A1

Einfache Präpositionen im Irischen

Réamhfhocail Shimplí

Dieser Artikel ist Teil des Irisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Irische Präpositionen stehen wie deutsche Wörter à la „in“, „mit“ oder „von“ vor einer Ergänzung: le Máire „mit Máire“, ar an mbord „auf dem Tisch“. Wichtig ist jedoch der Wortanfang danach: Manche Präpositionen lösen Séimhiú aus, i löst meist Urú aus, und vor Pronomen entstehen eigene Formen wie agam oder leat.

Überblick

Réamhfhocail shimplí, einfache Präpositionen, verbinden ein Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder einen Ort) mit dem übrigen Satz. Sie drücken etwa Ort, Richtung, Herkunft, Begleitung, Zweck oder Zeitpunkt aus. Zu den wichtigsten gehören ag, ar, as, de, do, faoi, i, le, ó, roimh, thar und trí.

Dieses Thema gehört zu den Grundlagen auf A1. Schon in sehr kurzen Alltagssätzen braucht man Präpositionen: Tá sé ar an mbord „Es liegt auf dem Tisch“, Tá sí i nGaillimh „Sie ist in Galway“ oder Tháinig mé le Máire „Ich kam mit Máire“. Anders als im Deutschen muss man am Anfang nicht zwischen Dativ und Akkusativ wählen. Dafür verändert sich im Irischen häufig der erste Laut des folgenden Wortes.

Diese Veränderung heißt Anlautmutation: Der Wortanfang erhält je nach grammatischer Umgebung eine andere Form. Beim Séimhiú (Lenierung, also „Weichung“ des Anfangslauts) wird meist ein h eingefügt, etwa baile → Bhaile. Beim Urú (Eklipse, also Voranstellen eines anderen Lautes) wird zum Beispiel aus teach die Form dteach. Die Grundform bleibt dieselbe; im Wörterbuch sucht man also weiterhin unter baile beziehungsweise teach.

So funktioniert es

Die zwölf wichtigsten Präpositionen

Irisch Deutsche Grundbedeutung Typisches Beispiel
ag bei, an ag an doras – an der Tür
ar auf, an ar an mbord – auf dem Tisch
as aus, heraus aus as an teach – aus dem Haus
de von; einer/eines von lán de dheatach – voller Rauch
do zu, für do Shíle – für Síle
faoi unter; über, bezüglich faoi bhord – unter einem Tisch
i in, hinein i dteach – in einem Haus
le mit; von, durch le Máire – mit Máire
ó von, aus; seit ó Bhaile Átha Cliath – aus Dublin
roimh vor, zeitlich oder räumlich roimh dhinnéar – vor dem Abendessen
thar über, jenseits, an … vorbei thar an abhainn – über den Fluss
trí durch, mittels trí thollán – durch einen Tunnel

Die deutschen Angaben sind nur Ausgangspunkte. Eine Präposition deckt selten genau dieselben Verwendungen ab wie ihr deutsches Gegenstück. Deshalb ist es sinnvoller, kurze irische Wortgruppen zu lernen als einzelne Gleichungen wie „ar = auf“.

Ohne bestimmten Artikel: Was geschieht am Wortanfang?

Steht nach der Präposition ein unbestimmtes Nomen oder ein Eigenname, gelten für den Einstieg folgende Muster:

Muster Präpositionen Beispiel Ergebnis
meist keine Mutation ag, ar, as, le, thar le Máire Máire bleibt unverändert
Séimhiú de, do, faoi, ó, roimh, trí ó + Baile Átha Cliath ó Bhaile Átha Cliath
Urú i i + teach i dteach

Beim Séimhiú werden lenierbare Anfangskonsonanten so geschrieben: b → bh, c → ch, d → dh, f → fh, g → gh, m → mh, p → ph, s → sh, t → th. Nicht jeder Buchstabe kann leniert werden. Beginnt das nächste Wort etwa mit l, n oder r, bleibt die Schreibweise sichtbar gleich: do Liam „für Liam“.

Nach i steht normalerweise Urú: i mbosca „in einer Schachtel“, i gcarr „in einem Auto“, i dteach „in einem Haus“, i bpáirc „in einem Park“. Vor einem Vokal verwendet man in: in Éirinn „in Irland“. Auch vor bestimmten festen Formen begegnet man in, etwa in ainm „im Namen“.

Einige feste Wendungen haben eigene, historisch gewachsene Muster, zum Beispiel ar chlé „links“ und ar dheis „rechts“. Solche Ausdrücke lernt man am besten als Ganzes, statt daraus eine allgemeine Regel für ar abzuleiten.

Mit dem bestimmten Artikel

Irisch hat keinen unbestimmten Artikel: teach kann je nach Zusammenhang „Haus“ oder „ein Haus“ bedeuten. Der bestimmte Artikel lautet im Singular meist an. Nach Präpositionen entstehen teils feste Verbindungen, und der Anlaut kann sich erneut verändern:

Verbindung Form Beispiel Bedeutung
i + an sa / san sa teach im Haus
de + an den den fhear von dem Mann
do + an don don bhean für die Frau
faoi + an faoin faoin mbord unter dem Tisch
ó + an ón ón siopa vom Laden
trí + an tríd an tríd an bpáirc durch den Park
andere häufige Verbindungen Präposition + an ag an doras, ar an mbord, leis an mbean an der Tür, auf dem Tisch, mit der Frau

Für A1 reicht es, die häufigen Wortgruppen wiederzuerkennen und als Einheit zu speichern. Die vollständigen Mutationsregeln bei Präposition plus Artikel sind ein eigenes A2-Thema. Außerdem gibt es regionale Unterschiede: Wo die Standardsprache nach Präposition und Artikel häufig Urú zeigt, hört oder liest man in manchen Dialekten Séimhiú.

Ort, Bewegung und Herkunft unterscheiden

Deutsch unterscheidet bei Wechselpräpositionen oft „wo?“ und „wohin?“ durch den Kasus: „im Haus“ gegenüber „ins Haus“. Im Irischen übernimmt nicht eine Endung allein diese Aufgabe. i kann sowohl einen Ort als auch eine Bewegung nach innen bezeichnen; Verb und Zusammenhang liefern den Unterschied:

  • Tá sí sa teach. – Sie ist im Haus.
  • Chuaigh sí isteach sa teach. – Sie ging ins Haus hinein.

Für ein Ziel verwendet man häufig go dtí „bis zu, nach“: go dtí an stáisiún „zum Bahnhof“. Das gehört nicht zur Kernliste dieses Artikels, verhindert aber einen typischen deutschen Übertragungsfehler: Nicht jedes deutsche „nach“ oder „zu“ wird automatisch mit do wiedergegeben.

Bei Herkunft helfen drei verschiedene Blickwinkel:

  • as bezeichnet eine Bewegung von innen nach außen: as an teach „aus dem Haus“.
  • ó bezeichnet einen Ausgangspunkt, eine Herkunft oder einen Zeitpunkt: ó Ghaillimh „aus Galway“, ó mhaidin „seit dem Morgen“.
  • de erscheint unter anderem bei Zugehörigkeit und Teilmengen: duine de mo chairde „einer meiner Freunde“. Auch manche festen Verbindungen verlangen de, etwa lán de dheatach „voller Rauch“.

Präpositionen vor Pronomen

Vor mé „ich“, tú „du“ oder sé „er“ bleibt die Präposition normalerweise nicht als separates Wort stehen. Präposition und Pronomen verschmelzen zu einem Präpositionalpronomen, also einer einzigen Form mit der Bedeutung „bei mir“, „mit dir“ und so weiter:

  • ag + mé → agam „bei mir“
  • ar + mé → orm „auf mir/an mir“
  • le + tú → leat „mit dir“
  • do + sé → dó „für ihn/ihm“

Darum sagt man Tá leabhar agam „Ich habe ein Buch“ und nicht wörtlich nach deutschem Muster „ein Buch ist bei ich“. Die vollständigen Reihen dieser Formen sind ein eigenes Lernthema; hier genügt zunächst die Einsicht, dass man Präposition und Personalpronomen nicht einfach nebeneinanderstellt.

Beispiele im Zusammenhang

Irisch Deutsch Hinweis
Tá mé ag an doras. Ich bin an der Tür. ag bezeichnet einen Aufenthaltsort.
Tá an fón ar an mbord. Das Handy liegt auf dem Tisch. Vorgegebene Kernform ar an mbord.
Tháinig an cat as an teach. Die Katze kam aus dem Haus. as: Bewegung von innen nach außen.
Tá an seomra lán de dheatach. Das Zimmer ist voller Rauch. Nach de: deatach → dheatach.
Thug mé bronntanas do Shíle. Ich gab Síle ein Geschenk. do nennt die Empfängerin; Síle → Shíle.
Tá an cat faoin mbord. Die Katze ist unter dem Tisch. faoi + an → faoin; danach steht hier Urú.
Tá siad ag caint faoi cheol. Sie sprechen über Musik. faoi kann ein Gesprächsthema bezeichnen.
Tá cónaí orm i dteach beag. Ich wohne in einem kleinen Haus. Nach i: teach → dteach.
Tá sí in Éirinn anois. Sie ist jetzt in Irland. Vor einem Vokal steht in.
Chuaigh mé ann le Máire. Ich ging mit Máire dorthin. le drückt Begleitung aus.
Tháinig sé ó Bhaile Átha Cliath. Er kam aus Dublin. Nach ó: Baile → Bhaile.
Nigh do lámha roimh dhinnéar. Wasch dir vor dem Abendessen die Hände. Nach roimh: dinnéar → dhinnéar.
Léim an madra thar an mballa. Der Hund sprang über die Mauer. Nach Präposition und Artikel steht hier Urú.
Shiúil muid tríd an bpáirc. Wir gingen durch den Park. trí + an → tríd an; páirc → bpáirc.
Chuaigh siad trí thollán fada. Sie gingen durch einen langen Tunnel. Nach trí: tollán → thollán.

Häufige Fehler

Nach i den Wortanfang unverändert lassen

  • Falsch: i teach
  • Richtig: i dteach
  • Warum: i löst vor einem passenden Konsonanten Urú aus. Die Form dteach wird dabei weiterhin als Variante von teach erkannt.

Nach jeder Präposition Séimhiú setzen

  • Falsch: le Mháire
  • Richtig: le Máire
  • Warum: le löst vor einem unbestimmten Nomen oder einem Eigennamen normalerweise kein Séimhiú aus. Dagegen ist es nach ó richtig: ó Bhaile Átha Cliath.

Die Mutation nach dem Artikel vergessen

  • Falsch: ar an bord
  • Richtig: ar an mbord
  • Warum: In der Standardsprache verursacht die Verbindung aus vielen einfachen Präpositionen und dem singularischen Artikel an häufig Urú. Diese Regel ist nicht identisch mit dem Muster ohne Artikel: ar bord und ar an mbord haben verschiedene grammatische Umgebungen.

de und do verwechseln

  • Falsch: Thug mé bronntanas de Shíle.
  • Richtig: Thug mé bronntanas do Shíle.
  • Warum: Eine Empfängerin oder einen Empfänger bezeichnet man hier mit do. de hat andere Aufgaben, etwa in duine de mo chairde „einer meiner Freunde“.

Präposition und Pronomen getrennt lassen

  • Falsch: le mé; ag mé
  • Richtig: liom; agam
  • Warum: Irische Präpositionen bilden mit Personalpronomen eigene gebeugte Formen. Diese müssen als Formenreihe gelernt werden.

Deutsches „zu“ automatisch mit do wiedergeben

  • Falsch: Téim do an stáisiún für „Ich gehe zum Bahnhof“
  • Richtig: Téim go dtí an stáisiún.
  • Warum: do bezeichnet oft Empfänger oder Zweck, ist aber keine universelle Zielpräposition. Für ein räumliches Ziel ist go dtí häufig die sichere Wahl.

Hinweise zum Gebrauch

Im gesprochenen Irisch sind Präpositionen besonders häufig, weil viele alltägliche Aussagen anders gebaut werden als im Deutschen. Besitz steht mit ag: Tá carr agam bedeutet wörtlich etwa „Ein Auto ist bei mir“. Gefühle und körperliche Zustände stehen oft mit ar: Tá áthas orm „Ich freue mich“, Tá ocras orm „Ich habe Hunger“. Vorlieben verwenden le: Is maith liom tae „Ich mag Tee“. Solche Wendungen sollte man als vollständige Satzmuster lernen.

Auch die Aussprache verändert sich mit der Schreibung. Das fh in einer lenierten Form ist meist stumm; faoi fhuinneog beginnt beim zweiten Wort daher nicht mit einem gesprochenen f. Beim Urú wird gewöhnlich der vorangestellte Laut gesprochen: In i dteach hört man den Anfangslaut von d, nicht den von t. Aufnahmen helfen hier mehr als das bloße Lesen der Buchstaben.

Irisch besitzt mehrere große Dialektgebiete. Besonders bei den Mutationen nach Präposition plus Artikel können sich Connacht-, Munster- und Ulsterformen unterscheiden. Für den Einstieg ist die Standardschreibung eine verlässliche gemeinsame Grundlage. Eine regionale Form ist nicht automatisch „schlechtes Irisch“; in eigenen Übungen sollte man die Systeme jedoch nicht wahllos mischen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen, wirst ihnen aber später häufig begegnen.

Erstens bewahren einige Mundarten nach Präpositionen ältere Dativformen. Der Dativ ist eine Kasusform, also eine besondere Gestalt eines Nomens in einer bestimmten Satzfunktion. In der modernen Standardsprache sind diese besonderen Formen stark zurückgegangen, doch feste Wendungen und regionale Texte können sie enthalten.

Zweitens können einfache Präpositionen zusammen mit Verbalsubstantiven neue Satzmuster bilden. Ein Verbalsubstantiv bezeichnet eine Tätigkeit wie ein Nomen und übernimmt im Irischen viele Aufgaben des deutschen Infinitivs. Am häufigsten ist ag + Verbalsubstantiv für eine gerade ablaufende Handlung: Tá mé ag léamh „Ich lese gerade“. le + Verbalsubstantiv kann Zweck ausdrücken, und trí + Verbalsubstantiv kann ein Mittel oder Verfahren nennen. Die Wortstellung mit einem direkten Objekt bringt weitere Regeln mit sich.

Drittens entstehen aus Nomen und einfachen Präpositionen zusammengesetzte Präpositionen wie in aice le „in der Nähe von“, os comhair „gegenüber“ oder tar éis „nach“. Sie funktionieren als mehrteilige Einheiten und können Genitivformen verlangen. Es lohnt sich, sie nicht in ihre deutschen Einzelwörter zu zerlegen.

Schließlich ist die Wahl zwischen de, do und ó nicht nur eine Frage räumlicher Bedeutung. Viele Verben und feste Ausdrücke verlangen eine bestimmte Präposition. Fortgeschrittene lernen daher nicht nur ein Verb, sondern die ganze Verbindung, etwa éist le „jemandem/etwas zuhören“ oder labhair faoi „über etwas sprechen“.

Übungstipps

  1. Lerne Dreiergruppen statt Einzelwörter. Notiere Präposition, Mutationsmuster und Beispiel zusammen: i – Urú – i dteach; ó – Séimhiú – ó Bhaile Átha Cliath; le – keine Mutation – le Máire. So wird der veränderte Anlaut Teil der Wortgruppe.

  2. Sortiere Beispiele nach Bedeutung. Zeichne für i, ar, faoi, as, ó eine kleine Skizze mit Haus, Tisch und Pfeilen. Formuliere dazu Sätze wie sa teach, ar an mbord und as an teach. Das ist zuverlässiger als das Auswendiglernen einer langen deutschen Übersetzungsliste.

  3. Sprich die Mutationen hörbar mit. Lies fünf kurze Paare laut: teach – i dteach, Baile – ó Bhaile, ceol – faoi cheol. Prüfe anschließend mit einer Aufnahme, welcher Anfangslaut tatsächlich gesprochen wird.

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