A2

Vergangenheit von *lenni* im Ungarischen

A 'Lenni' Múlt Ideje

Dieser Artikel ist Teil des Ungarisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Die Vergangenheitsformen von lenni („sein“) lauten voltam, voltál, volt, voltunk, voltatok, voltak. Anders als in der Gegenwart darf die Form in der dritten Person bei einer vergangenen Beschreibung nicht entfallen: Ő beteg volt bedeutet „Er/Sie war krank“.

Überblick

Mit lenni drückt man aus, wer oder was jemand war, wo sich jemand befand oder in welchem Zustand etwas war. Die Vergangenheitsformen braucht man deshalb sehr häufig: für einen früheren Beruf, einen Aufenthaltsort, das Wetter, Gefühle, Eigenschaften und die bloße Existenz einer Sache. Dieses Thema wird gewöhnlich auf A2-Niveau eingeführt.

Für deutschsprachige Lernende ist die Bedeutung meist leicht zugänglich, denn voltam entspricht je nach Zusammenhang „ich war“ oder „ich bin gewesen“. Der Bau des ungarischen Satzes ist jedoch anders. Im Deutschen steht das Subjekt normalerweise ausdrücklich da; im Ungarischen zeigt schon die Endung von voltam oder voltunk, um welche Person es geht. Ein Personalpronomen wie én („ich“) oder mi („wir“) ist daher oft unnötig.

Besonders wichtig ist der Unterschied zur ungarischen Gegenwart. In Ő beteg („Er/Sie ist krank“) fehlt bei einer Beschreibung in der dritten Person Singular die Gegenwartsform van. In der Vergangenheit muss dagegen volt stehen: Ő beteg volt. Diese einfache Gegenüberstellung verhindert einen der häufigsten Anfängerfehler.

So funktioniert es

Die sechs Formen

Der Infinitiv (die Grundform eines Verbs) heißt lenni. Seine Vergangenheitsformen beruhen auf volt- und tragen Endungen, die Person und Zahl anzeigen.

Person Ungarische Form Deutsche Bedeutung
1. Person Singular (én) voltam ich war / ich bin gewesen
2. Person Singular (te) voltál du warst / du bist gewesen
3. Person Singular (ő) volt er/sie/es war / ist gewesen
1. Person Plural (mi) voltunk wir waren / wir sind gewesen
2. Person Plural (ti) voltatok ihr wart / ihr seid gewesen
3. Person Plural (ők) voltak sie waren / sie sind gewesen

Die Wörter in Klammern sind Personalpronomen, also Wörter wie „ich“, „du“ und „sie“. Man setzt sie vor allem bei einem Gegensatz oder einer ausdrücklichen Hervorhebung:

  • Én otthon voltam, de Péter az irodában volt.Ich war zu Hause, aber Péter war im Büro.
  • Mi fáradtak voltunk, ők nem.Wir waren müde, sie nicht.

Ohne solchen Gegensatz klingt Tegnap otthon voltam meist natürlicher als Én tegnap otthon voltam. Das Subjekt ist trotzdem eindeutig, weil -am in voltam die erste Person Singular bezeichnet.

Aussage, Verneinung und Frage

Eine neutrale Aussage besteht häufig aus einer Zeitangabe, der eigentlichen neuen Information und der Form von lenni:

  • Tegnap Budapesten voltam. — Gestern war ich in Budapest.
  • A gyerekek fáradtak voltak. — Die Kinder waren müde.

Für eine Verneinung steht nem („nicht/kein“) im einfachen Satz direkt vor der Verbform:

  • Nem voltam otthon. — Ich war nicht zu Hause.
  • A bolt nem volt nyitva. — Das Geschäft war nicht geöffnet.
  • Nem voltak problémák. — Es gab keine Probleme.

Bei einer Entscheidungsfrage, die man mit Ja oder Nein beantworten kann, ändert sich die Form nicht. In der gesprochenen Sprache macht vor allem die Satzmelodie daraus eine Frage:

  • Otthon voltál? — Warst du zu Hause?
  • Jó volt a film? — War der Film gut?

Fragewörter stehen gewöhnlich unmittelbar vor dem Verb beziehungsweise vor dem hervorgehobenen Satzteil:

  • Hol voltatok tegnap? — Wo wart ihr gestern?
  • Milyen volt az út? — Wie war die Reise?
  • Ki volt ott? — Wer war dort?

Die ungarische Wortstellung richtet sich stark danach, welche Information wichtig oder neu ist. Für den Anfang sind die obigen Muster zuverlässig. Man sollte daher nicht jedes deutsche Wort starr an dieselbe Stelle übertragen.

Drei Hauptverwendungen

1. Ort und Anwesenheit

Mit einem Ortsausdruck bezeichnet lenni einen früheren Aufenthaltsort:

  • Az iskolában voltam. — Ich war in der Schule.
  • A kulcs az asztalon volt. — Der Schlüssel lag auf dem Tisch.

Ungarisch verwendet hier oft „sein“, wo eine natürliche deutsche Übersetzung auch „liegen“, „stehen“ oder „sich befinden“ lauten kann. Die ungarische Form bleibt trotzdem volt.

2. Zustand, Eigenschaft oder Rolle

Nach einem Adjektiv (einem Eigenschaftswort wie „müde“) oder einem Substantiv (einem Namen für eine Person oder Sache wie „Student“) verbindet volt das Subjekt mit einer Beschreibung:

  • Beteg voltam. — Ich war krank.
  • Anna tanár volt. — Anna war Lehrerin.
  • Fiatalok voltunk. — Wir waren jung.

Bei einem Subjekt im Plural steht auch die prädikative Beschreibung, also die Beschreibung nach „sein“, normalerweise im Plural: szép volt („war schön“), aber szépek voltak („waren schön“). Das ist ein Unterschied zum Deutschen, denn ein deutsches prädikatives Adjektiv bleibt unverändert: „sie waren schön“.

Ungarische Adjektive unterscheiden dabei kein männliches, weibliches oder sächliches Geschlecht. Beteg volt kann je nach Zusammenhang „er war krank“, „sie war krank“ oder „es war krank“ bedeuten.

3. Existenz und Besitz

Volt kann auch „es gab“ bedeuten. Was vorhanden war, steht oft nach dem Verb:

  • Volt egy kis időnk. — Wir hatten ein wenig Zeit.
  • Voltak problémák. — Es gab Probleme.
  • Nem volt tej a hűtőben. — Im Kühlschrank war keine Milch.

Ungarisch drückt Besitz häufig mit einer Form von „sein“ und einer Besitzendung am besessenen Wort aus. In időnk bedeutet -nk „unsere“; wörtlich steht also ungefähr „unsere Zeit war“. Für die deutsche Übersetzung ist dennoch „wir hatten Zeit“ natürlicher. Ebenso heißt Volt egy autóm „Ich hatte ein Auto“, obwohl der ungarische Satz kein eigenes Verb für „haben“ enthält.

Warum volt in der dritten Person nicht fehlen darf

In der Gegenwart wird van bei einer einfachen Gleichsetzung oder Eigenschaft in der dritten Person ausgelassen:

Zeit Ungarisch Deutsch
Gegenwart Ő diák. Er/Sie ist Student/in.
Vergangenheit Ő diák volt. Er/Sie war Student/in.
Gegenwart A ház szép. Das Haus ist schön.
Vergangenheit A ház szép volt. Das Haus war schön.

Diese Auslassung betrifft nicht die Vergangenheit. Volt und voltak bleiben sowohl bei Orten als auch bei Beschreibungen sichtbar.

Beispiele im Zusammenhang

Ungarisch Deutsch Hinweis
Ott voltam tegnap este. Ich war gestern Abend dort. Ort, 1. Person Singular
Hol voltál hétvégén? Wo warst du am Wochenende? Frage nach dem Ort
Dóra beteg volt, ezért otthon maradt. Dóra war krank, deshalb blieb sie zu Hause. vergangener Zustand
A kávé még meleg volt. Der Kaffee war noch warm. Eigenschaft einer Sache
Fiatalok voltunk, és sokat utaztunk. Wir waren jung und reisten viel. Beschreibung im Plural
Nagyon szépek voltatok az esküvőn. Ihr wart bei der Hochzeit sehr schön. 2. Person Plural
A szüleim tegnap nem voltak otthon. Meine Eltern waren gestern nicht zu Hause. Verneinung, 3. Person Plural
Péter régen orvos volt. Péter war früher Arzt. frühere Rolle oder Beruf
Jó volt a koncert? War das Konzert gut? Entscheidungsfrage
Milyen volt az idő Budapesten? Wie war das Wetter in Budapest? Frage nach einer Eigenschaft
Volt egy kis időm ebédelni. Ich hatte ein wenig Zeit zum Mittagessen. Besitz mit időm
Nem volt cukor a konyhában. In der Küche gab es keinen Zucker. fehlende Sache
Sokan voltak a pályaudvaron. Am Bahnhof waren viele Leute. Anwesenheit mehrerer Personen
Én fáradt voltam, de ő még tele volt energiával. Ich war müde, aber er/sie war noch voller Energie. Pronomen wegen Gegensatz

Typische Fehler

1. Volt nach dem Muster der Gegenwart weglassen

  • Falsch: Tegnap ő beteg.
  • Richtig: Tegnap ő beteg volt.
  • Warum: Nur in der Gegenwart entfällt die Form von lenni bei einer Beschreibung in der dritten Person. Die Vergangenheit braucht volt.

2. Für alle Personen nur volt verwenden

  • Falsch: Én tegnap otthon volt.
  • Richtig: Én tegnap otthon voltam.
  • Warum: Die Endung muss zum Subjekt passen. Volt allein ist die dritte Person Singular; -am kennzeichnet hier „ich“.

3. Das deutsche Perfekt Wort für Wort nachbauen

  • Falsch: Én vagyok volt Budapesten.
  • Richtig: Budapesten voltam.
  • Warum: Ob man auf Deutsch „ich war“ oder „ich bin gewesen“ sagt, ändert am Ungarischen nichts. Voltam ist bereits die vollständige Vergangenheitsform; ein zusätzliches Hilfsverb ist falsch.

4. Nem an eine unnatürliche Stelle setzen

  • Falsch: Voltam nem otthon.
  • Richtig: Nem voltam otthon.
  • Warum: Bei einer einfachen Verneinung steht nem direkt vor der verneinten Form von lenni.

5. Die Beschreibung im Plural unverändert lassen

  • Falsch: A gyerekek fáradt voltak.
  • Richtig: A gyerekek fáradtak voltak.
  • Warum: Bei mehreren Personen steht die prädikative Eigenschaft normalerweise ebenfalls im Plural. Anders als im Deutschen erhält das Adjektiv hier die Pluralendung -ak/-ek.

6. Zustand und Veränderung verwechseln

  • Unpassend für „Ich wurde krank“: Beteg voltam.
  • Richtig: Beteg lettem.
  • Warum: Beteg voltam beschreibt einen Zustand: „Ich war krank.“ Beteg lettem bezeichnet den Übergang in diesen Zustand: „Ich wurde krank.“

Hinweise zum Gebrauch

In normalen Gesprächen werden én, te, mi, ti und die übrigen Personalpronomen oft weggelassen. Ein ausdrücklich genanntes Pronomen kann einen Gegensatz schaffen und dadurch stärker wirken, als es eine wörtliche deutsche Übersetzung vermuten lässt. Auf die Frage Hol voltál? genügt deshalb Otthon voltam; Én otthon voltam passt eher, wenn anschließend gesagt wird, wo jemand anderes war.

Für die höfliche Anrede stehen Ön und im Plural Önök. Sie werden grammatisch wie die dritte Person behandelt:

  • Ön ott volt? — Waren Sie dort?
  • Önök elégedettek voltak? — Waren Sie zufrieden?

Die deutschen Anredeformen helfen hier nur teilweise: Das deutsche „Sie“ sieht wie eine Pluralform aus, kann sich aber auf eine einzelne Person beziehen. Ungarisch unterscheidet dagegen Ön ... volt für eine Person und Önök ... voltak für mehrere Personen.

Zeitangaben wie tegnap („gestern“), múlt héten („letzte Woche“), régen („früher, vor langer Zeit“) und akkor („damals, dann“) machen den zeitlichen Rahmen deutlich. Ungarisch besitzt keinen eigenen Gegensatz, der genau dem deutschen Präteritum „war“ und Perfekt „ist gewesen“ entspricht. Die Wahl zwischen diesen beiden deutschen Übersetzungen hängt vom deutschen Sprachgebrauch und vom Zusammenhang ab, nicht von zwei verschiedenen ungarischen Formen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Feinheiten muss man auf A2-Niveau noch nicht aktiv beherrschen. Sie helfen aber beim Lesen und verhindern später falsche Verallgemeinerungen.

Voltam oder lettem?

Volt blickt auf einen bestehenden Zustand zurück, während die Vergangenheitsform von lenni in der Reihe lettem, lettél, lett, lettünk, lettetek, lettek häufig eine Veränderung im Sinn von „werden“ bezeichnet:

  • Fáradt voltam. — Ich war müde.
  • Fáradt lettem. — Ich wurde müde.
  • Kata tanár volt. — Kata war Lehrerin.
  • Kata tanár lett. — Kata wurde Lehrerin.

Dieser Gegensatz ist besonders wichtig, weil das Deutsche sowohl „sein“ als auch „werden“ ausdrücklich verwendet. Im Ungarischen sehen die beiden Reihen zwar verwandt aus, dürfen aber nicht ausgetauscht werden.

Frühere Zugehörigkeit mit volt

Vor einem Substantiv kann volt auch „ehemalig“ oder „früherer“ bedeuten:

  • a volt férjem — mein Exmann
  • a volt főnököm — mein ehemaliger Chef

Hier ist volt kein Verb am Satzende, sondern bestimmt das folgende Substantiv näher. Man erkennt die Konstruktion an der Stellung direkt vor dem bezeichneten Menschen oder Amt.

Keine eigene Vorvergangenheit nötig

Ungarisch hat in der Standardsprache keine besondere Form, die regelmäßig dem deutschen Plusquamperfekt („ich war gewesen“) entspricht. Die zeitliche Reihenfolge ergibt sich meist aus dem Zusammenhang und aus Wörtern wie már („schon“):

  • Már otthon voltam, amikor felhívott. — Ich war schon zu Hause, als er/sie mich anrief.

Man sollte daher nicht versuchen, für „war gewesen“ eine zusätzliche ungarische Hilfsverbkette zu bilden.

Feste Wendungen

Die Märchenformel Hol volt, hol nem volt ... entspricht ungefähr „Es war einmal ...“. Wörtlich spielt sie mit „wo es war, wo es nicht war“. Solche Wendungen zeigen, wie selbstverständlich volt auch Existenz und das Vorhandensein einer erzählten Welt ausdrücken kann.

In fortgeschritteneren Texten begegnen außerdem Verbindungen wie meg volt írva („es war geschrieben / es stand geschrieben“). Hier verbindet sich volt mit einer Zustandskonstruktion. Das ist nicht mehr die einfache A2-Regel, doch die bekannte Form von lenni bleibt erkennbar.

Übungstipps

  1. Lerne die Formen in zwei Dreiergruppen: voltam – voltál – volt und voltunk – voltatok – voltak. Sage anschließend zu jeder Form einen kurzen Satz mit einem Ort, etwa otthon voltam oder az iskolában voltak.
  2. Stelle Gegenwart und Vergangenheit einander gegenüber: Bilde Paare wie A bolt nyitva van / A bolt nyitva volt und Anna fáradt / Anna fáradt volt. Achte besonders darauf, dass volt in der Vergangenheit nicht entfällt.
  3. Erzähle den gestrigen Tag mit fünf Fragen: Hol voltál? Milyen volt az idő? Kivel voltál? Jó volt? Voltak problémák? Beantworte sie ohne Personalpronomen, sofern kein Gegensatz gemeint ist.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Das Verb lenni („sein“) — die Gegenwartsformen und die besondere Auslassung von van bilden die Grundlage für den Vergleich mit der Vergangenheit.

Voraussetzung

Das ungarische Verb *lenni* („sein“)A1

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