A1

Körperteile auf Hawaiianisch

Kino

Dieser Artikel ist Teil des Hawaiisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Zu den wichtigsten Wörtern gehören poʻo „Kopf“, maka „Auge/Gesicht“, waha „Mund“, lima „Hand/Arm“ und wāwae „Fuß/Bein“. Körperteile stehen häufig mit einer Possessivform der O-Klasse: koʻu poʻo „mein Kopf“, kou lima „deine Hand/dein Arm“, kona maka „sein/ihr Auge oder Gesicht“. In Sätzen wie ʻEha koʻu poʻo („Mein Kopf tut weh“) braucht das Hawaiianische kein eigenes Wort für „sein“ oder „tun“.

Überblick

Wörter für den Körper gehören zum Grundwortschatz auf A1-Niveau. Man braucht sie, um Schmerzen zu beschreiben, Anweisungen zu verstehen, über Aussehen und Bewegung zu sprechen oder bei der Körperpflege zu sagen, was getan werden soll. Dabei lernst du zugleich mehrere grundlegende Strukturen des Hawaiianischen: Artikel, Besitzangaben, die Kennzeichnung eines direkten Objekts und einfache Zustandsaussagen.

Für deutschsprachige Lernende sind vor allem zwei Unterschiede wichtig. Erstens deckt ein hawaiianisches Wort mitunter einen größeren Bedeutungsbereich ab als sein deutsches Gegenstück: lima kann „Hand“ oder „Arm“ heißen, wāwae „Fuß“ oder „Bein“ und maka „Auge“ oder „Gesicht“. Zweitens wird ein Zustand oft einfach vorangestellt: Nani kona maka bedeutet wörtlich etwa „schön sein/ihr Auge/Gesicht“, idiomatisch also „Sein/Ihr Auge beziehungsweise Gesicht ist schön“.

Die Schreibzeichen sind Teil des Wortes. Das ʻOkina in poʻo oder ʻāʻī bezeichnet einen hörbaren Stimmabsatz; das Kahakō in wāwae zeigt einen langen Vokal. Wer diese Zeichen weglässt, verändert unter Umständen Aussprache und Bedeutung. Deshalb solltest du Körperteile von Anfang an in ihrer vollständigen Schreibweise lernen.

So funktioniert es

Der wichtigste Wortschatz

Ein Substantiv (ein Wort für eine Person, Sache oder einen Begriff) wird am besten zusammen mit seinem üblichen Artikel gelernt. Ka und ke stehen vor einem bestimmten einzelnen Körperteil, ungefähr wie „der“, „die“ oder „das“. Sie zeigen jedoch kein grammatisches Geschlecht wie im Deutschen.

Hawaiianisch Deutsch Hinweis
ke kino der Körper auch „Körpergestalt“ oder „Person“ je nach Zusammenhang
ke poʻo der Kopf ʻOkina zwischen den beiden Vokalen beachten
ka lauoho das Haar, die Haare wörtlich ein Sammelbegriff; die Zahl ergibt sich aus dem Zusammenhang
ka maka das Auge, das Gesicht der Kontext entscheidet über die passende deutsche Wiedergabe
ka pepeiao das Ohr nicht mit maka verwechseln
ka ihu die Nase auch in erweiterten Bedeutungen gebräuchlich
ka waha der Mund in festen Wendungen oft mit Sprechen oder Schweigen verbunden
ka niho der Zahn, die Zähne die Mehrzahl kann ausdrücklich markiert werden
ke alelo die Zunge beginnt mit einem Vokal und steht hier mit ke
ka ʻāʻī der Hals, Nacken beide ʻOkina und das lange ī aussprechen
ka poʻohiwi die Schulter enthält poʻo, hat aber eine eigene Gesamtbedeutung
ka lima die Hand, der Arm weiter gefasst als das deutsche „Hand“
ka manamana lima der Finger wörtlich ein „Ausläufer“ der Hand
ka ʻōpū der Bauch, Magen kann je nach Zusammenhang auch das Körperinnere bezeichnen
ke kua der Rücken ke steht vor anlautendem k
ke kuli das Knie ebenfalls mit ke
ka wāwae der Fuß, das Bein der genaue Abschnitt ergibt sich meist aus der Situation
ka manamana wāwae der Zeh nach demselben Bildungsmuster wie manamana lima
ka ʻili die Haut das ʻOkina am Wortanfang nicht auslassen

Als A1-Lernregel genügt: Lerne ka oder ke direkt mit dem Wort. Häufig steht ke vor k sowie vor Wörtern, die mit e, a oder o beginnen; der tatsächliche Gebrauch enthält jedoch fest gewordene Zuordnungen wie ke poʻo. Eine rein deutsche Genusregel hilft hier nicht: Aus „der Kopf“ folgt weder ka noch ke.

Einzahl und Mehrzahl

Das Hawaiianische kennt keine Endung wie deutsches „-e“ oder „-en“, die regelmäßig eine Mehrzahl bildet. Stattdessen stehen eigene Wörter vor dem Substantiv:

Form Bedeutung Beispiel
ka/ke + Körperteil bestimmter einzelner Körperteil ka lima – die Hand/der Arm
nā + Körperteil bestimmte Mehrzahl nā lima – die Hände/Arme
he mau + Körperteil mehrere, nicht näher bestimmte he mau niho – einige/mehrere Zähne
Possessivform + mau + Körperteil ausdrücklich mehrere besessene Körperteile kou mau maka – deine Augen

Bei paarigen Körperteilen kann der Zusammenhang die Zahl deutlich machen. Wenn es darauf ankommt, setze mau oder eine Zahl: kona mau maka „seine/ihre Augen“, nā maka ʻelua „die beiden Augen“. Das ist für Deutsche ungewohnt, weil „Auge“ und „Augen“ schon an der Wortform unterscheidbar sind.

Besitz: Körperteile gehören meist zur O-Klasse

Die O-Klasse ist eine Gruppe von Besitzformen für Beziehungen, über die man normalerweise nicht frei verfügt. Körperteile werden im Grundgebrauch dieser Klasse zugeordnet. Die kurzen Formen vor einem einzelnen Besitzer sind besonders wichtig:

Hawaiianisch Deutsch Beispiel
koʻu mein/meine koʻu poʻo – mein Kopf
kou dein/deine kou lima – deine Hand/dein Arm
kona sein/seine oder ihr/ihre kona maka – sein/ihr Auge oder Gesicht

Anders als sein und ihr im Deutschen verrät kona nicht, ob die besitzende Person männlich oder weiblich ist. Außerdem verändert sich die Form nicht nach Genus oder Fall des Körperteils: Es heißt koʻu poʻo, koʻu lima und koʻu mau wāwae. Für mehrere Körperteile wird mau eingeschoben.

Zustände und Eigenschaften ohne „sein“

Wörter wie ʻeha „schmerzhaft sein/wehtun“, nani „schön sein“ und paʻa „fest, geschlossen sein“ können ein Prädikat bilden, also die Aussage, die über etwas gemacht wird. Sie stehen am Satzanfang; danach folgt der Körperteil:

  • ʻEha koʻu poʻo. – Mein Kopf tut weh.
  • Nani kona maka. – Sein/Ihr Auge beziehungsweise Gesicht ist schön.
  • Paʻa ka waha. – Der Mund ist geschlossen.

Setze nicht automatisch eine Entsprechung von „ist“ ein. Das Hawaiianische braucht in diesem Muster kein Kopulaverb (ein Verbindungsverb wie deutsches „sein“). Wichtig ist außerdem die Standardschreibung ʻEha mit ʻOkina. In älteren oder technisch vereinfachten Texten kann man Eha sehen; zum aktiven Schreiben ist ʻEha die sichere Form.

Handlungen und Aufforderungen

Bei einer Aufforderung kann e vor dem Verb stehen. Das direkte Objekt (wer oder was unmittelbar von der Handlung betroffen ist) wird häufig mit i eingeleitet:

E + Verb + i + Körperteil

  • E holoi i kou mau lima. – Wasch deine Hände.
  • E wehe i kou waha. – Öffne deinen Mund.
  • E pā i kou ihu. – Berühre deine Nase.

Im Deutschen steht das Objekt ohne eine solche Partikel: „Wasch deine Hände.“ Deshalb wird i leicht vergessen. Es gehört aber zur hawaiianischen Satzstruktur und ist nicht die Präposition „in“.

Beispiele im Kontext

Hawaiianisch Deutsch Hinweis
ʻEha koʻu poʻo. Mein Kopf tut weh. Zustand steht am Satzanfang.
ʻEha kona kuli. Sein/Ihr Knie tut weh. kona nennt nicht das Geschlecht der Person.
E holoi i kou mau lima. Wasch deine Hände. mau macht die Mehrzahl ausdrücklich.
E wehe i kou waha. Öffne deinen Mund. Aufforderung mit e, Objekt mit i.
E pā i kou ihu. Berühre deine Nase. Einfache Anweisung.
Nani kona maka. Sein/Ihr Auge oder Gesicht ist schön. Ohne mau entscheidet der Kontext über die Lesart.
Nani kona mau maka. Seine/Ihre Augen sind schön. Die Augen stehen ausdrücklich im Plural.
ʻUlaʻula kona ihu. Seine/Ihre Nase ist rot. Farbangabe als vorangestellter Zustand.
Maʻemaʻe kona mau niho. Seine/Ihre Zähne sind sauber. maʻemaʻe bedeutet „sauber sein“.
Aia ka lei ma kona ʻāʻī. Der Lei liegt um seinen/ihren Hals. Ortsangabe mit aia und ma.
ʻIke au me koʻu mau maka. Ich sehe mit meinen Augen. me bezeichnet hier das Mittel: „mit“.
Lohe au me koʻu mau pepeiao. Ich höre mit meinen Ohren. Paralleles Muster zu ʻike.
Ua ʻeha koʻu lima. Meine Hand/Mein Arm wurde verletzt. ua stellt den eingetretenen Zustand heraus.
Paʻa ka waha. Der Mund bleibt geschlossen. Wörtlich; im passenden Zusammenhang auch Aufforderung zum Schweigen.

Häufige Fehler

ʻOkina und Kahakō weglassen

  • Falsch: Eha ko'u po'o.
  • Richtig: ʻEha koʻu poʻo.
  • Warum: Gerades Apostroph und ʻOkina sind nicht dasselbe. Auch das Kahakō in wāwae ist kein bloßer Schmuck, sondern kennzeichnet Vokallänge. Verwende beim Lernen die vollständige hawaiianische Schreibweise.

Deutsche Mehrzahlendungen anhängen

  • Falsch: limas für „Hände“
  • Richtig: nā lima oder kou mau lima
  • Warum: Das Substantiv lima bleibt unverändert. Zahlwörter und Marker vor dem Wort zeigen die Mehrzahl.

Bei einer Anweisung das Objektmarker i vergessen

  • Falsch: E holoi kou mau lima.
  • Richtig: E holoi i kou mau lima.
  • Warum: kou mau lima ist das direkte Objekt von holoi „waschen“ und wird in diesem Muster mit i eingeleitet.

Ein deutsches „sein“ nachbauen

  • Falsch: ein zusätzliches Verb in ʻEha koʻu poʻo einsetzen
  • Richtig: ʻEha koʻu poʻo.
  • Warum: ʻeha bildet hier selbst die Zustandsaussage. Die Wort-für-Wort-Struktur des Deutschen „mein Kopf tut weh“ lässt sich nicht übertragen.

lima und wāwae zu eng übersetzen

  • Falsch: lima immer nur als „Hand“ und wāwae immer nur als „Fuß“ verstehen
  • Richtig: den Zusammenhang beachten: lima kann Hand oder Arm, wāwae Fuß oder Bein bezeichnen
  • Warum: Die Grenzen zwischen Körperabschnitten werden in beiden Sprachen nicht mit denselben Wörtern gezogen. In einer konkreten Situation liefert die Handlung meist die passende deutsche Übersetzung.

kona mit einem bestimmten Geschlecht verbinden

  • Falsch: kona grundsätzlich nur mit „sein“ übersetzen
  • Richtig: je nach Kontext „sein“ oder „ihr“ wählen
  • Warum: Die hawaiianische Form zeigt die dritte Person Singular, aber nicht das Geschlecht der besitzenden Person.

Verwendungshinweise

Beim Benennen im Unterricht oder bei einer Zeigeübung hört man häufig kurze Wortgruppen wie ka ihu und ka waha. In einem vollständigen Satz bestimmt die Absicht die Struktur: Ein Zustand beginnt etwa mit ʻeha oder nani, eine Aufforderung mit e und ein Ortssatz oft mit aia.

Mehrdeutige Wörter werden normalerweise nicht bei jeder Erwähnung umständlich präzisiert. Wenn jemand die Hand hebt, ist bei lima die gemeinte Körperregion klar; bei einer Verletzung kann dieselbe Form im Deutschen als „Arm“ wiedergegeben werden. Eine gute Übersetzung orientiert sich daher an der Situation und nicht an einer starren Eins-zu-eins-Liste.

Körperbezogene Ausdrücke können außerdem über die rein anatomische Bedeutung hinausgehen. Paʻa ka waha beschreibt wörtlich einen geschlossenen Mund, kann aber je nach Gespräch auch Schweigen oder das Bewahren eines Geheimnisses nahelegen. Solche Lesarten sollte man als ganze Wendungen im tatsächlichen Kontext lernen, statt aus jedem Körperwort automatisch eine kulturelle Symbolik abzuleiten.

Über die Grundlagen hinaus

Diesen Abschnitt musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Er zeigt aber, warum der Körperwortschatz später erneut wichtig wird.

Das System der Besitzformen ist umfangreicher als koʻu, kou und kona. Hawaiianisch unterscheidet nicht nur A- und O-Klasse, sondern bei „wir“ und „ihr/sie“ auch Einzahl, Zweizahl und Mehrzahl sowie ein- und ausschließendes „wir“. Die grundlegende Einordnung der Körperteile in die O-Klasse bleibt dabei erhalten; später begegnen dir etwa Formen für „unsere beiden“ oder „ihre“ bei mehreren Besitzern.

Auch Zahl und Besitz können als eigene Aussage erscheinen. Formen wie ona bedeuten in solchen Konstruktionen ungefähr „von ihm/ihr“ beziehungsweise „er/sie hat“. Solche Sätze solltest du erst zusammen mit den vollständigen Possessivmustern lernen, denn eine deutsche „haben“-Konstruktion wird im Hawaiianischen nicht einfach Wort für Wort nachgebildet.

Schließlich bilden Körperwörter einen wichtigen Bereich der Bildsprache. naʻau kann neben dem Körperinneren auch auf Denken, Empfinden oder innere Haltung bezogen sein; puʻuwai bezeichnet das Herz und tritt ebenfalls in übertragenen Zusammenhängen auf. Welche Bedeutung gemeint ist, hängt von der festen Verbindung, dem Texttyp und dem kulturellen Kontext ab. Das fortgeschrittene Thema ist daher nicht bloß eine längere Vokabelliste, sondern verlangt, wörtliche und bildliche Lesarten auseinanderzuhalten.

Übungstipps

  1. Lerne in Dreiergruppen. Notiere jeweils Artikel, Körperwort und Besitzform: ke poʻo – koʻu poʻo – koʻu mau .... So prägst du dir nicht nur isolierte Übersetzungen ein.
  2. Verbinde Wörter mit Bewegungen. Berühre bei E pā i kou ihu die Nase oder führe E holoi i kou mau lima pantomimisch aus. Körperwortschatz bleibt durch Handlung besonders gut im Gedächtnis.
  3. Übe Satzmuster statt Einzelwörter. Tausche in ʻEha koʻu poʻo nacheinander poʻo, kuli, lima und wāwae aus. Bilde danach Mehrzahlbeispiele mit mau und achte bewusst auf ʻOkina und Kahakō.

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