B1

Tudni und ismerni im Ungarischen

Tudni és Ismerni Különbség

Dieser Artikel ist Teil des Ungarisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Tudni bezeichnet Wissen über Fakten und Informationen oder die Fähigkeit, etwas zu tun: Tudom a választ („Ich weiß die Antwort“), Tudok úszni („Ich kann schwimmen“). Ismerni bedeutet, mit einer Person, einem Ort, einem Werk oder einem Gegenstand vertraut zu sein: Ismerem Pétert („Ich kenne Péter“). Die deutschen Verben wissen, kennen und können geben daher eine gute erste Orientierung.

Überblick

Im Deutschen verteilt sich der Bedeutungsbereich bereits auf wissen, kennen und können. Das ist beim Ungarischlernen hilfreich: tudni entspricht häufig wissen oder dem auf einer Fähigkeit beruhenden können, ismerni meist kennen. Entscheidend ist jedoch nicht das einzelne deutsche Wort, sondern die Art des Wissens. Geht es um eine Information oder darum, wie man etwas tut, steht tudni. Geht es um Vertrautheit aus Erfahrung oder Bekanntschaft, steht ismerni.

Auf B1-Niveau kommt eine zweite Entscheidung hinzu. Ungarische Verben haben eine unbestimmte und eine bestimmte Konjugation. Vereinfacht gesagt richtet sich die Verbform danach, ob das direkte Objekt (die Person oder Sache, auf die sich die Handlung unmittelbar richtet) unbestimmt oder bestimmt ist. Deshalb begegnen Formen wie tudok und tudom sowie ismerek und ismerem nebeneinander.

Die Unterscheidung ist im Alltag ständig nötig: wenn man sagt, dass man eine Adresse weiß, eine Sprache kann, jemanden kennt oder sich in einer Stadt auskennt. Wer zuerst die Bedeutung und danach die passende Konjugation auswählt, vermeidet die meisten Fehler.

So funktioniert es

Die Grundentscheidung: Information oder Vertrautheit?

Gemeinte Art des Wissens Verb Beispiel
eine Tatsache, Antwort oder Angabe wissen tudni Tudom a nevét. – Ich weiß seinen/ihren Namen.
wissen, dass, wo, wann, warum oder wie etwas geschieht tudni Tudja, hogy késünk. – Er/Sie weiß, dass wir uns verspäten.
eine erlernte oder praktische Fähigkeit haben tudni + Infinitiv Tudsz vezetni? – Kannst du Auto fahren?
eine Person kennen ismerni Ismerjük a tanárt. – Wir kennen den Lehrer/die Lehrerin.
mit einem Ort, Werk, Begriff oder Thema vertraut sein ismerni Ismered ezt a könyvet? – Kennst du dieses Buch?

Ein Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, im Deutschen etwa schwimmen, im Ungarischen úszni. Mit tudni bezeichnet er oft eine Fähigkeit:

  • tudok főzni – ich kann kochen
  • tudsz olvasni – du kannst lesen
  • tud gitározni – er/sie kann Gitarre spielen

Bei einer Inhaltsangabe folgt auf tudni häufig ein Nebensatz mit hogy („dass“):

  • Tudom, hogy igaz. – Ich weiß, dass es wahr ist.
  • Tudod, hogy hol lakik? – Weißt du, wo er/sie wohnt?
  • Nem tudjuk, mikor érkeznek. – Wir wissen nicht, wann sie ankommen.

Vor einem Fragewort wie hol oder mikor kann hogy oft entfallen: Tudod, hol lakik? Die Bedeutung bleibt gleich.

Präsens von tudni

Ohne bestimmtes direktes Objekt, besonders vor einem einfachen Infinitiv, steht die unbestimmte Konjugation:

Person Unbestimmt Beispiel
én – ich tudok tudok úszni – ich kann schwimmen
te – du tudsz tudsz főzni – du kannst kochen
ő – er/sie tud tud magyarul – er/sie kann Ungarisch
mi – wir tudunk tudunk segíteni – wir können helfen
ti – ihr tudtok tudtok várni – ihr könnt warten
ők – sie tudnak tudnak olvasni – sie können lesen

Mit einem bestimmten Objekt oder einem Inhaltssatz verwendet man gewöhnlich die bestimmte Konjugation:

Person Bestimmt Beispiel
én – ich tudom tudom a választ – ich weiß die Antwort
te – du tudod tudod a címét – du weißt seine/ihre Adresse
ő – er/sie tudja tudja az igazat – er/sie kennt die Wahrheit
mi – wir tudjuk tudjuk, hogy jön – wir wissen, dass er/sie kommt
ti – ihr tudjátok tudjátok az eredményt – ihr wisst das Ergebnis
ők – sie tudják tudják, hol van – sie wissen, wo es ist

Die Formen mit -j-tudja, tudjuk, tudjátok, tudják – sollte man als Teil des Paradigmas mitlernen.

Präsens von ismerni

Ismerni hat meist ein direktes Objekt im Akkusativ (die Form für die unmittelbar betroffene Person oder Sache). Im Ungarischen trägt dieses Objekt häufig die Endung -t: Pétert, a várost, ezt a könyvet.

Bei einer unbestimmten Person oder Sache steht die unbestimmte Konjugation:

Person Unbestimmt Beispiel
én – ich ismerek ismerek egy orvost – ich kenne einen Arzt/eine Ärztin
te – du ismersz ismersz egy jó helyet – du kennst einen guten Ort
ő – er/sie ismer ismer néhány dalt – er/sie kennt einige Lieder
mi – wir ismerünk ismerünk egy családot – wir kennen eine Familie
ti – ihr ismertek ismertek valakit – ihr kennt jemanden
ők – sie ismernek ismernek sok embert – sie kennen viele Leute

Bestimmte Personen und Sachen verlangen die bestimmte Konjugation. Dazu gehören unter anderem Objekte mit a/az („der/die/das“), Demonstrativformen wie ezt („dieses“) und Eigennamen:

Person Bestimmt Beispiel
én – ich ismerem ismerem Annát – ich kenne Anna
te – du ismered ismered ezt a filmet – du kennst diesen Film
ő – er/sie ismeri ismeri a várost – er/sie kennt die Stadt
mi – wir ismerjük ismerjük a szabályt – wir kennen die Regel
ti – ihr ismeritek ismeritek a környéket – ihr kennt die Gegend
ők – sie ismerik ismerik Pétert – sie kennen Péter

Der deutsche Vergleich hilft – aber nicht immer

Die Faustregel wissen = tudni, kennen = ismerni, können + Tätigkeit = tudni funktioniert oft. Einige deutsche Formulierungen führen aber in die falsche Richtung:

  • Deutsch: „die Antwort kennen“ – Ungarisch: tudni a választ, weil die Antwort eine Information ist.
  • Deutsch: „ein Lied kennen“ – Ungarisch: ismerni egy dalt, wenn das Lied vertraut ist.
  • Deutsch: „den Liedtext auswendig wissen“ – Ungarisch: tudni a dalszöveget kívülről, weil der konkrete Inhalt gewusst wird.
  • Deutsch: „sich in Budapest auskennen“ – Ungarisch: jól ismerni Budapestet, also Budapest gut kennen.

Die Frage lautet daher am besten: Kann ich den Inhalt angeben, oder bin ich damit vertraut?

Beispiele im Kontext

Ungarisch Deutsch Hinweis
Tudom, hogy hol van. Ich weiß, wo es ist. bekannte Information; bestimmtes tudom
Tudok úszni. Ich kann schwimmen. Fähigkeit mit Infinitiv
Nem tudjuk a választ. Wir wissen die Antwort nicht. bestimmtes Objekt a választ
Tudod, mikor indul a vonat? Weißt du, wann der Zug abfährt? indirekte Frage als Inhalt
Anna jól tud főzni. Anna kann gut kochen. praktische Fähigkeit
Tudsz magyarul? Kannst du Ungarisch? Sprachkenntnis; magyarul ist kein direktes Objekt
Ismerem Pétert. Ich kenne Péter. Person mit Eigennamen
Ismeri a várost? Kennen Sie die Stadt? bestimmte Form; kann auch „Kennt er/sie …?“ heißen
Ismersz egy jó orvost? Kennst du einen guten Arzt oder eine gute Ärztin? unbestimmtes Objekt mit egy
Jól ismerjük ezt a környéket. Wir kennen diese Gegend gut. Vertrautheit mit einem Ort
Nem ismerik ezt a szót. Sie kennen dieses Wort nicht. ein unbekannter Begriff
Ismered Bartók zenéjét? Kennst du Bartóks Musik? Vertrautheit mit einem Werk
Tudom a címét, de nem ismerem a környéket. Ich weiß seine/ihre Adresse, kenne aber die Gegend nicht. Information gegenüber Ortskenntnis
Ismerem ezt a dalt, de nem tudom a szövegét. Ich kenne dieses Lied, weiß aber den Text nicht. vertrautes Werk gegenüber bekanntem Inhalt
Nem tudok róla. Ich weiß nichts davon. róla bedeutet hier „davon/darüber“

Häufige Fehler

Eine Person mit tudni verbinden

  • Falsch: Tudom Pétert.
  • Richtig: Ismerem Pétert.
  • Warum: Bei einer persönlichen Bekanntschaft geht es um Vertrautheit, nicht um eine einzelne Information. Deshalb steht ismerni.

Einen Inhalt mit ismerni ausdrücken

  • Falsch: Ismerem, hogy hol van.
  • Richtig: Tudom, hogy hol van.
  • Warum: Ein Nebensatz mit „wo“ gibt den Inhalt des Wissens an. Dafür verwendet man tudni.

Bei einer Fähigkeit die bestimmte Form wählen

  • Falsch: Tudom úszni.
  • Richtig: Tudok úszni.
  • Warum: Beim einfachen Muster „eine Tätigkeit können“ folgt ein Infinitiv, aber kein bestimmtes direktes Objekt. Daher steht die unbestimmte Form tudok.

Das richtige Verb, aber die falsche Konjugation verwenden

  • Falsch: Tudok a választ.
  • Richtig: Tudom a választ.
  • Warum: A választ („die Antwort“) ist bestimmt. Die Verbwahl tudni ist richtig, doch die Form muss tudom lauten.

Ein bestimmtes Objekt nach ismerni übersehen

  • Falsch: Ismerek a várost.
  • Richtig: Ismerem a várost.
  • Warum: Der bestimmte Artikel a macht die Stadt zu einem bestimmten Objekt. Entsprechend braucht das Verb die bestimmte Form.

Deutsches können immer mit tudni wiedergeben

  • Unpassend bei einer Erlaubnis: Tudok itt parkolni?
  • Passend: Szabad itt parkolni? – Darf man hier parken?
  • Warum: Tudni kann Fähigkeit oder tatsächliche Machbarkeit ausdrücken. Bei einer Erlaubnis sind szabad („erlaubt, man darf“) oder je nach Kontext lehet („es ist möglich/man kann“) genauer.

Hinweise zum Gebrauch

Die häufigsten Kurzantworten sind Tudom („Ich weiß es“) und Nem tudom („Ich weiß es nicht“). Bei ismerni bleibt der Bezug auf eine Person oder Sache deutlicher: Ismerem heißt „Ich kenne ihn/sie/es“, Nem ismerem entsprechend „Ich kenne ihn/sie/es nicht“.

Wie im Deutschen kann der Grad der Vertrautheit näher bezeichnet werden. Jól ismerem Budapestet bedeutet „Ich kenne Budapest gut“, csak névről ismerem „Ich kenne ihn/sie nur dem Namen nach“ und látásból ismerem „Ich kenne ihn/sie vom Sehen“. Személyesen ismerem macht ausdrücklich klar, dass man die Person persönlich kennt.

Bei Sprachkenntnissen steht häufig tudni mit einer Sprachform auf -ul/-ül: Tud magyarul és németül („Er/Sie kann Ungarisch und Deutsch“). Ebenfalls natürlich ist die Verbindung mit beszélni: Tudsz magyarul beszélni? („Kannst du Ungarisch sprechen?“). Ismerni passt dagegen, wenn es um Vertrautheit mit der Sprache als Gegenstand geht, etwa ihren Aufbau oder ihre Geschichte, nicht einfach um die Fähigkeit, sie zu sprechen.

Tudni kann auch eine aktuelle Möglichkeit ausdrücken: Ma nem tudok találkozni veled („Ich kann mich heute nicht mit dir treffen“). Hier fehlt nicht unbedingt die erlernte Fähigkeit; äußere Umstände verhindern das Treffen. Der Zusammenhang entscheidet also, ob tudni eher „fähig sein“ oder „es schaffen/es ermöglichen können“ bedeutet.

Für Fortgeschrittene

Zustand und neu eintretendes Wissen

Die Verben tudni und ismerni bezeichnen meist einen bestehenden Zustand. Mit Vorsilben entstehen Verben für den Übergang zu diesem Zustand:

Verb Bedeutung Beispiel
tudni wissen Tudom az eredményt. – Ich weiß das Ergebnis.
megtudni erfahren, herausfinden Tegnap megtudtam az eredményt. – Gestern habe ich das Ergebnis erfahren.
ismerni kennen, mit etwas vertraut sein Ismerem Évát. – Ich kenne Éva.
megismerni kennenlernen, mit etwas bekannt werden Tavaly megismertem Évát. – Letztes Jahr habe ich Éva kennengelernt.
felismerni erkennen, wiedererkennen Azonnal felismertem a hangját. – Ich erkannte seine/ihre Stimme sofort.

Találkozni („sich treffen, jemandem begegnen“) ist nicht dasselbe wie megismerni. Man kann jemandem begegnen, ohne die Person näher kennenzulernen.

Feine Bedeutungsunterschiede beim gleichen Objekt

Manche Objekte können mit beiden Verben stehen, doch der Blickwinkel ändert sich:

  • Ismerem a szabályt. – Ich kenne die Regel; sie ist mir vertraut.
  • Tudom a szabályt. – Ich weiß die Regel; ich kann ihren Inhalt nennen.
  • Ismerem ezt a verset. – Ich kenne dieses Gedicht.
  • Tudom ezt a verset kívülről. – Ich kann dieses Gedicht auswendig.

Das ist keine freie Austauschbarkeit. Ismerni hebt Erfahrung und Vertrautheit hervor, tudni den verfügbaren Inhalt oder das Beherrschen.

Bestimmtes Objekt beim Infinitiv

Die einfache B1-Regel lautet tudok + Infinitiv. In komplexeren Sätzen kann aber das Objekt des Infinitivs die Konjugation von tudni beeinflussen:

  • Meg tudok javítani egy biciklit. – Ich kann ein Fahrrad reparieren.
  • Meg tudom javítani a biciklit. – Ich kann das Fahrrad reparieren.

Im zweiten Satz ist a biciklit bestimmt; deshalb steht tudom. Die Vorsilbe meg- gehört hier zu javítani, steht aber vor der gebeugten Form von tudni: meg tudom javítani.

Personen als Objekt

Bei „ich kenne dich/euch“ verwendet Ungarisch die besondere Endung -lak/-lek: Ismerlek („Ich kenne dich/euch“). Dagegen steht bei engem („mich“) nach einem Subjekt in der dritten Person die unbestimmte Form: Nem ismer engem („Er/Sie kennt mich nicht“). Diese Personenmuster sind eine Ergänzung zur einfachen Gegenüberstellung von bestimmter und unbestimmter Konjugation; die Grundwahl zwischen tudni und ismerni bleibt davon unberührt.

Übungstipps

  1. Sortiere nach Bedeutung. Lege Beispielsätze in drei Gruppen ab: Information, Fähigkeit und Vertrautheit. Wähle erst danach zwischen tudni und ismerni.
  2. Übe immer ganze Paare. Sprich etwa tudok úszni – tudom a választ und ismerek egy orvost – ismerem az orvost. So wird die Verbwahl gleich mit der Konjugation verknüpft.
  3. Baue Kontrastsätze. Muster wie Ismerem a dalt, de nem tudom a szövegét zwingen dazu, den Bedeutungsunterschied in einem einzigen Zusammenhang anzuwenden.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Bestimmte Präsenskonjugation – erklärt, warum etwa tudok/tudom und ismerek/ismerem verschiedene Objekte begleiten.
  • Weiterführend: Modale Ausdrücke – grenzt Fähigkeit und Machbarkeit mit tudni von Erlaubnis, Notwendigkeit und Möglichkeit ab.

Voraussetzung

Bestimmte Präsenskonjugation im UngarischenA2

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