Verben auf -a im rumänischen Präsens
Prezentul: Conjugarea I (-a)
Dieser Artikel ist Teil des Rumänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Verben der I. Konjugation haben einen Infinitiv auf -a, zum Beispiel a lucra „arbeiten“. Im Präsens gibt es jedoch zwei häufige Muster: lucrez, lucrezi, lucrează mit -ez- und cânt, cânți, cântă ohne -ez-. Besonders wichtig sind die Pluralformen -ăm und -ați; ob ein Verb im Singular -ez- erhält, muss man mit dem Verb lernen.
Überblick
Die I. Konjugation ist eine der vier rumänischen Verbgruppen. Zu ihr gehören Verben, deren Infinitiv (die Grundform eines Verbs) auf -a endet: a lucra „arbeiten“, a cânta „singen“ und a mânca „essen“. Das vorangestellte a ist die Infinitivmarkierung und kein Teil des Verbstamms: a lucra entspricht also der deutschen Grundform „arbeiten“.
Das Präsens bezeichnet vor allem Handlungen in der Gegenwart, Gewohnheiten und allgemeine Tatsachen. Wie im Deutschen kann es mit einer passenden Zeitangabe auch Zukünftiges ausdrücken: Plec mâine bedeutet „Ich fahre morgen ab“. Dieses Konjugationsmuster wird bereits auf A1 eingeführt, weil sich damit viele Alltagssätze über Arbeit, Lernen, Essen oder Freizeit bilden lassen.
Für deutschsprachige Lernende sind zwei Unterschiede besonders wichtig. Erstens steht im Rumänischen das Subjektpronomen oft nicht dabei, weil die Verbendung die Person erkennen lässt: Lucrez heißt bereits „Ich arbeite“. Zweitens haben nicht alle Verben auf -a genau dasselbe Präsensmuster. Manche verwenden die Erweiterung -ez-, andere nicht; einige ändern zusätzlich ihren Stamm.
So funktioniert es
Person und Subjektpronomen
Die grammatische Person zeigt, wer handelt: die sprechende Person, die angesprochene Person oder jemand beziehungsweise etwas anderes. Im Rumänischen gehören dazu folgende Subjektpronomen (Wörter wie „ich“ und „du“, die den Handelnden nennen):
| Person | Rumänisch | Deutsch |
|---|---|---|
| 1. Person Singular | eu | ich |
| 2. Person Singular | tu | du |
| 3. Person Singular | el / ea | er / sie |
| 1. Person Plural | noi | wir |
| 2. Person Plural | voi | ihr |
| 3. Person Plural | ei / ele | sie |
Die Pronomen helfen beim Lernen der Tabelle, werden im normalen Satz aber häufig weggelassen. Man sagt daher meist Lucrăm împreună, nicht unbedingt Noi lucrăm împreună. Das Pronomen bleibt sinnvoll, wenn ein Gegensatz betont wird: Eu lucrez, dar el dansează – „Ich arbeite, aber er tanzt.“
Muster 1: a lucra mit -ez-
Bei vielen Verben erscheint in der 1. und 2. Person Singular sowie in der 3. Person Singular und Plural die Erweiterung -ez-. In der 3. Person lautet die sichtbare Form -ează.
| Person | Form von a lucra | Aufbau |
|---|---|---|
| eu | lucrez | lucr- + -ez |
| tu | lucrezi | lucr- + -ezi |
| el / ea | lucrează | lucr- + -ează |
| noi | lucrăm | lucr- + -ăm |
| voi | lucrați | lucr- + -ați |
| ei / ele | lucrează | lucr- + -ează |
Die 3. Person Singular und Plural ist gleich: ea lucrează und ei lucrează. Erst das Subjekt oder der Zusammenhang zeigt, ob eine oder mehrere Personen gemeint sind.
Das -ez- verschwindet bei noi und voi. Deshalb sind Formen wie lucrezăm oder lucrezați mit zusätzlichem -ez- falsch. Dasselbe Grundmuster findet man zum Beispiel bei a dansa: dansez, dansezi, dansează, dansăm, dansați, dansează.
Muster 2: a cânta ohne -ez-
Andere häufige Verben verbinden ihren Stamm direkt mit den Präsensendungen. A cânta folgt diesem Muster:
| Person | Form von a cânta | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|
| eu | cânt | ich singe |
| tu | cânți | du singst |
| el / ea | cântă | er / sie singt |
| noi | cântăm | wir singen |
| voi | cântați | ihr singt |
| ei / ele | cântă | sie singen |
Als praktische Lernhilfe kann man sich die Endungsreihe -∅, -i, -ă, -ăm, -ați, -ă merken. Das Zeichen -∅ bedeutet, dass in der 1. Person Singular keine zusätzliche Endung zu sehen ist. Laut- und Schreibanpassungen können die Form jedoch verändern: Aus Stamm plus -i wird hier cânți, nicht eine mechanisch geschriebene Form wie cânti.
Auch bei diesem Muster sind die Formen der 3. Person Singular und Plural identisch. Die Pluralendungen -ăm und -ați sind dagegen sehr deutlich und verdienen besondere Aufmerksamkeit: cântăm „wir singen“, cântați „ihr singt“.
Welches Muster braucht ein Verb?
Ob ein Verb -ez- verwendet, lässt sich aus der Infinitivendung -a allein nicht zuverlässig erkennen. Am besten lernt man jedes neue Verb mit drei Angaben:
- Infinitiv: a lucra
- Person Singular: lucrez
- Person Singular: lucrează
Bei einem Verb ohne -ez- notiert man entsprechend a cânta – cânt – cântă. Diese drei Formen zeigen bereits, welches Muster und welcher Stamm gebraucht werden. Ein Wörterbuch gibt gewöhnlich genug Informationen, um mögliche Stammwechsel zu erkennen.
a mânca: häufig, aber mit Stammwechsel
A mânca gehört ebenfalls zur I. Konjugation, setzt aber nicht einfach überall denselben sichtbaren Stamm ein:
| Person | Form |
|---|---|
| eu | mănânc |
| tu | mănânci |
| el / ea | mănâncă |
| noi | mâncăm |
| voi | mâncați |
| ei / ele | mănâncă |
Im Singular und in der 3. Person Plural steht mănânc-, bei noi und voi dagegen mânc-. Solche Änderungen nennt man Stammwechsel: Der Teil des Verbs vor der Endung verändert seine Form. Für A1 genügt es, mănânc – mâncăm als Paar zu lernen. Man sollte a mânca deshalb nicht als vollkommen regelmäßiges Modell für jedes Verb auf -a behandeln.
Weitere häufige Verben zeigen ähnliche Wechsel, etwa a pleca – plec – pleacă – plecăm „abfahren, weggehen“ oder a purta – port – poartă – purtăm „tragen“. Die Zugehörigkeit zur I. Konjugation bleibt bestehen; nur der Stamm verhält sich nicht überall gleich.
Verneinung und Fragen
Für die Verneinung steht nu direkt vor dem Verb:
- Nu lucrez astăzi. – „Ich arbeite heute nicht.“
- Ei nu cântă. – „Sie singen nicht.“
- Nu mâncăm carne. – „Wir essen kein Fleisch.“
Eine Entscheidungsfrage braucht im Rumänischen kein Hilfsverb. In der gesprochenen Sprache macht vor allem die Satzmelodie aus der Aussage eine Frage; schriftlich erkennt man sie am Fragezeichen: Lucrezi mâine? – „Arbeitest du morgen?“ Anders als im deutschen Hauptsatz muss dafür nicht zwingend das Subjekt vor das Verb rücken, denn das Pronomen fehlt häufig ohnehin.
Mit einem Fragewort bleibt das Verb ebenfalls konjugiert: Unde lucrezi? „Wo arbeitest du?“ oder Când mâncați? „Wann esst ihr?“
Beispiele im Zusammenhang
| Rumänisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Lucrez de la opt. | Ich arbeite ab acht Uhr. | a lucra, 1. Person Singular |
| Unde lucrezi acum? | Wo arbeitest du jetzt? | Frage ohne zusätzliches Hilfsverb |
| Ea lucrează de acasă. | Sie arbeitet von zu Hause. | 3. Person Singular mit -ează |
| Noi lucrăm împreună. | Wir arbeiten zusammen. | -ez- entfällt bei noi |
| Voi lucrați sâmbăta? | Arbeitet ihr samstags? | 2. Person Plural auf -ați |
| Ei lucrează în centru. | Sie arbeiten im Zentrum. | dieselbe Verbform wie im Singular |
| Cânt în fiecare dimineață. | Ich singe jeden Morgen. | Muster ohne -ez- |
| Ea cântă frumos. | Sie singt schön. | Gewohnheit oder aktuelle Handlung |
| Cântăm într-un cor. | Wir singen in einem Chor. | 1. Person Plural auf -ăm |
| Voi nu cântați prea tare. | Ihr singt nicht zu laut. | Verneinung mit nu |
| Mănânc acasă astăzi. | Ich esse heute zu Hause. | Stamm mănânc- |
| Noi mâncăm împreună la prânz. | Wir essen mittags zusammen. | Stamm mânc- bei noi |
| Copiii mănâncă la prânz. | Die Kinder essen zu Mittag. | 3. Person Plural |
| Dansezi foarte bine. | Du tanzt sehr gut. | weiteres Verb mit -ez- |
| Plec mâine dimineață. | Ich fahre morgen früh ab. | Präsens mit zukünftiger Bedeutung |
Häufige Fehler
1. Jedes Verb auf -a mit -ez- bilden
- Falsch: Eu cântez în fiecare zi.
- Richtig: Eu cânt în fiecare zi.
- Warum: A cânta gehört zum Muster ohne -ez-. Die Endung -a zeigt die Konjugationsgruppe, aber nicht automatisch die Präsensklasse.
2. -ez- auch bei noi und voi einsetzen
- Falsch: Noi lucrezăm aici.
- Richtig: Noi lucrăm aici.
- Warum: Bei Verben wie a lucra erscheint -ez- nur in den Singularformen und in der 3. Person Plural. Die Formen mit noi und voi lauten lucrăm und lucrați.
3. Die 3. Person Plural künstlich verlängern
- Falsch: Ei lucreazău mult.
- Richtig: Ei lucrează mult.
- Warum: Die 3. Person Plural ist bei diesen Verben gleich wie die 3. Person Singular: ea lucrează, ei lucrează.
4. Den Stamm von a mânca überall gleich lassen
- Falsch: Eu mânc la prânz.
- Richtig: Eu mănânc la prânz.
- Warum: Das Verb hat im Singular und in der 3. Person Plural den Stamm mănânc-. Bei noi und voi stehen dagegen mâncăm und mâncați.
5. Das Subjektpronomen nach deutschem Muster immer nennen
- Unnatürlich ohne besondere Betonung: Eu lucrez aici. Eu mănânc la unu. Eu plec la cinci.
- Natürlicher: Lucrez aici. Mănânc la unu. Plec la cinci.
- Warum: Im Deutschen ist „ich“ nötig, im Rumänischen zeigt bereits die Verbform die Person. Eu ist nicht falsch, klingt bei ständiger Wiederholung aber unnötig betont.
6. Die rumänischen Sonderzeichen weglassen
- Falsch: Noi lucram, voi lucrati.
- Richtig: Noi lucrăm, voi lucrați.
- Warum: ă und ț sind eigene Buchstaben. Ohne sie kann eine Form falsch oder mehrdeutig werden; lucram ist außerdem eine Form, die in einem anderen Tempus vorkommt.
Hinweise zum Gebrauch
Das rumänische Präsens deckt vieles ab, wofür im Deutschen ebenfalls das Präsens steht. Lucrez în București kann je nach Zusammenhang „Ich arbeite in Bukarest“ oder „Ich bin gerade in Bukarest am Arbeiten“ bedeuten. Eine eigene Verlaufsform wie eine verpflichtende Konstruktion für „gerade tun“ ist nicht nötig; Wörter wie acum „jetzt“ machen den zeitlichen Rahmen klar.
Bei Höflichkeit ist dumneavoastră wichtig. Dieses Pronomen kann eine oder mehrere höflich angesprochene Personen bezeichnen und verlangt die Form der 2. Person Plural: Dumneavoastră lucrați aici? – „Arbeiten Sie hier?“ Das informelle tu verwendet dagegen lucrezi. Dieser Unterschied entspricht ungefähr deutschem „du“ und „Sie“, auch wenn die rumänischen Anredegewohnheiten nicht in jeder Situation genau dieselben sind.
Die Endung -ați braucht das Zeichen ț und wird sowohl mit voi als auch mit dumneavoastră verwendet. Der Zusammenhang entscheidet daher, ob die deutsche Übersetzung „ihr“ oder „Sie“ lautet.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Einzelheiten muss man auf A1 noch nicht sicher beherrschen. Sie erklären aber, warum ein bloßes Schema „Infinitiv minus -a plus Endung“ später nicht ausreicht.
Laut- und Stammwechsel sind Teil des Systems
Bei zahlreichen Verben wechselt ein Vokal oder die Schreibung, wenn sich Betonung und Endung ändern. Neben mănânc – mâncăm begegnen zum Beispiel plec – pleacă – plecăm und port – poartă – purtăm. Solche Formen sind nicht verschiedenen Verben zuzuordnen, sondern gehören zu einem einzigen Paradigma (der vollständigen Reihe der Verbformen).
Für den Wortschatz ist deshalb ein Formenpaket hilfreicher als eine einzelne Grundform. Wer nur a pleca notiert, weiß noch nicht sicher, wie „er fährt ab“ lautet. Mit a pleca – plec – pleacă – plecăm ist der Wechsel sofort sichtbar.
Die 3. Person dient später als Grundlage des Konjunktivs
In späteren Lektionen begegnet der Konjunktiv, eine Verbform unter anderem nach Wünschen, Absichten und Notwendigkeiten. Bei vielen Verben unterscheiden sich dort besonders die Formen der 3. Person: Präsens lucrează gegenüber să lucreze, Präsens cântă gegenüber să cânte. Diese Formen gehören nicht mehr zum einfachen Indikativ Präsens dieser Lektion, zeigen aber, warum die 3. Person besonders sorgfältig gelernt werden sollte.
Präsens kann geplante Zukunft ausdrücken
Mit einer eindeutigen Zeitangabe bezeichnet das Präsens häufig einen festen Plan: Mâine lucrăm de acasă – „Morgen arbeiten wir von zu Hause.“ Das ist im Deutschen ebenfalls möglich. Ohne Zeitangabe entscheidet der Zusammenhang, ob eine aktuelle, regelmäßige oder allgemeine Handlung gemeint ist.
Lerntipps
- Lerne Verben in Dreiergruppen von Formen. Notiere nicht nur a lucra, sondern a lucra – lucrez – lucrează; bei Stammwechseln zusätzlich die noi-Form: a mânca – mănânc – mănâncă – mâncăm.
- Sprich die Sechserreihe rhythmisch. Wechsle täglich zwischen einem Verb mit -ez- und einem ohne: lucrez, lucrezi, lucrează … und danach cânt, cânți, cântă …. Markiere -ăm und -ați hörbar.
- Bilde kurze Alltagspaare. Formuliere erst eine Aussage und dann Verneinung oder Frage: Lucrezi astăzi. – Nu lucrezi astăzi. – Lucrezi astăzi? So übst du die Verbform direkt in natürlicher Satzstellung.
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