A1

Grundlegende Konjunktionen im Ungarischen

Alapvető Kötőszók

Dieser Artikel ist Teil des Ungarisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Mit és („und“), de („aber“), vagy („oder“), mert („weil“), tehát („also, folglich“) und is („auch“) lassen sich schon früh einfache Gedanken verbinden. Die ersten fünf stehen zwischen Wörtern oder Satzteilen beziehungsweise verbinden Aussagen; is verhält sich anders und steht immer direkt hinter dem Wort oder Satzteil, auf den sich „auch“ bezieht: Én is megyek („Ich gehe auch“).

Überblick

Konjunktionen, auf Deutsch auch Bindewörter genannt, verbinden Wörter, Wortgruppen oder ganze Sätze. Im Ungarischen braucht man sie vom A1-Niveau an ständig: um zwei Dinge aufzuzählen, eine Alternative anzubieten, einen Gegensatz auszudrücken oder einen Grund zu nennen. Aus Kávét kérek („Ich möchte Kaffee“) und Teát kérek („Ich möchte Tee“) kann zum Beispiel Kávét vagy teát kérek („Ich möchte Kaffee oder Tee“) werden.

Die grundlegenden Bedeutungen ähneln ihren deutschen Entsprechungen. Ein wichtiger Unterschied liegt jedoch im Satzbau: Nach mert wandert das gebeugte Verb nicht wie nach deutschem „weil“ automatisch ans Satzende. Ungarisch behält die für die beabsichtigte Betonung passende Reihenfolge bei: Nem megyek, mert esik heißt wörtlich ungefähr „Ich gehe nicht, weil es regnet“, nicht mit einer besonderen Nebensatzform des Verbs.

Eine Besonderheit ist is. Obwohl es im Lernstoff zusammen mit den Bindewörtern eingeführt wird, ist es genauer eine Fokuspartikel, also ein kleines Wort, das zeigt, welcher Teil der Aussage zusätzlich gilt. Im Deutschen steht „auch“ oft beweglich im Satz; ungarisches is folgt dagegen unmittelbar auf den betreffenden Ausdruck. Gerade diese feste Stellung verdient von Anfang an Aufmerksamkeit.

So funktioniert es

Die sechs Grundformen auf einen Blick

Ungarische Form Grundbedeutung Typische Aufgabe Einfaches Muster
és und Gleichartiges hinzufügen A és B
de aber Einen Gegensatz markieren Aussage, de Gegenaussage
vagy oder Eine Alternative nennen A vagy B
mert weil, denn Einen Grund einleiten Aussage, mert Grund
tehát also, daher, folglich Eine Folge oder Schlussfolgerung einleiten Grund, tehát Folge
is auch Einen Ausdruck einschließen oder ergänzen Ausdruck + is

és: hinzufügen und aufzählen

És verbindet gleichartige Elemente. Das können einzelne Nomen (Wörter für Personen, Dinge oder Begriffe), andere Satzteile oder vollständige Aussagen sein:

  • tea és kávé – Tee und Kaffee
  • magyarul és németül – auf Ungarisch und auf Deutsch
  • Anna olvas, és Péter főz. – Anna liest, und Péter kocht.

Zwischen bloßen Wörtern steht normalerweise kein Komma: kenyér és sajt („Brot und Käse“). Verbindet és dagegen zwei vollständige Teilsätze, steht im Ungarischen ein Komma an der Satzgrenze. Ein Teilsatz ist hier ein Abschnitt mit einer eigenen Aussage und meist einem eigenen Verb: Én dolgozom, és ő tanul.

In Aufzählungen wird és gewöhnlich nur vor dem letzten Element gesetzt: Vettem kenyeret, tejet és sajtot („Ich habe Brot, Milch und Käse gekauft“). Vor diesem letzten és steht bei einer einfachen Aufzählung kein zusätzliches Komma.

de: einen Gegensatz ausdrücken

De entspricht meist „aber“:

  • A lakás kicsi, de szép. – Die Wohnung ist klein, aber schön.
  • Menni akarok, de nem tudok. – Ich will gehen, aber ich kann nicht.

Vor de steht in solchen Verbindungen ein Komma. Das gilt auch, wenn keine zwei vollständigen Sätze verbunden werden, sondern nur zwei gegensätzliche Eigenschaften: olcsó, de jó („billig, aber gut“).

Für Anfänger reicht die Regel de = aber. Später ist jedoch die Abgrenzung zu hanem wichtig: Nach einer ausdrücklichen Verneinung verwendet man für eine Korrektur gewöhnlich hanem („sondern“): Nem teát, hanem kávét kérek („Ich möchte nicht Tee, sondern Kaffee“). De stellt dagegen zwei gültige Aussagen einander gegenüber.

vagy: Alternativen anbieten

Vagy verbindet Möglichkeiten und entspricht „oder“:

  • Tea vagy kávé? – Tee oder Kaffee?
  • Ma vagy holnap találkozunk. – Wir treffen uns heute oder morgen.

Bei zwei einzelnen Alternativen steht kein Komma. Haben beide Teile eine eigene Satzaussage, trennt man sie mit einem Komma: Felhívsz, vagy írjak én? („Rufst du an, oder soll ich schreiben?“).

Die Wiederholung vagy … vagy … bedeutet „entweder … oder …“ und hebt die Wahl stärker hervor: Vagy busszal megyünk, vagy gyalog („Entweder fahren wir mit dem Bus, oder wir gehen zu Fuß“).

Achtung beim Lesen: vagy ist zugleich die Form „du bist“ des Verbs lenni („sein“). In Fáradt vagy? bedeutet es daher „Bist du müde?“, während es in Tea vagy kávé? „oder“ heißt. Die Satzumgebung macht die Funktion normalerweise eindeutig.

mert: den Grund nennen

Mert beantwortet die Frage miért? („warum?“) und leitet einen Grund ein:

  • Otthon maradok, mert beteg vagyok. – Ich bleibe zu Hause, weil ich krank bin.
  • Sietek, mert késő van. – Ich beeile mich, weil es spät ist.

Die deutsche Gewohnheit, nach „weil“ das gebeugte Verb ans Ende zu setzen, darf nicht auf das Ungarische übertragen werden. Man sagt mert beteg vagyok, nicht eine nach deutschem Muster umgestellte Konstruktion. Dennoch ist die ungarische Wortstellung nicht beliebig: Thema und Hervorhebung beeinflussen sie. Für den Einstieg ist es am sichersten, vertraute Aussagemuster auch nach mert beizubehalten.

Der Grund kann auch zuerst stehen: Mert esik, nem megyek el („Weil es regnet, gehe ich nicht weg“). In neutraler Alltagssprache wirkt die Reihenfolge „Aussage + mert + Grund“ häufig natürlicher. Für vorangestellte Gründe begegnet später außerdem oft mivel („da, weil“).

tehát: eine Folge ziehen

Tehát blickt in die andere Richtung als mert. Mert führt den Grund ein; tehát führt das Ergebnis oder eine Schlussfolgerung ein:

  • Esik, tehát otthon maradok. – Es regnet, also bleibe ich zu Hause.
  • Nincs jegy, tehát nem tudunk bemenni. – Es gibt keine Karte, daher können wir nicht hineingehen.

Tehát ist eher ein verbindendes Adverb, also ein Umstandswort, das den gedanklichen Zusammenhang zeigt, als ein einfaches Bindewort wie és. Es kann auch am Anfang einer neuen Äußerung stehen: Tehát holnap találkozunk? („Wir treffen uns also morgen?“). Nach einem allein einleitenden tehát muss nicht automatisch ein Komma stehen.

Für Deutschsprachige ist die Zuordnung leicht zu verwechseln: deutsches „also“ entspricht häufig ungarischem tehát, während ungarisches is „auch“ bedeutet.

is: zeigen, was ebenfalls gilt

Is steht unmittelbar nach seinem Bezugswort oder seiner Bezugsgruppe:

  • Én is megyek. – Ich gehe auch. / Auch ich gehe.
  • Budapestre is megyünk. – Wir fahren auch nach Budapest.
  • Kávét is kérek. – Ich möchte auch Kaffee.

Die Position verändert, was hinzugefügt wird. Vergleiche:

Ungarisch Natürliche deutsche Wiedergabe Was wird ergänzt?
Én is beszélek magyarul. Auch ich spreche Ungarisch. eine weitere Person: ich
Magyarul is beszélek. Ich spreche auch Ungarisch. eine weitere Sprache: Ungarisch
Én is magyarul beszélek. Auch ich spreche Ungarisch. ebenfalls ich; die Sprache bleibt hervorgehoben

Is erhält keinen eigenen Akzent und hängt beim Sprechen eng am vorangehenden Ausdruck. Anders als deutsches „auch“ darf es nicht vor sein Bezugswort gestellt werden. Außerdem ist es kein ungarisches Gegenstück zu deutschem „ist“: Die bloße Ähnlichkeit der Schreibweise ist Zufall.

Beispiele im Zusammenhang

Ungarisch Deutsch Hinweis
Magyarul és angolul beszélek. Ich spreche Ungarisch und Englisch. és verbindet zwei Sprachen.
Anna dolgozik, és Bence tanul. Anna arbeitet, und Bence lernt. Zwei vollständige Teilsätze.
A szoba kicsi, de világos. Das Zimmer ist klein, aber hell. Gegensatz zwischen zwei Eigenschaften.
Menni akarok, de nem tudok. Ich will gehen, aber ich kann nicht. Bejahter Wunsch, verneinte Möglichkeit.
Tea vagy kávé? Tee oder Kaffee? Einfache Auswahl ohne Komma.
Ma főzünk, vagy étterembe megyünk? Kochen wir heute, oder gehen wir ins Restaurant? Zwei alternative Aussagen.
Nem megyek, mert esik. Ich gehe nicht, weil es regnet. mert nennt den Grund.
Korán lefekszem, mert fáradt vagyok. Ich gehe früh ins Bett, weil ich müde bin. Das Verb bleibt nicht nach deutschem Muster am Ende.
Fáradt vagyok, tehát hazamegyek. Ich bin müde, also gehe ich nach Hause. tehát leitet die Folge ein.
Nincs busz, tehát gyalog megyünk. Es fährt kein Bus, daher gehen wir zu Fuß. Schluss aus einer Situation.
Én is kérek egy kávét. Ich möchte auch einen Kaffee. Auch die sprechende Person bestellt.
Egy teát is kérek. Ich möchte auch einen Tee. Tee kommt zu etwas anderem hinzu.
Péter is otthon van, de Anna dolgozik. Péter ist auch zu Hause, aber Anna arbeitet. is und de in einem Satz.
Vagy most indulunk, vagy otthon maradunk. Entweder fahren wir jetzt los, oder wir bleiben zu Hause. Verstärkte Alternative mit vagy … vagy ….

Häufige Fehler

is vor das Bezugswort setzen

  • Falsch: Is én megyek.
  • Richtig: Én is megyek.
  • Warum: Ungarisches is folgt direkt auf den Ausdruck, für den „ebenfalls“ gilt. Die deutsche Stellung von „auch“ lässt sich nicht einfach übernehmen.

Nach mert deutschen Nebensatzbau nachahmen

  • Falsch: eine Wortfolge nach dem Schema „weil ich krank bin“, bei der man die ungarischen Wörter nur nach der deutschen Reihenfolge anordnet
  • Richtig: Nem dolgozom, mert beteg vagyok.
  • Warum: Mert löst keine deutsche Verbendstellung aus. Lerne den ungarischen Abschnitt beteg vagyok („ich bin krank“) als eigenes Muster.

de statt hanem bei einer Korrektur verwenden

  • Unpassend: Nem teát, de kávét kérek.
  • Richtig: Nem teát, hanem kávét kérek.
  • Warum: Nach „nicht A, sondern B“ steht hanem. De bedeutet „aber“ und verbindet normalerweise keinen solchen Austausch von A gegen B.

mert und tehát vertauschen

  • Falsch: Esik, mert otthon maradok. – wenn gemeint ist, dass der Regen zum Zuhausebleiben führt
  • Richtig: Esik, tehát otthon maradok.
  • Warum: Nach mert folgt der Grund; nach tehát folgt die Konsequenz. Prüfe: „Warum?“ führt zu mert, „Was folgt daraus?“ zu tehát.

Überall vor és oder vagy ein Komma setzen

  • Falsch: Kenyeret, és sajtot veszek.
  • Richtig: Kenyeret és sajtot veszek.
  • Warum: Zwischen zwei bloßen Elementen einer einfachen Verbindung steht kein Komma. Eine Satzgrenze kann dagegen ein Komma verlangen: Én főzök, és ő terít.

vagy immer als „oder“ lesen

  • Falsch verstanden: Fáradt vagy? als Alternative
  • Richtig verstanden: „Bist du müde?“
  • Warum: Vagy kann „oder“ oder „du bist“ heißen. Prüfe, ob davor eine Eigenschaft oder Identität steht und ob der Satz jemanden direkt anspricht.

Hinweise zum Gebrauch

És, de, vagy und mert gehören in gesprochener wie geschriebener Sprache zum neutralen Grundwortschatz. In lockerer Umgangssprache kann meg ebenfalls „und“ bedeuten: anya meg apa („Mama und Papa“) oder Én főzök, ő meg mosogat („Ich koche, und er/sie spült dagegen ab“). Für den Anfang ist és die sichere, neutrale Wahl.

Tehát klingt oft etwas erklärender oder folgernder als ein bloßes deutsches „also“ im Gespräch. In der Umgangssprache hört man für eine Folge auch úgyhogy („sodass, also“), doch dessen Satzverknüpfung gehört nicht mehr zur A1-Grundregel. Tehát eignet sich gut, wenn eine Schlussfolgerung ausdrücklich sichtbar sein soll.

Bei der Kommasetzung zählt, was verbunden wird. Einzelne Wörter und gleichrangige Satzteile mit és oder vagy stehen meist ohne Komma. Zwischen vollständigen Teilsätzen steht ein Komma; vor de und vor einem nachgestellten mert-Satz ist es ebenfalls üblich und notwendig. Beim Schreiben hilft deshalb nicht die pauschale Frage „Steht vor und ein Komma?“, sondern: „Beginnt hier eine neue Satzaussage?“

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Feinheiten musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen du beim Lesen und Hören bald begegnest.

Paarige Verbindungen

Ungarisch kann Zusammenhänge mit zwei aufeinander abgestimmten Ausdrücken besonders deutlich machen:

  • vagy … vagy … – entweder … oder …: Vagy tanulok, vagy dolgozom.
  • mind … mind … – sowohl … als auch: Mind Anna, mind Péter itt van.
  • nemcsak … hanem … is – nicht nur … sondern auch: Nemcsak magyarul, hanem németül is beszél.

Beim letzten Muster steht is hinter dem ergänzten Teil. Gerade hier zeigt sich seine feste Nachstellung besonders gut.

is in verneinten Aussagen

In vielen verneinten Entsprechungen zu is verwendet man sem („auch nicht“, „weder“):

  • Én is megyek. – Ich gehe auch.
  • Én sem megyek. – Ich gehe auch nicht.
  • Kávét sem kérek. – Ich möchte auch keinen Kaffee.

Daneben gibt es nem is, das je nach Zusammenhang „gar nicht“, „nicht einmal“ oder eine besondere Zurückweisung ausdrücken kann. Diese Bedeutungen hängen stark von Betonung und Kontext ab. Als klare Anfängerregel genügt zunächst: bejahendes „auch“ = is, verneintes „auch nicht“ = häufig sem.

Wortstellung und Fokus

Ungarische Wortstellung dient stark der Informationsgliederung, also der Frage, was schon bekannt ist und was hervorgehoben wird. Bindewörter setzen diese Regeln nicht außer Kraft. Besonders is macht seinen Geltungsbereich durch die Position sichtbar: Anna is eljön schließt Anna in die Gruppe der Kommenden ein; Anna Budapestre is eljön fügt Budapest zu anderen Reisezielen hinzu.

Bei längeren Texten reichen die sechs Grundformen nicht mehr aus, um alle gedanklichen Beziehungen genau auszudrücken. Dann kommen etwa mivel („da, weil“), ezért („deshalb“), azonban („jedoch“) sowie formellere Verknüpfungen hinzu. Sie bauen auf derselben Grundfrage auf: Wird etwas ergänzt, entgegengesetzt, begründet oder gefolgert?

Übungstipps

  1. Bilde Satzpaare mit Richtungswechsel. Schreibe zuerst Esik, ezért/tehát otthon maradok („Es regnet, deshalb bleibe ich zu Hause“) und formuliere denselben Zusammenhang dann mit mert: Otthon maradok, mert esik. So prägt sich der Unterschied zwischen Grund und Folge ein.
  2. Verschiebe nicht is, sondern seinen Bezug. Übe mit einem Satz wie Beszélek magyarul und ergänze nacheinander Én is …, Németül is … oder Budapesten is …. Übersetze jeweils bewusst, was genau „auch“ bedeutet.
  3. Markiere beim Lesen Satzgrenzen. Unterstreiche és, de, vagy, mert und tehát in kurzen Texten. Prüfe dann, ob links und rechts nur Wörter oder vollständige Aussagen stehen; damit trainierst du Bedeutung und Kommasetzung zugleich.

Verwandte Themen

  • Nächster Schritt: Grund- und Bedingungssätze — vertieft Gründe mit mert und mivel und führt Bedingungen mit ha ein.
  • Späterer Ausbau: Textverknüpfungen — erweitert den Wortschatz um Ausdrücke für Gegensatz, Einräumung und zusätzliche Argumente.

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