A1

Familienbegriffe im Hawaiianischen

ʻOhana

Dieser Artikel ist Teil des Hawaiisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

ʻOhana bedeutet „Familie“. Wichtige Grundwörter sind makuahine „Mutter“, makuakāne „Vater“, keiki „Kind“ und tūtū „Großelternteil“. Bei Geschwistern kann Hawaiianisch genauer als Deutsch ausdrücken, ob die andere Person älter oder jünger ist und ob sie dasselbe Geschlecht wie die sprechende Person hat.

Überblick

Familienwörter gehören zum Grundwortschatz auf A1-Niveau: Man braucht sie, um Menschen vorzustellen, nach Angehörigen zu fragen und über den eigenen Haushalt zu sprechen. Im Hawaiianischen besteht das Thema aber nicht nur aus einer Liste von Übersetzungen. Schon in einfachen Sätzen begegnen dir Besitzformen wie koʻu „mein/meine“ und kou „dein/deine“ sowie Satzmuster, die ohne ein direktes Gegenstück zum deutschen Verb „sein“ oder „haben“ auskommen.

Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen deutschen und hawaiianischen Geschwisterbezeichnungen. Deutsch unterscheidet vor allem Bruder und Schwester. Hawaiianische Wörter können zusätzlich das Verhältnis zur sprechenden Person ausdrücken: kaikuaʻana bezeichnet im Grundgebrauch ein älteres Geschwister desselben Geschlechts. Wer spricht, gehört deshalb zur Bedeutung des Wortes dazu.

Die Schreibzeichen sind ebenfalls Teil des Wortes. Das Zeichen ʻ heißt ʻOkina und bezeichnet einen kurzen Stimmabsatz; der Strich über einem Vokal heißt Kahakō und zeigt einen langen Vokal an. In ʻohana, kaikuaʻana und tūtū dürfen diese Zeichen beim sorgfältigen Schreiben nicht einfach weggelassen werden.

So funktioniert es

Der wichtigste Wortschatz

Hawaiianisch Deutsche Grundbedeutung Hinweis
ʻohana Familie kann je nach Zusammenhang auch den weiteren Familienverband meinen
makua Elternteil; erwachsene Person Grundbestandteil von makuahine und makuakāne
makuahine Mutter meist mit einer Besitzform: koʻu makuahine
makuakāne Vater enthält kāne „männlich/Mann“
keiki Kind geschlechtsneutral
kaikamahine Tochter; Mädchen die genaue Bedeutung ergibt sich aus dem Zusammenhang
keikikāne Sohn; Junge die genaue Bedeutung ergibt sich ebenfalls aus dem Zusammenhang
tūtū Großelternteil ohne Zusatz nicht nach Geschlecht unterschieden
tūtū wahine Großmutter wahine kennzeichnet hier die weibliche Person
tūtū kāne Großvater kāne kennzeichnet hier die männliche Person
kaikuaʻana älteres Geschwister desselben Geschlechts das Alter ist relativ zur sprechenden Person

Ein Wort wie keiki ist also nicht automatisch „Sohn“ oder „Tochter“, sondern zunächst „Kind“. Um genauer zu sein, stehen weitere Familienwörter zur Verfügung. Umgekehrt kann kaikamahine je nach Situation „Mädchen“ oder „Tochter“ bedeuten. Ein deutscher Satz erzwingt oft eine genauere Übersetzung, als das einzelne hawaiianische Wort allein liefert.

Angehörige identifizieren

Für die Identifikation einer Person steht häufig ʻO am Satzanfang:

ʻO + Person/Pronomen + Familienangabe

  • ʻO ia koʻu makuahine. – Sie ist meine Mutter.
  • ʻO Kimo koʻu makuakāne. – Kimo ist mein Vater.

ia bedeutet hier „er“ oder „sie“; Hawaiianisch unterscheidet in diesem Pronomen nicht nach Geschlecht. Ein eigenes Wort für deutsches „ist“ erscheint in diesem Muster nicht. ʻO ist keine Übersetzung von „ist“, sondern ein Satzmarker, der unter anderem bei der Identifikation von Personen verwendet wird.

Mit wai „wer“ entsteht die entsprechende Frage:

  • ʻO wai kou kaikuaʻana? – Wer ist dein älteres Geschwister?
  • ʻO wai kona makuahine? – Wer ist seine oder ihre Mutter?

„Mein“, „dein“ und „sein/ihr“

Eine Besitzform zeigt hier die Beziehung zwischen zwei Personen. Für die ersten A1-Sätze sind diese Formen besonders nützlich:

Person Form vor vielen Familienwörtern Beispiel
ich koʻu koʻu makuahine – meine Mutter
du, eine Person kou kou kaikuaʻana – dein älteres Geschwister
er/sie kona kona tūtū – sein/ihr Großelternteil

Achte auf den kleinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen koʻu und kou. Das ʻOkina in koʻu trennt die Vokale; kou hat kein ʻOkina. Für nahe Angehörige der älteren oder gleichen Generation begegnet dir besonders oft die sogenannte o-Klasse, also eine Gruppe hawaiianischer Besitzformen mit o.

Hawaiianisch hat daneben eine a-Klasse. Bei Kindern und Nachkommen sind Formen dieser Klasse üblich:

  • kaʻu keiki – mein Kind
  • He ʻelua aʻu keiki. – Ich habe zwei Kinder.

Für den Einstieg ist es zuverlässiger, vollständige Verbindungen zu lernen: koʻu makuahine, aber kaʻu keiki. Das deutsche Wort „mein“ hilft nicht bei der Wahl, weil Deutsch diese beiden Beziehungsklassen nicht kennt.

Anzahl und Besitz ausdrücken

Im Deutschen sagt man „Ich habe zwei Kinder“. Das hawaiianische Beispielsatzmuster beginnt dagegen mit he und der Zahl:

He + Zahl + Besitzform + Familienwort

  • He ʻelua aʻu keiki. – Ich habe zwei Kinder.

Es gibt hier kein einzelnes Verb, das einfach dem deutschen „haben“ entspricht. Lerne den ganzen Satz als Muster, anstatt Wort für Wort aus dem Deutschen zu übersetzen. Nach einer Zahl bleibt keiki in dieser Form unverändert; eine deutsche Pluralendung wie in „Kind-er“ gibt es nicht.

Einzahl und Mehrzahl

Hawaiianische Substantive (Wörter für Personen, Dinge oder Begriffe) bekommen normalerweise keine Pluralendung. Oft zeigt ein Artikel, ob eine oder mehrere Personen gemeint sind:

Form Bedeutung
ke keiki das Kind
nā keiki die Kinder
ka makuahine die Mutter
nā makuahine die Mütter

Der Artikel kann sich je nach folgendem Wort unterscheiden; für dieses Thema genügt zunächst die feste Verbindung ke keiki und der Pluralartikel . Auch Zahlen machen die Mehrzahl bereits deutlich.

Beispiele im Zusammenhang

Hawaiianisch Deutsch Hinweis
ʻO ia koʻu makuahine. Sie ist meine Mutter. ia kann „er“ oder „sie“ heißen.
ʻO Kimo koʻu makuakāne. Kimo ist mein Vater. Identifikation mit ʻO
He ʻelua aʻu keiki. Ich habe zwei Kinder. Zahl- und Besitzmuster ohne deutsches „haben“
ʻO wai kou kaikuaʻana? Wer ist dein älteres Geschwister? Frage nach einer Person
Aloha koʻu tūtū wahine. Meine Großmutter ist geliebt. aloha drückt hier Liebe und Zuneigung aus.
ʻO ia kaʻu kaikamahine. Sie ist meine Tochter. kaʻu bei einem eigenen Kind
ʻO ia kaʻu keikikāne. Er ist mein Sohn. ia erhält sein Geschlecht erst aus dem Zusammenhang.
He keiki kēia. Dies ist ein Kind. einfache Zuordnung mit he
Aloha au i koʻu ʻohana. Ich liebe meine Familie. aloha ... i drückt hier Liebe zu jemandem aus.
Aia koʻu makuahine ma ka hale. Meine Mutter ist zu Hause. aia ... ma gibt einen Ort an.
Noho koʻu tūtū kāne ma Hilo. Mein Großvater lebt in Hilo. tūtū kāne macht das Geschlecht deutlich.
Hauʻoli nā keiki. Die Kinder sind glücklich. kennzeichnet die Mehrzahl.
ʻO wai kona tūtū? Wer ist sein oder ihr Großelternteil? kona kann sich auf „sein“ oder „ihr“ beziehen.
ʻO Leilani kona kaikuahine. Leilani ist seine Schwester. kaikuahine wird aus männlicher Sprecherperspektive verwendet.

Häufige Fehler

koʻu und kou verwechseln

  • Falsch: ʻO ia kou makuahine. – wenn „Sie ist meine Mutter“ gemeint ist
  • Richtig: ʻO ia koʻu makuahine.
  • Warum: koʻu bedeutet „mein/meine“, kou dagegen „dein/deine“. Das ʻOkina trägt hier zur Unterscheidung bei.

Bei Eltern die a-Klasse nach deutschem Muster wählen

  • Falsch: kaʻu makuahine
  • Richtig: koʻu makuahine
  • Warum: Eltern werden gewöhnlich mit der o-Klasse verbunden. Deutsch hat nur „meine Mutter“ und gibt deshalb keinen Hinweis auf diese Wahl.

kaikuaʻana einfach mit „älterer Bruder“ gleichsetzen

  • Falsch: Ein Mann nennt seine ältere Schwester ohne Weiteres kaikuaʻana.
  • Richtig: Aus männlicher Perspektive heißt eine Schwester kaikuahine; kaikuaʻana bezeichnet im Grundmuster das ältere Geschwister desselben Geschlechts.
  • Warum: Das hawaiianische Wortsystem richtet sich nicht nur nach der bezeichneten Person, sondern auch nach ihrer Beziehung zur sprechenden Person.

Ein deutsches „sein“ einsetzen oder ʻO weglassen

  • Falsch: Ia koʻu makuahine.
  • Richtig: ʻO ia koʻu makuahine.
  • Warum: Der hawaiianische Identifikationssatz braucht hier ʻO, aber kein eigenes Wort für „ist“. Eine Wort-für-Wort-Übertragung aus dem Deutschen führt daher leicht zu einer falschen Struktur.

Eine deutsche Mehrzahlendung erfinden

  • Falsch: das Wort keiki verändern, nur weil mehrere Kinder gemeint sind
  • Richtig: nā keiki oder He ʻelua aʻu keiki.
  • Warum: Die Mehrzahl wird durch , eine Zahl oder den weiteren Zusammenhang angezeigt; das Substantiv selbst bleibt gleich.

ʻOkina und Kahakō als Schmuck behandeln

  • Falsch: ohana, tutu, kaikuaana
  • Richtig: ʻohana, tūtū, kaikuaʻana
  • Warum: ʻOkina und Kahakō gehören zur hawaiianischen Rechtschreibung und beeinflussen Aussprache und Worterkennung. Ein gerades Apostroph ist typografisch ebenfalls nicht dasselbe wie ʻ.

Hinweise zum Gebrauch

ʻOhana wird oft weiter verstanden als die deutsche Kleinfamilie aus Eltern und Kindern. Je nach Familie und Situation kann das Wort einen größeren Verwandtschaftsverband und Menschen mit enger, dauerhaft gelebter Zugehörigkeit einschließen. Daraus folgt aber nicht, dass jede beliebige Gruppe automatisch als ʻohana bezeichnet wird; entscheidend sind Zusammenhang und tatsächliche Beziehung.

Tūtū ist eine praktische, geschlechtsneutrale Bezeichnung. Falls die Unterscheidung wichtig ist, werden wahine und kāne ergänzt: tūtū wahine und tūtū kāne. Welche Anrede eine konkrete Familie bevorzugt, lässt sich dennoch nicht allein aus einem Wörterbuch ableiten. Persönliche und familiäre Gewohnheiten haben Vorrang.

Bei kaikamahine und keikikāne entscheidet der Zusammenhang, ob eher „Mädchen/Junge“ oder „Tochter/Sohn“ gemeint ist. Eine Besitzform macht die Familienbeziehung oft klar: kaʻu kaikamahine wird normalerweise als „meine Tochter“ verstanden.

Die Form ia vermeidet eine Unterscheidung, die im Deutschen grammatisch fast immer nötig ist: Sie kann „er“ oder „sie“ bedeuten. Beim Übersetzen muss man deshalb Informationen aus dem Familienwort, aus Namen oder aus dem weiteren Gespräch heranziehen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Feinheiten musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die dir in Gesprächen und Texten später begegnen werden.

Das Geschwistersystem genauer betrachtet

Im traditionellen Grundsystem sind Alter, Geschlecht und Sprecherperspektive miteinander verbunden:

Hawaiianisch Beziehung zur sprechenden Person
kaikuaʻana älteres Geschwister desselben Geschlechts
kaikaina jüngeres Geschwister desselben Geschlechts
kaikuahine Schwester einer männlichen Person, unabhängig vom Alter
kaikunāne Bruder einer weiblichen Person, unabhängig vom Alter

Ein Mann kann seinen älteren Bruder also kaikuaʻana und seine Schwester kaikuahine nennen. Eine Frau kann ihre ältere Schwester kaikuaʻana und ihren Bruder kaikunāne nennen. Das ist für deutschsprachige Lernende ungewohnt: Das deutsche Wort „Schwester“ bleibt gleich, unabhängig davon, wer spricht.

Diese Begriffe spiegeln ein Beziehungssystem wider und können in einem weiteren familiären Netz gebraucht werden. Für die sichere eigene Verwendung sollte man aber zunächst bei eindeutigen Geschwisterbeziehungen bleiben und aufmerksam darauf achten, welche Wörter hawaiianischsprachige Familien selbst verwenden.

Die beiden Besitzklassen

Die Wahl zwischen a- und o-Klasse ist keine einfache Frage von belebtem oder unbelebtem Besitz. Sie beschreibt, wie die Beziehung sprachlich eingeordnet wird. Ältere Generationen wie Eltern und Großeltern sowie viele nicht frei gewählte Beziehungen stehen typischerweise in der o-Klasse: koʻu makuahine, koʻu tūtū. Bei eigenen Kindern und Nachkommen ist die a-Klasse üblich: kaʻu keiki.

Außerdem ändert sich die äußere Form je nach Satzumgebung. Vor einem Substantiv stehen etwa kaʻu und koʻu; im vorgegebenen Zahlmuster erscheint aʻu: He ʻelua aʻu keiki. Versuche deshalb nicht, koʻu überall mechanisch durch aʻu zu ersetzen. Lerne zuerst häufige Wortgruppen und erweitere das System später gemeinsam mit den übrigen Besitzformen.

Familienwörter und gesellschaftliche Beziehung

Verwandtschaftsvokabular trägt kulturelle Information, ist aber keine starre Beschreibung jeder heutigen Familie. Moderne Lebensformen, individuelle Sprachwahl und unterschiedlich starke Hawaiianischkenntnisse führen zu Variation. Gute Sprachpraxis bedeutet hier: die grundlegenden Bedeutungen kennen, nicht vorschnell von einem deutschen Familienmodell ausgehen und die Selbstbezeichnungen der jeweiligen Person respektieren.

Übungstipps

  1. Baue ein kleines Beziehungsnetz. Zeichne fünf erfundene Personen und beschrifte sie mit makuahine, makuakāne, keiki, tūtū wahine und tūtū kāne. Sage danach Sätze wie ʻO ia koʻu makuahine. So lernst du Wort und Satzmuster zusammen.
  2. Übe Kontraste laut. Sprich mehrmals koʻu – kou – kona und setze jeweils dasselbe Wort dahinter: koʻu tūtū, kou tūtū, kona tūtū. Danach übst du getrennt kaʻu keiki und den Satz He ʻelua aʻu keiki.
  3. Bestimme vor einem Geschwisterwort die Perspektive. Frage immer: Wer spricht? Welches Geschlecht hat diese Person? Ist das Geschwister älter oder jünger? Erst dann wählst du kaikuaʻana, kaikaina, kaikuahine oder kaikunāne.

Verwandte Themen

Für ʻOhana ist im derzeitigen Lernpfad kein vorausgesetztes oder weiterführendes Grammatikkonzept verknüpft. Sinnvolle nächste Lernfelder sind jedoch die hawaiianischen Besitzformen, Personalpronomen, Zahlen sowie einfache Identifikations- und Ortsangaben; sie vertiefen die Satzmuster aus diesem Artikel.

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