Formuliere anschließend passende Fragen mit кто? und что?.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Das Genus russischer Nomen – hilft dir, passende Adjektiv- und Possessivformen im Nominativ zu wählen.
  • Als Nächstes: Der Akkusativ im Russischen – zeigt, wie direkte Objekte und Richtungsangaben gebildet werden und wann die Form vom Nominativ abweicht.

Voraussetzung

Das Genus von Substantiven im RussischenA1

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