Verneinung mit *nu* im Rumänischen
Negația cu Nu
Dieser Artikel ist Teil des Rumänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Im Rumänischen steht nu direkt vor dem Verb: Înțeleg („Ich verstehe“) wird zu Nu înțeleg („Ich verstehe nicht“). Wörter wie nimic („nichts“) und niciodată („nie“) brauchen zusätzlich nu: Nu am nimic bedeutet „Ich habe nichts“. Diese doppelte Markierung ist im Rumänischen richtig und notwendig.
Überblick
Mit nu lassen sich rumänische Aussagen auf einfache Weise verneinen. Die Partikel (ein kurzes, unveränderliches Wort) wird nicht an Person oder Zeit angepasst. Ob das Subjekt „ich“, „er“ oder „wir“ ist und ob das Verb in der Gegenwart oder Vergangenheit steht: nu bleibt immer gleich.
Das Thema gehört zum Niveau A1, denn ohne nu kann man kaum ein Alltagsgespräch führen: Man versteht etwas nicht, hat keine Zeit, möchte etwas nicht oder sagt, dass jemand heute nicht kommt. Für deutschsprachige Lernende ist die Grundstellung angenehm regelmäßig. Während deutsches nicht je nach Satz an verschiedenen Stellen stehen kann, steht rumänisches nu unmittelbar vor der Verbgruppe.
Eine wichtige Umstellung im Denken betrifft negative Wörter. Im Deutschen sagt man „Ich sehe nichts“ und vermeidet normalerweise ein zusätzliches nicht. Das Rumänische verwendet dagegen negative Kongruenz (mehrere negative Wörter drücken gemeinsam eine einzige Verneinung aus): Nu văd nimic. Wörtlich stehen dort sowohl nu als auch nimic, gemeint ist aber nur „Ich sehe nichts“.
So funktioniert es
Die Grundregel: nu vor dem Verb
Der einfache Bauplan lautet:
| Aussage | Verneinung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Verb … | nu + Verb … | nicht … |
| Înțeleg. | Nu înțeleg. | Ich verstehe nicht. |
| El vine azi. | El nu vine azi. | Er kommt heute nicht. |
| Suntem gata. | Nu suntem gata. | Wir sind nicht fertig. |
Das Subjekt (wer oder was handelt) kann vor nu stehen: Maria nu lucrează azi. Da rumänische Verbformen die Person oft schon erkennen lassen, kann ein Personalpronomen entfallen: Nu înțeleg ist als vollständiger Satz üblich; ein zusätzliches eu („ich“) ist nicht nötig.
Stehen mehrere Wörter beim Verb, gehört nu vor das konjugierte Verb, also vor die Form, die Person und Zeit zeigt:
- Nu pot veni. — Ich kann nicht kommen.
- Nu vreau să plec. — Ich will nicht gehen.
- Nu am văzut filmul. — Ich habe den Film nicht gesehen.
- Nu o să întârziem. — Wir werden uns nicht verspäten.
Beim zusammengesetzten Perfekt verneint nu somit das Hilfsverb (das Verb, das die Zeitform bildet): am văzut → nu am văzut.
Unbetonte Pronomen bleiben beim Verb
Kurze Objektpronomen (Wörter für Personen oder Dinge, die von der Handlung betroffen sind) stehen zwischen nu und dem Verb oder bilden mit der Verbgruppe eine eng verbundene Einheit:
- Nu îl cunosc. / Nu-l cunosc. — Ich kenne ihn nicht.
- Nu mă auzi? — Hörst du mich nicht?
- Nu-mi place cafeaua. — Ich mag Kaffee nicht.
- Nu l-am văzut. — Ich habe ihn nicht gesehen.
Die Bindestriche zeigen hier lautliche und grammatische Verbindungen an. Für den Anfang genügt es, vollständige Muster wie nu mă, nu-mi und nu-l als Einheit zu lernen.
nu mit negativen Wörtern
Die häufigsten negativen Wörter sind:
| Rumänisch | Deutsche Entsprechung | Beispielsatz |
|---|---|---|
| nimic | nichts | Nu aud nimic. — Ich höre nichts. |
| nimeni | niemand | Nu vine nimeni. — Niemand kommt. |
| niciodată | nie, niemals | Nu fumez niciodată. — Ich rauche nie. |
| nicăieri | nirgendwo | Nu găsesc cheia nicăieri. — Ich finde den Schlüssel nirgendwo. |
| niciun / nicio | kein / keine | Nu am nicio întrebare. — Ich habe keine Frage. |
Steht das negative Wort nach dem Verb, beginnt der Satz gewöhnlich mit nu + Verb: Nu știu nimic. Wird es zur Hervorhebung vorangestellt, bleibt nu trotzdem erhalten: Nimeni nu știe. („Niemand weiß es.“) und Niciodată nu întârzie. („Er/Sie kommt nie zu spät.“)
Das ist keine doppelte Verneinung im deutschen Sinn, bei der sich zwei Verneinungen möglicherweise aufheben. Alle negativen Elemente gehören zu einer verneinten Aussage.
nici … nici für „weder … noch“
Mit nici … nici verbindet man zwei verneinte Möglichkeiten:
- Nu beau nici cafea, nici ceai. — Ich trinke weder Kaffee noch Tee.
- Nici Ana, nici Radu nu vin azi. — Weder Ana noch Radu kommen heute.
Auch hier trägt nu am Verb die Satzverneinung. nici markiert zusätzlich die beiden ausgeschlossenen Teile.
Verneinung mit a fi „sein“
Die Formen von a fi werden genauso verneint:
- Nu sunt obosit. — Ich bin nicht müde.
- Cartea nu este aici. — Das Buch ist nicht hier.
- Nu e scump. — Es ist nicht teuer.
e ist eine sehr häufige kürzere Form von este. Beide sind korrekt; este wirkt vollständiger und kann in sorgfältiger oder betonter Rede bevorzugt werden.
Beispiele im Kontext
| Rumänisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Nu înțeleg. | Ich verstehe nicht. | Das Subjekt „ich“ steckt bereits in der Verbform. |
| El nu vine azi. | Er kommt heute nicht. | nu steht direkt vor vine. |
| Nu avem timp acum. | Wir haben jetzt keine Zeit. | Im Deutschen steht hier oft „kein“ statt „nicht“. |
| Maria nu lucrează duminica. | Maria arbeitet sonntags nicht. | Eine regelmäßig verneinte Gewohnheit. |
| Nu pot deschide ușa. | Ich kann die Tür nicht öffnen. | nu steht vor dem konjugierten Modalverb pot. |
| Nu vreau să plec încă. | Ich möchte noch nicht gehen. | Die ganze Handlung wird über vreau verneint. |
| Nu am văzut mesajul. | Ich habe die Nachricht nicht gesehen. | nu steht vor dem Hilfsverb am. |
| Nu am nimic. | Ich habe nichts. | nu … nimic ist die normale rumänische Form. |
| Nu merg niciodată acolo. | Ich gehe nie dorthin. | niciodată bleibt mit nu verbunden. |
| Nu este nimeni acasă. | Niemand ist zu Hause. | Wörtlich: „Es ist niemand zu Hause.“ |
| Nimeni nu răspunde. | Niemand antwortet. | Auch vorangestelltes nimeni braucht nu. |
| Nu găsesc cheile nicăieri. | Ich finde die Schlüssel nirgendwo. | Ortsverneinung mit nicăieri. |
| Nu-mi place laptele. | Ich mag Milch nicht. | Das kurze Pronomen mi steht zwischen nu und Verb. |
| Nu beau nici cafea, nici ceai. | Ich trinke weder Kaffee noch Tee. | Zwei ausgeschlossene Möglichkeiten. |
| Nu e nicio problemă. | Das ist kein Problem. | Sehr häufige Wendung im Alltag. |
Häufige Fehler
nu nach dem Verb setzen
- Falsch: Înțeleg nu.
- Richtig: Nu înțeleg.
- Warum: Anders als deutsches nicht steht rumänisches nu grundsätzlich vor dem konjugierten Verb.
Das deutsche Satzende nachahmen
- Falsch: Eu pot veni nu.
- Richtig: Eu nu pot veni.
- Warum: In „Ich kann nicht kommen“ steht nicht zwischen den beiden deutschen Verbformen. Im Rumänischen kommt nu bereits vor pot, der konjugierten Form.
nu vor nimic oder niciodată weglassen
- Falsch: Am nimic. / Merg niciodată acolo.
- Richtig: Nu am nimic. / Nu merg niciodată acolo.
- Warum: nimic und niciodată ersetzen die Verneinung am Verb nicht. Rumänisch verlangt hier negative Kongruenz.
Bei vorangestelltem nimeni nur einmal verneinen
- Falsch: Nimeni vine.
- Richtig: Nimeni nu vine.
- Warum: Auch „Niemand“ vor dem Verb braucht zusätzlich nu. Die deutsche Gewohnheit „niemand + positives Verb“ lässt sich nicht übertragen.
Deutsches „kein“ Wort für Wort nachbilden
- Unnatürlich oder inhaltlich anders: Am nu o mașină.
- Richtig: Nu am mașină. oder Nu am nicio mașină.
- Warum: Rumänisch setzt nu nicht direkt vor den unbestimmten Artikel o. Verneint wird das Verb; nicio verstärkt die Bedeutung „keine einzige“.
nu an die Person anpassen
- Falsch: eine vermeintlich andere Verneinungsform für „wir“ oder „sie“ bilden
- Richtig: nu sunt, nu suntem, nu sunt
- Warum: Nur das Verb verändert sich. nu ist immer unveränderlich.
Hinweise zum Gebrauch
In neutralen Aussagen wird nu nicht besonders betont. Soll ein Gegensatz hervorgehoben werden, kann die Betonung auf dem verneinten Teil liegen: Nu azi, mâine. bedeutet „Nicht heute, morgen.“ In knappen Antworten kann Nu. allein „Nein“ heißen.
Vor Formen von a avea („haben“) sind im gesprochenen und geschriebenen Rumänisch verkürzte Formen sehr häufig: n-am („ich habe nicht“), n-ai, n-are, n-avem, n-aveți, n-au. So hört und liest man oft N-am timp statt Nu am timp. Die Bedeutung ändert sich nicht. Beim sorgfältigen Lernen sollte man beide Formen erkennen; die ungekürzte Form macht den Bauplan zunächst deutlicher.
Auch nu este kann als nu e oder zusammengezogen als nu-i erscheinen: Nu-i adevărat. — „Das stimmt nicht.“ Solche Formen sind im Alltag normal, verlangen aber Aufmerksamkeit bei der Schreibung.
Die deutsche Unterscheidung zwischen nicht und kein hat keine einfache Eins-zu-eins-Entsprechung. Bei einem Verb steht stets nu. Je nach Aussage können danach ein Nomen ohne Artikel oder Formen wie niciun und nicio folgen: Nu am bani („Ich habe kein Geld“), Nu am niciun ban („Ich habe keinen einzigen Leu“).
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Muster muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in Hinweisen, Gesprächen und späteren Texten häufig vorkommen.
Negative Aufforderungen
In der zweiten Person Singular wird eine negative Aufforderung mit nu + Infinitiv gebildet. Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs, etwa vorbi „sprechen“:
- Vorbește! — Sprich!
- Nu vorbi! — Sprich nicht!
- Pleacă! — Geh!
- Nu pleca! — Geh nicht!
Im Plural beziehungsweise bei höflicher Anrede steht die übliche Form auf -ți: Nu vorbiți! — „Sprecht nicht!“ oder „Sprechen Sie nicht!“ Die negative Singularform ist also nicht einfach die positive Befehlsform mit davor gesetztem nu.
a nu + Infinitiv
Wenn nicht ein ganzer Hauptsatz, sondern eine Infinitivhandlung verneint wird, steht nu zwischen a und Infinitiv:
- Este important a nu uita. — Es ist wichtig, nicht zu vergessen.
- pentru a nu întârzia — um sich nicht zu verspäten
- rugămintea de a nu fuma — die Bitte, nicht zu rauchen
Diese Konstruktion begegnet einem besonders in schriftlichen oder formelleren Texten. Im Alltag werden häufig Sätze mit să verwendet.
nu … decât bedeutet „nur“
Eine scheinbar negative Konstruktion hat eine einschränkende Bedeutung:
- Nu am decât zece lei. — Ich habe nur zehn Lei.
- Nu vorbește decât română. — Er/Sie spricht nur Rumänisch.
decât bedeutet in diesem Muster nicht einfach „als“, sondern zusammen mit nu „nur“. Ein positiver Satz verwendet normalerweise doar oder numai: Am doar zece lei. Dieses Muster sollte als feste Einheit gelernt werden.
Auf eine negative Frage widersprechen
Will man einer negativen Vermutung ausdrücklich widersprechen, ist ba da sehr nützlich:
- Nu vii mâine? — Kommst du morgen nicht?
- Ba da, vin. — Doch, ich komme.
Das deutsche „doch“ lässt sich hier also oft mit ba da wiedergeben. Ein bloßes da kann je nach Kontext weniger eindeutig sein.
Übungstipps
- Bilde Satzpaare. Schreibe fünf kurze bejahte Sätze wie Am timp oder Maria vine azi und setze dann jeweils nu vor das konjugierte Verb: Nu am timp, Maria nu vine azi.
- Lerne negative Wörter in ganzen Rahmen. Merke dir nicht nur nimic, sondern nu … nimic; nicht nur niciodată, sondern nu … niciodată. So vermeidest du die häufigste Übertragung aus dem Deutschen.
- Höre auf Kurzformen. Sammle beim Lesen oder Hören Beispiele mit n-am, nu-i und nu-mi. Sprich anschließend auch die ungekürzten Formen aus, damit du ihre Struktur sicher erkennst.
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